Trials Rising im Test: Gold für den Spaß-Faktor, nur ein Trostpreis für die Switch-Version

Test Katharina Pache
Eine Story gfibt es in Trials Rising nicht, nur selten seht ihr Zwischensequenzen.
Quelle: PC Games

Mein Stuntman fährt im Hühnerstall Motorrad: Über 110 schräge Pisten, diabolische Herausforderungen und schweißtreibende Rennen sorgen in Trials Rising für gute Laune. Nicht alle, aber die meisten Aspekte von Ubisoft-Motorrad-Arcade-Hit überzeugen - sowohl Anfänger als auch Experten.

Statt auf Einhörnern reitende Katzen zu steuern (wie in der Erweiterung von Trials Fusion), dreht ihr in Trials Rising (jetzt kaufen / 18,99 € ) eure Kreise bodenständiger - soweit man in einem Spiel, bei dem ihr regelmäßig mit dem Motorrad durch die Luft segelt, von bodenständig reden kann. Die Ingredienzen sind jedenfalls simpel: Ihr trohnt auf dem Kraftrad, vor euch liegt eine halsbrecherische Strecke, die bewältigt werden möchte - im Idealfall macht ihr keine Fehler und kommt als Erster ins Ziel.

Praktisch tränkt ihr viele der Parcours mit Schweiß, Blut und Tränen, denn ohne den punktgenauen Einsatz von Gewichtsverlagerung, Gas und Bremse fresst ihr Staub. Die wichtigste Frage beantworten wir gerne zuerst: Ja, die bewährte Trials-Formel funktioniert auch in Rising hervorragend. Auf manchen Plattformen mehr, auf anderen weniger.

Die Welt erfahren

Anders als die älteren Serienteile führt Trials Rising Neulinge sanft an die Feinheiten des Spielsystems heran. In speziellen Lektionen der Trials-Universität (mit der Zeit schaltet ihr weitere Aufgaben frei) werden eure Fähigkeiten auf die Probe gestellt. Hier bekommt ihr Grundlagen (Lehnen, Landen auf Steigungen) sowie anspruchsvolle Techniken (Bunny Hop oder Rear Wheel Bounce) idiotensicher erklärt. Die erfolgreiche Umsetzung steht zwar zunächst auf einem anderen Blatt, wie üblich bei Spielen mit Geschicklichkeitsfaktor freut ihr euch aber rasch über Erfolgserlebnisse.

Euer Motocross-Spielplatz ist riesig und umfasst mehr als 110 Level. Ganz am Anfang warten Strecken in Nordamerika auf euch, später Europa, Asien, zurück in Amerika, und so weiter, bis ihr die ganze Welt durchquert habt. Um die nächste Ladung Parcours freizuschalten, müsst ihr Arena-Kämpfe in drei Phasen gewinnen: Hier tretet ihr gegen sieben andere (Computer-)Fahrer an. Manchmal verwehrt euch eine Levelgrenze den direkten Fortschritt - für jedes Rennen erhaltet ihr Erfahrungspunkte, mit denen ihr in schöner Regelmäßigkeit euren Rang verbessert. Zwar geht der Fortschritt recht flott und zu einem nervtötenden Grind verkommt das Spiel nicht (ihr erhaltet auch durch Online-Matches Punkte), gerade erfahrene Stuntmen sollten aber gleich in der Lage sein, zu den schwierigen Herausforderungen durchzumarschieren. Die Weltreise per Motorrad macht wegen der klasse gestalteten Strecken viel Laune. Quelle: PC Games Was für eine Aussicht! Die Strecken sind wundervoll in berühmte Landschaften auf der ganzen Welt eingebettet. Hier sehen wir den Grand Canyon.

Schneller ist besser

Ein echtes Highlight in Trials Rising sind abermals die Strecken. Aus der Seitenansicht brettert ihr über die Große Mauer in China, durch eine belagerte Ritterburg in Deutschland oder den Eiffelturm in Paris hinauf - der Einfallsreichtum der Designer ist bemerkenswert, da fällt es wahrlich schwer, sich für einen Lieblingsparcours zu entscheiden! Viele Strecken fahrt ihr mehrmals, allerdings mit neuen Aufgaben - schlagt etwa die Silberzeit, macht nicht mehr als sechs Fehler oder kommt insgesamt auf 30 Sekunden Zeit, in der ihr nur auf dem Hinterrad balanciert. Die Checkpoints sind überaus fair platziert und mit einem Knopfdruck setzt ihr euch eine Station oder ganz an den Anfang des Rennens zurück. Da das so fix und unkompliziert funktioniert, ist der "noch eine Runde"-Suchtfaktor immens - vor allem, wenn man Goldmedaillen und Bestzeiten anstrebt, denn jeder Fehler kostet euch fünf Strafsekunden.

Passend zur dreckigen Action erklingen Songs bekannter Bands, vor allem aus dem Punk-, Rock- und Metal-Genre, darunter etwa Motörhead, Billy Talent, In Flames, Airbourne und Sum 41. Auf ausgesuchten Tracks geht's auch mal elektronisch zu, oder ihr lauscht Hip-Hop-Songs, aber auch das passt zum Flair der jeweiligen Strecke. Eine groß inszenierte Story gibt es in Trials Rising nicht, stattdessen erläutern Standbild-Charaktere die Aufgaben.

Geisterfahrer

Ähnlich wie Mario Kart entfaltet Trials zusätzliches Spaßpotential, wenn man sich mit menschlichen Spielern duelliert. Statt im Splitscreen findet alles auf einem Bildschirm statt, auch lokal für bis zu vier Teilnehmer. Wer zu langsam ist, wird einfach beim nächsten Checkpoint abgesetzt. Dazu kommt der Online-Modus, bei dem bis zu acht Fahrer Kräfte und Geschick messen. Bestzeiten werden plattformübergreifend verglichen, ihr seht wortwörtlich das ganze Leistungsspektrum der internationalen Fahrgemeinschaft in Form der Geister auf der Strecke - na ja, fast. Die Switch bleibt außen vor. Crossplay bietet Trials Rising nicht. Jeder Fehler - wie zum Beispiel Kontakt zu einem explosiven Fass - kosten euch fünf Strafsekunden. Quelle: PC Games Jetzt aber vorsichtig! Die roten Fässer explodieren bei der kleinsten Berührung.

Am Release-Tag (26. Februar 2019) waren die Server auf PS4, PC und Switch noch spärlich besucht. Auf volle acht Fahrer kamen wir zu keinem Zeitpunkt, und auch für weniger Mitstreiter mussten wir teilweise minutenlang warten. Während der Online-Fahrten kam es gelegentlich zu Rucklern und Tearing, die zwar in unserem Fall nicht spielentscheidend waren, es aber in schlechten Augenblicken durchaus sein können. Private Online-Session folgen zu einem späteren Zeitpunkt. Gute Freunde fahren Tandem: Im Zweispieler-Koop-Part müsst ihr die Strecken im Zusammenspiel meistern.

Für eine Handvoll Nüsschen

Fahrer und die Bikes lassen sich personalisieren, Trials Rising ist vollgestopft mit kosmetischen Erweiterungen. Gefühlte Millionen Sticker warten darauf, freigespielt zu werden, außerdem kleidet ihr euren Fahrer ein (den ihr in einem rudimentären Editor erstellt) und wechselt Teile eures Fahrzirkus aus. Das ist wohlgemerkt alles nur für's Auge, tunen könnt ihr die Räder nicht. Welche Goodies ihr freispielt, ist dabei vollkommen Fortuna überlassen.

Pro erreichtem Rang erhaltet ihr eine Lootbox mit drei zufällig bestimmten Objekten in unterschiedlichen Seltenheitsstufen. Natürlich könnt ihr auch ins Portemonnaie greifen, um zusätzlich Krempel zu kaufen. Das geschieht über eine zweite Währung im Spiel, die Eicheln. Bis auf wenige Ausnahmen kosten zum Beispiel alle Gesten, die ihr eurem Fahrer verpassen könnt und die dieser dann bei Rennbeginn, Sieg oder Niederlage ausführt, Eicheln und somit echtes Geld, denn im Spiel erhaltet ihr nur wenig von diesem Zahlungsmittel. Was die Eicheln kosten, lässt sich am Release-Tag noch nicht sagen - sie stehen noch nicht zum Verkauf.

Mit Gesten (die meisten kostenpflichtig) personalisiert ihr euren Fahrer. Quelle: PC Games Gelobt sei die Sonne? Diese Geste ist ohne Frage eine Anspielung an Dark Souls - und sogar kostenlos. Auch die obligatorische Einbindung von Club Ubisoft darf nicht fehlen, Mitglieder holen sich so Münzen, Eicheln, diverse Items wie Helme und natürlich weitere Lootboxen. Unschön, aber immerhin nicht spielrelevant. Beachtet: Ohne Internetverbindung könnt ihr Ausstattungsboxen nicht öffnen! Spielbar ist Trials Rising zwar auch ohne permanente Online-Anbindung, ihr braucht allerdings ein Ubisoft-Konto, um auf den Mehrspielerpart zuzugreifen. Kostet nichts, ist trotzdem nervig.

The good, the bad and the ugly

Die Optik ist generell eher zweckmäßig als schön, wobei die Unterschiede zwischen der Ausgabe für Nintendo Switch und den restlichen Plattformen teilweise eklatant sind. Sowohl im Handheld- als auch im Bildschirmbetrieb sind die Texturen auf der Switch schwächer, die Farben matter und die Effekte hässlicher, wenn überhaupt vorhanden. Im portablen Modus erreicht Trials Rising maximal 720p, durch die dynamische Auflösung ist es aber oft weniger. Dazu kommen 30 Frames pro Sekunde auf der Nintendo-Konsole statt 60 Frames wie etwa auf der PS4 - allerdings ist die Framerate dort auch nicht immer stabil. Dazu kommen Abstürze auf der Switch, durch die zwar nie Fortschritt verloren ging, die aber natürlich trotzdem stören.

Slider Trials Rising Nintendo Switch vs. PS4

Nintendo Switch PS4

Auf keinen Fall ist Trials Rising Grafikreferenz, insgesamt betrachtet zeigt sich die Präsentation von den paar technischen Macken abgesehen aber gelungen. Am PC sieht Trials ohne Frage am besten aus, da wirbeln die Reifen Staub auf und auch entfernte Objekte sind knackig scharf, nachladende Texturen seltener und die Ladezeiten kürzer als auf den Konsolen. Allerdings hat die Kontrolle per Maus und Tastatur auch Nachteile: Während sich der Editor mit den klassischen PC-Eingabegeräten besser bedienen lässt, ist beim Fahren ein Controller von Vorteil.

Isaac Newton lässt grüßen

Ein letzter wichtiger Punkt ist die Physik: Auch in Trials Rising verhalten sich die Fortbewegungsmittel nicht unbedingt realistisch (vor allem auf glatten Oberflächen und Wasser), sie gehorchen aber festen Regeln, die es zu verinnerlichen gilt. Immer wieder für Erheiterung sorgen Im Editor erstellt ihr eigene Level. Auch auf die Werke anderer Spieler könnt ihr online zugreifen. Quelle: PC Games Der Editor hat viele PS unter dem Sattel, aber ihr müsst euch erst in die Bedienung einarbeiten. die Ragdoll-Zuckungen verunfallter Fahrer. Trotz des Arcade-Flairs haben es die späteren Strecken mit Fokus auf Technik in sich - um diese mit Bravour zu bestehen, braucht ihr Nerven aus Stahl, viel Geduld und eine Menge Übung oder Geschick. Auch hier zeigt sich ein Nachteil der Switch-Fassung: Joy-Cons und Pro-Controller haben keine analogen Schultertasten, sodass es schwieriger ist, Gas und Bremse fein zu dosieren.

Durch das ständige Freispielen diverser Items, den stolzen Umfang und den Rangaufstieg ist die Langzeitmotivation in Trials Rising gewährleistet, dazu kommen die spaßigen Duelle mit anderen Spielern und der Strecken-Editor, in dem ihr eigene Parcours erstellt und teilt. Dieser entspricht quasi den Werkzeugen, die auch die Entwickler beim Erstellen von Routen nutzen, er erfordert also Einarbeitung ob seiner Komplexität. Und wenn das noch nicht reicht: laut Ubisoft stehen schon diverse Erweiterungen in den Startlöchern. Zugegeben, viel hat sich in Trials Rising im Vergleich zu den anderen Teilen nicht geändert, vom Wegfall der Tricks aus Trials Fusion mal abgesehen. Allerdings ist eine grundlegende Frischzellenkur auch gar nicht nötig, Trials macht Spaß wie eh und je!

Meinung

Wertung zu Trials Rising (NSW)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Trials Rising (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Trials Rising (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Riesiger UmfangLektionen für Anfänger und FortgeschritteneVier Motorräder (plus Fahrrad und Tandem)Wundervoll gestaltete, abwechslungsreiche StreckenMit mächtigem EditorGrößtenteils motivierendes FortschrittsystemSpaßige Mehrspieler-Matches, auch onlineMit neuem Koop-ModusGute SteuerungMitreißende HintergrundmusikAuch für Experten forderndFaire Checkpoints und schnelles Zurücksetzen
Unmengen nutzlose Kosmetik-ItemsLevel-Beschränkungen halten Fortschritt manchmal aufMit (optionalen) MikrotransaktionenLadezeiten könnten kürzer seinLäuft nicht immer flüssigVerwaschene Texturen (Switch)Läuft nur mit 30 Frames (Switch)Auflösung teilweise niedriger als 720p (Switch)Blasse Farben, kaum Effekte (Switch)Abstürze (Switch)
Fazit

Suchterregender Motorradspaß zwischen Funracer und Hardcore-Geschicklichkeitsspiel.

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