Die Superreichen haben die Erde zerstört und sich dann mit einer Rakete Richtung Mars aus dem Staub gemacht. Inspiriert von Disney-Plattformern der 90er-Jahre springen, hangeln und rutschen wir als Mutantenkind durch die Ruinen der Welt.
In nicht allzu ferner Zukunft tötet der weltweite Klimakollaps die gesamte Bevölkerung der Erde. Lediglich eine Handvoll Superreiche schafft es, eine Evakuierung zum Mars für ihresgleichen zu organisieren. In der Kolonie Tesla City errichten sie eine neue Zivilisation, während auf der Erde nur noch Ruinen davon zeugen, dass hier einst Menschen ihr Zuhause hatten. In diesem Szenario spielen die Videospiele von Demagog Studio. Ihr Erstling Golfclub Wasteland, der später zu Golfclub Nostalgia umbenannt werden musste, versetzte uns in die Rolle eines der Mars-Aussiedler, der mit dem Leben auf dem Roten Planeten nicht zurechtkam und zurück zur Erde flog, um in den Trümmern der alten Welt eine Runde Golf zu spielen.
The Cub (jetzt kaufen 25,70 € ) und das später im Jahr erscheinende Highwater sind im gleichen Universum angesiedelt, haben jedoch jeweils andere Hauptfiguren und Spielmechaniken. So ist The Cub etwa ein Jump&Run, welches sich laut Demagog an Disney-Spielen aus der Sega-Mega-Drive-Ära orientieren soll. Hier steuern wir ein auf der zerstörten Erde zurückgelassenes Kind, das durch eine Mutation in der Lage ist, in der zerstörten Atmosphäre zu überleben. Unter Wölfen aufgewachsen, hat der Kleine nur noch wenig von einem zivilisierten Menschen und erinnert mit seinem Verhalten eher an ein Tier oder einen primitiven Urahnen unserer Spezies.
Als eines Tages ein Trupp Marsianer auf die Erde zurückkehrt, um sich ein Bild von der Lage zu machen, stoßen sie auf ebendieses Kind - und beginnen es zu jagen. Alleine und ohne Waffen schlagen wir uns durch die überwucherten Ruinen und versuchen dabei, nicht der Safari zum Opfer zu fallen oder im Bauch eines der wilden Tiere zu landen, die nach dem Tod der Menschen die Erde beherrschen.
Gameplay aus der alten Welt
The Cub ist in mehrere Kapitel aufgeteilt, deren Ziel es ist, einfach ans Ende des Levels zu gelangen. Wir können unterwegs zwar einige Collectibles finden, fürs Weiterkommen spielen diese jedoch keine Rolle. Das Gameplay ist das eines klassischen Plattformers, bei dem es darum geht, im richtigen Moment zu springen, Gegnern auszuweichen und kleine Rätsel zu lösen, um den nächsten Abschnitt zu erreichen. Neben Oldschool-Jump&Runs erinnert The Cub auch an moderne Indie-Spiele wie Limbo oder Inside, die in erster Linie mit Atmosphäre statt mit mechanischer Finesse auf sich aufmerksam machen wollen.
In The Cub steht nämlich wie schon in Golfclub Nostalgia die Spielwelt im Vordergrund. Durch gefundene Datensätze, Audio-Aufnahmen und einen Mars-Radiosender erfahren wir nach und nach mehr über die Zeit vor dem Kollaps und die aktuellen Zustände in der Weltraumsiedlung. Bereits im Vorgänger entfaltete sich die Geschichte durch die verschiedenen Radiosegmente, das eigentliche Spiel bestand hingegen nur aus stummem Golfen, das aufgrund der minimalistischen Präsentation ohne Interface, Karte oder Spielhilfen aus viel Trial&Error bestand.
In The Cub ist das Gameplay zwar ebenfalls sehr simpel, aber deutlich eingängiger und abwechslungsreicher, wenn auch nicht gerade innovativ. Ein bisschen klettern, hier ein bisschen Kisten schieben, da mal ein Lianensprung: Die Mechaniken sind bekannt.
Quelle: Untold Tales
Und auch bei der Story weiß man schnell, was man bekommt. Subtil ist in The Cub nämlich höchstens der hübsche, handgezeichnete Artstyle. Die antikapitalistische Message wird mit dem Holzhammer vermittelt und schlägt in vorhersehbare Kerben. Manch einer wird die Direktheit der Seitenhiebe begrüßen, andere mit den Augen rollen, wenn über einen gewissen Muskovich und seine Marsraketen geredet wird, oder wir an verwaisten Firmengebäuden vorbeikommen, deren Logos starke Ähnlichkeiten zu realen Tech-Konzernen aufweisen.
Ach, das war es schon?
Persönlich finde ich, dass man aus der Prämisse noch mehr hätte rausholen können, das Worldbuilding sich aber zu stark darauf einschießt, unsere perverse Huldigung von Milliardären und deren psychopathisches Verhalten aufzuzeigen, statt diese Ideen wirklich zu erforschen. Die Radiosendungen vom Mars zeichnen ein dystopisches Bild der neuen Weltordnung und einige der vermittelten Geschichten treffen genau den richtigen Ton aus Wehmut und Gesellschaftskritik. Sie sind jedoch losgelöst vom tatsächlichen Geschehen auf dem Bildschirm und dienen eher als Anekdoten statt als wichtige Informationen.
Immerhin präsentiert The Cub die postkapitalistische Postapokalypse mit einer Prise schwarzem Humor. Für eine wirklich gallige Satire fehlt es der Untergangsfantasie aber an Tiefgang und Präzision.
Quelle: Untold Tales
Außerdem ist das Spiel mit rund 3-4 Stunden Spielzeit extrem kurz. Wären diese Stunden mit einer Geschichte gefüllt, die man so noch nie in einem Videospiel erlebt hat, oder das Gameplay einfach so perfekt umgesetzt, dass man es selbst gespielt haben muss, wäre die Länge egal. The Cub hätte aber deutlich mehr Fleisch auf den Knochen gebraucht, um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. So ist kaum Zeit, sich auf die Spielwelt und Figuren einzulassen und das Gameplay bleibt eine Nebensache. Wirkliche Herausforderungen, Rätsel oder Möglichkeiten, unterschiedliche Strategien auszuprobieren, gibt es nicht. Damit hält sich auch der Wiederspielwert in Grenzen.
Golfclub Nostalgia war mehr oder weniger auch nur ein Podcast mit etwas Beschäftigung dabei, das Konzept war damals allerdings frisch und das entschleunigte Golfen harmonierte deutlich besser mit der Erzählweise. Es bleibt zu hoffen, dass beim nächsten Streich des Unternehmens Highwater einmal mehr Wert darauf gelegt wurde, die Stärken des Mediums zu nutzen.
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The Cub erscheint am 19. Januar 2024 für PC auf Steam und GOG sowie für Nintendo Switch und Playstation. Unseren Einkaufsführer für die besten Jump&Run-Spiele findet ihr hier, eine Liste mit anderen Releases im Januar 2024 hingegen hier. Die PC Highlights des gesamten Jahres haben wir hier für euch zusammengesfasst.
