Total War: Rome Remastered im Test: Sehr gute Neuauflage des Strategie-Klassikers

Test Ulrich Wimmeroth Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Total War: Rome Remastered im Test: Sehr gute Neuauflage des Strategie-Klassikers
Quelle: Sega

Creative Assembly und Feral Interactive spendieren einem der Klassiker aus den Anfangszeiten der Total-War-Serie eine optische Komplettüberholung, ohne die meisten Spielmechaniken des fast 17 Jahre alten Rome: Total War zu modernisieren. Genügt das, um sich erneut auf Eroberungsfeldzug zu begeben? Wir haben uns Gladius und Pilum gepackt, um es in unserem Test herauszufinden.

Unterstützung von Ultrawide-Monitoren und native UHD-Auflösung mit 4K-Optimierung, wenn ihr euch das optionale Grafikpaket herunterladet: Die Portierungs-Profis von Feral Interactive (siehe Kasten) haben bei der optischen Modernisierung des Rundenstrategieklassikers Rome: Total War ganze Arbeit geleistet. Das mittlerweile grafisch und spielmechanisch schwer in die Jahre gekommene erste echte 3D-Total-War der Taktik-Tüftler von Creative Assembly hat immer noch eine treue Fangemeinde und dank aktiver Modding-Szene die Zeit nach dem Erscheinen vor beinahe 17 Jahren gut überstanden. Eine Erfolgsgeschichte in der Gemeinschaft der Strategiespieler, die der Nachfolger Total War: Rome 2 nicht in diesem Umfang vorweisen kann.

Die Entscheidung für eine längst überfällige Renovierung ist also nachvollziehbar. Doch reichen ein neuer Textur-Anstrich, eine Handvoll neuer Fraktionen sowie einige durchaus sinnvolle "Quality of Life"-Verbesserungen - unter anderem eine angenehm aufgeräumte Benutzeroberfläche mit schicken Icons - aus, damit alte und neue Strategie-Fans sich mit Wonne auf den langen Weg zur Weltherrschaft machen? Zumal mit den Abstechern ins Fantasy-Gefilde (Total War: Warhammer), Total War Saga: Thrones of Britannia und Troy, Total War: Three Kingdoms oder dem bärenstarken Total War: Attila eigentlich genügend aktuelle Games der Reihe zur Verfügung stehen, die mit entsprechender Optik sowie komplexen Strukturen und Spielmechaniken aufwarten.
Aber eben nicht den Zeitraum des Römischen Reichs abdecken. Also hören wir auf die Wünsche des Senats und machen uns auf, mit viel Gewalt und ein wenig Diplomatie ein Weltreich zu erschaffen.

Frisches Tutorial für Einsteiger

Manchmal ist das Wort doch hilfreicher als das Schwert: Der Diplomatie kommt in Total War: Rome Remastered erheblich mehr Bedeutung zu. Quelle: PC Games Manchmal ist das Wort doch hilfreicher als das Schwert: Der Diplomatie kommt in Total War: Rome Remastered erheblich mehr Bedeutung zu. Für Neueinsteiger im Strategie-Genre ist aller Anfang schwer. Manchmal so schwer, dass der ein- oder andere vielleicht vor der Fülle an Mechaniken und Menüstrukturen kapituliert, bevor es "Klick" macht und die Begeisterung die Oberhand gewinnt. Das war glücklicherweise auch den Entwicklern klar, die Total War: Rome Remastered mit neuen Tool-Tipps, informativen Beratern, einem umfangreichen Wiki und vor allem einem neuen, äußerst einsteigerfreundlichen Tutorial ausgestattet haben. In einem knackigen Mini-Szenario bekommt ihr die wesentlichen Grundpfeiler für eine erfolgreiche Kampagne häppchenweise präsentiert. Die Einführung eignet sich dabei auch prima für alte Total-War-Hasen, die eine längere Spielpause eingelegt haben und ihre Kenntnisse zügig auffrischen möchten.

Eine Portierung von Rome: Total War erschien bereits 2016 für das iPad sowie 2018 für iPhone und Android-Geräte. Quelle: Sega Eine Portierung von Rome: Total War erschien bereits 2016 für das iPad sowie 2018 für iPhone und Android-Geräte. Nach einem kurzen Überblick über die Möglichkeiten der überarbeiteten Kamera, die jetzt endlich Kartenrotation erlaubt und in den Schlachten noch weiter ins Geschehen zoomen kann, steht gleich eine erste Senatsmission für die Fraktion der Julier an. Zum Ruhme des wachsenden Imperiums sollt ihr das nahegelegene Dorf Segasta angreifen und die dort ansässigen Rebellen besiegen. Zehn Runden habt ihr dafür Zeit - mehr als genug für das erste kleine Scharmützel. Schritt für Schritt wird euer General Flavius Julius durch Truppenaufstellungen, verschiedene Belagerungsoptionen sowie die ersten taktisch geprägten Gefechte geführt. Kurz zusammengefasst: Nutzt ausgiebig die Bogenschützen aus sicherer Entfernung, sichert diese mit euren Triariern vor anstürmenden Feinden, fallt mit der Kavallerie dem geschwächten Gegner in die Flanken und brecht dann mit der Hastati-Infanterie zum finalen Todesstoß auf.

Berater, Tool-Tipps und neue Overlays

Ihr wollte von Anfang an alle Völker in Total War: Rome Remastered und der Erweiterung Barbarian Invasion spielen können? Ein Häkchen in den erweiterten Einstellungen genügt. Quelle: PC Games Ihr wollte von Anfang an alle Völker in Total War: Rome Remastered und der Erweiterung Barbarian Invasion spielen können? Ein Häkchen in den erweiterten Einstellungen genügt. So einfach wird es in den Eroberungszügen der Kampagne natürlich nicht bleiben. Aber wenn ihr die erlernten Grundzüge beherzigt, wird euch so mancher schneller Sieg winken. Ein Problem, gerade in den späteren Massenschlachten, bleibt aber immer noch die Künstliche Intelligenz, die Total-War-typisch immer wieder zwischen überraschend clever, extrem aggressiv, dumm wie Brot oder gar selbstmörderisch agierend schwankt. Es folgen noch kurze Einweisungen zum Bau von Gebäuden, dem Rekrutieren neuer Einheiten, den Tücken der Diplomatie und dem Entsenden von Spionen, die sich lustig animiert im Trippelschritt in andere Städte schleichen.

Für ein kurzes Gefecht zwischendurch stehen euch im Hauptspiel und den Erweiterungen spannende historische sowie eigene und schnelle Schlachten zur Verfügung. Quelle: PC Games Für ein kurzes Gefecht zwischendurch stehen euch im Hauptspiel und den Erweiterungen spannende historische sowie eigene und schnelle Schlachten zur Verfügung. Als sinnvoll erweist sich die komplett neu gestaltete Kampagnenkarte, die per Mausklick reichlich verschiedene Overlays anbietet und auf einen Blick beispielsweise über die Ausbreitung der Fraktionen oder jegliche Art von Befestigungen auf der bekannten Welt auf einem Blick informiert. Leicht verständlich nehmen euch die virtuellen Berater an die Hand und erläutern jeden einzelnen Klick in den Menüs, bis das Grundgerüst für eine erfolgreiche Kampagne sitzt. Die frisch renovierte Benutzeroberfläche, ausgestattet mit modernen Icons und ausführlichen Tool-Tipps, lässt dabei das mitunter aufkommende Menü-Chaos des Originals vergessen. Optional könnt ihr nun noch einige weitere Runden mit dem Haus der Julier spielen. Ihr fühlt euch fit genug? Dann startet eine eigene Kampagne mit eurer Wunschfraktion.

Alle Völker von Anfang an spielbar

So schick die Kampagnenkarte auch überarbeitet wurde, in den leeren Landschaften während der Schlachten fehlt es an Details. Quelle: PC Games So schick die Kampagnenkarte auch überarbeitet wurde, in den leeren Landschaften während der Schlachten fehlt es an Details. Zu Beginn der Imperialen Kampagne stehen nur 3 von 19 Fraktionen zur Verfügung. Möchtet ihr nicht mit der Familie der Julier, Bruti oder Scipionen den Weg zur Eroberung antreten, dann lassen sich auch alle Fraktion sofort freischalten, ohne zuvor bestimmte Bedingungen in einer Kampagne zu erfüllen - meist den Sieg über ein Volk. Alles, was es dazu braucht, ist es, auf dem Startbildschirm, über den Total War: Rome Remastered aufgerufen wird, die erweiterten Optionen zu wählen und die Checkbox "Alle Seiten des Basisspiels freischalten" zu aktivieren. Das war im Original von 2004 noch deutlich komplizierter und es mussten manuell Änderungen an einer Datei im Programmverzeichnis vorgenommen werden. So geht es doch viel einfacher, wenn ihr das Spiel als Spanier, Thraker oder auch Numider beginnen wollt. Das gilt übrigens auch für die Erweiterung Barbarian Invasion, die euch sogleich alle 18 Völker - beispielsweise Alemannen, Langobarden, Ostgothen oder Burgunder - zur direkten Auswahl freigibt.

In Total War: Rome Remastered lassen sich größere Armeen in die Schlachten schicken. Gar nicht so einfach, bei dem Gewusel noch den Überblick zu behalten ... Quelle: PC Games In Total War: Rome Remastered lassen sich größere Armeen in die Schlachten schicken. Gar nicht so einfach, bei dem Gewusel noch den Überblick zu behalten ... Bevor ihr loslegt: Mit einem Klick oben rechts auf das Zahnrad-Symbol ruft ihr im Hauptmenü die Modifikatoren auf, mit denen ihr bestimmt, ob ihr die Classic- oder Remastered-Einstellungen verwenden möchtet. Wählt ihr in allen Abschnitten "Classic", entgehen euch jedoch einige spannende spielmechanische Erweiterungen, zum Beispiel der neue Agenten-Typ Kaufleute, der euch gute Dienste leistet. Rekrutiert ihr Händler auf Märkten und schickt sie in die weite Welt, floriert der Warenaustausch zwischen weit entfernten Siedlungen gleich deutlich besser und euer Staatssäckel füllt sich schneller mit dringend für die Expansion benötigten Geldmitteln.

Auch wenn Feral Interactive die altbekannten Mechaniken des Originals nur in homöopathischen Dosen anpackt und hier und da etwas erweitert hat: Das Hinzufügen von Nachtschlachten im Hauptspiel sowie deutlich spürbare Verbesserungen und erweiterte Handlungsmöglichkeiten im wichtigen Bereich Diplomatie solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Eine dauerhafte Allianz mit einem starken Gegner lässt mehr Spielraum für eure Eroberungsgelüste als ein aufzehrender Mehrfrontenkrieg. Allerdings stehen die Bündnisse oftmals auf wackeligen Füßen, und so mancher Pakt wird abrupt gebrochen. Ein wachsamer Blick auf eure Diplomaten ist also Pflicht!
Schnelle Schlachten und plattformübergreifendes PvP

Wenn ihr wenig Zeit habt und euch nicht stundenlang in die Imperiale Kampagne vertiefen wollt, dann stehen im Hauptmenü mit Schnelle Schlacht, Historische Schlacht oder Eigene Schlacht reichlich Möglichkeiten für das schnelle Gemetzel zwischendurch zur Verfügung. Ihr wolltet zum Beispiel schon immer die historisch verbriefte Schlacht im Teutoburger Wald nachvollziehen und mit dem Haus der Scipionen gegen KI-gesteuerte Germanen antreten? Mit einem Mausklick könnt ihr sofort loslegen und eure Strategien für einen haushohen Sieg austesten.

Mögt ihr es lieber klassisch, lassen sich über die Modifikatoren vor Spielbeginn die Änderungen des Remasters ganz oder teilweise deaktivieren.  Quelle: PC Games Mögt ihr es lieber klassisch, lassen sich über die Modifikatoren vor Spielbeginn die Änderungen des Remasters ganz oder teilweise deaktivieren.  Die schlechte Nachricht zuerst: Nein, die Kampagne lässt sich (noch?) nicht kooperativ bestreiten. Unserer Meinung nach ein Feature, das unbedingt hätte drin sein sollen. Aber wenn ihr euch mit anderen Menschen in den Schlachten messen wollt, ist das jetzt erstmals auch plattformübergreifend möglich. Ob eure Kontrahenten um die Herrschaft nun Total War: Rome Remastered in der Windows-, MacOS- oder Linux-Version besitzen, das spielt keine Rolle und ihr könnt euch auf spannende Multiplayer-Matches freuen.

Starke Präsentation

Wenn ihr lieber im Schutz der Dunkelheit zum Angriff ansetzt, dann wird es euch freuen, dass nächtliche Schlachten jetzt auch im Hauptspiel möglich sind. Quelle: PC Games Wenn ihr lieber im Schutz der Dunkelheit zum Angriff ansetzt, dann wird es euch freuen, dass nächtliche Schlachten jetzt auch im Hauptspiel möglich sind. Auch wenn ihr euch in Ermangelung eines 4K-Monitors den Download des gut 30 GB umfassenden Enhanced Graphics Pack spart, sind die optischen Änderungen sofort zu erkennen. Eine höhere Auflösung, sattere Farben, plastische Kampagnenkarte, schicke Umgebungsdetails wie Staubwolken und Hitzeflimmern sowie jede Menge überarbeitete Texturen für Gebäude, Gegenstände und Einheiten lassen das Remaster in neuem Glanz erstrahlen. Ganz so konsequent, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Überarbeitung allerdings nicht: Zoomt ihr näher an eure Truppen und ein Schlachtfeld heran, seht ihr detailarme, hölzern agierende Soldaten und eine meist leere Umgebung, die aus kaum mehr als ein paar Gebäuden, rudimentärer Fauna und vielen einfarbigen Flächen besteht.

Aber wir wollen mit den Machern nicht zu harsch ins Gericht gehen. Die Überarbeitung ist in weiten Teilen bestens gelungen und Detailarmut in den Schlachten zu einem Teil auch der erfreulicherweise deutlich erhöhten Truppenstärke geschuldet, die ihr in die wuseligen Massenkeilereien entsendet. Was wir uns vielleicht noch gewünscht hätten, alleine um des nicht unerheblichen Nostalgiefaktors willen, wäre ein Umschalten zwischen der Originalgrafik und der aufpolierten Fassung. Das hat bei Halo und Starcraft Remastered für uns gut funktioniert und könnte in einem kommenden Update möglicherweise nachgereicht werden. Feral Interactive, hört ihr uns?

Beeindruckender Umfang, fairer Preis

Entwickler Creative Assembly und Publisher Sega haben ein attraktives und sehr umfangreiches Paket geschnürt. Neben dem Hauptspiel Totwal War: Rome Remastered sind die beiden Erweiterungen Barbarin Invasion und Alexander ebenfalls in einer überarbeiteten Remastered-Version enthalten. Neueinsteiger bekommen obendrauf noch Zugang zur Rome: Total War Collection für Windows, um das Römer-Strategiepaket zu komplettieren. Der Preis liegt bei 29,99 Euro, Besitzer von Rome: Total War in ihrer Steam-Bibliothek bekommen bis zum 1. Juni noch 50 Prozent Rabatt und zahlen so nur 14,99 Euro. Das ist ein durchaus faires Angebot.

Meinung

Wertung zu Total War: Rome Remastered (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Schicke Optik mit 4K- und Ultrawide-SupportModernisiertes InterfaceDeutliche „Quality of Life“-VerbesserungenVolle Mod-UnterstützungStimmungsvoller SoundtrackAlle Fraktionen zu Beginn frei verfügbarErweiterungen Barbarian Invasion und Alexander enthalten
Lange Lade- und WartezeitenDie KI agiert sehr unausgewogen
Fazit

Schöne Neuauflage, die den Geist des Originals einfängt

Bildergalerie

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