The Evil Within im Test: Dass noch viel Leben im Horror-Genre steckt, haben in den letzten Jahren primär diverse Indie-Entwickler mit Spielen wie Amnesia oder Slender: The Arrival bewiesen. Nun aber meldet sich Horror-Meister Shinji Mikami, seines Zeichens Erfinder von Resident Evil, mit The Evil Within höchstpersönlich zurück, Das Ergebnis: Das beste Survival-Horror-Game seit langer Zeit!
Fallen, Fallen überall
Quelle: PC Games
Munition ist in The Evil Within eine knapp bemessene Ressource. Wer wild ballernd durch die Levels rennt, wird bald vor großen Problemen stehen.
Sehr praktisch: An allen Ecken und Enden der Levels findet ihr Bomben und Falldrähte, denen ihr tunlichst ausweichen solltet, wenn ihr keinen Schaden erleiden wollt. Habt ihr einen der fiesen Todbringer entdeckt, könnt ihr ihn per Knopfdruck auseinandernehmen und die dadurch gewonnenen Teile benutzen, um Munition für eure Armbrust herzustellen. Alternativ könnt ihr auch Bösewichte in die Nähe der Fallen nutzen und ihnen ein unschönes Ende bereiten. Als letzte Möglichkeit steht es euch frei, einem großen Teil der Auseinandersetzungen vollkommen zu entgehen, indem ihr einfach a Gegnern vorbeischleicht oder euch vor in Schränken oder unter Betten versteckt. Bei den häufigen Kämpfen gegen teils riesige Bossgegner steht euch diese Option aber freilich nicht offen. Diese Duelle sind grandios inszeniert und erfordern ebenfalls, dass ihr eure Ressourcen klug einteilt, um erfolgreich aus ihnen hervorzugehen.
My Nervenheilanstalt is my Castle
In den Levels findet ihr nicht nur Feinde und viel zu wenig Munition, sondern auch zahlreiche sammelbare Gegenstände. So entdeckt ihr etwa Notizen, die euch mehr über die Hintergründe der Geschichte verraten und Kartenteile, die ihr nach und nach zu einem großen Ganzen zusammensetzen könnt. Ebenfalls sammelbar: Kleine Schlüssel und grünes Gel, das ihr einerseits in der Umgebung findet und andererseits von besiegten Feinden bekommt. Im an vorgegebenen Stellen betretbaren, in der Beacon-Anstalt angesiedelten Speicherraum erwarten euch die Früchte dieses Sammelwahns: Die entdeckten Kartenteile könnt ihr dort an einer Wand betrachten, mit den kleinen Schlüsseln öffnet ihr Tresore, die dringend benötigte Munition und andere Gegenstände beinhalten, und mit dem grünen Gel könnt ihr hier diverse Fähigkeiten wie die maximale Lebensenergie, die Menge an tragbarer Munition oder eure Lauf-Ausdauern verbessern. Bei der mysteriösen Krankenschwester Tatjana speichert ihr zudem euren Spielstand. In Verbindung mit den sehr fair gesetzten Checkpoints kommt somit nie Frust auf, weil ihr lange Abschnitte erneut spielen müsst. Ebenfalls sehr frustarm: Die seltenen Rätsel des Spiels. Diese lockern das Gameplay auf, fallen aber allesamt sehr einfach aus - so also, wie man es von den meisten Horror-Spielen gewohnt ist. Zwischen kleinen Logikaufgaben und Schalterrätseln erwartet euch hier kaum eine Herausforderung.
The Evil Within im Video-Review
The Evil Within im Grafikvergleich
Viel zu tun in Crimson City
Quelle: PC Games
Die abwechslungsreichen Levels sorgen dafür, dass in den knapp 15 bis 20 Spielstunden so gut wie nie Langeweile aufkommt.
Nach Abschluss des Spiels ist noch nicht Schluss: Ein zusätzlicher, härterer Schwierigkeitsgrad und diverse freigespielte Zusatzwaffen und Extras sorgen dafür, dass ihr euch auch noch ein zweites oder drittes Mal in die Horror-Welt von The Evil Within begeben könnt. Die Langzeitmotivation, die sich dadurch ergibt, ist beachtlich. Nicht ganz so beeindruckend: Die Grafik des Spiels, die auch in der von uns getesteten PS4-Fassung nur bedingt überzeugen kann. Die verschiedenen Abschnitte sind künstlerisch toll gestaltet, manche Texturen und Hintergründe lassen das Spiel aber eher wie einen frühen PS3-Titel erscheinen. Das mag aber zum Teil sogar Absicht sein, denn stilistisch orientiert man sich ebenso wie beim Gameplay definitiv an den Spielen jener Zeit, Anfang des Jahrtausends, als Horror-Spiele gerade hoch im Kurst standen.
Der standardmäßig aktivierte Griesel-Filter, der die Grafik absichtlich ein wenig verwaschen und unsauber wirken lässt, trägt zusätzlich zu dem Gefühl bei, ein Spiel aus einer anderen Ära zu spielen. Das entschuldigt zwar nur bedingt manch grafische Unzulänglichkeit, passt aber wunderbar zum altmodischen Horror-Ansatz von The Evil Within. Sehr gut gelungen ist hingegen die musikalische Untermalung, welche die verschiedenen Spielszenen stets perfekt unterstreicht. Einige der deutschen Synchronsprecher tragen ihre Texte zwar etwas emotionslos vor, das tut der tollen Atmosphäre aber nur selten einen Abbruch. Trotzdem ist es schade, dass man nicht alternativ die englische Sprachausgabe auswählen darf.
Grandios gelungener Horrortrip
In diesem Artikel
In den letzten zwei, drei Missionen lässt das Spiel zudem ein wenig nach und wirkt künstlich in die Länge gezogen. Das, und auch die sonstigen Kritikpunkte, sind aber angesichts des ansonsten rundum gelungenen Gesamtpakets vernachlässigbar. Dank der tollen Atmosphäre, des knackigen, aber stets fairen Schwierigkeitsgrads, dem ungemein unterhaltsamen Gameplays und der hohen Langzeitmotivation erweist sich The Evil Within nämlich nicht nur als das beste Horrorspiel des Jahres, sondern als das beste Survival-Horror-Spiel seit langer Zeit. Volljährige Spieler mit einem starken Magen und ebensolchen Nerven sollten sich das Abenteuer definitiv nicht entgehen lassen!
So schlägt sich die PC-Version
Rein technisch gesehen ist The Evil Within auf dem PC kein steter Quell der Freude, denn man sieht dem Titel seinen Konsolenschwerpunkt und die nicht optimale PC-Portierung durchaus an. Wir hätten uns für die PC-Fassung etwas höher aufgelöste Texturen und eine flüssigere Darstellung auf nicht ganz so performanten Systeme gewünscht. Auch auf die Darstellungsbeschränkung mit maximal 30 Bildern pro Sekunde, die sich im Einstellungsmenü nicht ausschalten lässt, hätten PC-Spieler gerne verzichtet. Die dicken schwarzen Balken, die laut Hersteller Bethesda eine bewusste Designentscheidung darstellen und nicht dazu dienen, die Grafikkarte weniger zu beanspruchen, stellen ebenfalls für viele PC-Zocker ein Ärgernis dar. Wer sich damit gar nicht anfreunden kann und sich ein wenig mit Befehlen auskennt, die man über die optional aufrufbare Kommandokonsole eingibt, der darf Framerate-Beschränkungen und Balken über direkte Engine-Befehle ausschalten. Wir haben uns an diesen kleinen Makeln nicht allzu sehr gestört, da dadurch weder das Spielgefühl noch die grandiose Atmosphäre leidet.
