Vampyr im Test: Solides Action-RPG mit technischen Mängeln

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Vampyr im Test: Solides Action-RPG mit technischen Mängeln
Quelle: Dontnod Entertainment

Bae oder Bay: Diese Frage mussten sich in Life is Strange alle Spieler stellen. Die französischen Entwickler von Dontnod haben mit Vampyr nun ihr neuestes Werk auf den Markt gebracht. Auch hier werdet ihr wieder mit moralischen Entscheidungen um Leben und Tod konfrontiert. Wir haben getestet, ob das bewährte Konzept auch in einem Action-RPG statt in einem Teenager-Drama funktioniert.

Als Bram Stoker 1897 seinen Roman Dracula veröffentlichte, war ihm wahrscheinlich nicht bewusst, dass er damit eine zeitlose Kultfigur der Horror-Geschichte erschaffen würde. Dennoch hat sich das Motiv des rumänischen Grafen seit seinem ersten Auftritt quasi verselbstständigt. Der finstere Fürst der Nacht wurde vielfach wieder aufgegriffen und hat so ein ganzes Genre geprägt. Seitdem sind Vampire beliebte Charaktere in Film und Fernsehen. Auch in der Spielebranche sind die Blutsauger gern gesehene Gäste - bekamen in der Vergangenheit vom Zombie aber ein wenig den Rang abgelaufen. Nun will Entwickler Dontnod den Mythos wieder zur alter Bekanntheit verhelfen und die Serie von guten Vampir-Spielen wie Vampire: The Masquerade - Bloodlines fortführen. Dafür lässt das französische Studio in seinem dritten Werk die High-School-Abenteuer von Life is Strange hinter sich und stürzt sich wie in Remember Me wieder in ein erwachseneres Action-Setting. In Vampyr (jetzt kaufen 39,95 € / 35,99 € ) geht es diesmal allerdings in ein England des frühen 20. Jahrhunderts statt in eine ferne Zukunft.

Ihr spielt Dr. Jonathan Reid, einen jungen Londoner Arzt, der erst kürzlich aus dem Krieg zurückgekehrt ist. Habt ihr eure Erlebnisse auf dem Kontinent noch weitestgehend unversehrt überstanden, ist euch das Glück nach eurer Ankunft in England weitaus weniger hold. Ihr erwacht umgeben von Leichen in einer dreckigen Grube - mit seltsamen Visionen und gewaltigem Blutdurst. Langsam aber sicher müsst ihr euch der unbequemen Wahrheit stellen: Statt einem Fachmann für Bluttransfusion seid ihr nun ein Experte der Blutextraktion. Euch bleibt allerdings keine Zeit, über die Ironie der Lage zu schmunzeln. Als neugeborener Vampir müsst ihr schnellstmöglich eure Fähigkeiten kennen und meistern lernen. Schließlich gilt es nicht nur die spanische Grippe zu bekämpfen, die die Stadt fest im Griff hat, sondern auch euren Schöpfer zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Straßen von London sind düster und stecken voller menschlicher und dämonischer Gegenspieler. Quelle: PC Games Die Straßen von London sind düster und stecken voller menschlicher und dämonischer Gegenspieler.
Dieser Hintergrund bietet den Rahmen für eine persönliche und zutiefst tragische Geschichte. Diese wird durch Zwischensequenzen, Schriftstücke und Gespräche eingängig erzählt - braucht allerdings ein wenig Zeit, um Fahrt aufzunehmen. Die Story von Vampyr erzeugt eine starke Bindung zum Hauptcharakter und baut eine sehr düstere, teils beinahe hoffnungslose Stimmung auf. Um eure Situation in Gänze zu verstehen, reicht es nicht, einfach nur stur die Hauptmissionen abzuhaken. Ihr müsst tief in die Welt eintauchen, auch Sammelgegenstände rund um mystische Gestalten und okkulte Geheimbünde spielen eine wichtige Rolle. Nur mit ihnen erschließt sich euch das Gesamtbild.

Herumdoktern an Fähigkeiten und Ausrüstung

Zunächst macht ihr es euch mit Jonathan aber im Pembroke Hospital gemütlich. Das Krankenhaus ist für den Rest des Spiels quasi eure Basis, es gibt über die Stadt verteilt aber auch noch einige andere Verstecke. Dort könnt ihr rollenspiel-typisch euren Protagonist verbessern, Dr. Reid verfügt schließlich über eine breite Auswahl an Fähigkeiten. Im leicht zu überblickenden Menü könnt ihr mit verdienten XP euren Charakter verbessern oder das Inventar vergrößern. Um eure Auswahl zu bestätigen, müsst ihr euch danach schlafen legen. Die verschiedenen passiven, aktiven und taktischen Skills lassen sich dabei nicht alle auf einmal ausbilden. Wenn ihr experimentieren wollt, gibt es allerdings die Möglichkeit, alle Eigenschaften zurückzusetzen und eure XP neu zu verteilen. Im Skill-Menü habt ihr eine breite Auswahl an aktiven und passiven Fähigkeiten zur Verfügung. Quelle: PC Games Im Skill-Menü habt ihr eine breite Auswahl an aktiven und passiven Fähigkeiten zur Verfügung.

An Werkbänken könnt ihr zudem verschiedene Tonika und Medikamente herstellen. Auch eure Waffen, die ihr über die ganze Stadt verteilt findet, lassen sich dort verbessern. Teile dafür findet ihr überall: in Mülleimern, Kisten oder den Taschen besiegter Gegner. Auch gesammelte Objekte wie Taschenuhren, Schnapsflaschen oder Pillendöschen lassen sich in nutzbare Materialien zerlegen. Händlerbesuche werden damit weitestgehend unnötig. Eure Umwelt versorgt euch bereits mit allem Wichtigen.

Im umfangreichen Crafting-Menü lassen sich neben Waffen und Tränken auch einige Medikamente herstellen. Quelle: PC Games Im umfangreichen Crafting-Menü lassen sich neben Waffen und Tränken auch einige Medikamente herstellen. Apropos Welt: Die ist in Vampyr recht ansehnlich gestaltet, Dontnod hat die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts gut eingefangen. Die nebligen, nächtlichen Straßen von London wirken menschenfeindlich. Krieg und Krankheit verzehren die Stadt. Die Schwere zwischen arm und reich ist größer als jemals zuvor. Frauen leiden trotz des kürzlich erlangten Wahlrechts noch immer unter Unterdrückung. Die gedämpfte Stimmung wird noch durch einen atmosphärischen Soundtrack ergänzt. Dieser erinnert mit seinen orchestralen Klängen ein wenig an Bloodborne, zeigt sich an den nötigen Stellen aber weitaus weniger episch.

London im Jahre 1918: Alles andere als blutleer

Der Teil Londons, den ihr erkunden dürft, ist nicht sonderlich groß - dafür vergleichsweise abwechslungsreich. Es gibt vier verschiedene Stadtteile, die in kleine Unterbezirke eingeteilt sind. Die einzelnen Gebiete unterscheiden sich architektonisch leicht voneinander. Docks, Armenviertel oder Nobelgegend machen sonst aber alle einen ziemlich ähnlichen Eindruck: Verlassen, düster und verwinkelt. Zudem gaukelt der Titel euch manchmal eine offene Welt vor. Viele Türen lassen sich nicht oder nur von einer Seite öffnen. Damit kann es schon einmal etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, von einem Ort zum anderen zu gelangen. Eine Schnellreise-Funktion hätte dem Spiel durchaus gutgetan, ein Teleport zu einem der Verstecke würde sich ja geradezu anbieten.

Das Fehlen dieses Features hat aber auch seine Vorteile: So müsst ihr nicht noch öfter auf einen der vielen Ladebildschirme blicken. Diese verfolgen euch nämlich beinahe ständig. Ihr geht in ein Gebäude: Laden. Ihr verlasst das Gebäude: Laden. Manchmal lädt Vampyr sogar während ihr einfach nur eine Straße hinunterlauft. Das ist nicht nur nervig, sondern auch unglaublich zeitraubend. Manchmal müsst ihr fast eine halbe Minute warten, bevor ihr euch in einem neuen Areal endlich bewegen dürft. Wenn die Straßen dann auch noch voller menschlicher und dämonischer Gegenspieler sind, kann die Reise durch London eine aufwändige werden. Die Spielwelt steckt voller Aufgaben, Orte und Personen, die nur darauf warten, von euch entdeckt zu werden. Quelle: PC Games Die Spielwelt steckt voller Aufgaben, Orte und Personen, die nur darauf warten, von euch entdeckt zu werden.

Überraschenderweise gibt es in Vampyr nämlich keine Stealth-Elemente. Auf eine Schleichfunktion müsst ihr gar komplett verzichten. Zwar könnt ihr euch manchmal im Rücken eurer Feinde nähern, sie schocken und dann beißen. In den meisten Fällen zückt Jonathan allerdings direkt die Waffen und stürzt sich in eine handfeste Keilerei. Das Kampf-System fühlt sich recht Souls-like an, ist allerdings weitaus zugänglicher. Gegnerische Aufeinandertreffen gestalten sich weniger taktisch und haben etwas mehr Hack and Slay-Charakter.

Schwester, die Säge!

Ihr tragt eine Haupt- und eine Zweitwaffe, mit denen ihr jeweils Schaden verteilen könnt. Das Arsenal umfasst dabei verschiedenste Sägen, Äxte und Schwerter. Es gibt auch beidhändige Kriegswerkzeuge, wie etwa Sensen, mit denen ihr gegnerische Angriffe blocken könnt. Besonders interessant ist jedoch die breite Auswahl an Sekundärwaffen, die alle ihre ganz eigenen Vorteile haben. Flinten und Pflöcke verteilen etwa Schockschaden, welcher eure Gegner für eine kurze Zeit bewegungsunfähig und anfällig für Bissattacken macht. Mit Dolchen erlangt ihr hingegen bei jedem Treffer Blutpunkte.

In Bosskämpfen gilt es, geschickt mit euren Waffen, Tränken und Ausweichmanövern umzugehen. Quelle: PC Games In Bosskämpfen gilt es, geschickt mit euren Waffen, Tränken und Ausweichmanövern umzugehen. Mit diesen lassen sich verschiedene Angriffs- und Heil-Fähigkeiten ausführen. Zudem verfügt ihr über eine ultimative Attacke, die viel Schaden verteilt dafür aber eine vergleichsweise lange Cooldown-Phase hat. Neben Blut und Gesundheit, gilt es auch eure Ausdauer im Blick zu behalten, welche von Angriffen und Ausweichmanövern aufgebraucht wird. All diese Faktoren machen die Kämpfe durchaus fordernd - besonders, wenn ihr gegen mehrere Gegner gleichzeitig antreten müsst. Auch die Bosskämpfe sind anspruchsvoll und erfordern ein bedächtigeres Vorgehen.

Dennoch können die Scharmützel ab und zu schon etwas frustrierend werden. Da ihr nie genau wisst, welche Kreaturen euch in einem Gebiet erwarten, kommt es schon einmal vor, dass ihr gegen Gegner antreten müsst, die zehn Level höher sind als ihr selbst. Wenn dann auch noch eure Ausrüstung nicht auf dem besten Stand ist, kann es schon einmal passieren, dass ihr gleich mehrmals hintereinander ins Gras beißt. Dann gibt es keine andere Möglichkeit, als den gesamten Weg zu eurem Versteck zurückzugehen, dort zu leveln, eure Tränke wieder aufzufüllen und es dann nochmal zu versuchen. Zu allem Überfluss gibt es an bestimmten Stellen sehr ungünstig gesetzte Speicherpunkte, sodass ihr einen Bosskampf wiederholen müsst, wenn ihr beim Verlassen des Kampfgebiets den Löffel abgebt.

Ein Fall für Sherlock Dracula

Essentieller Bestandteil des Spiels: Gespräche mit anderen Bewohnern der Stadt. Quelle: PC Games Essentieller Bestandteil des Spiels: Gespräche mit anderen Bewohnern der Stadt. Neben den vielen Gegnern, die euch in den Straßen Londons auflauern, wurde der Stadt aber auch noch anderweitig Leben eingehaucht. Insgesamt gibt es über 60 interessante und einzigartige Charaktere, die ihr treffen könnt: von der stummen Blumenverkäuferin über den ehemaligen Boxer bis hin zur Patientin mit "Walking Corpse Syndrome". Da ihr mit jedem einzelnen Bewohner der Stadt ein Gespräch führen könnt, gibt es hier viele kleine Einzelschicksale zu entdecken. Indem ihr Aufgaben für die NPCs erledigt oder Hinweise über sie findet, lassen sich zudem neue Dialogoptionen freischalten. Das artet teilweise in Detektivarbeit aus und kann ziemlich zeit- und arbeitsaufwändig werden - macht euch im Gegenzug aber mit euren Vampirsinnen (ähnlich dem Adlerauge aus Assassin's Creed) vertraut, mit denen ihr Blutspuren verfolgen oder Gegner analysieren könnt.

Schade ist, dass die Entwickler bei so viel Dialog auf eine deutsche Sprachausgabe verzichtet haben. Alle Gespräche sind leider nur auf Englisch verfügbar. Wer sich daran nicht stört, kann sich über eine abwechslungsreiche und authentische Synchro freuen. Jeder einzelne Charakter hat durch verschiedene Akzente und Dialekte - etwa von rumänischen oder irischen Einwanderern - seine individuelle Note. Die deutschen Untertitel sind aber auch solide und lassen euch das Geschehen auf dem Bildschirm gut nachvollziehen. Überraschenderweise sind die Texte aber nicht immer hundertprozentig einwandfrei: Hier und da hat sich ein Rechtschreibfehler eingeschlichen, auch das ein oder andere Wortspiel leidet schon einmal unter der Übersetzung. Außerdem sind sich die Charaktere manchmal ziemlich uneins, ob sie sich nun lieber duzen oder siezen wollen.

Mit euren Vampirsinnen könnt ihr Blutspuren verfolgen und Informationen über Freunde oder Feinde in der Umgebung sammeln. Quelle: PC Games Mit euren Vampirsinnen könnt ihr Blutspuren verfolgen und Informationen über Freunde oder Feinde in der Umgebung sammeln. Auch die Charaktermodelle sind nicht auf dem neuesten Stand. Die Bewegungen sind dank Motion Capture zwar ganz gut gelungen, in die Gesichter der Figuren hätten die Entwickler aber mal besser etwas mehr Arbeit gesteckt. Viele der Gesprächspartner bleiben blass, ihre Gesichtsausdrücke sind meist nur angedeutet. Zudem schaut euer Gegenüber gerne mal an euch vorbei.

Grafik aus dem Gruselkabinett

Die Grafik ist insgesamt einer der größten Schwachpunkte des Titels. Optisch erinnert Vampyr stark an Life is Strange - das war bereits beim Release vor drei Jahren schon nicht mehr zeitgemäß. Unverblümt ausgedrückt sieht der neueste Titel aus dem Hause Dontnod nicht so aus, als wäre er für die PS4 gemacht und kann optisch nicht mit anderen Konkurrenten mithalten. Das beginnt schon bei der Spielwelt, die an einigen Ecken ihre hässliche Fratze zeigt. Jedes Schriftstück, das ihr lesen wollt, muss etwa erst gerendert werden. Bis dahin ist einfach nur ein unscharfer Papierschnipsel zu sehen.

Die Welt von Vampyr wimmelt von mystischen Kreaturen - manche davon mit beeindruckender Statur. Quelle: PC Games Die Welt von Vampyr wimmelt von mystischen Kreaturen - manche davon mit beeindruckender Statur. Darüber hinaus hat der Titel mit verwaschenen Texturen und fehlender Detailtiefe zu kämpfen. An einigen Stellen müssen Objekte nachgeladen werden, sodass manchmal ganze Gebäude wie aus dem Nichts auftauchen oder im Hintergrund eine Dampflok durch die Luft fährt, weil die entsprechende Eisenbahnbrücke noch nicht angezeigt wird. Dem Szenario geschuldet ist das Spiel zudem sehr düster - nicht nur was die Farbpalette, sondern auch was die Helligkeit betrifft. Es bietet sich daher an, diese im Hauptmenü direkt auf die höchste Stufe zu stellen. Sonst steht man während des Abenteuers schon mal gerne im Dunkeln und übersieht leicht etwas.

Punkten kann der Titel hingegen durch seine moralische Komponente. Vampyr verfügt nämlich über einen adaptiven Schwierigkeitsgrad - eure Handelsweise sorgt also dafür, wie fordernd das Abenteuer tatsächlich wird. Saugt ihr etwa eure Mitbürger aus, winken euch besonders viele Erfahrungspunkte, mit denen ihr euch verstärken könnt. Ein verlockender Weg, der allerdings nicht ohne Konsequenzen bleibt. Ihr solltet also stets abwägen, ob es ein potenzielles Opfer wirklich "verdient" hat, ins Gras zu beißen.

Menschen sind Freunde, kein Futter

Je nachdem, wie ihr euch verhaltet, ändert sich der Gesundheitszustand der verschiedenen Viertel Londons. Quelle: PC Games Je nachdem, wie ihr euch verhaltet, ändert sich der Gesundheitszustand der verschiedenen Viertel Londons. Wie es um London steht, könnt ihr in einer Übersichtskarte verfolgen. Dort werden euch zu jedem einzelnen Bürger Informationen und Gesundheitszustand angezeigt. Dabei machen sich vorherige Aktionen durchaus bezahlt: Je mehr Hinweise ihr zu einer Person gesammelt habt und je gesünder sie ist, desto mehr XP erhaltet ihr beim Aussaugen. Zudem gibt es eine Anzeige zur aktuellen Lage der verschiedenen Stadtgebiete, welche sich eurem Verhalten entsprechend verändert. Verteilt ihr etwa Medizin an Bedürftige, wird der Bezirk gesünder. Geht ihr hingegen häufig auf die Jagd, fällt die Anzeige in einen kritischen Bereich und der Stadtteil versinkt im Chaos. Die Straßen werden von Monstern durchstreift und die Bevölkerung leidet. Viele NPCs sind tot oder vermisst. So verliert ihr eine nicht unwesentliche Anzahl an Interaktionspartnern und damit verbundenen Hinweisen, Anekdoten und Hintergrundinformationen. Es ist quasi als würde von einem Moment auf den anderen ein kompletter Teil des Spiels wegfallen. Das kann extrem ärgerlich und frustrierend sein, aber natürlich auch als konsequente Erzählweise gesehen werden.

So werdet ihr schließlich des Ausmaßes eurer Taten vollends bewusst. Euer Handeln beeinflusst den Lauf der Geschichte und welches Ende ihr am Schluss zu sehen bekommt. Ein durchaus kluger Schachzug seitens der Entwickler, zwingt er die Spieler doch in ein moralisches Dilemma: Verschone ich meine Mitbürger, verzichte auf zusätzliche Erfahrungspunkte und muss mich geschwächt den drohenden Gefahren stellen? Oder pfeife ich auf Ethik, opfere die Stadt und werde zu einem unbesiegbaren Herrscher der Nacht?

Tatsächlich ist der Unterschied in der Spielerfahrung allerdings doch nicht ganz so drastisch, wie man sich das vorstellen könnte. Denn auch wenn ihr euch dazu entschließt, keinen der Stadtbewohner für EP zu opfern, habt ihr kaum Probleme damit genug Erfahrung und Stärke zu sammeln, um euch euren Gegnern zu stellen. Tatsächlich verhält es sich sogar so, dass sich das gesamte Spiel recht problemlos beenden lässt, ohne auch nur einem NPC ein Haar zu krümmen. Stattdessen könnt ihr euren Blutdurst auch einfach an Ratten stillen.
Live and let die: Für's Aussaugen von NPCs bekommt ihr eine beachtliche Menge an Erfahrungspunkten. Quelle: PC Games Live and let die: Für's Aussaugen von NPCs bekommt ihr eine beachtliche Menge an Erfahrungspunkten.

Bis(s) zum Autosave

An dieser Stelle allerdings eine kleine Warnung: Wer den pazifistischen Ansatz bis zum Schluss durchzieht, muss einen neuen Spielstand anlegen, um die alternativen Entscheidungen und deren Konsequenzen auszuprobieren. Pro Spieldurchgang gibt es nämlich nur einen Speicherplatz, der automatisch überschrieben wird. Ihr könnt also nicht einfach neu laden und einen anderen Weg einschlagen. Das kann besonders problematisch sein, wenn es euch - wie bei uns geschehen - das Spiel zerschießt und folglich eine der Missionen verbuggt ist. Auch sonst werdet ihr öfters mit kleinen Fehlern konfrontiert (offene Türen lassen sich nicht durchqueren, Jonathan steckt an Gegenständen oder in der Wand fest), sodass eine manuelle Speicherfunktion durchaus Sinn ergeben hätte.

Während des letzten Abschnitts des Spiels könnt ihr zudem nicht mehr in die Stadt zurückkehren. Für Perfektionisten bietet es sich also an, alle Sammelaufgaben, Nebenmissionen und Gespräche abzuschließen ehe ihr euch dem finalen Boss stellt. Alternativ bleibt euch natürlich immer die Möglichkeit, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Das soll sich sogar lohnen, gibt es laut Aussage der Entwickler doch gleich mehrere verschiedene Enden zu sehen, je nachdem wie ihr euch während eure Playthroughs verhalten habt.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Vampyr (PS4)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Schönes Setting und dichte AtmosphäreStimmungsvoller SoundtrackPackende Story mit historischen EinflüssenÜber 60 NPCs mit persönlicher GeschichteMoralische Entscheidungen mit Einfluss auf den SpielverlaufAdaptiver SchwierigkeitsgradSimples Skill- und Upgrade-SystemGutes Vampir-Gameplay (Aussaugen, Sinne)Leicht zugängliche aber dennoch fordernde Kämpfe
Grafisch nicht einer PS4 würdigMimik der Charaktere schlecht umgesetztEinige Bugs und GlitchesNur ein Speicherstand pro SpieldurchgangTeilweise lange Wege – Schnellreise-Feature wäre von VorteilKeine Schleich-Funktion(Nur englische Sprachausgabe)
Fazit

Vampir-Fans können hier zugreifen, müssen bei Grafik und Gameplay allerdings Abstriche machen.

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