Call of Duty: Advanced Warfare im Test: Technik und Multiplayer-Update

Test Matti Sandqvist
Call of Duty: Advanced Warfare im Test - Screenshots aus der PC-Version. (5)
Quelle: Activision

Die Call of Duty-Reihe war bisher vor allem Shooter, weniger erzählerisches Epos. Doch in Advanced Warfare übernimmt Hollywood-Star Kevin Spacey eine tragende Rolle und so könnte die Handlung theoretisch auf ein neues Niveau gehoben werden. Ob es tatsächlich der Fall ist und wie gut insgesamt die Einzelspielerkampagne geworden ist, sagen wir im Call of Duty: Advanced Warfare-Test - jetzt inklusive Multiplayer-Test und finaler Wertung!

Grafisch nicht überraschend

Optisch ist Advanced Warfare auf der Xbox One ungefähr auf demselben Level wie Vorgänger Ghosts. Für Next-Gen-Verhältnisse ist die Grafik zwar schön und je nach Mission relativ detailreich, aber zu den technisch aufwendigsten Spielen der neuen Generation gehört der aktuelle Ableger definitiv nicht und sieht zum Beispiel vor allem im ersten Drittel der Kampagne im Vergleich zu Battlefield 4 deutlich detailarmer aus. Man merkt jedoch in vielen Missionen, dass die Entwickler für Advanced Warfare mehr Zeit als für die Vorgänger hatten. So begeistert ein Kampf in den Eishöhlen der Antarktis mit einer sehr stimmungsvollen Beleuchtung und eine Mission auf Santorini in Griechenland bringt eine schöne Urlaubsatmosphäre auf den Bildschirm.

Wer sich mit den kleinen Schwächen abfinden kann und keine tiefgründige Handlung erwartet, bekommt mit Advanced Warfare eine gute Story und relativ viel Abwechslung geboten. Da es sich aber um den 11. Teil der Call of Duty-Serie handelt und sich das Gameplay seit dem ersten Modern Warfare kaum verändert hat, sollte man jedoch keine revolutionär andersartige Kampagne erwarten.

Call of Duty: Advanced Warfare - Grafikvergleich PC vs. PS4 vs. Xbox One

Mehrspielerspaß

An der Kürze der Kampagne hat sich auch in Call of Duty: Advanced Warfare nichts verändert, aber ebenso wenig am hohen Spaßfaktor der vielen Multiplayer-Modi. Da wir die diversen Varianten erst rund zehn Stunden spielen konnten und den echten Live-Betrieb im Internet noch nicht erlebt haben, wollen wir die Wertung erst in den nächsten Tagen nachliefern.

Grundsätzlich hat sich das Gameplay im Mehrspielermodus jedenfalls etwas verändert, da Advanced Warfare wegen der neuen Exo-Anzüge und ihrer Sprungeigenschaften viel an Vertikalität gewonnen hat. Zudem gibt es nun erstmals in der Seriengeschichte ein Loot-System. Ihr erhaltet in den Gefechten sogenannte Supplydrops, die euch besondere Waffen und das Aussehen veränderte Ausrüstungsteile in drei unterschiedlichen Wertigkeitskategorien geben. Die speziellen Schießeisen sind leichte Abwandlungen von den Standardwaffen und unterscheiden sich zumeist etwa um einen Punkt in der Feuerrate oder Genauigkeit. Wie es genau um das Balancing der Loot-Waffen gestellt, können wir erst nach einem ausgiebigen Mehrspielertest sagen - in der Theorie scheinen sie jedoch keine gravierenden Vorteile zu verschaffen. Wer übrigens befürchtet, dass nun Spieler durch einen Ingame-Shop an die speziellen Knarren kommen könnten, dem können wir beruhigen: Laut Sledgehammer Games hat man sich zwar noch keine genauen Gedanken über einen Ingame-Shop gemacht, aber falls Loot-Gegenstände verkauft werden sollen, dann nur welche, die die Optik verändern.

Die von uns bisher gespielten Karten und Modi waren allesamt interessant. Wir hatten stets das Gefühl, dass die Entwickler sich viele Gedanken über das Map-Design gemacht haben. Mit Uplink und Momentum sind zudem zwei brandneue Mehrspielervarianten dazugekommen, die vor allem Teamplay erfordern. So geht es in Uplink darum, dass man mit einer Art Kugel zu einem Satelliten-Upload im Startbereich des gegnerischen Teams laufen und diese in ein Portal befördern muss. In Momentum dagegen müssen die Teams festgelegte Fahnenpunkte auf der Karte zu erobern, die jedoch erst nacheinander freigeschaltet werden.

Wer nur ungerne gegen andere Spieler kämpft, kann im Koop-Modus spaßige, aber auch sehr herausfordernde Gefechte gegen Wellen von Gegnern bestreiten. Im Gegensatz zu den Vorgängern handelt es sich bei der Vier-Spieler-Koop-Variante jedoch um keinen Alien- oder Zombie-Modus, sondern um normale Kämpfe auf Varianten der Standard-Mehrspielerkarten. Wir kamen in diesem Modus nur mit Mühe und Not bis zur 21. Welle, obwohl wir uns stets gut mit unseren Kameraden abgesprochen haben - der Schwierigkeitsgrad ist also ziemlich hoch.

Update - Call of Duty: Modern Warfare - Mehrspielermodus

Wie bereits zuvor erwähnt, hat der Multiplayer-Part von Call of Duty: Advanced Warfare beim Review-Event einen richtig guten Ersteindruck bei uns hinterlassen. Nun haben wir ausgiebig unter Live-Bedinungen weitergespielt und wurden in unserem Urteil bestätigt: Der Mehrspielermodus ist zwar trotz Exo-Skelett, dem Loot-System und der neuen Vertikalität nicht revolutionär anders als der von Ghosts, aber trotzdem erfrischend genug, sodass man wieder gut und gerne bis in die frühen Morgenstunden an der virtuellen Nadel hängt. Mit Bugs und Lags hatten wir auf der Xbox One und auf dem PC während des Mehrspielertests nicht zu kämpfen.

The World of Tomorrow

Durch Doppelsprünge gewinnen die Matches an Vertikalität. Nun solltet ihr auch darauf achten, ob ein Gegner euch aus der Luft angreift. Quelle: Activision Durch Doppelsprünge gewinnen die Matches an Vertikalität. Nun solltet ihr auch darauf achten, ob ein Gegner euch aus der Luft angreift. Die Größte Neuerung für den Mehrspielerpart ist das Exo-Skelett. Mit dem futuristischen Anzug sind wir in der Lage einen Doppelsprung in der Luft zu machen und zudem stehen uns acht durch Level-Aufstiege freischaltbare Exo-Fägigkeiten zur Verfügung, die uns wie in Crysis 3 etwa für wenige Sekunden unsichtbar machen oder uns einen kurzzeitigen Temposchub geben.
Vor allem durch den Doppelsprung verändern sich die Matches radikal. Mussten wir in den Vorgängern meistens nur darauf achten, dass uns ein Gegner nicht von hinten oder von einem guten Versteck aus umnietet, sollte man in Advanced Warfare auch darauf achten, dass keine Gefahr von oben droht.

Postiv ist auch, dass man nicht nur einen Doppelsprung in der Luft machen kann, sondern zudem per Tastendruck nach links, rechts oder vorne einen Dash machen kann. Mit einem solchen Boost könnt ihr feindlichen Schüssen relativ einfach ausweichen und zudem noch weitere Strecken ohne Bodenberührung zurücklegen. In den von uns gespielten Matches hatten wir das Gefühl, dass deshalb wenige Sniper unterwegs waren - super!

Suchtmittel

Mit dem neuen Loot-System erhaltet ihr besondere Ausrüstungsgegenstände und Waffen. Quelle: PC Games Mit dem neuen Loot-System erhaltet ihr besondere Ausrüstungsgegenstände und Waffen. Eine andere Neuerung ist das Loot-System. Zum ersten Mal in der Seriengeschichte bekommt ihr durch eine Formel, die sich kryptisch aus Spielzeit und Erfolgen zusammensetzt, sogenannte Supplydrops, die euch Waffen und Ausrüstungsteile in drei Wertigkeitskategorien freischalten. Die Wummen sehen zum einen optisch anders aus als die Standardgewehre und unterschieden je nach Typ etwa in der Zielgenauigkeit und Schussrate, manche der Loot-Schießeisen haben zudem festmontierte Visiere oder sind mit einem extragroßen Magazin ausgestattet. Obendrein bekommt ihr auch neue Anzüge, Schuhe und Helme, die lediglich euer Aussehen verändern - wer länger spielt und so einen Großteil der Ausrüstungsgegenstände freigeschaltet hat, kann sein Alter-Ego optisch ziemlich drastisch verändern und ihn etwa fast wie einen Marvel-Comic-Held aussehen lassen.

Praktisch sind die Loot-Waffen insbesondere in der Klassenerstellung. Ähnlich wie im alten Pick-10-System dürft ihr in Advanced Warfare bis zu 13 Punkte für die Zusammenstellung eurer Waffen und deren Aufsätze, Wildcards, Exo-Fähigkeiten sowie Perks wie Drohen oder Warbirds verwenden. Da einige Loot-Wummen wie erwähnt bereits über ein Visier verfügen, könnt ihr so den einen oder anderen Punkt sparen.

Himmlische Pforten

Schade: Obwohl ihr manche Areale - insbesondere Dächer - theoretisch betreten könntet, verwehrt euch das Spiel den Zugang zu diesen Bereichen. Quelle: Activision Schade: Obwohl ihr manche Areale - insbesondere Dächer - theoretisch betreten könntet, verwehrt euch das Spiel den Zugang zu diesen Bereichen. Insgesamt gibt es im neuen Call of Duty 13 kleine bis mittelgroße Mehrspielerkarten, die vom Leveldesign her sehr gut sind und dafür sorgen, dass die Gefechte - wie bereits in den Vorgängern - mehr als rasant sind. Ein wenig schade ist jedoch, dass die durch die Exo-Skelette und ihre Jetpacks dazugekommene Vertikalität nicht vollends in den Karten ausgeschöpft wird. So können wir zum Beispiel in der verschneiten Landschaft von Bio Lab zwar auf die Dächer der Forschungsanlage steigen und von dort aus ziemlich gut geschützt auf die Gegner schießen, aber kommen dann nicht weiter nach oben, weil es eine künstliche vertikale Begrenzung gibt. Das gleiche trifft auch auf die anderen Maps zu, wobei das futuristische Ascend und die Mayatempel von Instinct uns zumindest das Gefühl geben, dass der Höhenunterschied zwischen den Arealen der Karten groß ist.

Optisch wirken die Mehrspielerkarten zwar abwechslungsreich - von Stadt- und Dschungel-Settings bis hin zu futuristischen Forschungslaboren ist alles dabei -, jedoch fehlt es unserer Meinung nach an Objekten wie zerstörten Fahrzeugen oder Bäumen, die keinen taktischen Nutzen haben, sondern nur der Optik dienen. Insgesamt hat man bei fast allen Karten den Eindruck, dass die Entwickler absichtlich die Landschaften relativ karg gestaltet haben, damit man in den rasanten Gefechten nicht zu sehr abgelenkt wird.

Im neuen Uplink-Modus müssen die Teams energiegeladene Kugel zu Knotenpunkten befördern. Die Herausforderung besteht darin, dass der Spieler mit der Kugel keine Waffe trägt. Quelle: PC Games Im neuen Uplink-Modus müssen die Teams energiegeladene Kugel zu Knotenpunkten befördern. Die Herausforderung besteht darin, dass der Spieler mit der Kugel keine Waffe trägt. Neben den neuen teambasierten Modi Uplink und Momentum könnt ihr auch Koop-Partien im beinharten Exo-Überlebenskampfmodus bestreiten. Bis zu vier Spieler kämpfen hierbei gegen 25 Wellen von Gegnern, die immer härter werden. Das Gameplay ist im Koop-Modus passend herausfordernd und setzt sehr viel Teamplay voraus. Einzig die Optik wirkt ein wenig lieblos, denn im Gegensatz zu Call of Duty: Ghosts oder Black Ops handelt es sich bei den Gegnern um ganz normale Feinde und nicht um Aliens oder Zombies.

Fazit

Zusammen mit der bombastisch inszenierten, jedoch kurz geraten sowie von der Handlung her oberflächlichen Kampagne und dem fetten Mehrspielerpart hat Sledge Hammer ein wirklich umfangreiches Paket für alle Ego-Shooter-Fans zusammengeschnürt. Wer Spaß an rasanten Gefechten auf eher kleinen Maps hat, wird dank des Loot-Systems und den vielen unterschiedlichen Multiplayer-Varianten für Monate gut beschäftigt sein.

Call of Duty: Modern Warfare im Video-Review

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