Total War Saga - Thrones of Britannia im Test: Die Wikinger kommen! Unser Review des neuen Ablegers
Test 7,76 €
TW-Veteranen dürfen sich dieses Jahr gleich doppelt freuen: Creative Assembly bringt gleich zwei historische Ableger der renommierten Echtzeitstrategie-Reihe heraus. In unserem Test erfahrt ihr, was sich im neuesten Teil gegenüber den Vorgängern verändert hat und ob Thrones of Britannia dank der Neuerungen das beste Spiel der Reihe ist.
Die letzten beiden Total War-Ableger gehören ohne Frage spielerisch zu den besten Teilen der renommierten Reihe (hier geht es zum Test von Warhammer 2). Doch haben sie für den einen oder anderen langjährigen Fan der Serie einen großen Makel: Statt uns in eine geschichtlich interessante Epoche zu versetzen, waren Warhammer 1 und 2 in einer Fantasy-Welt angesiedelt. Dieses Jahr dürfen sich aber die Hobby-Historiker unter uns freuen, denn Creative Assembly wird gleich zwei Ableger mit einem geschichtlichen Setting veröffentlichen. Während wir uns noch im Falle von Total War: Three Kingdoms bis in den Herbst gedulden müssen, erscheint Thrones of Britannia bereits am 3. Mai. Wir haben rund drei Wochen vor dem offiziellen Release eine Test-Version ins Haus bekommen und konnten so die Kampagne mit drei unterschiedlichen Fraktionen beenden.
In diesem Artikel
Total War Saga - Thrones of Britannia im Test: Die Wikinger sind da!
Total War Saga: Thrones of Britannia (jetzt kaufen / 7,76 € ) versetzt uns in eine der spannendsten Epochen der britischen Geschichte: in die Zeit der Wikingereinfälle um das Jahr 880. Nach den ersten Raubzügen des legendären - jedoch historisch nicht belegten - Ragnar Lodbroks beanspruchen die Nordmänner weite Teile der britischen Inseln für sich, sind aber ähnlich wie die Einheimischen - sprich die Angelsachsen, Waliser und Gälen - miteinander bis aufs Blut verstritten. Obwohl der angelsächsische König Alfred der Große die Wikinger in der Schlacht von Edington vernichtend geschlagen hat, ist die Gefahr aus dem Norden längst nicht vorüber. Uns stehen insgesamt zehn spielbare Fraktionen zur Auswahl, mit denen wir um den Thron des Inselreichs kämpfen - sowohl aufseiten der Eindringlinge als auch der Einheimischen. Zum Beispiel können wir uns für die Gälischen Königreiche entscheiden und so aufseiten der Circenn oder Mide unseren Eroberungszug beginnen. Aufseiten der Nordmänner stehen uns hingegen entweder die Großen Wikingerarmeen von Northumbria und Ostanglien oder die Seekönige von Dublin und Sudreyar zur Auswahl.
Dabei unterscheiden sich die Einheiten der Fraktionen im Gegensatz zu anderen Teilen der Total War-Reihe kaum, dafür aber die Ziele und Herausforderungen auf der Kampagnenkarte. Die mangelnde Abwechslung in puncto Truppentypen dürfte auch für jeden Geschichtsinteressierten leicht nachvollziehbar sein, da die kulturellen Unterschiede der germanisch stämmigen Angeln, Sachsen und norwegischen, schwedischen beziehungsweise dänischen Wikinger nicht allzu groß waren und die eingesetzten Waffen und Taktiken ebenfalls nicht. So verfügen alle Parteien über starke Axt- sowie Schwertkämpfer, geübte Speereinheiten, gut gepanzerte Kavallerie sowie Fernkampftruppen in Form von Bogenschützen und Wurfspeerinfanterie. Jede Fraktion hat zudem noch eine besonderen Truppentyp, die Circenn haben zum Beispiel durchschlagskräftige Armbrustschützen, die Wikinger hingegen mutige Berserker. Auf Belagerungseinheiten wie Ballisten oder Bliden müssen wir hingegen verzichten - technisch war die Kriegstechnologie der antiken Römer und Griechen zum Beispiel weitaus fortgeschrittener als die des "dunklen" Mittelalters. Erst gegen Ende einer Kampagne können wir ein einfaches Katapult erforschen, womit wir immerhin Siedlungen innerhalb einer Spielrunde einnehmen können, anstatt sie mehrere Züge lang belagern zu müssen.
Total War Saga - Thrones of Britannia im Test: Schwache Echtzeitschlachten
Durch die doch recht ähnlichen Truppentypen bieten die Echtzeitschlachten unserer Meinung nach wenig Abwechslung - in der Kampagne haben wir deshalb deutlich öfter als in den Vorgängern die Gefechte automatisch berechnen lassen. Die Auseinandersetzungen jener Zeit liefen aber nun mal laut den historischen Quellen oft recht ähnlich ab. Vor allem die sogenannte Schildwall-Formation führte in den Schlachten wie in Edington oder auch später in Hastings dazu, dass die Verteidiger oftmals im Vorteil waren und die Fernkampftruppen mit ihren Pfeilen kaum Schaden anrichten konnten. Erst wenn die Moral der Truppen nachließ oder eine Seite einen Ausbruch wagte, kam es zum Kampf.
Genau solche Schlachten erleben wir auch in Total War Saga: Thrones of Britannia und man kann es sich vorstellen, dass hier nach einigen ähnlichen Auseinandersetzungen die Luft raus ist. Was auch ein wenig schade ist, dass die Entwickler sich bei den Schlachtumgebungen wenig Mühe gegeben haben. So gibt es zum Beispiel nur eine Art von Flussareal, in der es lediglich eine Brücke zum Überqueren des kühlen Nasses gibt. Man kann sich leicht vorstellen, dass es hier stets an einer einzigen Stelle zum Kampf kommt und meistens der Verteidiger gewinnt - Raum für Flankenmanöver oder ähnliches bietet die recht schmale Brücke nun mal nicht.
Ähnliches trifft auch auf die Belagerungsgefechte zu. Hier ist aber die für die Reihe typische schwache KI zu einem guten Teil an der Gleichmäßigkeit schuld. Wie in den historischen Vorgängern, versucht der Computer, wenn er eine befestigte Siedlung angreift, nur an einer Stelle durchzubrechen und scheitert in 99 Prozent der Fälle. Da aus geschichtlichen Gründen kaum Katapulte oder andere mauerbrechende Waffen zum Einsatz kommen, hat man es selbst aber auch nicht einfach. Für gewöhnlich hat es sich für uns eher ausgezahlt, mit einer überdimensionierten Armee die jeweilige Stadt mehrere Runden zu belagern und darauf zu warten, dass der Feind einen Ausbruch versucht.
Quelle: PC Games
Bei Gefechten an Flüssen gibt es lediglich eine Stelle zum Überqueren des kühlen Nasses. Eine stumpfe Keilerei auf der Brücke ist so vorprogrammiert.
Ähnlich interessant sind auch die spielbaren Seegefechte. Hier hatten wir das Gefühl, dass es lediglich auf die Größe der Streitmacht ankommt und ob die Krieger seetauglich sind. Für die angelsächsischen und gälischen Fraktionen gilt nämlich, dass ihre Truppen an Seekrankheit leiden und so große Mali in den Gefechten erleiden. Zudem ist es jammerschade, dass es keine unterschiedlichen Schiffstypen wie etwa in Total War: Rome 2 oder Empire gibt. Historisch gesehen wäre hier mehr drin gewesen, zumal es zum Beispiel die berühmt-berüchtigten Langschiffe der Wikinger in unterschiedlichen Größen gab.
