Victoria 3 im Test: Globalstrategie, die diesen Namen wirklich verdient
Test 44,99 €
Revolution oder Untergang? In Paradox' Grand-Strategy-Game Victoria 3 seid ihr Herrscher eurer Nation und leitet sie durch 100 Jahre Geschichte. Wie viel Spaß das macht und ob Victoria 3 mehr ist als nur biedere Zahlenschubserei - das erfahrt ihr im Test!
Stellt euch folgendes Szenario vor: Es ist das Jahr 1836 und ihr erhaltet die Kontrolle über eine beliebige Nation auf dem Globus. Ihr seid nicht der König oder ein anderer hochrangiger Würdenträger. Ihr zieht im Hintergrund die Fäden und prägt mit euren Entscheidungen Wirtschaft, Gesellschaft und Diplomatie. Genau das ist die Prämisse hinter Victoria 3, des neuen Globalstrategiespiels von Paradox Development. Die vor euch liegenden Aufgaben könnten also kaum größer sein, schließlich habt ihr 100 virtuelle Jahre Zeit, um eurer Nation den Stempel aufzudrücken. Wie ihr dabei vorgeht, bleibt ganz euch überlassen: Seid ihr aggressive Imperialisten und überfallt Nachbarstaaten, baut ihr euren Staat zur internationalen Wirtschaftsmacht aus, oder verwandelt ihr es in ein Paradies für Freigeister und Intellektuelle? Das am 25. Oktober 2022 für den PC erscheinende Victoria 3 (jetzt kaufen 49,70 € / 44,99 € ) gibt euch dafür alle Werkzeuge an die Hand.
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Viele Hürden zum Einstieg
Global- oder auch Grand-Strategy-Games beziehen ihren Reiz aus der Vielzahl an Möglichkeiten und aus der Komplexität, die ein solches Szenario mit sich bringt.
In diesem Artikel
Die größte Aufgabe besteht bei einem derartigen Spiel darin, den Nutzern Funktionen nahezubringen und zu erklären, um damit das Gefühl der Überforderung zu minimieren. Victoria 3 gelingt das nur zum Teil. Wir würden lügen, würden wir behaupten, wir wären gleich bei der ersten Partie fehler- und sorgenfrei durch 100 Jahre Geschichte gerauscht. Nein, wir sind pleitegegangen - und das sogar im Tutorial.
Quelle: PC Games/Medienagentur plassma
Zoomen wir dicht an das Geschehen heran, beobachten wir kleine Details wie beispielsweise diesen Zug, der von Brügge nach Brüssel fährt.
Paradox bemüht sich redlich, alle notwendigen Informationen zu liefern und so etwas wie Übersichtlichkeit inmitten von Zahlenkolonnen und Fachausdrücken zu schaffen.
In der Einführung nimmt euch das Spiel daher auch stärker an die Hand und geht bestimmte Aufgaben wie etwa das Erweitern eurer Industrie Schritt für Schritt mit euch durch. Andere Ziele wie etwa das Erhöhen des Bruttoinlandsprodukts müsst ihr anhand einiger Erklärtexte selbst bewältigen.
Quelle: PC Games/Medienagentur plassma
Der Technikbaum teilt sich in die Bereiche Produktion, Militär und Gesellschaft. Das Forschungstempo hängt von der Anzahl der vorhandenen Universitäten ab.
Hier entsteht bereits die erste Hürde: Wollt ihr in Victoria 3 bestehen, müsst ihr euch durch Unmengen von Bildschirmtexten arbeiten. Bei Unklarheiten schickt euch das Spiel von einem Kasten zum nächsten; selbst im Tutorial sind die Vorgaben nicht immer absolut eindeutig. In den ersten Stunden bleiben daher viele Fragen offen und es dauert, bis ihr die Zusammenhänge verstehen und nachvollziehen werdet.
Zwischen Übersichtlichkeit und Informationsflut
Nach dem Tutorial widmet ihr euch entweder dem freien Spiel oder sucht euch eine von drei Hauptmissionen aus: Wirtschaftliche Vorherrschaft, Hegemon (also Alleinherrschaft) oder egalitäre Gesellschaft. Wählt ihr ein übergeordnetes Ziel, erhaltet ihr immer wieder Aufgaben auf dem Weg dahin. So hangelt ihr euch von einem Punkt zum nächsten und tappt nicht im Dunkeln.
Quelle: PC Games/Medienagentur plassma
Fehlerfrei war Victoria 3 im Test leider noch nicht. Dieses Gesetz benötigte über zehn Millionen Tage – also rund 27.000 Jahre –, bis es endlich beschlossen ist. Die armen Kinder müssen also noch lange arbeiten.
Das wiederum erleichtert das Verständnis, auch wenn der Lösungsweg speziell beim "Durchdrücken" bestimmter erforderlicher Gesetze alles andere als simpel ist. Sehr schön: Ihr bestimmt in den Optionen auch Parameter wie das Verhalten der Computer-Staatsoberhäupter euch gegenüber.
Wer eine besondere Herausforderung sucht, wählt den Ironman-Modus: Hier kann man weder das Land wechseln noch in den Beobachtermodus springen oder alte Spielstände laden.
Die Wahl der eigenen Nation ist gerade zu Beginn entscheidend. Jedes Land bringt unterschiedliche Bedingungen in Bereichen wie Wirtschaft oder Gesellschaft mit. Ebenfalls wichtig: Auch historische Personen oder Ereignisse wie etwa die Deutsche Revolution von 1848/49 spielen in Victoria 3 eine Rolle und wollen entsprechend gehandhabt werden.
Quelle: PC Games/Medienagentur plassma
Generäle führen ihre Armeen zu Felde, besitzen aber auch Eigenschaften, die ihr im Hinterkopf behalten solltet. Kollege Van Ufford etwa mag zwar angeschlagen sein, ist aber ein gewiefter Stratege.
Die Bedienoberfläche selbst gestaltet sich dabei durchaus ansehnlich: Die stufenlose Karte offenbart in der Nahaufnahme hübsche Details wie umherfahrende Züge und kleinere Konflikte. Zoomt ihr heraus, erkennt ihr dagegen in größeren Nationen die einzelnen Provinzen und könnt diese anwählen. Fahrt ihr komplett raus, seht ihr schließlich euren Schreibtisch mitsamt Karte - eine schöne Idee.
