WRC II Extreme

Test Uwe Hönig

Eine kleine Eisschicht sorgt für schlüpfrige Verhältnisse. Eine kleine Eisschicht sorgt für schlüpfrige Verhältnisse. Mit leichtem Zeitrückstand zu Colin 3 steht nun auch WRC II Extreme in den Läden und muss beweisen, dass die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt waren. Schon allein der Umfang mit insgesamt 14 Ländern und 115 Etappen schlägt alle Konkurrenten. Darüber hinaus dürfen Sie sich unter den sieben WRC-Herstellern (Peugeot, Ford, Subaru, Mitsubishi, Skoda, Citroën und Hyundai) einen Favoriten aussuchen, um im Rallye-Zirkus Ihren Mann zu stehen. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Original-Fahrer anwählbar. Colin McRae fehlt natürlich, denn der fährt ausschließlich bei seinem eigenen Spiel. Bevor Sie die Weltmeisterschaft starten, sollten Sie vielleicht einen kleinen Versuch im "Schnellen Rennen" wagen, um sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Hier werden Sie auf eine zufällige Strecke transferiert und können ohne Umwege direkt Gas geben. Die beiden Menüpunkte "Eigene Rallye" und "Eigene Meisterschaft" verbergen interessante Modi, bei denen Sie entweder eine über mehrere Tage andauernde Rallye, oder gar eine komplette Meisterschaft (Saison) selbst zusammenstellen dürfen. Beim Zeitrennen können Sie bei beliebigen Etappen an Ihrer Bestzeit arbeiten und der Kopf-an-Kopf-Modus ermöglich witzige Splitscreen-Duelle gegen einen menschlichen Mitspieler. Dabei sehen Sie Ihren Gegner als Ghost-Car, was im Vergleich zu Colin 3 (Fortschrittleiste) Pluspunkte bringt.

Meisterlich!
Das Herzstück des Spiels ist aber der Weltmeisterschaftsmodus. Optional dürfen hier sogar bis zu vier Personen an der Meisterschaft teilnehmen, allerdings nur hintereinander. Wie in einer echten Saison werden Sie auf vier Kontinenten gegen die Crème de la Crème im Rallye-Sport antreten, dabei aber bis auf wenige Ausnahmen gegen die Uhr fahren. Üblicherweise starten die Rivalen im Zwei-Minuten-Abstand, um die aktuelle Etappe mit möglichst viel Schmackes zu absolvieren. Bei den seltenen Super-Spezialwertungen besteht die Strecke aus zwei voneinander getrennten Fahrbahnen und Sie fahren direkt gegen einen Widersacher. Insgesamt geht die Saison über 14 Runden (in jeweils verschiedenen Ländern), wobei die Anzahl der zu fahrenden Etappen von dem gewählten Schwierigkeitsgrad abhängt. Im Anfängermodus gibt es lediglich ein Rennen pro Tag zu bestreiten, und Schäden sowie Zeitstrafen sind ausgeschaltet. Im Profimodus müssen Sie pro Tag zweimal antreten, und das Schadensmodell der ersten Stufe wird ebenfalls aktiv. Das "realistisches Schadensmodell" wird aber erst freigeschaltet, wenn Sie den Profimodus durchgespielt haben. Aber selbst im Expertenmodus können Sie ein Auto durch einen kapitalen Crash nicht vollständig zerstören. Weiterfahren ist immer möglich und das Zurücksetzen auf die Fahrbahn kosten lediglich Zeitstrafen. Im Servicepark dürfen Sie dann nach Tagesende unter Zeitdruck die nötigsten Reparaturen durchführen.

Steuerfaktor
Während der erste Schwierigkeitsgrad noch ziemlich leicht zu meistern ist, haben es die anderen beiden Stufen richtig in sich. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Steuerung: War diese bei der Vorabversion noch äußerst empfindlich, wirkt Sie nun einen Tick zu träge. Zwar lässt sich die Steuerungsempfindlichkeit vor jedem Rennen einstellen, aber auch beim höchsten Grad fühlen sich die Boliden etwas behäbig an. Deshalb sollten Sie sich schon frühzeitig an die Handbremse gewöhnen. Schon ein kurzes Antippen während einer Lenkbewegung lässt den Boliden nämlich dermaßen schnell ausbrechen, dass der richtige Einsatz schon etwas Übung erfordert. Was ziemlich nervt, sind sonderbare Leitplanken oder Streckenbegrenzungen, an denen das Fahrzeug bei ungünstigen Winkeln hängen bleibt und sich dreht, anstatt wie bei Colin 3 weiterzuschleifen. Wertvolle Sekunden gehen anschließend beim Rückwärtsgang-Einlegen und Wenden drauf. Außerdem gibt es grüne Absperrbänder, hinter denen die Zuschauer stehen. Vermeiden Sie, gegen diese Bänder zu fahren, denn sie sind hart wie Beton! Orange Matten und rote Bänder lassen sich problemlos durchbrechen, was Sie aber besser auch unterlassen sollten - oft gibt es einen guten Grund für die Absperrungen ... Eine Maxime ist in diesem Zusammenhang wichtig: Verwenden Sie die Bremse lieber zuviel als zuwenig!

Technischer Fortschritt
Die Evolution Studios haben sich in puncto Grafikengine keine Blöße gegeben und eine absolut flüssige Optik aus dem Hut gezaubert. Dabei sieht die Grafik durch viele naturbelassene Farbtöne unheimlich realistisch aus und der Detailgrad hat sich im Vergleich zum Vorgänger nahezu verdoppelt. Außerdem haben die Programmierer fern am Horizont einen leichten Dunst- und Unschärfeeffekt eingebaut. Ein geschickter Trick, um Pop-Ups abzuwenden und die Engine immer bei 50 Bildern pro Sekunde zu halten. Der sehr gute grafische Eindruck setzt sich bei den Fahrzeugmodellen fort. Konkurrent Colin McRae Rally 3 hatte bisher die schönsten Flitzer zu bieten (vor allem der Focus wirkte klasse), aber WRC II kann gut dagegenhalten. Mit 20.000 Polygonen pro Modell gibt es absolut nichts an den höchst detaillierten Fahrzeugen auszusetzen. Lediglich das Schadensmodell und einige Effekte (Sonnenblend- und Wettereffekte) sind den Colin-Entwicklern besser gelungen. Insgesamt ist WRC II Extreme ein klasse Spiel und wird vor allem den Erwartungen von Rallye-Fans gerecht, die Wert auf eine offizielle Lizenz und starke Grafik legen. Das ungeschlagen beste Fahrgefühl hat aber Colin 3 zu bieten, was eine Entscheidung für einen der beiden Titel nicht gerade einfach macht. Cracks brauchen deshalb beide Games!

Bildergalerie

Wertung zu WRC 2 Extreme (PS2)

Wertung:

88 /10

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