The Medium: Der erste Horror-Kracher für Next-Gen-Konsolen?
Special
Zum Release musste sich die Xbox Series X vor allem einen Vorwurf gefallen lassen: Wo sind die interessanten Exklusivtitel? Mit The Medium bekommt die neue Microsoft-Konsole nun endlich einen weiteren vielversprechenden Titel spendiert, der Aspekte aus Resident Evil, Silent Hill und Amnesia zu einer packenden Horror-Erfahrung vermischen will.
Eigentlich war der Release des Horror-Titels The Medium bereits für den 10. Dezember geplant. Doch dann kam Cyberpunk 2077 mit einer weiteren Verschiebung dazwischen und beanspruchte diesen Termin einfach mal für sich. Darum entschieden sich die Macher, doch lieber nochmal etwas zu warten und stattdessen den 28. Januar anzupeilen. Keine dumme Entscheidung, denn so haben wir auch zu Beginn des neuen Jahres zumindest einen namhaften Titel mehr zum zocken. Was The Medium tatsächlich zu bieten hat, schauen wir uns in der finalen Vorschau nochmal etwas näher an.
The Medium (jetzt kaufen 35,17 € ) stammt aus der Feder der polnischen Entwickler Bloober Team. Die werkelten bereits an Titeln wie Layers of Fear, Blair Witch oder auch Observer, haben in der Vergangenheit also bereits ausgiebig bewiesen, dass sie sich mit Psycho-Horror durchaus auskennen. In ihrem neuesten Werk geht es aber nicht in einen gruseligen Wald oder gar das dystopische Krakau der Zukunft. Nein, stattdessen zieht es euch dieses Mal in ein verlassenes Urlaubs-Resort, das vor Jahren Schauplatz einer furchtbaren Tragödie wurde. Dort begebt ihr euch mit Protagonistin Marianne auf Spurensuche, warum diese von grauenhaften Visionen eines Kindesmörders verfolgt wird. Geht es hier um ihr eigenes Schicksal oder das eines Fremden? Ist das alles schon passiert oder doch eine finstere Vorhersehung?
Zwei Realitäten sind besser als eine!
Wie der Name des Spiels bereits nahelegt, könnt ihr dabei auch auf übernatürliche Kräfte zurückgreifen. Als Medium ist eure junge Heldin etwa in der Lage mit Geistern zu kommunizieren, verborgenen Informationen aufzudecken und so die Wahrheit ans Licht bringen. Wenn es denn die eine Wahrheit gibt. Denn in The Medium ist nichts so, wie es auf den ersten blick scheint. Zentrales Element des Psycho-Horror-Trips ist dabei das patentierte Dual-Reality-Gameplay. Das ermöglicht es euch, euch in zwei Welten zu bewegen: der realen und der spirituellen. Rund zwei Drittel des Spiels werdet ihr in jeweils nur einer der beiden verbringen. An einigen Stellen des Spiels laufen aber auch beide Realitäten gleichzeitig ab.
Quelle: Bloober Team
Dank des Dual-Reality-Gameplay erkundet ihr in The Medium zwei Welten gleichzeitig.
Das funktioniert via Splitscreen, dank der Vorteile der Xbox Series X - etwa dem Hintergrund-Streaming - werden beide Welten simultan und in Echtzeit gerendert. Die Bewegungen eures Charakters bleiben dabei auf beiden Seiten stets dieselben. Ihr steuert also beide Mariannes nur einmal mit dem linken Stick. Da die Umgebungen jedoch je nach Welt variieren, erwarten euch stets verschiedene Interaktionsmöglichkeiten. Je nachdem wo mehr passiert, vergrößert oder verkleinert sich zudem die entsprechende Bildschirmhälfte.
Wollt ihr euch etwas freier bewegen, dann startet ihr eine sogenannte Out-of-Body-Experience. In dieser lasst ihr euren fleischlichen Körper hinter euch und bewegt euch in Geistergestalt durch die spirituelle Realität. So lassen sich dann auch Rätsel lösen oder Hindernisse überwinden. Ihr öffnet beispielsweise eine verschlossene Fahrstuhltür, indem ihr in der Geisterwelt die Stromversorgung wiederherstellt. Dabei steht ihr allerdings stets ein wenig unter Zeitdruck. Unbegrenzt lange sich diese außerkörperlichen Erfahrungen nämlich nicht durchziehen.
Puzzeln und Prügeln
Neben Puzzles stehen aber auch einige Konfrontationen mit Gegnern auf der Tagesordnung. Wenn Marianne mit Hilfe der sogenannten "Spirit Wells" ihre psychischen Kräfte aufgeladen hat, kann sie etwa auch Energieschilde aufbauen oder mächtige Geistesschläge abfeuern. So überlebt ihr fiese Mottenschwärme oder andere Gefahren, die euch die Geisterwelt entgegenschleudert. Es gibt jedoch auch Momente, in denen euch eure Fähigkeiten nicht weiterbringen. Dann ist Weglaufen, Schleichen oder Verstecken die einzige Option. Wenn ihr hinter einer Kiste kauert und den Atem anhaltet, während Millimeter entfernt das von Troy Baker (bekannt als Joel aus The Last of Us) vertonte Höllenschlund-Monster herumgeistert, erinnert The Medium schon stark an Grusel-Klassiker wie Amnesia: The Dark Descent.
Quelle: Bloober Team
Dass Ferienanlagen und Hotels auch richtig schaurige Settings seien können, wissen wir spätestens seit Stanley Kubricks "Shining".
Auch sonst zieht der Titel Inspiration aus einigen anderen Genre-Größen. In Sachen Inszenierung haben sich Bloober Team dieses Mal für eine Third- statt First-Person-Perspektive entschieden. Da dabei auf fixe Kameraeinstellungen gesetzt wird, kommt gelegentlich richtiges Resident-Evil- oder Silent-Hill-Feeling auf. Das könnte auch daran liegen, dass Komponist Akira Yamaoka am Soundtrack mitwirkte. Der schrieb unter anderen schon das Thema zu Konamis ikonischer Survival-Horror-Serie.
Ist das Next-Gen-Grafik?
Die übernatürlichen Umgebungen wurden indes nach Vorlagen des polnischen Künstlers Zdzislaw Beksinski gestaltet. Der ist heutzutage vor allem für seine dystopischen, endzeitlich angehauchten Gemälde bekannt und lieferte bereits die gestalterischen Impulse für Lust for Darkness, Tormentum oder auch Scorn. Die düstere Welt von The Medium, gebaut in der Unreal Engine 4, wirkt entsprechend abstoßend und dämonisch. Die Figuren wurden mit Hilfe von Motion-Capture-Aufnahmen zum Leben erweckt. Das alles verschmilzt zu einem sehr atmosphärischen Spielerlebnis, das bisher vor allem durch seine bedrückende Stimmung und weniger durch plumpe, billige Jumpscares punktete.
Einziger Wermutstropfen: So richtig "Next-Gen" sieht auch The Medium noch nicht aus. Gerade Gesichter und Beleuchtung lassen ab und zu noch etwas zu wünschen übrig. In Splitscreen-Passagen sind kleinere Ruckler zu erkennen. Ob diese kleineren Makel aber tatsächlich einen merklichen Einfluss auf die Spielerfahrung haben werden, das erfahren wir wohl erst zum Release des Spiels. Der erfolgt am 28. Januar auf dem PC und der Xbox Series X. Zudem ist der Titel ab dem ersten Tag auch im Xbox Game Pass enthalten.
Quelle: Bloober Team
Was darf natürlich auch in einem Horror-Spiel wie The Medium nicht fehlen? Richtig, gruselige Kinder und Puppen!
