World Racing

Test

Stellenweise sieht die Umgebung richtig hübsch aus. Stellenweise sieht die Umgebung richtig hübsch aus. Was macht ein gutes Rennspiel aus? Gute Grafik, eine nachvollziehbare Fahrphysik oder doch eher ein riesiger Umfang? Unsere Referenz Gran Turismo 3: A-Spec bietet all dies zusammen. Schaut man sich nun die Eckdaten von World Racing an, klingen diese ebenfalls recht vielversprechend: 109 originalgetreue Fahrzeuge aus dem Hause Mercedes-Benz, sieben Szenarien mit insgesamt 117 Strecken und die Möglichkeit, sich mit dem gewählten Fahrzeug völlig frei in den riesigen Landschaften zu bewegen. Ein umfangreicher Meisterschaftsmodus bietet erfreulich viel Abwechslung und so müssen Sie neben Rundkursrennen auch querfeldein durch die Pampa rasen oder auf Offroad-Strecken die Geländetauglichkeit Ihres Fahrzeugs unter Beweis stellen. Das umfangreiche Optionsmenü hält einige Überraschungen parat. So können Sie das Fahrverhalten auf einer Prozentskala sehr flexibel zwischen Arcade und Simulation variieren. Die Stärke der Gegner wird ebenfalls in Prozent eingestellt. Genau genommen wird bei World Racing fast alles in Prozent angegeben. Wohl dem, der im Mathe-Unterricht immer gut aufgepasst hat.

Verschenktes Potential
Die von Synetic entwickelte "3D-Landscape-Engine" ermöglichte es auf der Xbox, auf Erkundungstour zu gehen. Im Klartext hieß das, dass man sich einen beliebigen Punkt am Horizont suchen und auch tatsächlich dort hinfahren konnte. Das wurde zwar spielerisch nur selten genutzt, so konnte der Titel aber immerhin als Sightseeing-Simulation herhalten, wenn man gerade mal keine Lust auf ein Rennen hatte. Auf der PS2 ist dieses Feature leider nur noch eingeschränkt vorhanden. Die Sichtweite ist zwar durchaus akzeptabel, dennoch verhindern dicke Nebelschwaden eine wirklich schöne und vor allem weite Aussicht. So konzentriert man sich auf die eigentlichen Rennen und hier zeigen sich dann die Schwächen der Technik. Egal welchen Typ Rennen man gerade bestreitet, die PS2 muss immer die gesamte Umgebung auf den Bildschirm zaubern, was zudem eine recht happige Ladezeit mit sich bringt. Durch den starken Nebel wird die Konsole zwar ein wenig entlastet, dennoch bewegt sich die Framerate meist im Bereich von 25 Bildern pro Sekunde und fällt gelegentlich noch etwas ab. Schlimmer wiegt da die durchwachsene Qualität der Optik. Stellenweise wirken die Texturen wie Platzhalter, anderenorts kann man die Umgebung wohlwollend sogar als schön bezeichnen. Im Gesamteindruck macht die Grafik dennoch keine besonders gute Figur. Die Proportionen stimmen nicht und alles wirkt ziemlich willkürlich platziert. Die gelegentlichen Grafikfehler und das stark vereinfachte Beleuchtungssystem drücken die Wertung ebenfalls. Wieso angesichts dessen trotzdem noch verschwenderisch viele Flugzeuge, Hubschrauber und sogar UFOs am Himmel ihre Kreise ziehen, bleibt ein Rätsel.

Grafik ist nicht alles
Wen kümmert eine mittelprächtige Grafik, wenn das Fahrverhalten stimmt? Doch auch hier kann das Spiel nicht vollends überzeugen. Zwar darf man diverse Fahrhilfen zuschalten und das Fahrverhalten umfangreich anpassen, doch besonders glaubwürdig wirkt das Geschehen auf dem Bildschirm nie. Während kleinere und langsame Fahrzeuge sich noch relativ sicher über die Kurse dirigieren lassen, kommt bei schnelleren Fahrzeugen mit Heckantrieb schnell Frust auf. Selbst der zarteste Gasfuß kann nicht verhindern, dass die prinzipiell recht hübschen Modelle sehr sensibel reagieren und stark mit dem Heck ausbrechen. Bei richtigen PS-Monstern rutscht man von einer Leitplanke in die nächste und versucht verzweifelt, wenigstens geradeaus zu fahren. Die Wagen lassen Grip vermissen und vermitteln zu wenig Kontakt zur Straße. Die Fahrzeuge heben selbst bei kleineren Hindernissen schnell ab und drehen sich wild um die eigene Achse. Wenn man sich an das etwas eigenwillige Fahrmodell gewöhnt hat, fängt das eigentliche Spiel erst so richtig an. Etliche Rennen gilt es zu gewinnen oder wenigstens stilvoll zu
fahren. Ganz ähnlich wie in Project Gotham Racing (Xbox) kommt es nämlich nicht nur auf die Platzierung an. Gute Drifts oder saubere Überholmanöver bringen Punkte, deftige Crashs und unfaires Verhalten ziehen sie wieder ab. Nach jedem der teilweise recht langen Rennen bekommt man eine etwas undurchsichtige Aufstellung präsentiert - natürlich mit Prozentwerten. Trotz aller Bemühungen konnte die unübersichtliche Menüstruktur nicht mehr geändert werden. Selten zuvor hat man sich so qualvoll durch einzelne Menüpunkte geklickt. Musikalisch gibt’s in erster Linie Techno auf die Ohren, was Geschmackssache bleibt. In jedem Fall enttäuschend ist der Sound. Alle Fahrzeuge haben den gleichen Grundsound, der lediglich je nach Fahrzeug in der Tonlage nach oben oder unten verändert wurde. Bei einem Spiel, das sich ganz auf eine Marke konzentriert, wäre hier mehr zu erwarten gewesen.

Bildergalerie

Wertung zu World Racing (PS2)

Wertung:

72 /10

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