Devolver Digital: Ein Blick hinter die Fassade des punkigsten Spielepublishers der Welt
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Gewalt, Blut und Pixel sind die ersten drei Wörter, die in den Sinn kommen, wenn es um Publisher Devolver Digital geht. Dabei ist das amerikanische Studio gar nicht so beinhart, wie es den Anschein hat.
Sie treten auf Füße, nehmen kein Blatt vor den Mund, kritisieren laut ihre Konkurrenz und schlagen auch mal über die Stränge. Devolver Digital ist das Bad-Boy-Studio unter den Videospiel-Publishern, doch hinter dem punkigen Image schlägt ein weiches Herz für Indie-Spiele mit besonderen Ideen. Ja, Devolver ist trotz Harter-Typ-Einstellung eigentlich der Softie unter den Publishern. Dies mag zunächst überraschend klingen, denn sie sind vor allem für ihre großen und lauten Auftritte bekannt, die in der Industrie sowohl für Schmunzeln als auch für Aufregung sorgen. Ab 2017 fand parallel zur E3 bis zuletzt die Big Fancy Press Conference statt, gefolgt von der Devolver Digital, in der sie neben Spielvorstellungen einen Großteil des Showcases damit verbrachten, sich über andere Publisher lustig zu machen.
Unter der Führung der Fake Persona Nina Struthers stellte Devolver Digital den Earliest Access vor, bei dem man Spiele bereits kaufen könne, noch bevor sie in Entwicklung sind. Und 2018 stellten sie einen Lootbox Coin vor, der seinen Preis im offiziellen Devolver-Shop in zufälligen Abständen ändert und Kryptowährungen und Lootboxen gleichermaßen parodierte.
Die vorab aufgenommenen Showcases fallen aber nicht nur durch ihre Sticheleien auf, sondern heben sich auch dadurch vom Einheitsbrei ab, dass sich die Protagonisten zwischendurch immer wieder anschreien und eine Menge Kunstblut spritzt.
Das Image hat sich Devolver aber nicht nur durch Auftritte in der Öffentlichkeit erarbeitet, sondern auch durch ihr Portfolio geprägt. In den ersten Jahren nach der Eröffnung 2009 konzentrierte sich das kleine Gründerteam von fünf Leuten auf wenige Titel, um nicht so viele Finanzierungen von außerhalb aufnehmen zu müssen.
Mitgründer Mike Wilson erzählte in einem Interview mit The Verge, dass man Angst hatte, sich zu abhängig von Investoren zu machen. In zwei Jahren tat Devolver Digital mit zwei Serious Sam HD Remakes einen vergleichsweise verhaltenen ersten Schritt in Richtung Publishing.
Serious Sam ist für blutige Action bekannt, noch mehr Pixelgewalt lieferte Devolver mit Hotline Miami. Gleichzeitig zeigten sie auch ihr Händchen dafür, interessante Ideen ausfindig zu machen und die Studios dahinter so zu unterstützen, dass erfolgreiche Spiele herauskommen.
Es ist nicht alles blutig, was pixelt
Ein Blick auf Devolvers Portfolio räumt dann aber mit dem Mythos des brutalen Pixel-Publishers schnell auf. Neben erfolgreichen Ballerorgien wie Broforce und der Shadow-Warrior-Serie finden sich bei ihnen auch Indie-Perlen, die einen ganz anderen Ton anschlagen.
Mit den ersten beiden Teilen der OlliOlli-Reihe publishte das Studio ein Skate-Spiel, das niedlicher war als die klassisch-coolen Arcade- und Simulationsspiele. Und mit Gris erschien ein zu Tränen rührendes Abenteuer, das die Trauer und den Verlust eines geliebten Menschen aufgreift und als Thema feinfühlig behandelt.
Quelle: Nomada Studio
Wie erfolgreich das ehemals kleine Team darin ist, gute Ideen zu erkennen und zu fördern, sieht man am rasanten Wachstum innerhalb der vergangenen Jahre. Mit fünf Personen gestartet, brachte es Devolver zum zehnjährigen Bestehen auf 16 Leute. In den vergangenen vier Jahren ist der Indie-Publisher auf über 40 Mann angewachsen, die über den ganzen Globus verstreut arbeiten.
Mit ihrem Sinn für das Besondere in Spielen steht das US-Unternehmen für eine Hausmarke, der man vertrauen kann. Wenn Devolver ein Spiel publisht, dann ist das ein Gütesiegel und statt 08/15-Content darf man sich erfahrungsgemäß auf ein Spielerlebnis freuen, das sich von bisher Dagewesenem abhebt.
