Disintegration: Mischung aus Echtzeitstrategie und Shooter in der Vorschau

Special Matti Sandqvist
Disintegration: Mischung aus Echtzeitstrategie und Shooter in der Vorschau
Quelle: Private Division

Auf der letztjährigen Gamescom konnten wir den Mehrspielermodus von Disintegration ausprobieren und waren durchaus begeistert. Nun hatten wir die Gelegenheit, uns die Einzelspielerkampagne des Taktik-Shooters anzuschauen. Was wir von der Kampagne halten, verraten wir euch in unserer Vorschau.

Mit Private Division hat Take-Two Interactive (Borderlands, Civilization, Grand Theft Auto) 2017 ein kleines Indie-Label aus der Taufe gehoben, das für hochkarätige Titel sorgen soll, die von eher kleinen Teams entwickelt werden. Zuletzt erschien das Rollenspiel The Outer Worlds, das federführend von den Schöpfern von Fallout 1 (1997) gemacht wurde und uns ein "ein wunderbar abgeranztes Sci-Fi-Setting, liebenswerte Figuren und stark geschriebene Dialoge voller Entscheidungsmöglichkeiten" bescherte. The Outer Worlds hatte aber eine große Ähnlichkeit mit den modernen Fallout-Ablegern, was unserem Tester Felix zwar an sich gut gefiel, zugleich bei ihm jedoch ein wenig den Eindruck hinterließ, dass die Entwickler zu sehr auf Nummer sicher gegangen sind. Als nächstes großes Projekt lässt Private Division den Halo-Mitschöpfer Marcus Lehto und sein Team bei V1 Interactive an Disintegration arbeiten. Dem Spiel sieht man grafisch so gleich die Nähe zu den Master-Chief-Abenteuern an, aber ansonsten haben wir nach einer virtuellen Präsentation der Singleplayer-Kampagne (Corona sei Dank) viel mehr das Gefühl, dass Lehto hier tatsächlich etwas erfrischend Neues machen möchte.

Austauschbare Geschichte

Disintegration entführt uns in eine nicht allzu entfernte Zukunft, in der die Welt wegen Umweltverschmutzung, Kriege, Pandemien und Krawallen kaum noch bewohnbar ist. Damit die Menschheit auf der Erde überhaupt überleben konnte, hatte man Roboterkörper entwickelt, in die man Gehirne hineinsteckt. Jener Prozess wird "Integration" genannt und war eigentlich als eine Zwischenlösung angedacht. Doch die Fraktion der sogenannten Rayonne mögen ihre neuen Blechbüchsenkörper so sehr, dass sie nun Jagd nach den letzten verbliebenen Menschen machen und ihnen eine Zwangs-Integration verpassen möchten. Die Robo-Liebhaber haben viel Erfolg bei ihrer Pirsch und so scheint es, als ob in Bälde eine Ära ganz ohne Menschen auf der Erde beginnen wird.
Unsere Teamkameraden sollten möglichst aus der Deckung schießen. Quelle: Private Division Unsere Teamkameraden sollten möglichst aus der Deckung schießen.
In der etwa zehn Stunden langen Kampagne von Disintegration schlüpfen wir in die Haut von Romer Shoal, einem ehemaligen Showmaster und Gravcycle-Piloten, der eine kleine Widerstandsgruppe anführt. Ursprünglich hatte Romer für Black Shuck gearbeitet und Gravcycles für ihn repariert. Als dem Fiesling aber auffiel, dass unser Held die schwer bewaffneten Schwebe-Motorräder an Widerständler verkauft, nimmt er es sehr persönlich und schwört Rache. Da Romer nun mal ein geübter Gravcycle-Pilot ist, schnappt er sich eines der Räder, sammelt ein Team von Outlaws um sich und führt ein Guerilla-Krieg gegen seine Nemesis. Das Ziel unseres Helden ist aber nicht nur, Black Shuck die Leviten zu lesen, sondern ebenso die "Disintegration" der Menschheit aufzuhalten.

Frische Gameplay-Brise

Zugegeben, das Setting und auch die Handlung von Disintegration hören sich weder spektakulär noch erfrischend anders an. Wo das Spiel jedoch punktet, ist bei seinem Gameplay. Lehto und sein Team wollen nämlich eine Mischung aus einem Ego-Shooter und einem Echtzeitstrategie-Spiel abliefern, in der wir uns auf den Sattel eines mächtigen Gravcyles setzen und unseren Outlaw-Blechbüchsen aus der Luft simple Befehle geben. Unsere Teammitglieder lassen sich grob in Klassen wie Support oder Tank einteilen und verfügen auch über entsprechende Spezialfähigkeiten - so kann man beispielsweise Mörserfeuer anfordern oder Schutzschilde aufstellen lassen. Jede Fähigkeit hat aber natürlich auch eine Cool-Down-Phase, sodass man schwere Attacken nicht einfach spammen kann. Den Mehrspielermodus für bis zu zehn Spieler konnten wir bereits auf der letztjährigen Gamescom in Köln ausprobieren und waren von dem neuartigem Gameplay durchaus begeistert.

In der virtuellen Präsentation bekamen wir nun eine etwa halbstündige Mission zu sehen, die ungefähr in der Mitte der Kampagne angesiedelt ist. Unser Held ist mit seiner Gruppe in einer Stadt unterwegs, um sich mit anderen Outlaws zu treffen. Ein wenig auffällig war, dass Romer selbst die meisten Feinde wegen seiner starken Bewaffnung ausgeschaltet hat und die Teammitglieder meistens eher dadurch auffielen, dass sie nach wenigen Treffern schon umfielen. Trotzdem konnten wir schon beobachten, dass die vielen unterschiedlichen Spezialfähigkeiten der Outlaws nützlich sind, etwa die Schutzschilde oder gezielte Mörserschläge gegen größere Ansammlungen von Feinden. Auch die Gegner-KI schien in Ordnung zu gehen, so griffen die Fieslinge Romers Gruppe gerne von der Flanke an und nahmen vor allem die geschwächten Teammitglieder aufs Korn. Im Gegensatz zum Mehrspielermodus können wir in der Kampagne aber die Zeit verlangsamen, wodurch man deutlich mehr Zeit hat, sich eine passende Taktik auszudenken.
Mit Mörserschlägen können wir Gegnergruppen recht leicht auseinander nehmen. Die Spezialfähigkeiten haben aber Cooldowns. Quelle: Private Division Mit Mörserschlägen können wir Gegnergruppen recht leicht auseinander nehmen. Die Spezialfähigkeiten haben aber Cooldowns. Wie bereits erwähnt, soll die Kampagne eine Spieldauer von etwa zehn Stunden haben. Zum Weiterspielen wird aber nicht die - unserer Meinung nach etwas austauschbare - Geschichte beitragen, sondern auch das Sammeln von Materialien in den Missionen, mit denen wir dann unsere Outlaws verbessern. Ob das nun gepaart mit der eher durchschnittlichen Grafik für eine grandiose Kampagnenerfahrung ausreicht, da haben wir noch ein wenig Zweifel. Vielmehr haben wir aktuell das Gefühl, dass Disintegration den Singleplayer-Modus als eine Art langes Tutorial für die von uns bereits als sehr spaßig empfundenen Multiplayer-Gefechte angedacht hat. Das finden wir aber gar nicht verkehrt, denn das Gameplay ist unterscheidet sich nun einmal stark von anderen Mehrspielertiteln und man braucht eine Weile, bis man die Blechbüchsen optimal auf den Schlachtfeldern einsetzt. Nun sind wir gespannt, wann Disintegration im Laufe dieses Jahres erscheinen wird und ob nicht doch auch noch Versionen für die PS5 beziehungsweise Xbox One Series X angedacht sind.

Meinung

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