Danger Dan sorgt für Eklat beim ZDF: Musiker wird wegen neuem Song ausgeladen

News Stefan Wilhelm
Danger Dan sorgt für Eklat beim ZDF: Musiker wird wegen neuem Song ausgeladen
Quelle: ZDF

Eigentlich sollten die Musiker Danger Dan und Igor Levit bei der 100. Ausgabe der Satire-Show "Die Anstalt" auftreten - der Gig wurde jedoch kurzfristig abgesagt. Der Song "Keine Angst" könne als "Aufruf zur Gewalt" verstanden werden.

Die ZDF-Satireshow "Die Anstalt" feiert am 21. Juli ihre 100. Folge, und zu diesem Anlass ist eine Sendung geplant, die sich mit wachsender politischer Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie beschäftigen soll. Ursprünglich stand dafür ein Auftritt der beiden Musiker Igor Levit und Danger Dan ("Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt") auf dem Programm, bei dem Danger Dans neuer Song "Keine Angst" performt werden sollte.

Wie die beiden Musiker in einem Post bei Instagram schreiben, wurde dem Auftritt jedoch kurz vor der Aufzeichnung ein Riegel vorgeschoben: Die Intendanz des ZDF habe ihr Veto eingelegt, obwohl der Song dem Sender schon seit Wochen vorgelegen habe und der zuständige Justiziar ihn auch bereits abgenickt hatte, so die Künstler.

Zum Zeitpunkt ihres Posts, also am Nachmittag des geplanten Aufzeichnungstages, habe den Musikern noch keine offizielle, schriftliche Begründung des Senders vorgelegen. Dieses Vorgehen der ZDF-Intendanz gegen "antifaschistisches Liedgut" empfinden sie als "autoritären Akt", so die abschließenden Statements im gemeinsamen Post der beiden.

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Selbst von den Verantwortlichen bei der "Anstalt" gibt es Protest gegen die Absage. Auf ihrem Instagram-Kanal schreibt die Sendung:
"Wir, 'Die Anstalt', distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF. Wir empfinden die Entscheidung als mutlos - gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder stark zunimmt."

In der kommenden Ausgabe der "Anstalt" werde man sich ansehen können, was passiert, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind.

Am selben Abend folgte dann auch noch eine offizielle Stellungnahme des ZDF, nachdem der Post von Levit und Danger Dan bereits ein breites Echo erhalten hatte. In einem Beitrag auf ZDFheute.de schreibt der Sender als Begründung:

"Das Lied von Danger Dan setzt sich mit Widerstand gegen Rechtsextremismus auseinander. Der Text des Liedes kann allerdings als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF."

In intensiven redaktionellen Diskussionen sei dieser Widerspruch zu den Programmrichtlinien im Vorfeld der Aufzeichnung nicht aufzulösen gewesen, so der Sender weiter.

Die Frage, ob man bei diesem Vorgehen von Zensur sprechen könne, verneint das ZDF mit folgenden Worten:
"Das ZDF zensiert weder Danger Dan noch "Die Anstalt". Das ZDF will sich nun dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied befassen und es an anderer Stelle im Programm aufarbeiten."

In welchem Rahmen diese Aufarbeitung erfolgen soll, ist aktuell noch nicht bekannt. In der kommenden "Anstalt"-Folge wird der Song jedenfalls nicht zu hören sein. Laut dem Post der beiden Musiker werde die Sendung aber sehr wohl auf den Eklat um die Absage eingehen.

Darum geht es in "Keine Angst"

Um Mitternacht wurde der Stein des Anstoßes, also Danger Dans über sieben Minuten langer Song "Keine Angst", dann veröffentlicht. Das Lied ist eine Anleitung zum zivilen Widerstand gegen erstarkende faschistische Kräfte.

Die beinhaltet neben der Organisation in geheimen, kleinen Gruppen und dem Sammeln von Informationen über Rechtsextremisten auch Hinweise dazu, das eigene Vorgehen und die eigene Identität vor den Behörden und dem politischen Gegner geheimzuhalten. Hier könnt ihr euch selbst ein Bild von dem Song machen:

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Bei der Intendanz des ZDF dürften jedoch vor allem die letzten Zeilen des Liedes entscheidend gewesen sein. Dort singt Danger Dan, bezugnehmend auf den Fall, dass Rechtsextreme irgendwann vor der eigenen Türe stehen:

"Schon am ersten Tag, wenn ihr die Party macht, besteht die Möglichkeit, dass es vor der Türe kracht. Also plant immer mit der Konfrontation, habt Überraschungen dabei, wenn sie kommen. Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrammt, ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant. Ist eh klar, was zu tun ist, ich sag' nichts mehr dazu. Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk."

Der letzte Satz dürfte sich auf Mitglieder der sogenannten "Hammerbande" beziehen, einer linksextremen Gruppierung, die von 2018 bis 2020 mehrere gewaltsame Überfälle auf tatsächliche und mutmaßliche Rechtsextremisten und Neonazis durchgeführt hatte. Mit "Maja" dürfte die deutsche Person Maja T. gemeint sein. T. war im Februar wegen eines gewaltsamen Angriffs auf Rechtsextremisten in Ungarn verurteilt worden.

In einem Interview mit dem Spiegel (Bezahlschranke) beteuert Danger Dan wiederum, dass er Gewalt verabscheue, sie aber längst politische Realität geworden sei. Es hätten sich in den letzten Jahren zahlreiche Neonazi-Gruppen gegründet, um die man sich als Zivilgesellschaft kümmern müsse, da der Staat dabei versage. Es sei wichtig, sich solchen Leuten in den Weg zu stellen.

Nicht nur zeitgenössische Musik thematisiert den Widerstand gegen den Faschismus, auch diverse Videospiele nehmen sich des heiklen Themas an - auf völlig unterschiedliche Weise. In diesem Special stellen wir euch drei "Spiele gegen den Faschismus" vor. Unseren Test zum in Deutschland entwickelten Widerstands-Strategiespiel Through the Darkest of Times findet ihr hier.

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Quellen: Der Spiegel, ZDF heute, WDR

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