Diablo 4 im Test + Video: Jetzt mit Wertung - Für Diablo bricht ein neues Zeitalter an
Test
Die Zukunft von Diablo ist da, online, weitläufig und herrlich düster! Aber steckt unter der Haube immer noch das gleiche, unverwüstliche Spielprinzip? Motiviert das Endgame, kann die Story überzeugen - und was machen eigentlich Solo-Spieler? Das alles und mehr klären wir im großen Test zu Diablo 4.
Das Wichtigste stimmt aber schon jetzt: Alle fünf Helden machen richtig Spaß und fühlen sich mächtig an. Ganz egal ob man Wirbelattacken, Eisblitze, Pfeilhagel oder Giftflüche raushaut, es kracht, blitzt und rumst so wuchtig, wie man es von einem modernen Diablo erwarten kann. Die hübschen Effekte, weichen Animationen und vielen zerstörbaren Objekte und Physikspielereien sorgen für ein sattes Trefferfeedback. Und die Action fühlt sich auch deutlich dynamischer an als früher, was vor allem an der neuen Fluchtbewegung liegt, die nun jede Klasse nutzen kann. Mit einem Tastendruck weicht ihr da feindlichen Attacken aus oder bringt euch flott in eine bessere Angriffsposition - eine simple Neuerung, die sich aber stark aufs Spielgefühl auswirkt, ganz besonders in Bosskämpfen, in denen man immer in Bewegung bleiben sollte. Dass das Balancing zwischen den Klassen noch nicht ganz rund ist und manche Fähigkeiten stärker wirken als andere - geschenkt. Dafür gibt es Patches, die ersten sind bereits erschienen.
Stärke und Macht
Diablo-Kenner werden schnell merken, dass es nicht mehr nur darum geht, möglichst viel Schaden pro Klick auszuteilen. Viele Fähigkeiten können beim Gegner nun verschiedene Zustände auslösen, wie betäubt, verwundet, verlangsamt, brennend und so weiter. Und für diese Zustände gibt es dann wieder weitere Schadensboni. Zum Beispiel könnt ihr den Zauberer so skillen, dass er Gegner zuerst unterkühlt und ihnen erst dann mit dem zweiten Treffer, der einen Gefroren-Effekt auslöst, so richtig den Rest gibt.
Quelle: PC Games
Selbst bei Bossen geht es nicht mehr darum, ihm einfach nur die Lebenspunkte wegzudreschen. Stattdessen befindet sich unter der Lebensanzeige nun einen weiteren Balken, der sich füllt, wenn ihr genügend Treffer landet. Ist der Balken voll, wird der Boss kurzzeitig betäubt und kassiert dann in einem sehr kurzen Zeitfenster massig Schaden, bevor es in die nächste Kampfphase geht. Wer hier also gutes Timing beweist, kann viele Bosse schnell auf die Matte schicken - oder den Sieg unnötig rauszögern.
Beute satt
Natürlich wäre es aber kein Diablo ohne Berge an Loot. Schnell hat man da Unmengen an blauen, gelben und legendären Items eingesackt, die euch wie gewohnt jede Menge Statusboni verpassen. Manche Items liefern auch besondere Eigenschaften, indem sie eure Talente verändern oder verbessern - unverzichtbar für einen starken Build! Grüne Set-Gegenstände gibt es allerdings noch nicht, die will Blizzard erst zu einem späteren Zeitpunkt nachliefern. Für den Anfang werdet ihr aber auch so schon genug zu tun haben, denn in Diablo 4 wimmelt es nur so vor Affixen und Werten. Da muss man nur mal einen Blick in den Charakterbogen werfen - allein was sich hier alles an unterschiedlichen Schadensarten tummelt, geht weit über die Vorgänger hinaus. Vieles wird zwar gut in Tooltipps erklärt, doch ein paar Features und Werte (wir gucken dich an, Glückstreffer!) und die Berechnung dahinter muss man sich schlichtweg selbst zusammenreimen. Das betrifft allerdings nur Profis; wer Diablo einfach nur spielen will, ohne daraus eine Wissenschaft zu machen, kann sich die ganzen Details schenken und einfach so lange Klicken, bis der Gegner umfällt.
Quelle: PC Games
Mit ordentlich Loot und einem soliden Talentbaum entwickelt ihr eure Helden weiter.
Wer die Vorgänger gespielt hat, erkennt schnell: Die gelben und legendären Items haben einen etwas anderen Stellenwert als in anderen Diablo-Teilen. Aus legendärer Beute könnt ihr nämlich ihre besondere Eigenschaft extrahieren, wenn ihr wollt. Dabei wird das Item zerstört und der legendäre Effekt wird zu einem Aspekt umgewandelt, der dann in einen eigenen Reiter im Inventar wandert. Und diese Aspekte könnt ihr dann auf einen x-beliebigen gelben oder anderen legendären Gegenstand übertragen. Hier kommen dann auch wieder die Dungeons ins Spiel, denn wenn ihr einen das erste Mal abschließt, schaltet ihr auch dafür eine legendäre Eigenschaft frei. Und die könnt ihr dann genauso wie Aspekte auf eure Ausrüstung anwenden und euch so neue, eigene Legendarys bauen. Und natürlich könnt ihr eure Items auch wieder sockeln und unliebsame Affixe lassen sich unkompliziert neu auswürfeln. Das kennt man alles schon aus Diablo 3, ist aber immer noch sehr praktisch.
Crafting und Itemverwaltung gehen gut von der Hand, denn das Interface ist überwiegend bequem. Zum Beispiel könnt ihr Gegenstände im Inventar einfach als Schrott markieren und so blitzschnell zerlegen oder verkaufen. Auch eine Sortierfunktion ist diesmal an Bord. Und weil das Inventar angenehm groß ausfällt, ist Diablo 4 aus unserer Sicht sogar der Teil, in dem man am wenigsten Zeit im Rucksack verplempert, obwohl man hier effektiv mehr zu tun hat als früher - also ein klarer Pluspunkt.
Quelle: PC Games
Das Beutesystem ist Diablo-typisch gut, ihr müsst diesmal aber mehr Eigenschaften und Affixe überblicken als früher.
Die Unmengen an Edelsteinen, die man unterwegs erbeutet, haben uns dafür weniger überzeugt. Am Grundprinzip ändert sich nichts: Die Steinchen kann man wie gewohnt in Sockelfassungen einsetzen und so ein paar Boni einstreichen. Sie haben also definitiv ihren Nutzen, sind aktuell aber einfach noch ziemlich unspannend - auch weil nur wenige Steine pro Klasse wirklich nützlich sind. Da merkt man leider, dass Blizzard eigentlich ein viel cooleres Runensystem für die Sockelfassungen geplant hatte, das aber nicht rechtzeitig zum Launch fertig wurde. Es soll zwar zu einem späteren Zeitpunkt nachgeliefert werden, doch bis dahin hinterlässt es eine Lücke, die man dem Spiel anmerkt.
Held müsste man sein
Zum Glück hat die Charakterentwicklung aber noch mehr zu bieten, die verteilt sich diesmal nämlich auf drei Säulen. Die erste ist natürlich die Beute mit den legendären Eigenschaften, die eure Basistalente verändern - also ähnlich wie in Diablo 3. Die zweite Säule ist das Talentbaumsystem, das im Vorgängerspiel noch gefehlt hat. Hier legt ihr die Grundrichtung für eure Klasse fest. Der Skilltree wirkt simpel, ist aber ziemlich clever aufgebaut, weil alles in Gruppen unterteilt ist. Ganz oben stehen die Basisfertigkeiten zur Ressourcengewinnung, danach schaltet man Kerntalente, defensive Skills, Beschwörungen, ultimative Fähigkeiten und so weiter frei. Das lädt zum Experimentieren ein. Als Zauberer kann man zum Beispiel Feuer- und Blitzmagie kombinieren, bis man vielleicht irgendwann merkt, dass Eistalente doch etwas cooler sind. Dann könnt ihr das Ganze einfach mit einem Klick zurücksetzen und eure Skillpunkte umverteilen. Dafür müsst ihr zwar einiges bezahlen, aber wer ganz normal spielt und ab und zu seine überschüssige Beute verkauft, sollte spätestens zum Endgame dermaßen in Gold schwimmen, dass diese Kosten überhaupt keine Rolle mehr spielen. Darum unser Tipp: Nutzt die Respec-Funktion großzügig, verteilt die Punkte nach Herzenslust um und probiert die ganzen Skills aus - es gibt nämlich überhaupt keinen Grund, sich früh auf irgendeinen Build festzulegen.
Das neue Paragonsystem
Erst wenn ihr Level 50 erreicht, solltet ihr so langsam wissen, wohin die Reise geht. Ab hier wird nämlich die dritte Säule für eure Klasse freigeschaltet, und zwar das runderneuerte Paragon-System. Ab hier kommen die Aufstiege langsamer, dafür erhaltet ihr pro Level aber auch vier Paragonpunkte. Und das geht dann so bis zur Maximalstufe 100. Die Paragonmacht hat also eine Obergrenze und ihr könnt nicht mehr endlos vor euch hinleveln wie in Diablo 3. Dafür gibt's nun aber deutlich mehr zu tun als früher, laut Blizzard soll man gute 170 Stunden bis zur Maximalstufe einplanen. Im Paragonsystem beginnt ihr auf einem überschaubaren Startbrett, wo ihr aber schon jede Menge Glyphen vorfindet, die ihr mit Punkten freischalten könnt. Manche dieser Glyphen geben eben euch nur lahme Statusboni wie +5 Intelligenz oder sowas, andere liefern dafür deutlich wertvollere Effekte, die einen Build spürbar stärken können. So weit, so simpel. Es gibt aber noch Sockelfassungen, in die ihr eure eigenen Glyphen einpflanzen könnt, wenn ihr sie als Beute gefunden habt. Jede davon hat auch noch einen Wirkungsradius und erhält einen Bonus, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
