Mit Torchlight erwartet Xbox-360-Spieler ein deftiges Hack'n'Slay in bester Diablo-Tradition. Im Test lest ihr, ob sich der Download von Torchlight für die Xbox 360 lohnt.
Tierischer Gefährte
Der Held hat stets ein treues Haustier an seiner Seite. Es kämpft auf Wunsch selbstständig mit, steigt automatisch im Level auf und lässt sich sogar ein paar Zauber beibringen, die es dann nach eigenem Ermessen anwendet. Besonders praktisch ist aber sein zusätzliches Inventar: Selbst im tiefsten Dungeon kann man unerwünschte Fundstücke einfach im Rucksack seines tierischen Begleiters ablegen. Auf Knopfdruck schickt man das Pet dann ins Dorf zurück, um das Gerümpel zu verkaufen - nach ein paar Minuten kehrt das Tier dann mit dem verdienten Gold zurück und ist wieder einsatzbereit. Auf diese Weise muss der Spieler nicht ständig per Teleportzauber in die Stadt zurückreisen, sondern kann sich auf das Wesentliche konzentrieren, das Monsterschnetzeln.
Gut umgesetzte Steuerung
Sieht man von ein paar einfachen Schalterrätseln ab, wird in Torchlight von früh bis spät gekämpft. Monster stürmen von allen Seiten heran, der Held setzt sich mit immer mächtiger werdenden Attacken zur Wehr, die auch mal locker ein Dutzend Feinde auf einen Schlag umwalzen. Die Steuerung wurde dabei gut für das Gamepad angepasst, der Nahkämpfer trifft etwa mit einem Schlag alle Feinde, die direkt vor ihm stehen - auf dem PC musste man dafür noch jeden Gegner einzeln anklicken. Auch bei den Menüs, wo zahllose Gegenstände verwaltet werden, hat Runic ein glückliches Händchen bewiesen. Nach etwas Eingewöhnung geht das Anlegen, Vergleichen und Verkaufen von Ausrüstung locker von der Hand. Einzig bei den Edelsteinen hätten wir uns eine Sortierfunktion gewünscht, denn das Auswählen und Vergleichen der vielen Steine fällt mitunter umständlich aus. Unterm Strich bleibt die Benutzerführung aber komfortabel genug und beweist damit, dass selbst ein so klicklastiges Spiel in Diablo-Machart auch auf Konsolen funktionieren und Spaß machen kann - und das ist die Hauptsache.
Ordentlicher Umfang, aber keine Zusatzinhalte
Leider versäumt es Runic, der Konsolenfassung ein paar Extras zu spendieren.
Leider versäumt es Runic, der Konsolenfassung ein paar Extras zu spendieren. Wir hätten uns zum Beispiel deutlich mehr Quests gewünscht - gerade mal drei Standardaufträge gibt es, die man alle zwei Dungeons abarbeiten kann, ohne dafür nennenswerte Belohnungen zu bekommen. Das ist viel zu wenig. Dafür geht aber der Umfang in Ordnung: Für die Hauptstory benötigt man je nach Schwierigkeitsgrad etwa 7 bis 12 Stunden. Zusätzlich lockt danach noch ein Endlosdungeon, in dem man seinen Charakter bis an die Maximalgrenze leveln darf. Da alle Dungeons ähnlich wie die Beutestücke komplett zufallsgeneriert und somit nie gleich aufgebaut sind, ist der Wiederspielwert zudem angenehm hoch. Ein Wermutstropfen ist aber die mangelnde Monstervielfalt: Goblins, Zombies, Riesenspinnen, Trolle und dergleichen sind zwar nett gestaltet, doch man begegnet ihnen ganz einfach zu oft. Ein paar zusätzliche Gegnertypen hätten es ruhig sein dürfen.
Atmosphärisch, trotz Performance-Probleme
Mit kräftiger Farbgebung und comichaftem Charakterdesign sieht Torchlight trotz mäßiger Technik gut und stimmungsvoll aus - zumal es sich um ein XBLA-Spiel handelt. Besonders die gewaltigen Zauber- und Kampfeffekte überzeugen, auch wenn sie hin und wieder die Übersicht erschweren. Ärgerlich ist hier aber die Performance: Gerade wenn mehrere Gegner und Zauber zu sehen sind, bricht die Framerate teils drastisch ein, so sehr, dass man das Gefühl hat, der Spieler bewege sich in Zeitlupe. Ein paar leichte Ruckler ließen sich ja verschmerzen, doch Torchlight treibt es hier manchmal zu weit - hoffentlich gelingt es den Entwicklern, diese Performanceeinbrüche noch mit einem Patch zu lindern.
Besser als die solide Grafik gefällt uns die Musik: Die stimmungsvollen Stücke aus der Feder von Diablo-Komponist Matt Uelmen unterstreichen die düstere Atmosphäre und drängen sich nicht auf - allerdings hätten wir uns auch hier über ein wenig mehr Abwechslung gefreut. Die deutsche Übersetzung ist insgesamt gut gelungen, die meisten Sprecher verrichten einen zufriedenstellenden Job. Nettes Detail: In der Rolle des Alchemisten ist unser hochgeschätzter Ex-Redakteur Christian Schlütter zu hören, der einige Jahre in unserem Team beschäftigt war. Wer aber keine Lust auf die deutsche Fassung hat, der braucht nur die Systemsprache seiner Xbox 360 umstellen - das gerade mal 200 MB große Torchlight installiert nämlich auch gleich die englische Sprachfassung mit.
Kein Koop-Modus
Das vielleicht größte Manko des Spiels: Auch die Xbox-360-Fassung bietet keinen Koop-Modus, Torchlight ist ein reiner Solo-Titel. Bis auf eine schlichte Rangliste gibt es keinerlei Online-Funktionen. Schade! Die PC-Fassung bietet einen umfangreichen Editor, der fehlt der Xbox-360-Version natürlich. Dafür überzeugt der Preis: Für faire 1.200 MS Points erhält man ein sehr gutes Action-RPG, das die meisten Spieler 10 bis 15 Stunden beschäftigen dürfte. Dank zufallsgenerierter Umgebungen, cooler Klassen und dem Endlos-Dungeon dürften manche Zocker aber sicher noch etwas länger mit dem Titel beschäftigt sein - und damit bietet Torchlight sogar mehr Spielzeit als so mancher Vollpreistitel. Wie die PC-Version von Torchlight im Test abgeschnitten hat, lest ihr bei unseren Kollegen von pcgames.de.
