Tunic im Test: Kleiner Fuchs mit großem Anspruch - jetzt auch für Switch und PS4
Test
Der erste Eindruck täuscht: Hinter der niedlichen Fassade von Tunic steckt ein betont knackiges Action-Abenteuer, das sich zwar ordentlich bei Zelda bedient, aber auch viele eigene Stärken hat. Im Test klären wir, warum Tunic oft richtig Spaß machen kann - und wer sich den Kauf trotzdem gut überlegen sollte. Update: Jetzt auch mit Switch-Wertung.
Der Umfang geht für den Preis von 28 Euro völlig in Ordnung: Mindestens zehn Stunden solltet ihr einplanen, bis ihr den Endboss erreicht (von Besiegen hat da noch keiner was gesagt). Wer unterwegs auch viele Secrets entdecken und Rätsel knacken will, ist locker doppelt so lange beschäftigt. Wir haben selbst nach 25 Stunden noch nicht alles gesehen. Manche Teile der Welt könnt ihr aber erst vollständig erkunden, wenn ihr bestimmte Ausrüstung gesammelt habt, darunter einen magischen Greifhaken, ein Zauberstab oder eine Gasmaske. Bevor nun jemand "Metroidvania!" ruft, müssen wir euch enttäuschen: Ihr findet insgesamt nur sehr wenige Items, teilweise ist das Zeug sogar völlig optional.
Etwa in der Mitte des Spiels findet man beispielsweise eine Art Shotgun, die wir aber so gut wie nie benutzt haben. Das gilt auch für die Bosskämpfe, die euch am Ende der größeren Dungeons erwarten: Hier braucht ihr praktisch nie ein besonderes Werkzeug, sondern müsst euch vor allem auf blitzschnelle Reflexe, einen großen Bombenvorrat und eure knappen Heiltränke verlassen. Manche Bosse lassen sich ohne Stress niederknüppeln, andere dagegen haben es richtig in sich und dürften auch erfahrene Spieler auf die Probe stellen.
In diesem Artikel
- Seite 1 Tunic im Test: Kleiner Fuchs mit großem Anspruch - jetzt auch für Switch und PS4
- Seite 2 Tunic im Test: Kleiner Fuchs mit großem Anspruch - jetzt auch für Switch und PS4
- Seite 3 Tunic im Test: Kleiner Fuchs mit großem Anspruch - jetzt auch für Switch und PS4
- Seite 4 Tunic im Test: Kleiner Fuchs mit großem Anspruch - jetzt auch für Switch und PS4
- Seite 5 Bildergalerie
Quelle: Finji
Der ungewöhnliche Grafikstil sorgt zusammen mit der entspannten Musik für eine unverwechselbare Atmosphäre.
Besonders im letzten Drittel haben uns zwei Bossgefechte so richtig genervt, den finalen Kampf haben wir fast schon als unfair empfunden. Nach mehr als zwanzig Anläufen haben wir es zwar doch noch gepackt, allerdings nur mit massenhaft Heilgegenständen im Gepäck, für die wir uns das nötige Geld extra zusammengefarmt hatten. Den Schwierigkeitsgrad solltet ihr also nicht unterschätzen: Wo Dark-Souls-Fans vielleicht nur müde mit der Wimper zucken, könnten "Normalspieler", die ein gemütliches Indie-Zelda im Stil von Blossom Tales erwarten, öfter mal an ihre Grenze stoßen.
[h2 HASHTAG=Keine Lust auf Frust]Keine Lust auf Frust[/h2]
Wenn ihr das Inventar öffnet, wird das Spielgeschehen nicht angehalten, das heißt: Gegner können euch ungehindert angreifen. Das ist vor allem deshalb ärgerlich, weil ihr nur drei Aktionstasten mit Waffen, Ausrüstung oder Verbrauchsgegenständen belegen könnt. Da ein Slot aber praktisch immer mit dem Schwert belegt ist, bleiben nur zwei Plätze übrig. Bis ihr also den dringend nötigen Manabooster, eine Heilpflanze oder die Eisbombe aus dem Rucksack gefischt habt, habt ihr vielleicht schon längst einen Treffer kassiert. Eine bequeme Schnellzugriffsleiste oder zumindest ein optionaler Zeitlupeneffekt hätten hier viel Frust abfangen können, ohne das Gameplay zu verwässern.
Bildergalerie
Im Optionsmenü finden sich ein paar Cheats, mit denen man beispielsweise den Ausdauerverbrauch komplett abschalten kann. Das wirkt fast schon übertrieben, schließlich fällt so ein wichtiges Spielelement weg. Mittlerweile haben die Entwickler aber eine weitere Option eingebaut, mit der ihr nun auch die Kampfschwierigkeit reduzieren könnt, ohne ganze Features abzuschalten. Dadurch kann euer Fuchs deutlich mehr Treffer einstecken, alle weiteren Mechaniken bleiben davon anscheinend unberührt. Falls ihr euch also mehr auf das Entdecken und das Lösen der Puzzles konzentrieren wollt als auf die Kämpfe, ist dieser Modus genau das Richtige für euch!
Rätsel über Rätsel
Neben den Kämpfen sorgen auch die Rätsel zuverlässig für Kopfkratzen: Im späteren Spielverlauf lernen wir nämlich eine Art Magiesystem kennen, das komplett über das Steuerkreuz oder die Pfeiltasten bedient wird (im Spiel als "heiliges Kreuz" beschrieben). Oben, unten, rechts, rechts, links, oben, unten, links - solche Tastenkombinationen sind überall in der Spielwelt versteckt, an Wänden, in Kacheln am Boden, selbst ein paar Blumen oder die Flügel einer Windmühle können einen Code enthalten. Teilweise werdet ihr erst nach vielen Stunden merken, dass ihr schon zigfach an so einem Secret vorbeigestiefelt seid. Manche Aufgaben kapiert man sofort, für andere muss man auch mal um die Ecke denken. Umso motivierender dann der Moment, wenn man auf die Lösung kommt!
