Test zu Wavey The Rocket: Unausstehliche Hip-Hop-Rakete

Test Tim Kühnl
Test zu Wavey The Rocket: Unausstehliche Hip-Hop-Rakete
Quelle: UpperRoom Games

Habt ihr euch auch schon mal eine Sinus-Welle angesehen und euch dabei gedacht "Wow, ist die spannend, daraus sollte man mal ein Spiel machen!"? Nein? Uns geht es ähnlich. Die Leute bei Upper Room Games scheinen auf das Auf und Ab des Kurvengraphs aber ganz schön abzufahren, denn in ihrem Erstlingswerk Wavey The Rocket dreht sich das gesamte Gameplay nur um die periodischen Wellen. Das funktioniert ... weniger gut, wie wir in unserem Test erklären.

Was hat Hip-Hop mit Raketen und harmonischen Schwingungen zu tun? Nein, die NASA hat sich nicht in National Ass Shaking Administration umbenannt und produziert nun twerkende, mit Goldketten behangene Mondraketen, sondern die Rede ist vom Indie-Titel Wavey The Rocket. Untermalt von einigen funky Old-School-Beats bewegt sich die namensgebende Rakete dort im periodischen Auf-und-Ab durch die Stages eines Geschicklichkeitsspiels. Kann das was werden?

Der Grundgedanke ist immerhin interessant: Die rhythmischen Ausschläge der Sinusfunktion könnten genau das richtige für ein kleines Musikspiel sein, das sich als Hommage an die Ursprünge des Hip-Hops in melodischen Beats mit Synthie-Einspielern versteht. Andere Geschicklichkeitsspiele vertrauen ja ebenso auf die Symbiose zwischen Gameplay und musischer Untermalung - und die wussten oft schon richtig zu beeindrucken, man denke nur an Vectronom oder Thumper. Wavey The Rocket kann sich in diese Liste an Indie-Wundern aber nicht einreihen. Leider.

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Aber fangen wir am Anfang an. Wavey The Rocket ist das erste vollwertige Spiel, dass das Vier-Mann-Team von Upper Room Games veröffentlicht. Zuvor hatten sich die Entwickler vor allem immer wieder an Game Jams beteiligt und so Erfahrungen im Videospielbereich gesammelt. Das merkt man auch durchgängig am Spiel, denn das wirkt genau so, als ob es das Ergebnis eines Game Jams gewesen wäre, welches nach einer 24-stündigen Entwicklungszeit noch um ein paar Levels erweitert wurde. In Anbetracht des geringen Budgets und des kleinen Teams kann man den Entwicklern dann nur zu ihrem Ergebnis gratulieren. Das Problem ist nur, in der Welt der echten Spiele, in der jeder Titel mit einer schier endlosen Zahl von ähnlichen Werken konkurriert, muss schon ein bisschen was geboten werden, um aus der Masse herauszustechen. Da kann Wavey nicht mithalten, sympathische Indie-Entwickler hin oder her.

Spielerisch schwach

Etwas Abwechslung gibt es in den Bossfights, die sind aber auch schnell wieder vorbei. Quelle: PC Games Etwas Abwechslung gibt es in den Bossfights, die sind aber auch schnell wieder vorbei. Also, was kann Wavey denn nun? Nun ja, in Wavey The Rocket spielt ihr Wavey die Rakete (duh) und schlängelt euch durch das Verschieben von Amplitude und Wellenlänge einer Sinus-Funktion von Level zu Level. Dabei gibt es natürlich nicht nur allerhand Hindernisse, denen wir aus dem Weg fliegen müssen, sondern auch Diamanten zum Einsammeln und einige Fieslinge, die uns an den Kragen wollen. Das Fliegen scheint anderen Spielern ganz gut zu gelingen, wenn man sich die Highscores für die einzelnen Level ansieht. Uns erging es dagegen richtig schlecht mit der Steuerung der Flugbahn. Auch nach einigen Stunden krachten wir bei jedem zweiten Versuch irgendwo gegen einen Balken und wurden zum letzten Checkpoint zurückgesetzt.

Ganz unschuldig an diesem Umstand ist das Spiel aber nicht. Das liegt zum einem an dem gewöhnungsbedürftigen Wechsel zwischen entspanntem Zusehen und schnellem Eingreifen. Häufig hat man die Welle richtig eingestellt und kann, abseits von ein paar Feinjustierungen hier und da, erstmal nur zusehen, wie die Rakete sich ihren Weg durch den Hindernisparcours bahnt; bis dann plötzlich die Wellenlänge und Amplitude komplett geändert werden müssen, um durch die nächste Lücke zu passen. Die Steuerung gestaltet sich für derartig hektische Manöver jedoch zu unpräzise. Dann braucht man für einen Level, der sich auch in einer Minute beenden ließe, mal eben 20 Minuten.

Es reicht mit 80s-Style

Das alles wäre ja noch halbwegs zu verkraften, wenn die Optik wenigstens hübsch anzusehen wäre. Ein schöner, passender Artstyle aus einem Guss könnte hier viel retten. Stattdessen ist Wavey The Rocket ein einziges Chaos aus neonfarbenen Grids, metallenen Robotern und goldenen Halsketten. Das gehört zwar zum 80s-Setting, schön anzusehen ist es aber nicht. Farblich passt da nichts zusammen, ganz abgesehen davon, dass den Look schon unzählige andere Spiele deutlich besser wiederaufleben ließen.

Quark mit Soße

Die Level sind in unterschieldichen Arealen angesiedelt, hier zum Beispiel in der Stadt. Quelle: PC Games Die Level sind in unterschieldichen Arealen angesiedelt, hier zum Beispiel in der Stadt. Da hilft auch die "Story" nichts. Die wird recht lieblos durch ein paar Sprechblasen hier und da erzählt. Im Mittelpunkt steht der prollige Protagonist Wavey die Rakete, der unbedingt irgendein Energy-Gesöff braucht und sich deshalb mit der EVIL Corporation anlegt. Leider bleibt es so dumm, wie es sich anhört. Wer sich die verblödeten Textboxen durchliest, kann förmlich spüren, wie einem langsam das Gehirn aus den Ohren tropft. Klar, die Geschichte nimmt sich selbst nicht ernst und will durch die dämlichen Dialoge etwas Unterhaltung aufkommen lassen. Die öde Präsentation ohne nennenswerte Charaktere scheitert daran jedoch kläglich. Da hätte es schon ordentlich Humor und eine interessantere Inszenierung gebraucht, um das spannend zu machen. Im Endeffekt schleppt man sich also ohne Motivation von einem Level zum nächsten und hofft, dass mal irgendwas Cooles passiert. Wie die Bossfights und Minispiele zum Beispiel.

Kleine Freuden

Neben Basketball gibt es auch einige andere Minispiele zum ausprobieren. Quelle: PC Games Neben Basketball gibt es auch einige andere Minispiele zum ausprobieren. Die Minispiele, die im Laufe der Story freigeschaltet werden, stellen eine willkommene Abwechslung dar. Unter ihnen finden sich Jahrmarkt-Klassiker wie Whack-A-Mole oder Shooting Hoops, nur, dass es die Highscores mit der Rakete zu schlagen gilt. Durch den kurzweiligen Unterhaltungswert und den wachsenden Ehrgeiz, die eigenen Bestleistungen zu überbieten, sind die Minispiele kleine Highlights des Spiels. Die Bosskämpfe bringen Gameplay-Twists mit sich und sind ebenso kurzweilig wie die Minispiele. Gut hat uns auch die Musik gefallen, die chilligen Hip-Hop-Beats laden immer wieder zum Mitwippen ein. Zum Gameplay passen sie dagegen mal mehr, mal weniger. Gerade wenn es mal hektisch auf dem Bildschirm wird, wirken die entspannten Klänge irgendwie fehl am Platz. Da hätte etwas mehr Variation nicht geschadet.

Alles in allem ist Wavey The Rocket wahrlich kein Meisterwerk. Es ist, mit Mühe und Not, ein Werk. Viel vorwerfen kann man den Entwicklern aber auch nicht: Als erstes Spiel eines vierköpfigen Teams lagen die Erwartungen ohnehin sehr niedrig, in Anbetracht der Umstände hätte es deutlich schlechter ausfallen können. Und irgendwo freut man sich doch auch immer, wenn es einer kleinen Gruppe gelingt, einfach ihr eigenes Ding durchzuziehen.

Wavey the Rocket ist für PC, PS4, Nintendo Switch und Xbox One erhältlich.

Meinung & Wertung

Meinung

Wertung zu Wavey the Rocket (PC)

Wertung:

4.0 /10
Pro & Contra
Ganz gute MusikNette BosskämpfeSpaßige Minigames
Uneingängige SteuerungLangweilige LevelÖdes GameplayÜberfrachtetes DesignBescheuerte Story
Fazit

Wavey The Rocket hat freshe Tunes und einen interessanten Gameplay-Ansatz, leider macht das Ergebnis trotzdem keinen Spaß.

Bildergalerie

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