Devolver Digital: Ein Blick hinter die Fassade des punkigsten Spielepublishers der Welt
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Gewalt, Blut & Pixel sind die Wörter, die in den Sinn kommen, wenn es um Devolver Digital geht. Dabei ist das US-Studio gar nicht so beinhart, wie es scheint.
Substanze over Style
Mit der Einladung nach Paris zu einem Devolver-Digital-Event haben wir uns entsprechend auf das kommende Portfolio gefreut. Doch es kam Skepsis auf, als wir in der ersten Präsentation Karmazoo sahen, ein austauschbar wirkendes Multiplayerspiel. Der Kniff, dass es darum geht, einander zu helfen und es auch Punkte dafür gibt, sich für jemand anderen zu opfern, wirkte auf den ersten Blick nicht so weltbewegend, als dass sich das Hüpfspiel erfolgreich von Konkurrenten absetzen könnte. Aber genau das ist der Clou: Statt auf die Größe der Zielgruppe schaut Devolver auf die Innovation der Idee und auch auf die Inspiration dahinter. Im Gespräch erzählt uns Nadim Haddad, Creative Director bei Pastagames, dass die Idee durchs U-Bahn-Fahren entstanden ist. Genauer gesagt durch die Situation, wenn jemand einem die Tür aufhält, während man auf den Zug zu sprintet. "Kontext steuert Verhalten" und "Kontext erzeugt Rücksichtnahme" so Nadim Haddad.
Karmazoo macht das zu seinem Hauptprogramm und ist gewissermaßen der Small Talk unter den Spielen - positive Interaktionen mit Menschen, ohne anderweitige Verpflichtungen oder Konsequenzen. Das Konzept dahinter funktioniert erstaunlich gut und umso besser, wenn man weiß, wo es herkommt.
Von der Idee bis zur Umsetzung hat Pastagames grob fünf Jahre gebraucht und sich zwischendurch anderen Projekten gewidmet, bis sie Karmazoo in seiner Form am 20. April ankündigten.
Die Liebe zum Detail und die Ausgereiftheit kommt also nicht von ungefähr und es ist nicht verwunderlich, dass Nadim in den höchsten Tönen von Devolver Digital spricht, die dem Entwicklerstudio alle Freiheiten gelassen haben.
Das Konzept hinter Devolver Digital
Die Strategie ist denkbar simpel: Statt Forderungen zu stellen und auf Deadlines zu pochen, sieht sich Devolver als Ermöglicher und will Entwicklern den Raum geben, sich kreativ zu entfalten.
Im Interview mit Gameshub spricht Mitgründer Graeme Struthers davon, dass kreative Arbeit zumeist darunter leidet, wenn Druck vorherrscht. Die Arbeit eines Publishers sollte es sein, den Kreativen zu ermöglichen, wertvollen Output zu liefern, anstatt nur die Früchte der Arbeit einzustreichen.
Mit ihrem Anspruch, Entwicklerstudios auf Augenhöhe begegnen zu wollen, war Devolver Digital aber nicht Vorreiter. Schon früher gab es Versuche ein Unternehmen zu gründen, in dem es mehr um Spiele geht denn um Profit.
Bereits 1998 legten Teile des späteren Devolver Teams den Grundstein für den Publisher Gathering of Developers, der letztlich von Take Two übernommen und später dicht gemacht wurde. Ein zweiter Anlauf startete 2007 mit Gamecock, das Southpeak Games aufkaufte und später ebenfalls geschlossen wurde.
Mit Fokus auf Indie-Titel und Qualität statt Quantität waren diese ersten beiden Gehversuche ihrer Zeit voraus, denn in diesem Zeitraum war der Retail-Vertrieb von Spielen noch die Norm.
Um das Produkt über Datenträger an den Kunden zu bringen, ist eine größere Investition im Vorfeld nötig und die entsprechenden Finanzierungen machten die idealistisch motivierten Firmen für Übernahmen angreifbar. Mit Devolver setzten die Gründer stattdessen auf die stetig wachsende Verkaufsplattform Steam und setzten offensichtlich aufs richtige Pferd.
Dass es zuvor an den Umständen scheiterte und nicht an der vermeintlich realitätsfernen Vision, ein fairer Publisher zu sein, beweist die Firma seit 2009 eindrucksvoll.
Dem Team, das sich zum Teil selbst aus ehemaligen Entwicklern zusammensetzt, ist es wichtig, dass Lizenzen bei den Entwicklern verbleiben und versteht, was kreativen Köpfen wichtig ist. Bürokratische und logistische Prozesse, Marketing und Pressearbeit können der Spieleentwicklung im Weg stehen.
Mit Vertreiber-Plattformen wie Steam oder dem Playstation Store zu verhandeln, Showcases auf die Beine zu stellen oder Spiele in anderen Ländern zu vertreiben - all das stellt kleine Studios mit nur einer Handvoll Mitarbeitern vor ungeahnte Probleme. Und genau diese Hürden räumt Devolver aus dem Weg.
