Tempest Rising im Test: Echtzeit-Strategie auf den Spuren von Command & Conquer

Test Felix Schütz
Tempest Rising im Test: Echtzeit-Strategie auf den Spuren von Command & Conquer
Quelle: 3D Realms, Knights Peak, PC Games

Westwood wäre stolz: Tempest Rising kopiert die C&C-Formel ganz ungeniert, macht aber was draus! Im Test muss das Echtzeit-Strategiespiel zeigen, ob es sein großes Vorbild beerben kann.

Ordentliches Missionsdesign

Beide Kampagnen punkten dafür mit ordentlichem Missionsdesign, in denen man oft mehr zu tun hat, als einfach nur die Feindbasis plattzumachen. Da soll man zum Beispiel High-Tech-Panzer stehlen, ein paar Minuten lang immer stärkere Gegnerwellen abwehren oder dann wieder eine Zielperson zu einem Extraktionspunkt eskortieren.

Später gilt es dann, bestimmte Gebäude zu sprengen, einen feindlichen Konvoi zu stoppen - oder man soll sich ganz ohne Basis mit ein paar wenigen Spezialisten durchschlagen.

Das sind einfach stärkere Heldeneinheiten, die sich tarnen oder Spezialangriffe einsetzen können, mit denen man sich dann ganz ohne Basisbau durch den Level knobeln muss. Agentin Tanya wäre stolz!

In manchen Einsätzen seid ihr nur mit einer Handvoll Spezialisten unterwegs. Quelle: PC Games In manchen Einsätzen seid ihr nur mit einer Handvoll Spezialisten unterwegs. Oft werden die Missionstypen ähnlich wie in Command & Conquer: Tiberian Sun auch schön durchgemixt, da beginnt man zum Beispiel erst mit einem kleinen Einsatztrupp, erfüllt ein bestimmtes Ziel und bekommt dann später doch noch ein MBF zugeteilt, um sich einen eigenen Stützpunkt aufzubauen.

Negativ fallen die (seltenen) Momente auf, in denen urplötzlich Gebäude wieder aufgebaut werden, die man eigentlich schon zerstört hatte. In einer Dynasty-Mission hatten wir beispielsweise schon alle feindlichen Stützpunkte ausradiert. Doch nach einem bestimmten Trigger ändern sich die Missionsziele - und plötzlich doch wieder drei GDF-Satteliten-Uplinks da, die eigentlich schon längst in Trümmern lagern. Das wurde in den C&C-Spielen schon deutlich besser gelöst - in denen erweitert sich nämlich einfach die Missionskarte, sobald neue Ziele hinzukommen.

Eine voll ausgebaute Basis der Dynasty. Wer sich um die Reparaturen kümmert, kann hier einige Gebäude überladen, dadurch arbeiten sie schneller. Quelle: PC Games Eine voll ausgebaute Basis der Dynasty. Wer sich um die Reparaturen kümmert, kann hier einige Gebäude überladen, dadurch arbeiten sie schneller. Trotz solcher Schnitzer sind die ingesamt 22 Missionen (11 pro Kampagne) gut gelungen. Die Einsätze sind vielleicht nicht wahnsinnig kreativ, aber sie motivieren bis zum Schluss, und das ist die Hauptsache. Und mit 30 bis 60 Minuten pro Mission geht auch der Umfang völlig in Ordnung.

Wegfindung mit Hindernissen

Beim Gameplay gibt sich Tempest Rising angenehm bodenständig. Der Basisbau geht schön flott von der Hand, auch weil man hier auf ein klassisches Raster setzt, für das man Gebäude nur schnell in vier Richtungen dreht. Anders als zum Beispiel bei Tiberium Wars oder C&C: Generals muss man also nicht lange rumprobieren, bis man einen geeigneten Bauplatz gefunden hat.

Auch die Einheitensteuerung tut, was sie soll: Befehlsketten, Attack Move, Kontrollgruppen, das geht alles gut von der Hand. Habt ihr mehrere Fabriken oder Kasernen, könnt ihr sie bequem über die Bauleiste ansteuern. Und auf Wunsch bewegen sich eure Einheitengruppen auch im gleichen Tempo, damit alle zur gleichen Zeit am Ziel ankommen. Das ist also gut gelöst.

Im Multiplayer steht euch ein kompaktes Forschungsmenü zur Verfügung, mit dem ihr eure Taktik festlegen könnt. Quelle: PC Games Manche Briefings erinnern stark an das erste Command & Conquer von 1995. Das ist kein Zufall. In seltenen Fällen lassen sich aber leider noch Aussetzer bei der Wegfindung beobachten. Wir hatten da zum Beispiel ein paar Einheiten, die ohne erkennbaren Grund den falschen Weg einschlagen wollten, andere verhakten sich immer wieder auf Patrouillen vor dem Basiseingang. Einmal haben wir auch ein Reparaturfahrzeug erlebt, das partout nicht zum Ziel fahren wollte, sondern stattdessen lieber Kreise drehte. Und wenige Stunden später beschloss eine unserer Lufteinheiten kurzerhand, einfach gar nichts mehr zu tun.

Wohlgemerkt: Das waren Einzelfälle, die Wegfindung arbeitet ansonsten gut. Einen Patch sollten die Entwickler trotzdem nachschieben, denn Bugs wie diese müssen einfach nicht sein.

Technik-Check: Tempest Rising im Test von PC Games Hardware

Unterschiede zwischen den Fraktionen

Die beiden Fraktionen spielen sich zwar ähnlich, können im Detail aber auch ganz eigene Akzente setzen. Die GDF errichten zum Beispiel teure Raffinerien, aus denen dann die Ernter in klassischer C&C-Manier lospoltern, um das wertvolle Tempest einzusammeln. Die Dynasty verwendet dagegen große, langsame Erntefahrzeuge, die man einfach zum nächsten Tempest-Feld schickt, wo sie sich auf Knopfdruck in ein Gebäude verwandeln. Ihre vier Räder funktionieren dann praktischerweise gleich als kleine Sammelwerkzeuge.

Materialschlacht: Auch klassische Tankrushs führen oft zum Sieg. Quelle: PC Games Materialschlacht: Auch klassische Tankrushs führen oft zum Sieg. Auch beim Basisbau gibt's ein paar wichtige Unterschiede. Die GDF kann einfach mehrere Gebäude und Türme hinpflanzen, die dann nacheinander aufgebaut werden. Das macht den Basisbau schön unkompliziert. Allerdings muss die GDF für bestimmte Gebäude und Einheiten noch Informationen einsetzen, das ist eine Zusatzwährung, die sich nur langsam passiv oder durch bestimmte Truppentypen aufbauen lässt.

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