WWE 2K18 im Test: ​Universal Champion oder eher Prügelknabe? - Update mit PC-Wertung

Test Christian Dörre
WWE 2K18 im Test: ​Universal Champion oder eher Prügelknabe? - Update mit PC-Wertung
Quelle: PC Games

Am 17. Oktober erschien mit WWE 2K18 der neueste Teil der beliebten Reihe zur größten Wrestling-Liga der Welt. Wir haben uns stundenlang durch sämtliche Modi geprügelt und verraten den Fans des Showsport-Spektakels, ob die Serie dank neuer Engine und Gameplay-Features wieder zur alten Form zurückfindet.

Wrestling - für die einen eine unsinnige Seifenoper, bei der sich halbnackte schwitzende Männer in bunten Badehosen umarmen und so tun, als ob sie sich gegenseitig ganz schlimmes Aua machen, für die anderen ein mitreißendes, akrobatisches Spektakel, das mit wunderbar albernen Geschichten, überzogenen Charakteren und atemberaubender Athletik überzeugt und Momente kreiert, an die man sich ewig erinnert ("Stone Cold! Stone Cold!"). Während erstgenannte Kunstbanausen schon beim Zappen über das WWE-TV-Programm genervt mit den Augen rollen, verfolgen Fans gebannt jede Show und fiebern dem Oktober entgegen, in dem traditionell das neue Videospiel zur größten Wrestling-Liga erscheint.

In den letzten Jahren hatte die WWE 2K-Reihe jedoch einige Probleme, die selbst die Hardcore-Anhänger abschreckte. Vor allem die veraltete Technik nervte viele Fans. In diesem Jahr soll jedoch alles besser werden. So hat man an der Engine geschraubt, das Gameplay überarbeitet und verschiedene Spielmodi verbessert. Selten hatte die Reihe so großes Poten­zial wie in diesem Jahr, doch einige mitgeschleppte Altlasten, (altbekannte) Bugs und ein paar andere Macken hindern den Titel da­ran, zum Undisputed Champion der Wrestling-Games aufzusteigen.

WWE 2K18 im Test: Blut, Schweiß und Tränen

In fast allen Elementen präsentiert sich WWE 2K18 (jetzt kaufen 19,90 € ) als zweischneidiges Schwert (nein, nicht das komische Buttermesser auf Brock Lesnars Brust). Dies fällt schon direkt bei der Technik auf. Dem diesjährigen Teil der Reihe spendierte man eine längst überfällige neue Grafik-Engine. Man erkennt zwar an allen (Ring-)Ecken und Enden, dass sehr viele Assets aus den Vorgängern übernommen wurden, dennoch sorgt das neue Grafikgerüst für eine viel bessere Präsenta­tion.

Erstmals in der Seriengeschichte sind nun auch Matches mit acht Kämpfern möglich. Leider ruckeln diese auf der normalen PS4 stark. Auf der Pro ist die Performance etwas besser. Quelle: PC Games Erstmals in der Seriengeschichte sind nun auch Matches mit acht Kämpfern möglich. Leider ruckeln diese auf der normalen PS4 stark. Auf der Pro ist die Performance etwas besser. Dank der neuen Engine gibt es nun mehr Kamera­effekte und die Spielermodelle sehen nicht mehr aus wie Wachsfiguren, da die Haut der Wrestler realistischer und detaillierter wirkt. Schön auch, dass die Wrestler nun nach ein paar Minuten im Kampf sichtbar anfangen zu schwitzen. Leider gibt es immer noch ein paar Catcher, die nicht sonderlich gut gestaltet sind. Gerade die weiblichen Wrestler sehen teilweise grausig aus. Sasha Banks hat beispielsweise ein seltsam steifes Fischgesicht. Auch die langen Haare sehen immer noch so aus, als habe man Assets der Smackdown vs. RAW-Reihe aus der PS2-Ära verwendet.

Dafür wirken die Beleuchtungs­effekte nun viel besser und drücken die Framerate nicht mehr in den Keller. Während die Vorgänger oft Schwierigkeiten hatten, die ganzen Scheinwerfer, LEDs, durchlaufenden Werbebanner sowie das Feuerwerk beim Entrance vernünftig darzustellen, läuft jetzt bei normalen Matches alles flüssig. Auch das ist allerdings mit einer Einschränkung verbunden: In den letzten Teilen kam es bei Matches mit sechs Leuten im Ring immer wieder zu auffälligen Slowdowns. In diesem Jahr ist es nun sogar möglich, dass sich ganze acht Leute gleichzeitig im Ring befinden.

Man könnte also eigentlich annehmen, dass das alte Ruckel-Problem gefixt wurde, wenn nun noch größere Kämpfe möglich sind, aber das ist eine Fehleinschätzung. Auf der normalen PS4 laufen Six-Men-Matches weiterhin nicht ganz flüssig und bei acht Mann im Ring geht die Framerate ordentlich in den Keller. Auf der PS4 Pro ist dieses Problem nicht so ausgeprägt. Besonders nervig ist jedoch ein Bug, der sich eingeschlichen hat. Bei Vier-gegen-Vier-Tag-Team-Matches reagiert der Ringrichter oftmals gar nicht auf die Aktionen im Ring und zählt weder Countouts noch Pinfalls. Hier muss dringend ein Patch her.
2K bleibt der DLC-Manie treu. Vorerst erhalten nur Vorbesteller Kurt Angle und nur Käufer der Special Edition den 2006er-John-Cena sowie Rob van Dam und Batista. Quelle: PC Games 2K bleibt der DLC-Manie treu. Vorerst erhalten nur Vorbesteller Kurt Angle und nur Käufer der Special Edition den 2006er-John-Cena sowie Rob van Dam und Batista.

WWE 2K18 im Test: Keilerei mit Stil

Spielerisch hat sich der Wrestling-Titel weiterentwickelt, sabotiert sich aber selbst durch ein paar mitgeschleppte Altlasten. Die Matches spielen sich nun viel dynamischer und realistischer als in den letzten Jahren. Dies liegt vor allem daran, dass man jetzt die verschiedenen Kampfstile besser herausstellt und auch die Move-Sets einiger Wrestler angepasst hat. So haben einzelne Kämpfer wie beispielsweise Shinsuke Nakamura mit seinem Strong Style, Dean Ambrose als Brawler oder Kalisto als Highflyer einen höheren Wiedererkennungswert.

Selbst an scheinbar übermächtige Monster wie Brock Lesnar oder Braun Strowman wurde gedacht, da nun auch sogenannte Squash-Matches möglich sind, in denen der Gegner innerhalb kürzester Zeit zerstört wird. Setzt ihr beispielsweise ein Match zwischen Strowman und einem der Cruiserweights an und stürmt direkt zu Beginn auf das Leichtgewicht zu, startet ihr den Squash, seid quasi unverwundbar und eure Attacken machen viel größeren Schaden. So gleicht man sich noch mehr dem aktuellen TV-Produkt der WWE an. Sehr schön!

Zudem wurde nun das neue Trage-System eingeführt. Verpasst ihr eurem Kontrahenten gerade einen starken Grapple-Move und drückt während der Ausführung R1 und haltet den rechten Analogstick in eine Richtung, haltet ihr euren Gegner in der aktuellen Position und könnt euch weiterhin bewegen. So könnt ihr beispielsweise statt einer normalen Powerbomb die Aktion gegen den Turnbuckle­ ausführen oder euren Gegner gleich krachend über das oberste Seil werfen. Dies funktioniert übrigens auch in Battle-Royal-­Matches. Ihr müsst nicht mehr die immer gleichen Mini-Spiele absolvieren, um eure Kontrahenten zu eliminieren. Dadurch spielt sich der Royal Rumble auch viel abwechslungsreicher und spannender, da man selbst auch leichter rausgeschmissen werden kann.

Dank des neuen Trage-Systems dürft ihr eure Kontrahenten nun auf die Schultern nehmen und gegen Objekte schmeißen oder aus dem Ring werfen. Quelle: PC Games Dank des neuen Trage-Systems dürft ihr eure Kontrahenten nun auf die Schultern nehmen und gegen Objekte schmeißen oder aus dem Ring werfen. Bei den Trage-Moves ist die Steuerung allerdings manchmal etwas hakelig und ungenau. Das ist einem aber spätestens bei den überarbeiteten Backstage Brawls egal, da es dort nun viel mehr Interak­tionspunkte gibt, wo ihr eurem Gegner eine verpassen dürft. Außerdem darf man Matches nun wieder freier gestalten und eigene Regeln festlegen. Elimination-Battle-Royals sind genauso möglich wie Submissions-Count-Any­where-Hell-in-a-Cell-Matches. Spielerisch unterscheidet sich der Titel nicht zu stark von den Vorgängern, doch die Neuerungen ergänzen das Gameplay wirklich gut und machen WWE 2K18 zu einem runderen Spielerlebnis.

Umso nerviger ist es, dass viele Fehler und Bugs aus den Vorgängern einfach übernommen wurden. Zum Beispiel kündigt Ringsprecherin Jojo oft falsche Dinge an, beim Editieren einer Match-Card im Universum-Modus verschiebt sich alles und manche Finisher treffen nie ins Ziel. Vor allem mit Ember Moon und Johnny Gargano sind die Finisher fast nutzlos. Außerdem wurde natürlich wieder das fummelige Kontersystem mit falschen Einblendungen und zu kurzem Zeitfenster übernommen. Weiterhin muss man die Bewegungsabläufe auswendig kennen, um zum richtigen Zeitpunkt zu kontern. Unverständlich ist ebenfalls, dass das Auskicken aus Pins verschlimmbessert wurde. Man muss weiterhin zur rechten Zeit einen Punkt in der Schwunganzeige treffen, doch die Eingabe ist ungenau und das Zeitfenster wurde verkürzt.

WWE 2K18 im Test: Der Weg zum Ruhm

Im Story-Modus dürft ihr nun auch backstage herumlaufen und euch dort Nebenquests abholen. Quelle: PC Games Im Story-Modus dürft ihr nun auch backstage herumlaufen und euch dort Nebenquests abholen. Neben Gameplay und Technik bekamen aber auch weitere Elemente und Modi eine Frischzellenkur. Der beliebte Universum-Modus ist nun mit viel mehr Zwischensequenzen zu den angelegten Rivalitäten versehen und es lässt sich sogar die Intensität der verschiedenen Fehden festlegen. Ist diese niedrig, befinden sich die Kontrahenten eben in sportlichem Wettbewerb. Ist die Intensität jedoch hoch, schlagen sich die Rivalen bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Köpfe ein. Schön auch, dass die Promos überarbeitet wurden und nicht mehr so zusammenhanglos wirken wie noch im Vorgänger, wo im Rede-Duell regelmäßig komplett anei­nander vorbeigelabert wurde.

Die meiste Arbeit floss aber klar in den Karrieremodus. Ihr dürft nun zwischen acht verschiedenen Kampfstilen auswählen und der NXT-Part ist nicht mehr so gestreckt, sondern dient lediglich als Tutorial. Zudem darf man nun im Backstage-Bereich der Arenen herumlaufen, mit anderen Superstars sprechen, euch bei ihnen Nebenquests abholen oder eurem Rivalen auflauern und ihn niederstrecken. Zudem haben eure Aktionen nun größere Auswirkungen darauf, ob ihr Bösewicht oder Publikumsliebling seid. Die Dialoge mit den McMahons und anderen Superstars sind aber leider nicht vertont, ihr müsst Textboxen lesen. Ebenfalls doof: Klamotten, Fähigkeiten und Move-Sets lassen sich nur zufällig mit Loot-Boxen freischalten. Wenigstens verzichtet 2K hier komplett auf Mikrotransaktionen.

Öffnet ihr nicht regelmäßig Loot-Boxen, bleiben Kleidungsstücke, Masken, Moves, Frisuren oder Face Paint gesperrt. Glücklicherweise haben wir eine Schminkflinte. Quelle: PC Games Öffnet ihr nicht regelmäßig Loot-Boxen, bleiben Kleidungsstücke, Masken, Moves, Frisuren oder Face Paint gesperrt. Glücklicherweise haben wir eine Schminkflinte. Dafür macht der neue Road-to-Glory-­Modus richtig Laune. Hier müsst ihr mit eurem selbst erstellten Superstar in Online-Matches bestimmte Ziele erfüllen, um bestimmte Belohnungen für euren Kämpfer freizuschalten. Wer die Ziele erfüllt, darf sogar ein Match beim nächsten WWE-PPV bestreiten und dort nach einem Sieg sogar ein einzigartiges Item einsacken. Problematisch dabei sind nur die teils unzuverlässigen Server und einige menschliche Gegenspieler, die nur Laufattacken spammen. Aber auch das sind ja altbekannte Probleme der Serie. WWE 2K18 ist ein gutes Spiel, könnte ohne ­seine Altlasten aber noch viel besser sein.

Update: Die PC-Version
Wir können uns hier kurz fassen, denn die PC-Version beinhaltet natürlich die gleichen Features wie die Konsolenfassungen, leider aber auch dieselben Bugs. Allerdings sieht die PC-Fassung ein bisschen besser aus. Zudem laufen hier auch die Acht-Mann-Matches flüssig.

Meinung

Wertung zu WWE 2K18 (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu WWE 2K18 (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu WWE 2K18 (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Variantenreicheres Gameplay als im VorgängerUnterhaltsamer KarrieremodusSehr gute Präsentation, die den echten WWE-Shows sehr nahe kommtVerbesserter Universum-ModusGute Umsetzung der verschiedenen KampfstileTrage-System & Squash-Matches
Teils abgehackte Animationen sowie leicht hakelige SteuerungRuckler bei Multi-Men-Matches (PS4, Xbox One)lange Ladezeiten im KarrieremodusNerviges Kontersystem(altbekannte) Bugs und Glitches
Fazit

Ein starkes Wrestling-Game, das durch Unsauberkeiten viel Potenzial verschenkt.

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