Tom Clancy's Ghost Recon: Breakpoint: Hype oder Hope? Letzte Vorschau vor dem Test

Special Matti Sandqvist
Tom Clancy's Ghost Recon: Breakpoint: Hype oder Hope? Letzte Vorschau vor dem Test
Quelle: Ubisoft

Für alle Fans von kooperativen Taktik-Shootern ist am 4. Oktober ein großer Tag. Dann geht Ubisofts Ghost-Recon-Reihe mit Breakpoint in die nächste Runde. Wir konnten rund einen Monat vor dem Release das Spiel mit der riesigen Open-World ausgiebig in Paris testen und können bereits jetzt verraten, ob der Trip auf die vermeintliche Paradiesinsel Aurora seinen Preis wert ist.

Mit Ghost Recon: Wildlands hat Ubisoft für viele Fans von Taktik-Shootern genau das richtige abgeliefert. Der französische Publisher bot uns unglaublich viele, interessante Aufträge in einem unverbrauchten Setting an und ließ uns so einen kleinen Krieg gegen fiese Drogenkartelle in Bolivien führen - und das gar mit unseren Freunden zu viert. Vor allem dank des Koop-Features und der abwechslungsreichen Open-World ging der Titel wie geschnitten Brot über die Ladentheken und gehörte damit zu den großen Verkaufserfolgen von 2017. Trotzdem war Wildlands nicht ganz ohne Fehl und Tadel. Zum Beispiel die etwas dünne Handlung passte vielen Spielern nicht und auch die Entwickler hatten für einen potenziellen Nachfolger die Ausarbeitung einer spannenden und fesselnden Story auf der Agenda. Während wir beim Ankündigungs-Event im Mai lediglich sehr kurz Hand anlegen durften, konnten wir nun in Paris insgesamt über sechs Stunden auf der Insel Aurora verbringen. So wissen wir nun recht genau, was auf uns zum Release am 4. Oktober erwartet und sagen euch, wo die Stärken sowie Schwächen des heiß erwarteten Nachfolgers liegen und ob die Story mit Hollywood-Besetzung Potenzial hat.

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Ghost Recon - Breakpoint in der Vorschau: Hauptsache Überleben

Breakpoint versetzt uns in eine recht düstere Zukunft, in der wir auf einer fast schon paradiesischen Pazifik-Insel Aurora gegen einen ehemaligen Kameraden namens Cole D. Walker und seine "Wolves" genannten Schergen kämpfen. Der von Jon Bernthal (The Punisher) gemimte Fiesling hat die Kontrolle über den Hightech-Konzern Skell Tech auf dem Eiland übernommen und will nun die Welt mit KI-gesteuerten Drohnen malträtieren. Wir schlüpfen in die Haut des Ghost-Elitesoldaten Nomad, der eine Truppe von rund 30 Mann leitet, die auf eine Aufklärungsmission auf die Insel geschickt werden. Ein amerikanischer Frachter ist nämlich vor der Küste der Insel verschwunden und so sieht das US-Militär sich gezwungen, auf Aurora nach dem Rechten zu schauen. So geschmeidig wie in Bolivien soll der Auftrag auf der Insel laut den Entwicklern nicht ablaufen. Dieses Mal werden wir nämlich nicht die Jäger, sondern die Gejagten sein. Dazu gehört unter anderem, dass wir stets gegen zahlenmäßig überlegene Feinde kämpfen, die zudem dieselbe Ghost-Ausbildung genossen haben und obendrein sich auf Aurora deutlich besser als wir auskennen. Zudem machen sich Verletzungen in der Spielmechanik bemerkbar. Wenn unser Bein von feindlichen Kugeln erwischt wurde, hinken wir und falls ein Feind uns am Arm trifft, können wir nur bedingt zielen.
Eine Deckungsmechanik wie in The Division gibt es in Ghost Recon: Breakpoint nicht. Trotzdem können wir uns an Mauern stellen und von dort aus die Feinde aufs Korn nehmen.   Quelle: Ubisoft Eine Deckungsmechanik wie in The Division gibt es in Ghost Recon: Breakpoint nicht. Trotzdem können wir uns an Mauern stellen und von dort aus die Feinde aufs Korn nehmen.   Gleich zu Spielbeginn greifen Hunderte Mini-Drohnen die Helikopter der Ghosts an und verwandeln sie in wenigen Sekunden zu Schrott. Wir gehören zu den wenigen Überlebenden der Truppe und sind erst einmal nur froh, mit relativ leichten Verletzungen den Absturz überlebt zu haben. Hinkend machen wir uns auf die Suche nach anderen Überlebenden, bekommen es aber recht schnell mit den fiesen Wolves zu tun und nehmen dann doch lieber die Beine in die Hand. Nachdem wir aus der Ferne zusehen müssen, wie Cole D. Walker einen unserer Kameraden gnadenlos tötet, können wir uns immerhin einen Buggy schnappen und flüchten damit in die Berge. Dort finden wir in einer riesigen Berghöhle namens Erewhon Unterschlupf und treffen auch auf eine Fraktion, die den Wolves den Kampf angesagt hat.
An dieser Stelle eröffnet sich das Spiel so richtig und wir bekommen es mit Spielelementen wie etwa Fraktionen, Nebenaufgaben und Rüstungswerten zu tun - außerdem können ab diesem Zeitpunkt auch mit anderen Spielern die vielen Missionen erledigen und ebenso uns mit den PvP-Kämpfen beschäftigen. Bis hierhin waren wir auch sehr von Ghost Recon: Breakpoint überzeugt. Der von den Entwicklern angepriesene harte Überlebenskampf und das Dasein als Gejagter hat Ubisoft Paris unserer Meinung nach richtig gut umgesetzt. Ebenso hat uns der Auftritt von Cole D. Walker die Hoffnung in uns aufkeimen lassen, dass Breakpoint zumindest mit dem charismatischen Bösewicht in puncto Handlung dem Vorgänger überlegen sein könnte.

Ghost Recon - Breakpoint in der Vorschau: Leuchtturmwärter

Leider konnte uns das Nachfolgende nicht mehr so recht überzeugen. Natürlich punktet Breakpoint mit den vielen Stärken des Vorgängers. Zum Beispiel ist die offene Spielwelt wieder einfach nur riesig und bietet uns dank unterschiedlicher Klimazonen ebenso viel Abwechslung. Es macht zum Beispiel einfach Laune, mit einem Helikopter über die Insel zu fliegen und die schönen Landschaften zu genießen. Wenn es aber um die Aufträge geht und auch das Kampfsystem, sind wir eher geteilter Meinung.

Als Beispiel für die Defizite dient an dieser Stelle die erste Hauptmission von Ghost Recon: Breakpoint. Damit wir das Vertrauen von Mads Schulz, dem Fraktionsanführer der Erewhon, verdienen, müssen wir uns um Boote kümmern, mit denen einige ehemalige Mitarbeiter von Skell-Tec die Flucht von der Insel planen. Wie in Assassin's Creed: Odyssey können wir uns entweder für einen geführten Modus entscheiden oder ohne automatische Zielmarkierungen die Missionen erledigen. Wir empfehlen letzteres, da die Aufträge sonst recht schnell in simple Ballerorgien ausarten.
Die Open-World fällt wieder einmal riesig aus. Daher empfiehlt es sich, mit Helikopter oder Jeeps zu den Missionsgebieten zu fliegen beziehungsweise zu fahren. Quelle: Ubisoft Die Open-World fällt wieder einmal riesig aus. Daher empfiehlt es sich, mit Helikopter oder Jeeps zu den Missionsgebieten zu fliegen beziehungsweise zu fahren. Damit wir die Boote finden, müssen wir im ungeführten Modus Hinweisen nachgehen. So sollen sie sich in der Nähe von Freeport befinden, in der Provinz Smuggler Coves. Dort müssen wir nach einem Leuchtturm Ausschau halten. Da unsere Übersichtskarte zu Beginn von Ghost Reacon: Breakpoint so gut wie keine Informationen zu den jeweiligen Orten in den Provinzen hergibt, müssen wir erst einmal nach Freeport suchen. Mit einem Helikopter sind wir immerhin relativ schnell unterwegs und finden dann nach einiger Zeit einen passenden Leuchtturm und ebenso die Boote. Wir kommen aber zu spät, denn die vermeintlich selben Mikro-Drohnen, die unsere Helikopter auseinandergenommen haben, gehen auch auf unser Missionsziel los und versenken es wieder innerhalb weniger Sekunden. Zum Glück waren aber nur wenige Menschen an Bord, die meisten Flüchtlinge sind am Dock geblieben. Die werden aber von Walkers Schergen angegangen, deren Angriff wir aber sehr schnell zurückschlagen - und das obwohl wir von mehreren Feinden zeitgleich attackiert werden.

Ghost Recon - Breakpoint in der Vorschau: Allzu leicht

Unser Erfolg liegt vor allem daran, dass im PvE-Modus von Breakpoint fast alle Gegner bereits nach einem Treffer tot umfallen. Es gibt lediglich noch gut gepanzerte Maschinengewehrschützen, die sich aber ebenfalls nach einigen Kopftreffersalven ausschalten lassen. Die größte Gefahr sind hingegen die neuen Drohnen, mit denen wir während unserer Anspiel-Session nur zwei Mal das Vergnügen hatten. Einmal flogen uns sogenannte Murmur entgegen, die zu Aufklärungszwecken unterwegs waren. Die Drohnen lassen sich relativ einfach mit einer Shotgun oder Maschinengewehr ausschalten und können uns nicht direkt gefährlich werden - es sei denn, wir lassen ihnen zur Genüge Zeit, damit sie Fußsoldaten alarmieren. Aamons und Behemoths sind hingegen Kettenfahrzeuge, die entweder über Raketenwerfer oder Geschütze verfügen. Sie halten auch mehrere Magazine aus und sollten im Optimalfall entsprechend nur mit mehreren Spielern angegriffen werden. Da die Drohnen in den uns gespielten Stunden so selten auftauchten, waren sie nicht wirklich von Belang. Wir gehen aber davon aus, dass man in späteren Missionen es immer wieder mit den größeren Behemoths und Aamons zu tun bekommt.
Die meisten Gegner fallen bereits nach einem Treffer. Ausnahme bilden dick gepanzerte Feinde und Drohnen. Quelle: Ubisoft Die meisten Gegner fallen bereits nach einem Treffer. Ausnahme bilden dick gepanzerte Feinde und Drohnen. Auch die anderen von uns gespielten Missionen laufen nach einem ähnlichen Muster ab. Wir müssen uns zwar stets gegen eine feindliche Übermacht behaupten, können die Gegner aber sehr schnell ausschalten - mit ein wenig Übung kann man eigentlich immer Kopftreffer landen. Dabei spielt es auch kaum eine Rolle, welche Waffen wir ausrüsten. Zwar gibt es in Breakpoint ein riesiges Arsenal an authentischen Maschinen-, Sturm-, Schrot und Scharfschützengewehren, die jeweils einen spezifischen Ausrüstungswert haben. Für die Koop- und Singleplayer-Missionen sind ihre Vorteile nur von geringer Bedeutung, da die Aufträge eh sehr leicht ausfallen. Ob sich das nun dann im Laufe der Kampagne noch ändert, können wir nach etwa fünf Stunden Spielzeit nicht sagen. Es wäre auf jeden Fall sehr schade, wenn das eingebaute Loot-System wegen eines zu niedrigen Schwierigkeitsgrades auch in den späteren Kampagnenmissionen so kaum von Belang wäre. Wohlbemerkt: Wir haben auf dem Event auf dem zweitschwersten Schwierigkeitsgrad gespielt!

Ghost Recon - Breakpoint in der Vorschau: Lästige Detektivarbeit

Mithilfe von Drohnen können wir mehrere Gegner zeitgleich ausschalten. Quelle: Ubisoft Mithilfe von Drohnen können wir mehrere Gegner zeitgleich ausschalten. Für ein wenig Abwechslung sollen in der Kampagne Missionen sorgen, in denen wir Hinweise finden müssen. So hat der Fraktionsführer der Erewhon im Kalten Krieg mitgemischt und auf Aurora einen Kameraden verloren. Mads Schulz kennt lediglich den Ort, wo sein Freund abgestürzt sein soll. Wir fliegen mit einem Helikopter dorthin und machen eine Hundemarke an einem zerstörten Jeep ausfindig. Über das Menü müssen wir dann zu den aktiven Missionen wechseln und dort recht umständlich auf den Hinweis klicken. Darüber erfahren wir, dass die Hundemarke nicht von Mads' Kameraden ist und er vielleicht noch am Leben ist. Als nächstes sollen wir deshalb zu einer Flak-Basis auf der Insel, fliegen, den Stützpunkt infiltrieren und dort nach weiteren Hinweisen suchen. Schlussendlich führt die Sucherei in der Basis zu den nächsten Hinweisen, die wir wieder einmal umständlich im Menü nachschlagen müssen. Das Schleichen konnten wir uns hingegen fast schon sparen, denn obwohl uns an die 30 Wachen angreifen, konnten wir sie ohne Probleme ausschalten. Über die gefundenen Hinweise erfahren wir dann, dass der Kamerad sich vielleicht in einem Bunker auf der Insel versteckt. Schlussendlich finden wir das Skelett von Mads' Kumpel und fliegen wieder zu den Erewhon zurück. Da wir im Bunker Pläne einer Atomwaffe entdeckt haben, wird die Quest-Reihe im Laufe der Kampagne noch weitergehen. Bis zu dieser Stelle war die Mission bis auf das unnötig komplizierte Aufrufen der Hinweise fast identisch mit den Hauptmissionen und daher auch recht austauschbar und vor allem sehr leicht.

Ghost Recon - Breakpoint in der Vorschau: Scharfschützenfest

Alles andere als leicht ist hingegen der PvP-Modus von Ghost Recon: Breakpoint. Die "Ghost War" genannten Gefechte sind für insgesamt acht Spieler ausgelegt und - wie es sich während des Anspiel-Events in Paris herausstellte -, ein Fest für Scharfschützen. Auf speziell für den Modus gefertigten Karten kämpfen zwei vierköpfige Teams ohne Respawn gegeneinander. Die Karten sind zu Anfang recht weitläufig und bieten sehr viele gute Camping-Positionen. So waren unsere Duelle davon geprägt, dass in jedem Team alle auf Scharfschützengewehre zurückgriffen, sich irgendwo auf der Karte versteckt hielten und von dort aus auf die Feinde schossen. Wer zuerst die Nerven verlor, sprich die sicheren Stellungen hinter Felsen oder Bäumen verließ, hatte zumeist auch das Nachsehen. Wie in Battle-Royale-Shootern gibt es in den Ghost-War-Gefechten zwar ein Spielareal, das mit der Zeit immer kleiner wird, aber in den von uns gespielten Gefechten spielte die Funktion selten eine wichtige Rolle. Es ist natürlich vorstellbar, dass mit der Zeit gute Spieler mit neuen, nicht so sniperlastigen Taktiken die Duelle gewinnen, aber bei uns war dem leider nicht so. Immerhin macht sich in den PvP-Gefechten die Ausrüstung bemerkbar. Hier fallen die Kontrahenten nämlich nicht bereits nach einem Schuss um und so spielen etwa die Schadenswerte der Gewehre hier tatsächlich eine Rolle. Schlussendlich stellt sich für uns trotzdem die Frage, warum man statt Rainbow Six: Siege die Ghost-War-Gefechte spielen sollte. Die Konkurrenz aus dem eigenen Haus ist in Bezug auf Taktik, Teamplay und Mapdesign dem PvP-Modus von Ghost Recon: Breakpoint haushoch überlegen und thematisch wegen seines Fokus auf Spezialeinheiten und der verwendeten Gadgets am Ende recht ähnlich.
Die PvP-Maps bieten viele geschützte Positionen, von denen aus Sniper leicht Feinde ausschalten können. Quelle: Ubisoft Die PvP-Maps bieten viele geschützte Positionen, von denen aus Sniper leicht Feinde ausschalten können.

Ghost Recon - Breakpoint in der Vorschau: Nicht für Fans von The Division

Nach dem Anspieltermin sind wir also mit gemischten Gefühlen nach Hause geflogen. Ghost Recon: Breakpoint sieht ohne Frage grandios aus, seine Open-World bietet viel Abwechslung und auch die Story hat dank Jon Bernthal Potenzial. Allerdings fehlte uns ein wenig die Herausforderung in den ersten fünf Spielstunden und auch mit den PvP-Gefechten hatten wir aufgrund der vorherrschenden Rolle der Sniper wenig Spaß. Wir haben noch die Hoffnung, dass die Kampagne mit der Zeit ein wenig schwerer als die ersten fünf Stunden wird und die Entwickler einen Weg finden, die Scharfschützengewehre im PvP-Modus zu benachteiligen. Fans der Reihe werden mit Breakpoint aber sicherlich gut bedient, nur Spieler, die eine ähnlichen Loot-Shooter wie The Division 2 oder eine Art Survival-Spiel erwarten, werden recht wahrscheinlich enttäuscht.

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