ZA/UM entlässt bis zu 32 Mitarbeiter. Zero Parades: For Dead Spies wurde zwar von Kritikern gelobt, verkaufte sich aber offenbar nicht gut genug.
Studio ZA/UM steht erneut vor Entlassungen. Nur zwei Monate nach dem Release von Zero Parades: For Dead Spies hat das Studio Kündigungs- oder Gefährdungsmitteilungen an bis zu 32 Mitarbeiter verschickt. Als Grund nennt ZA/UM die kommerzielle Leistung des Spiels. Obwohl Zero Parades von Kritikern positiv aufgenommen wurde, habe der Erfolg nicht gereicht, um ein Studio der aktuellen Größe zu erhalten.
Zero Parades hat nicht genug verkauft
Zero Parades: For Dead Spies (jetzt kaufen 36,89 € ) erschien am 21. Mai 2026 und stand von Beginn an unter enormem Druck. Es war das nächste große RPG von ZA/UM nach Disco Elysium, einem der wichtigsten Rollenspiele der letzten Jahre. Das Spiel musste obendrein ohne viele der prägenden Köpfe auskommen, die Disco Elysium ursprünglich mitgestaltet hatten. So schnitt Disco Elysium bei uns im Test ab.
Auf Metacritic liegt der Metascore bei 83 Punkten, was gar nicht übel ist. Viele Tests lobten das Writing, die politische und philosophische Tiefe, die Spionagegeschichte, verzweigte Entscheidungen und die Art, wie gescheiterte Würfelproben weiter in die Geschichte eingebunden werden. Auch Systeme wie Dramatic Encounters und Exert wurden als sinnvolle Weiterentwicklung der Disco-Elysium-Formel gesehen. Auf Steam wirkt die Lage ebenfalls nicht völlig schlecht. Dort steht Zero Parades aktuell bei sehr positiven Nutzerwertungen, mit über 80 Prozent positiven Reviews. Hm, es wirkt also nicht wie ein Spiel, das völlig gescheitert ist. Da gibt es viel schlimmere Beispiele.
Der Bruch zeigt sich aber beim Blick auf Metacritic. Dort liegt der User Score nur bei 6,1 und damit weit unter der Kritikerwertung. Mehrere Spieler sehen Zero Parades weniger als eigenes Werk und stärker als Versuch, die Disco-Elysium-Formel nachzubauen. Kritisiert werden eine schwächere Welt, weniger einprägsame Figuren, zu wenig eigene Identität und der Eindruck, dass ZA/UM ein vertrautes Gerüst ohne die alte kreative Seele wiederbeleben wollte. Ein Metacritic-Nutzer beschrieb das Spiel sinngemäß als funktionierendes Skelett ohne Seele und Talent des geistigen Vorgängers.
ZA/UM bleibt vom Disco-Elysium-Schatten verfolgt
Die aktuelle Entlassungsrunde trifft ein Studio, das schon seit Jahren von internen Konflikten, Trennungen und beschädigtem Vertrauen begleitet wird. Nach Disco Elysium verließen oder verloren mehrere Kreative das Studio. Einige dieser Trennungen wurden öffentlich, bitter und juristisch aufgeladen. Für viele Fans war ZA/UM danach nicht mehr einfach "das Studio hinter Disco Elysium", sondern ein Unternehmen, dem sie misstrauten.
Kein Wunder, dass Zero Parades noch mehr Druck auf sich geladen hat. Das Spiel musste nicht nur gut sein. Es musste eine feindselige oder zumindest skeptische Zielgruppe zurückgewinnen. Für ein textlastiges, politisches RPG ist das fatal, weil gerade diese Zielgruppe oft sehr genau verfolgt, wer ein Spiel schreibt, unter welchen Bedingungen es entsteht und ob ein Studio noch für dieselbe kreative Haltung steht.
Dass Zero Parades auf Steam trotzdem gut bewertet wird, spricht für die Arbeit vieler Entwickler im Team. Es zeigt, dass hier kein liebloses Produkt entstanden ist. Zugleich scheint gute Qualität allein nicht gereicht zu haben, um genügend Käufer zu erreichen. ZA/UM sagt selbst, dass die kommerzielle Leistung nicht ausgereicht habe, um die aktuelle Studiogröße zu halten.
Für viele betroffenen Mitarbeiter ist es einfach nur bitter. Viele von ihnen mussten ein Spiel unter schwierigen Voraussetzungen fertigstellen: im Schatten eines Meisterwerks, unter Misstrauen aus Teilen der Community und mit einem Studio-Namen, der inzwischen mehr Diskussionen auslöst als manche Spielsysteme. Am Ende trifft die wirtschaftliche Konsequenz aber nicht abstrakt "das Studio", sondern Menschen in allen Abteilungen. Habt ihr das Spiel bereits probiert? Wenn ja, wie fällt euer Urteil aus?
Quelle: PC Gamer
