Diablo 4 im Test + Video: Jetzt mit Wertung - Für Diablo bricht ein neues Zeitalter an

Test Felix Schütz
Diablo 4 im Test + Video: Jetzt mit Wertung - Für Diablo bricht ein neues Zeitalter an
Quelle: PC Games

Die Zukunft von Diablo ist da, online, weitläufig und herrlich düster! Aber steckt unter der Haube immer noch das gleiche, unverwüstliche Spielprinzip? Motiviert das Endgame, kann die Story überzeugen - und was machen eigentlich Solo-Spieler? Das alles und mehr klären wir im großen Test zu Diablo 4.

Die mittelalterliche Open World ist weitläufig und wirkt schön organisch. Aber ist sie auch originell oder abwechslungsreich? Leider nicht. Es gibt mehrere Settings wie verschneite Gebirge, Sümpfe, Wüsten oder Küstengebiete, allesamt stimmungsvoll, aber letztendlich auch wahnsinnig trist gestaltet. Klar, die Fans wollten es mal wieder richtig düster haben - aber es stellt sich schon die Frage, ob Blizzard bei dem Versuch, den bunten Comic-Look von Diablo 3 abzustreifen, nicht ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen ist. Die Dörfer und Städte sind zwar wunderbar detailreich, doch die meisten Landschaften wirken dagegen so trostlos, dass sie einfach nicht im Gedächtnis bleibt.

Trotzdem ist die Atmosphäre hervorragend gelungen, was auch der orchestralen, melancholischen Musikuntermalung zu verdanken ist. Die hält sich zwar mit großen, eindringlichen Melodien zurück, passt aber gerade deshalb so gut zum Spiel. Auch die deutschen Sprecher sind überwiegend gut gewählt und machen einen sauberen Job - auch wenn die englischen Stimmen im direkten Vergleich wieder mal die bessere Wahl sind. Umso besser, dass ihr euch im Optionsmenü die Text- und Audiosprache beliebig zusammenstellen könnt.

Diablo 4 im Test: Jetzt mit Wertung - Blizzard liefert mächtig ab Quelle: PC Games

Nicht ohne mein Pferd!

Das Erkunden der Open World kann sich anfangs noch ein bisschen zäh anfühlen, weil ihr lange Zeit nur zu Fuß unterwegs seid. Das Pferd wird erst spät in der Hauptquest freigeschaltet, ist danach aber im Dauereinsatz. Vom Sattel aus erkundet man nicht nur viel schneller, sondern reitet auch problemlos an Gegnern vorbei und die Kamera zoomt noch ein gutes Stück weiter heraus. Das ist ideal, um Nebenquests zu erledigen, Dungeons zu besuchen oder die Altäre von Lilith zu entdecken - das sind massenhaft Statuen, die euch einen dauerhaften passiven Bonus verpassen und gut in der Spielwelt versteckt sind. Die Suche lohnt sich, kostet zu Fuß aber einfach zu viel Zeit. Darum unser Tipp: Einfach die Hauptquest weiterspielen und auf das Pferd warten, damit macht auch das Erkunden mehr Spaß.

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Gemeinsam alleine

Egal wie man die Welt durchstreift, unterwegs stößt man immer wieder auf kleine Events. Die lassen sich zwar locker auch alleine schaffen, allerdings können sich hier auch andere Spieler einklinken, wenn sie gerade in der Nähe sind und Lust darauf haben. Das kann man sich nicht aussuchen, allerdings braucht man dafür auch nicht extra Gruppen zu bilden. Levelunterschiede spielen keine Rolle, ihr könnt also einfach gemeinsam draufloskloppen, am Schluss bekommen ohnehin alle ihre passende Beute vor die Füße geworfen. Egal ob alleine oder im Team, die Events sind spaßig und manchmal auch ganz schön knackig, wenn man das Bonusziel erreichen will. Da muss man zum Beispiel unter Zeitdruck dämonische Beschwörungen verhindern, Monsterseelen sammeln, Händler beschützen und so weiter. Das sorgt für einen schönen Beutekick, allerdings wiederholen sich die Ereignisse nach einer Weile einfach zu oft. Für so ein umfangreiches Spiel hätte Blizzard hier ruhig etwas mehr liefern können. Also Daumen drücken, dass künftige Patches hier noch etwas nachschieben.

Bei Events können jederzeit andere Spieler mitmischen, wenn sie das wollen. Quelle: PC Games Bei Events können jederzeit andere Spieler mitmischen, wenn sie das wollen. Und da wir gerade die Mitspieler erwähnt haben: Denen könnt ihr zwar an vielen Orten, aber natürlich nicht überall begegnen. In Story-Arealen seid ihr zum Beispiel allein unterwegs und auch in Dungeons werdet ihr nur die Spieler antreffen, die gerade in eurer Gruppe sind, ansonsten habt ihr das Gewölbe immer für euch. Die meisten Spieler werdet ihr in Dörfern und Städten treffen, wo sich dann auch mal kleine Trauben vor wichtigen Händlern bilden können. In der Open World sorgt das Spiel aber automatisch dafür, dass ihr in einem Gebiet nur wenige Helden antreffen werdet, der Rest wird einfach in einen anderen "Layer" verfrachtet. Das erzeugt hin und wieder merkwürdige Momente, beispielsweise wenn ein anderer Spieler plötzlich beim Gebietsübergang verschwindet. Oder wenn sich der Weltenzustand nach einer Story-Quest ändert und plötzlich Mitspieler durch eine Zone flitzen, in der Sekunden zuvor noch niemand war. Andererseits bleibt so sichergestellt, dass ihr die Spielwelt weitestgehend für euch habt und sich niemand in die Quere kommt. Eine Option, alle anderen Spieler einfach auszublenden, gibt's aber genauso wenig wie klassischen Singleplayer. Diese Offline-Zeiten sind für Diablo wohl einfach vorbei.

Diablo 4 ist im Kern ein MMO, hin und wieder begegnet ihr anderen Spielern. Quelle: PC Games Diablo 4 ist im Kern ein MMO, hin und wieder begegnet ihr anderen Spielern.

Guter Ruf ist alles

Bei euren Streifzügen solltet ihr auch unbedingt die Stützpunkte ausprobieren, die haben uns im Test nämlich allesamt gut gefallen. Das sind besondere, kleine Herausforderungsgebiete, die ein paar Level über eurer Stufe liegen. Da muss man dann zum Beispiel ein Ritual stoppen, eine Festung stürmen oder Gefangene befreien, und am Ende gibt's dann meistens noch einen netten Bosskampf. Danach wird das Areal erobert und der Stützpunkt verschwindet von der Karte - diese Inhalte könnt ihr pro Charakter also wirklich nur einmal machen.

Wer Nebenaufgaben macht, Lilith-Statuen findet und dazu noch fleißig erkundet, erhält dafür Regionsfortschritt. Der ist ein bisschen ungeschickt im Kartenmenü versteckt, aber sehr wichtig, schon allein weil ihr damit eure Trankkapazität dauerhaft erhöht. Und es macht eben doch einen gewaltigen Unterschied, ob man mit vier oder neun Flaschen Heilsaft in den Endkampf stolpert. Darum unser Tipp: Erledigt In jeder Region ein paar Nebenaktivitäten und sammelt genügend Rufpunkte, um das Tränke-Upgrade freizuschalten, bevor ihr euch gleich in die nächste Zone stürzt. Es ist aber definitiv nicht nötig oder ratsam, gleich alles auf einen Schlag zu machen - dafür habt ihr im Endgame nämlich noch alle Zeit der Welt.

Die Dungeons sind schön düster, aber auf Dauer auch eintönig. Quelle: PC Games Die Dungeons sind schön düster, aber auf Dauer auch eintönig.

Die Sache mit den Dungeons

Anders als in Diablo 2 ist die Oberwelt diesmal komplett von Hand gemacht und damit fest vorgegeben. Aber: Das gilt nicht für die rund 150 zufallsgenerierten Dungeons. Eine kolossale Menge, aber wie so oft geht die Masse leider etwas auf Kosten der Klasse. Das Dungeon-Layout mag zwar zufällig sein, doch letztendlich läuft es meistens doch nur darauf hinaus, dass man sich durch einen langen Gang kämpft, irgendwann vor einer verschlossenen Tür steht und dann zwei Schlüssel finden oder etwas zerstören muss, um den Weg zum Boss öffnen. Es gibt zwar auch mal kleine Events und Lore-Schnipsel, aber so richtig einprägsam war leider nix davon. Immerhin, die Dungeons sehen gut aus und sind schön düster geraten. Doch unterm Strich fehlt es hier einfach an Überraschungen und kreativen Einfällen. Das Einzige, was uns da wirklich mal aus dem Konzept gebracht hat, war noch der Butcher, der hier als zufälliger Miniboss spawnen kann und wirklich brutal austeilt - von solchen Ideen hätte es aber ruhig noch mehr sein dürfen.

Die üblichen Verdächtigen

Zum Launch bietet Diablo 4 fünf bewährte Klassen: Barbar, Totenbeschwörer, Zauberer, Druide und Jäger. Für den Anfang ist das Angebot zwar voll in Ordnung, auch wenn wir eine Heldenfigur mit brandneuem Design vermissen - man denke nur mal an den ungewöhnlichen Hexendoktor aus Diablo 3. Auch auf Paladine oder Kreuzritter müssen wir vorerst verzichten. Wir gehen aber jede Wette ein, dass eine Ritterklasse mit einem Add-on nachgeliefert wird.

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