Wargaming: Warum sich das Unternehmen nicht positioniert

Special Dominik Pache
Wargaming: Warum sich das Unternehmen nicht positioniert
Quelle: PC Games

Wargaming steckt in einer Zwickmühle. Durch ihre große Playerbase in Russland, aber auch Verstrickungen mit dem russischen Staat und zwielichtigen Organisationen, wirkt ihr Auftreten im Konflikt scheinheilig. Da sie ein Entwicklerstudio in Kiew besitzen, stehen sie zudem vor einer Zerreißprobe. In ihren Spielen und auch auf ihren Webseiten vermeiden sie es trotz allem, sich zum Krieg in der Ukraine zu positionieren. Aus welchen Gründen geschieht das und wird das, das Unternehmen überleben?

Durch die russische Invasion in der Ukraine findet sich World-of-Tanks- und World-of-Warships-Entwickler Wargaming in einer äußerst schwierigen Situation wieder. Sie besitzen Studios sowohl in Russland, als auch in der Ukraine und starteten ursprünglich als belarussisches Unternehmen. Ihre Spielerbasis wird vor allem durch Russen dominiert, hat aber auch weltweit enorm viele Fans. Hinzu kommen kriegsverherrlichende Aussagen von mittlerweile Ex-Angestellten und wiederum großen Spenden an das ukrainische Rote Kreuz und Zurückhaltung bei Werbekampagnen. Das Unternehmen steht vor einer gewaltigen Zerreißprobe, denn trotz der Aufrufe sich aus dem russischen Spielegeschäft zurückzuziehen, wie es bereits viele Entwickler aus dem Westen getan haben, hadert Wargaming bis jetzt mit dieser Entscheidung. Wird das Unternehmen das überleben?

Nach der Kontroverse über aggressive Monetarisierung und ihrem Vorgehen gegen bei ihnen unter Vertrag stehenden Influencern im letzten Jahr, steht Wargaming aktuell eine Zerreißprobe bevor. Der ukrainische stellvertretende Ministerpräsident Mykhailo Fedorov forderte in einem Tweet, dass Videospielunternehmen mit Abteilungen in Russland ihre dortigen Außenstellen schließen sollen. Explizit nannte er dabei auch Wargaming. Während Electronic Arts russische Teams aus FIFA 22 löscht, Ubisoft den Verkauf ihrer Spiele in Russland aussetzen und die ESL, Teams, die unter dem Einfluss der russischen Regierung stehen, ausschließt, zögert Wargaming damit, seine Produkte vom russischen Markt zu entfernen. Die Entwickler stecken in einer Zwickmühle, da sie starke Verbindungen im russischen Markt haben, aber auch ukrainische Studios betreiben.

Wargaming unterstützt seine Mitarbeiter in Kiew derzeit dabei, sich nach anderen Unterkünften umzusehen, bietet ihnen frühere Gehaltszahlungen an und übernimmt die Reisekosten für aus dem Kriegsgebiet flüchtende Entwickler. Außerdem spendeten sie nach eigenen Angaben 1 Million Dollar an das ukrainische Rote Kreuz. Ein Creative Director, der in einem Tweet den russischen Einmarsch befürwortete, wurde umgehend entlassen. Zudem zeigt das Unternehmen in seinen Werbekampagnen keine anrollenden Panzer mehr und ruft seine Partner dazu auf, dasselbe zu tun. Trotz allem zieht sich Wargaming aber nicht aus dem russischen Geschäft zurück. Warum?

Die enorme Anzahl zahlender russischer Spieler ist das eine. Etwas vollkommen anderes könnte eine Ermittlung sein, auf die amerikanische Journalisten und Strafverfolgungsbehörden im letzten Jahr aufmerksam machten. Der Zahlungsdienstleister GlobalMoney wurde vom ukrainischen nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat sanktioniert, da sie durch ihre Dienste Steuerhinterziehung, Geldwäsche und eventuell sogar die Finanzierung von Terrororganisationen einer ultranationalistischen russischen Partei vorantrieben. Wargaming ist einer der größten Kunden von GlobalMoney und wickelt seine mobilen Zahlungen für die Spiele World of Tanks, World of Warplanes und World of Warships über den Dienst ab. Das fanden Journalisten des OCCRP heraus, einer Non-Profit Organisation internationaler Journalisten, die im Bereich der organisierten Kriminalität und Korruption ermitteln. Das Geld soll dabei angeblich über die Bezahlapp in der Ukraine und Tschechien gewaschen und dann auf Bankkonten im Vereinigten Königreich und Zypern übertragen worden sein. Seit 2011 liegt Wargamings Hauptfirmensitz nicht mehr in Belarus, sondern in der europäischen Steueroase Zypern. Dort besitzt das Unternehmen zudem einen signifikanten Anteil an einer Bank. Amerikanische Strafverfolgungsbehörden haben sich eingeschaltet, da auch Server von Wargaming in Kalifornien stehen und Zahlungen ebenfalls über amerikanische Banken getätigt worden sein sollen. Die Ermittlungen dazu laufen derzeit noch.

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Auf welcher Seite steht Wargaming also nun wirklich? Nach außen geben sie sich sehr zurückhaltend, wenn es um den Krieg in der Ukraine geht, unterstützen ihre Entwickler und spenden Geld an wohltätige Zwecke. Allerdings sind sie aber auch in russische Machtkonstrukte verstrickt, aus denen sie nicht so einfach ausbrechen können.

Ehemalige Mitarbeiter von Wargaming werden ebenfalls nicht gehört. Auf LinkedIn postete ein Ex-Entwickler einen Aufruf, Wargaming sollte als größter russischer Influencer seine Macht nutzen, um Spielern in Russland die Augen zu öffnen und sich zum Krieg in der Ukraine zu positionieren. Dafür würde ein kleiner News-Artikel auf ihrer Website oder In-Game reichen. Geschehen ist das aber bisher noch nicht. Wahrscheinlich auch aus dem Grund, dass Familie, Freunde und Mitarbeiter des Unternehmens in so einem Fall in Russland Repressalien befürchten müssten.

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