Die größte Verschwörung der Menschheit und Sie befinden sich mittendrin!
Sobald ein zweiter Gegner mitmischt oder Sie sich auf einer anderen Ebene befinden, funktioniert das Kampfsystem nicht mehr.
Intrigen, Geheimnisse und gerissene Verschwörungen fesseln die Menschen seit jeher. Wenn es dann auch noch um die Kirche, das "wirkliche" Leben Jesu und den Heiligen Gral geht, steigert sich die Faszination um ein Vielfaches. Genau diese Thematik hat Dan Brown in seinem aktuellen Buch Sakrileg (Originaltitel: The Da Vinci Code) genutzt, um eine Geschichte voller Spannung, Mysterien und (für die Kirche) unangenehme Verschwörungstheorien zu erschaffen.
Der große Erfolg beweist nicht nur Browns Fähigkeiten als Thriller-Autor, sondern ebnete auch den Weg für einen Kinofilm. Im Zuge dieser Kommerzialisierung ließ eine Software-Umsetzung nicht lange auf sich warten. Das Spiel hält sich allerdings weder strikt an den Film noch an die Buchvorlage. Vielmehr haben die Entwickler einige Erweiterungen und Neuinterpretationen in die Story integriert, die (vor allem bei Kennern des Buches) für anfängliche Verwirrung sorgen, sich aber gut ins Gesamtbild einfügen.
Wer das Buch gelesen oder den Film (seit dem 18. Mai in den Kinos) gesehen hat, weiß, dass knifflige Rätsel eine übergeordnete Rolle spielen. Das bekommt man von den ersten Spielminuten an deutlich zu spüren. Mit etwas Hirnakrobatik und Kombinationsgabe wird aus dem Satz "Oh, lame Saint" schnell "The Mona Lisa" und man ist zunächst bestärkt in der Überzeugung, die bevorstehende Rätselflut bewältigen zu können.
Spätere Rätsel, wie etwa mehrzeilige Anagramme, Puzzles, Schieberätsel und Interpreta-tionen geschichtsträchtiger Dokumente stellen nicht nur aufmerksame Fans der Buchvorlage vor Hindernisse. Dringend notwendige Hinweise ergeben sich häufig nur aus dem Lesen der mannigfaltigen Datenbanken, die in dieser Form eine Klasse für sich sind.
Leider sind die übrigen Gameplay-Elemente nicht ganz so gut gelungen. Das integrierte Kampfsystem erinnert erfahrene Spieler an die Quicktime-Events aus Resident Evil 4 oder Fahrenheit. Nachdem Sie den Angreifer im Schwitzkasten haben, vermöbeln Sie ihn durch Drücken unterschiedlicher Tastenfolgen in einer selbstständig ablaufenden Sequenz. Leider offenbart das Kampfsystem gravierende Schwächen, die sich merklich auf den Spielspaß auswirken, sobald Sie es mit zwei Gegnern aufnehmen müssen oder sich auf unterschiedlichen Ebenen befinden.
Der zweite Feind kann Ihre eingetippte Combo nämlich jederzeit unterbrechen und Ihnen ordentlich Energie abziehen. Das nervt nach kurzer Zeit unheimlich. Um zusätzliche Abwechslung ins Spiel zu bringen, haben die Entwickler ein oberflächliches Schleich-Feature umgesetzt, das leider aufgrund der etwas vernachlässigten Kollisionsabfrage stark in die Belanglosigkeit abrutscht.
Spannung mit Makeln
Die Schauplätze sind allesamt sehr schön gestaltet und für einen großen Teil der Atmosphäre verantwortlich.
Gelungen ist hingegen die optische Umsetzung, bei der mit teils cineastischen Kameraeinstellungen ein nettes Kinofeeling aufkommt. Auch die optische Gestaltung der Umgebungen ist erstklassig. Atmosphärisch leistet vor allem die Musik gute Arbeit und baut beim Spieler einen gelungenen Spannungsbogen auf. Bekommt man allerdings die völlig unmotivierte und teils amateurhafte deutsche Synchronisation zu hören, verpufft ein Großteil dieser Wirkung wieder. Daran ändert nicht einmal die deutsche Originalstimme von Tom Hanks etwas.
Schade, denn dadurch bleibt viel von der Spannung und Atmosphäre der grandiosen Buchvorlage auf der Strecke. Adventure-Fans und Kenner des Buches, die sich gerne mit intelligenten Rätseln beschäftigen, können zugreifen.
