Taiko no Tatsujin: Drum`n`Fun: Endlich mal wieder ein gutes Musikspiel, trotz ein paar Schwächen

Test Katharina Pache
Don und Katsu, die beiden süßen Trommeln, sind die Hauptdarsteller des Rhythmusspiels.
Quelle: Bandai Namco

Die beiden Trommeln Don und Katsu laden zum Rhythmuswettbewerb - das können wir natürlich nicht ablehnen. Im Test stellt sich heraus: Taiko no Tatsujin auf der Switch ist ein spaßiges, wenn auch nicht perfektes Musikspiel.

In japanischen Spielhallen gehören die überdimensionierten Trommel-Controller von Taiko no Tatsujin zur Grundausstattung, sogar im Hollywood-­Film Lost in Translation ist eine der markanten Arcade-Stationen kurz zu sehen. Ein Ableger der Reihe hat es zwar nach Nordamerika geschafft, hier in Deutschland blieb Musikspielfans bislang nur der Import. Bis jetzt! Auf der Switch erschien am 02. November 2018 Taiko no Tatsujin: Drum'n'Fun!, auf der PS4 zum gleichen Zeitpunkt (allerdings nur als Download und ohne Trommel-Hardware) Taiko no Tatsujin: Drum Session! Beide Spiele unterscheiden sich, was Trackliste und Charaktere betrifft. Schön und heute nicht mehr selbstverständlich: Sowohl im PSN als auch im eShop von Nintendo könnt ihr Demo-Versionen der Spiele herunterladen.

Rhythmus-Einmaleins

Das Spielprinzip von Taiko no Tatsujin baut ganz auf japanische Taiko-­Drums. Anders als etwa bei dem Schlagzeug-Set eines Guitar Hero oder Rock Band (Gotthabesieselig) begnügt ihr euch mit einem Klangkörper (mehr zum Spezial-Controller lest ihr weiter unten), dem ihr zwei unterschiedliche Töne entlockt. Schlagt ihr in die Mitte des Fells, erklingt ein "Don" - das sind die roten Buttons. Die blauen Noten heißen "Ka" und werden auf dem Trommelrand angeschlagen. Die erforderlichen Noten und laufen von rechts nach links durchs Bild. Große Noten aktiviert ihr, indem ihr mit beiden Drumsticks gleichzeitig zuschlagt, an manchen Stellen sind Trommelwirbel, also schnelle Wiederholungen erwünscht. Und das ist auch schon alles, was ihr wissen müsst, um zum echten Trommelmeister zu werden! Spielfiguren haben unterschiedliche Fähigkeiten. Mit Meister Bachio etwa sind Don- und Ka-Noten gleich! Quelle: PC Games Von rechts laufen die Noten herein, um die Anzeige herum tanzen bunte Figuren. Von der gewählten Spielfigur (hier Meister Bachio, oben links zu sehen) hängt ab, wie schwer oder leicht ihr es beim Trommeln habt.

Alle sind eingeladen

Durch die vergleichsweise simple Spielmechanik und vier Schwierigkeitsgrade (bei manchen Songs gibt es einen fünften, besonders anspruchsvollen Modus), kommen Alt und Jung, Geübte und Ungeschickte auf ihre Kosten. Anfangs stehen nur sechs Charaktere zur Auswahl, durchs Spielen werden aber weitere Helden freigeschaltet, auch deren Fähigkeiten machen das Erlebnis teilweise schwieriger oder einfacher. Als spezielle Nintendo-Gaststars sind Kirby und ein Squid aus Splatoon am Start. Die PS4 beehren Heihachi aus Tekken, Hello Kitty und Pac-Man.

Bleibt in diesem Minispiel im Takt, um beim Tanzen um den Schrein nicht an die anderen Spieler zu stoßen. Quelle: PC Games In diesem Minispiel tanzen vier Teilnehmer (spielt ihr alleine, übernimmt der Computer) im Takt um einen Schrein. Stoßt nicht an die Mitspieler! Passend zum Fokus auf traditionell japanische Instrumente besteht die Musikauswahl aus japanischen Popsongs, diversen Anime-Openings (unter anderem Neon Genesis Evangelion, Dragon Ball Z), Videospielmusik (zum Beispiel: Kirby-Medley, Ridge Racer, Splatoon -Medley), Vocaloid -Songs und einer Handvoll Synthie-Versionen von klassischen Stücken wie der Türkische Marsch von Beethoven. Als Normalsterblicher kennt man wahrscheinlich nur einen Bruchteil der mit über 70 Tracks umfangreichen Auswahl, die meisten gehen aber ins Ohr und sorgen für gute Laune - von ein paar wirklich seltsamen Aussetzern wie "Tonde Mite" mal abgesehen. Ihr könnt zudem Songs favorisieren und so eine eigene Playlist-Auswahl erstellen. Die komplette Trackliste findet ihr hier, oder ihr werft einen Blick in die Galerie unterhalb dieses Artikels.

Der Trommel-Controller

Für 110 Euro erhaltet ihr das Bundle mitsamt Spiel, dem Taiko-Trommel-Controller sowie zwei Drumsticks. Das Drumset aus Plastik ist gut verarbeitet. Die Bedienung funktioniert allerdings nicht so einfach, wie man es zunächst vermutet. Bei der Erkennung der Schläge zeigt sich die Trommel manchmal widerspenstig, außerdem muss man ziemlich hart zuschlagen, damit die Eingabe überhaupt erkannt wird - das ist wirklich laut, also nicht für Übungssessions zu später Stunde im gemeinsamen Haushalt geeignet. Das starke Zuschlagen wiederum führt zum Verrutschen der Trommel. In der Anleitung wird etwa empfohlen, kleine Wasserflaschen als Gewicht unten in den Ständer zu legen. Trotz langatmiger Kalibrierung erkennt die Trommel Schläge manchmal nicht, vor allem auf dem Trommelfell, am Rand funktioniert es besser. Immerhin: Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Eigenheiten der Hardware und die Eingaben funktionieren zuverlässiger als bei den ersten Versuchen.

Gemeinsam gegeneinander

Außerdem versorgt euch Taiko no Tatsujin mit einer großen Auswahl (20 Stück!) Minispiele, eingeteilt in Versus, Koop und Team Versus. Schlürft Nudeln im richtigen Rhythmus! Auf die Suppe müsst ihr aber erst viermal pusten, sonst verbrennt ihr euch die Schnute. Quelle: PC Games Wer schlürft schneller? Verputz die Nudelsuppe so schnell es geht, aber bitte im Takt! Die meisten davon machen Laune und sind genauso niedlich und schräg inszeniert wie der Rest des Spiels. Namco war bei der Umsetzung von Drum 'n' Fun! erfreulich kompromisslos: Die Texte sind alle Deutsch, aber die Stimmen erklingen auf Japanisch, und die unzähligen Bezüge auf Mythengestalten und Kultur des Landes wurden ohne Änderungen bewahrt. Das macht Taito no Tatsujin zu einem für Westler-Augen erfrischenden, bunten Vergnügen.

Wählt euren Spielstil

So schön die Präsentation ist - die Menüführung könnte besser sein, die ständigen Ladezeiten nerven. Bei der Steuerung gibt es dankenswerterweise viele Auswahlmöglichkeiten: Von der Bewegungserkennung (ungenau, anstrengend) über Touchpad-Kontrolle (funktioniert gut, die Switch liegt dann aber schlecht in der Hand) zur Bedienung mit dem Controller (simpel, funktioniert gut, die Buttonauswahl kann geändert werden). Eine unnötige Qual ist die Kalibrierung von Anzeige und Sound - statt eine Automatik einzusetzen wie bei Konkurrenz-Rhythmusspielen, müssen die Anpassungen manuell vorgenommen werden (inklusive Ladezeit zum Ausprobieren). Gerade bei einigen Fernsehmodellen ist die Kalibrierung zwingend notwendig, da sonst Sound und Anzeige nicht zusammenpassen und als Ergebnis das Timing nicht funktioniert. Trotz dieser kleinen Wehwehchen ist Taito no Tatsujin: Drum 'n' Fun! aber eine echte Empfehlung für alle Rhythmusfreunde. Don!

Meinung

Wertung zu Taiko no Tatsujin: Drum`n`Fun! (NSW)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Fröhliche, charmante PräsentationSimples Rhythmusprinzip, dennoch forderndUnterhaltsame MinispieleFür bis zu vier SpielerJede Menge SteuerungsvariantenViele (unerwartete) Ohrwürmer in der Trackliste
Songs als DLC ausgelagertKein Online-MehrspielermodusMenüführung unübersichtlichManuelle Kalibrierung frisst Zeit und NervenStändig LadezeitenTrommel-Hardware manchmal störrisch
Fazit

Taiko no Tatsujin: Drum`n`Fun! ist ein spaßiges, buntes Rhythmusspiel mit viel Japan-Flair für alle Altersgruppen.

Bildergalerie

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