Vampire: The Masquerade - Swansong im Test - Seite 3
Test
Vampire: The Masquerade - Swansong ist ein narratives RPG mit Fokus auf bedeutenden Entscheidungen. Ob der Titel hält, was er verspricht, lest ihr im Test.
Zwar wäre es auch nicht zu empfehlen, die Gespräche beim ersten Mal einfach vorzuspulen, da tatsächlich viele Hinweise und wichtige Details über die Handlung und die Hintergründe der Spielwelt in den Gesprächen stecken, die Dialoge in Swansong betteln aber geradezu darum. Viele Konversationen ziehen sich ewig in die Länge und sind dabei sterbenslangweilig. Zwei Figuren stehen sich gegenüber und plaudern. Und das immer und immer wieder. Die Sprecherinnen und Sprecher tragen ihre Zeilen dabei so generisch vor, dass man direkt einschlafen könnte, und die Qualität der Texte schwankt stark zwischen mittelmäßig und einfach nur mäßig. Dass die Charaktermodelle altbacken, billig und leblos aussehen, erschwert zusätzlich eine emotionale Verbindung.
Die Charakterisierung einiger Figuren ist zudem wirklich unpassend für ein Spiel über jahrhundertealte Vampire. Nicht nur, dass manche der Big Player wenig Ehrfurcht gebietende, moderne Namen wie Hazel oder April haben, viele von ihnen verhalten sich auch wie verzogene Teenager. Das mag durchaus eine bewusste stilistische Entscheidung sein - es ist aber in jedem Fall eine schlechte Entscheidung. Vor allem mit Hauptfigur Emem fiel es uns anfangs ziemlich schwer zu sympathisieren, weil die Vampirin einfach rüberkommt wie eine anstrengende, selbstgerechte Nervensäge.
In diesem Artikel
Quelle: PC Games
Soziale Talente wie Überzeugung helfen uns dabei, Figuren von unseren Absichten zu überzeugen und an wichtige Informationen zu gelangen.
Im Laufe des Spiels bessert sich dieser Aspekt zumindest ein wenig. In Kombination mit den ewigen Gesprächen und den dürftigen Performances ist er aber dennoch eines der Hauptprobleme von Swansong. Wer den Fokus seines Spiels auf Story, Dialoge und Figuren legt, sollte zumindest dafür sorgen, dass das Skript nicht an einen Young-Adult-Schundroman erinnert und die Inszenierung nicht gähnend langweilig ist.
Ein Spiel für die geschlossene Gesellschaft
Trotz der zahlreichen Probleme, die das Spiel zweifelsfrei hat, müssen wir Vampire: The Masquerade - Swansong trotzdem in einigen Punkten Respekt zollen. Selten war ein Spiel, das stellenweise so langweilig, generisch und frustrierend daherkommt, gleichzeitig so faszinierend. Egal, wie nichtig die Figurenzeichnung oder ermüdend das Gameplay, wir wollten trotzdem irgendwie immer wissen, wo das Ganze noch hinführt.
Das liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass die Story tatsächlich sehr unterschiedlich ablaufen kann und man schon früh den Eindruck vermittelt bekommt, dass die eigenen Entscheidungen wirklich Einfluss auf den Verlauf der Nacht nehmen. Außerdem scheint das Team von Big Bad Wolf sich durchaus bewusst zu sein, dass Swansong wenig Massenappeal haben wird.
Wer noch nie einen Fuß in das World-of-Darkness-Universum gesetzt hat, wird hier nicht an die Hand genommen, sondern am Eingang abgestellt und sich selbst überlassen. Informationen über Lore und Figuren dürfen Unkundige dann schön selber nachlesen. Wozu gibt es schließlich Kodex-Einträge? Wer danach auch nicht schlauer ist, hat eben Pech gehabt. Diese Noob-Unfreundlichkeit ist für die Betroffenen natürlich ein Kritikpunkt, wirkt aber zumindest erfrischend ehrlich.
Am Ende können wir allein aufgrund der guten Ansätze aber nicht über die Schwächen des Titels hinwegsehen. Der viele Leerlauf und die mühseligen Unterhaltungen sorgen über weite Strecken für eine extrem passive und wenig erfüllende Spielerfahrung. Zwar steckt in diesem hässlichen Entlein durchaus ein - na ja so mittel hübscher - Schwan, der enthüllt sich aber nur denjenigen, die bereit sind, dem Titel mit sehr viel Liebe und Gutwillen entgegenzutreten.
Meinung
Vampire: The Masquerade - Swansong ist seit dem 19. Mai 2022 im Handel erhältlich. Die PC-Version gibt es exklusiv im Epic Store zu kaufen, außerdem wurde das Spiel für PS4, PS5, Xbox One und Xbox Series X|S und Nintendo Switch veröffentlicht. Der Titel hat von der USK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Die Sprachausgabe ist Englisch, es gibt jedoch eine Option für deutsche Bildschirmtexte.
