Wolfenstein: The Old Blood: Test - Regime-Gemetzel in der Burg

Test Sascha Lohmüller
Wie schon im Hauptspiel lassen sich sogar Sturmgewehre und Schrotflinten im "Akimbo"-Modus nutzen. Sprich: Ihr haltet eine Knarre in jeder Hand. (PC)
Quelle: PC Games

Seit Anfang Maii 2015 ist das Add-on zu Wolfenstein: The New Order im Handel. Wir haben The Old Blood ausführlich getestet und verraten euch alles Wissenswerte.

Als Wolfenstein: The Old Blood Anfang März angekündigt wurde, waren viele überrascht. Mit einem Add-on zu The New Order hatten nur wenige gerechnet, mit einem Standalone-Prequel noch weniger. Nun, rund zwei Monate später, ist das Spiel bereits erschienen und wir stürzten uns selbstverständlich wieder in die Schlacht gegen das Regime – denn, das ist dann schon weniger überraschend, die deutsche Version ist natürlich wieder um verfassungsfeindliche Symbole und Aussagen gekürzt worden.

Anstelle von Hakenkreuzen und SS-Runen prangt auf Kisten, Bannern und Uniformen das Wolfenstein-Symbol und ihr kämpft als B.J. Blazkowicz eben nicht gegen Nazis, sondern schlicht das Regime. Und die begrüßen sich untereinander halt nicht mit ihren typischen Parolen, sondern mit neutraleren Äußerungen. Es gibt sicher Schlimmeres als derartige Schnitte, auch wenn einige Leute jetzt wieder das Indiana-Jones-Argument herauskramen dürften. Ansonsten ist der Titel aber wie schon das Hauptspiel trotz der teilweise recht deftigen Gewalt hierzulande ungekürzt, was uns dann doch ein wenig wundert. Aber gut, wir wollen uns natürlich auch nicht darüber beschweren.

Wolfenstein: The Old Blood - Burgenbesichtigung

Zu Beginn des Spiels versuchen wir noch, Burg Wolfenstein ohne viel Aufsehen zu infiltrieren. Klappt natürlich nicht lang. (PC) Quelle: PC Games Zu Beginn des Spiels versuchen wir noch, Burg Wolfenstein ohne viel Aufsehen zu infiltrieren. Klappt natürlich nicht lang. (PC) Storytechnisch ist The Old Blood vor den Ereignissen des Hauptspiels angesiedelt, aber bis auf eine lose Rahmenhandlung nicht mit den Geschehnissen von The New Order verknüpft. Ihr seid auf der Suche nach einer Regime-Akte, die nähere Informationen zur Lage von General Totenkopfs Geheimbasis enthält – ebenjene Basis, die ihr im ersten Level des Hauptspiels per Flugzeug ansteuert. Dies ist aber auch schon die einzige Verbindung zur Story von The New Order; die in zwei Teile und insgesamt neun Kapitel unterteilte Geschichte von The Old Blood funktioniert also auch alleinstehend auf hervorragende Art und Weise. Trotzdem: Gerade wenn man den doch etwas abrupten Auftakt des Hauptspiels im Hinterkopf behält, drängt sich der leise Verdacht auf, dass die beiden Add-on-Kampagnen womöglich irgendwann mal Teil des Hauptspiels waren und wieder der Schere zum Opfer fielen oder zumindest als DLC zum Release-Zeitraum geplant waren.

Die ersten fünf Kapitel der Story entführen euch in die ikonische und namensgebende Burg Wolfenstein – der erste offizielle Ausflug hierzulande an diesen Ort, wenn man so will –, und das vorgelagerte Paderborn, das wir allerdings nicht unbedingt als Bergdörfchen im Harz in Erinnerung hatten. Gerade die Gondelfahrt hinauf nach Wolfenstein, vorbei an der malerischen Siedlung ist ganz großes Ambiente-Kino. Selten zuvor wirkte eine Videospiel-Trutzburg gleichzeitig so beeindruckend wie bedrohlich, gerade im Kontrast zur Dorfidylle ein paar hundert Meter weiter im Tal.

Wie dem auch sei: Am Anfang infiltriert ihr mithilfe eures Partners Wesley die Festung, lernt den sadistischen Rudi Jäger – rechte Hand der Burgherrin Helga von Schabbs – näher kennen, als euch womöglich lieb ist, und flieht schlussendlich mit massivem Waffeneinsatz und ohne die Akte wieder gen Tal. Der jagt ihr nämlich auch in den vier Kapiteln des zweiten Story-Teils nach. Dort verschlägt es euch in das nahegelegene Wulfburg, wo von Schabbs eine archäologische Expedition anführt, um die Geheimnisse der Gruft von König Otto zu lüften. Wer übrigens mehr zu dieser Ausgrabung und der Story dahinter erfahren will, sollte die Augen nach Tagebucheinträgen, Briefen und Notizzetteln offenhalten. Anders als in The New Order erzählen diese nämlich nun größtenteils eine zusammenhängende Geschichte beziehungsweise befassen sich meist mit derselben Thematik.

Wolfenstein: The Old Blood - Die Schrecken des Krieges

Beklemmende Momente gibt es nicht so viele wie im Hauptspiel. Die Passage im Gefängnis gehört jedoch definitiv dazu. (PC) Quelle: PC Games Beklemmende Momente gibt es nicht so viele wie im Hauptspiel. Die Passage im Gefängnis gehört jedoch definitiv dazu. (PC) Inszenatorisch orientieren sich die Entwickler deutlich am Hauptspiel. Wer aufgrund des Ankündigungstrailers eine locker-lustige Atmosphäre erwartet hatte, vielleicht sogar einen ironisch-übertriebenen Shooter im Stile eines Serious Sam oder Duke, wird schnell eines Besseren belehrt: Auch The Old Blood ist größtenteils ernst, düster und mitunter sogar richtig beklemmend. Zwar blieben uns nicht mehr ganz so dicke Klöße im Hals stecken wie etwa in den KZ- oder Krankenhaus-Szenen von The New Order, aber vor allem der Gefängnislevel direkt nach dem Prolog bietet die ein oder andere doch recht bedrückende Situation. So hört ihr etwa aus einem Lüftungsschacht dabei zu, wie ein Gefangener den Wachhunden zum Fraß vorgeworfen wird und dabei panisch um Hilfe schreit, oder vernehmt die Rufe von Folteropfern in irgendwelchen Räumlichkeiten innerhalb der düsteren Gemäuer. Erst gegen Mitte des zweiten Story-Teils, also ab Kapitel 7 etwa, schlägt das Setting des Spiels eine etwas absurdere Richtung ein, die, ohne zu viel zu verraten, wieder einmal in übernatürliche Bereiche abdriftet und sich an einigen hierzulande indizierten oder gar beschlagnahmten Vorgängern orientiert.

Eines der vielen Easter-Eggs im Spiel: ein Plüsch-Cacodemon aus Doom. Gibt es übrigens auch im Bethesda-Shop. So ein Zufall! (PC) Quelle: PC Games Eines der vielen Easter-Eggs im Spiel: ein Plüsch-Cacodemon aus Doom. Gibt es übrigens auch im Bethesda-Shop. So ein Zufall! (PC) Hin und wieder lockern natürlich wie gehabt knackige One-Liner von B.J. oder witzig-skurrile Gags die düstere Stimmung auf – man sollte beispielsweise auf die zahlreichen Plakate achten, hier versteckt sich der ein oder andere wirklich gute Lacher. Wir konnten sogar einen "Grammar Nazi" im Spiel entdecken: Als wir uns an zwei Wachen anschlichen, verbesserte der eine ständig die Grammatik des anderen und wies darauf hin, dass er Wert auf korrekte Sprache lege. Derartige Einschübe von Humor kann man mögen, wir verstehen aber auch jeden, der solche Gegensätze als störend empfindet. Beim Thema Zweiter Weltkrieg hört für einige Menschen nun mal der Humor auf, für andere ist er genau bei einer solch schrecklichen Geschichtsperiode mehr denn je angebracht.

Wer die Umgebung genau absucht, entdeckt auch zahlreiche Easter Eggs, meist Anspielungen auf andere Bethesda-Titel. Wir stolperten beispielsweise über einen Dragonborn-Helm und eine Rüstung aus Skyrim sowie ein paar an die Wand gepinnte Screenshots aus älteren Teilen der Reihe, ein Kollege erspähte einen Plüsch-Cacodemon aus Doom und Fallout-Andeutungen wie einen Nuka-Cola-Automaten finden sich ebenfalls. Und wer sich über den Retro-Level im Hauptspiel gefreut hatte: Davon gibt es in The Old Blood gleich acht Stück, teilweise sehr gut versteckt. Nach wie vor reicht es aber, eine bestimmte Matratze anzuklicken, um in die Retro-Albträume abzudriften.

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