Die erste Staffel von Telltales Episoden-Adventure The Walking Dead hat letztes Jahr unzählige Awards abgeräumt und bekam von der Fachpresse fast nur Höchstwertungen. Nun ist endlich die erste Folge der zweiten Staffel erhältlich. In unserem Test zu The Walking Dead: Season Two sagen wir euch, warum das Abenteuer der neuen Heldin Clementine ebenso gelungen ist wie der Vorgänger.
The Walking Dead: Season Two - Episode 1 im Test: Auch wenn das Gameplay nicht unbedingt an erster Stelle in The Walking Dead steht, die einzelnen Episoden ziemlich kurz sind und die Optik nicht bahnbrechend ist, wurde das Horror-Adventure vor einem Jahr zu recht mit Auszeichnungen überhäuft. Für den Erfolg sorgte etwas, was in fast keinem anderem Spiel so gut zur Geltung kommt: Emotionen. Dadurch, dass die Entwickler gekonnt menschlich wirkende und zugleich doch archetypische Charaktere im Verlauf des Abenteuers aufeinander treffen ließen, drang die Handlung tief in unsere Gemüter ein. Und obwohl das Sterben in The Walking Dead: Season 1 fast zum Alltag gehört, war jeder einzelne Verlust eines Nebencharakters ergreifend, weil man das Gefühl hatte, sie auf eine Weise gut zu kennen. Ob The Walking Dead: Season Two diese Erfolgsformel in den 90 bis 120 Minuten der ersten Episode fortsetzen kann – wie bereits Telltales The Wolf Among Us – sagen wir euch in unserem Test.
Quelle: PC Games
Die Begegnung mit einem Hund namens Sam hat Auswirkungen über die ganze erste Episode.
The Walking Dead Season Two schlüpfen wir in die Rolle von Clementine, dem kleinen Mädchen aus der ersten Staffel. Die Gute hat dank Lee – dem Protagonisten der ersten Season - zwar einige Fähigkeiten erlernt, die immens wichtig für das Überleben in einer Welt voller gefährlicher Zombies sind, aber hat natürlich als Kind weitaus größere Schwierigkeiten sich zum Beispiel gegen die Untoten zu wehren oder in Gesprächen sich durchzusetzen. Positiv: Diese Verletzlichkeit macht sich im Spiel insbesondere deshalb bemerkbar, weil Clementine über fast die ganze erste Episode auf sich allein gestellt ist. Den Kontakt zu den Überlebenden der ersten Staffel verliert sie bereits in den ersten Spielminuten und muss sich so ohne die Hilfe von Erwachsenen zum Beispiel gegen einen Hund behaupten, einen Zombie umhauen und auch zusehen, dass sie in einer neuer Gruppe aufgenommen wird, die zuerst ziemlich schlecht auf sie zu sprechen ist. Wir wollen im Test nicht zu sehr auf die Handlung eingehen, da die Gefahr des Spoilerns groß ist. Insgesamt waren wir jedenfalls mit der bisher erzählten Geschichte sehr zufrieden, oft sogar durch eine unerwartete Wendung überrascht und sind deshalb sehr gespannt, wie sich die kleine Clementine in der nächsten Episode schlagen wird.
Gameplaytechnisch hat sich in der zweiten Staffel kaum etwas verändert. So führen wir wieder Gespräche mit anderen Charakteren und müssen dabei innerhalb von wenigen Sekunden unsere Entscheidung treffen, die entweder gleich eine Konsequenz hat oder sich in den nächsten Episoden auswirken wird. Die Dialoge wirkten dank der leicht überarbeitet Grafik etwas runder als in der ersten Staffel. So stören zum Beispiel Lags oder Glitches nicht mehr die Gespräche und die Kameraperspektive ist zumeist richtig. Das Wichtigste, also wie die Auswirkungen unserer Antworten sind, lässt sich jedoch nach der ersten Episode schlecht sagen. Es scheint aber so zu sein, dass wir bereits durch die Dialogoptionen der ersten Episode viele Weichen gesetzt haben.
Quelle: PC Games
Die Rätsel sind wie im Vorgänger ziemlich einfach.
Was die Rätsel angeht, bleibt The Walking Dead Season Two der ersten Staffel treu: Die Puzzles sind so leicht und logisch, dass man wohl kaum zu einer Komplettlösung greifen muss. Zumeist geht es darum, bestimmte Gegenstände einzusammeln und sie im selben Raum an der richtigen Stelle zu verwenden – wer also Probleme mit klassischen Point&Click-Adventures hat, dürfte mit der zweiten Staffel nicht überfordert sein. Auch die actionlastigen Quicktime-Events sind eher leicht, wirken aber flüssiger und aufwendiger inszeniert als im Vorgänger. Da es in diesen Szenen oft blutig zur Sache geht und sie aus dem Blickwinkel eines kleinen Mädchens erlebt werden, kam es uns so vor, als ob The Walking Dead Season Two vom Gewaltgrad noch höher wäre, als die ohnehin brutale erste Staffel.
