Sundered im Test: Wenn ein Metroidvania am Zufall scheitert
Test 2,60 €
Auf den ersten Blick spitze, auf den zweiten ein Reinfall: Das Metroidvania der Jotun-Macher sieht schön aus, spielt sich flott und zeigt gute Ideen - doch öde Levels und nervige Dauerkämpfe ruinieren viel vom Spielspaß. Warum wir Sundered trotz mancher Designschwächen komplett durchgespielt haben, klärt der Test.
Uralte Gottheiten - am besten bunt, zornig und riesengroß inszeniert - haben es Thunder Lotus Games angetan. Nach ihrem Erstlingswerk Jotun stricken die Kanadier nämlich auch ihr zweites Spiel um eine ähnliche Thematik, diesmal aber in einem anderen Genre: Sundered ist ein 2D-Action-Adventure im Metroidvania-Stil, garniert mit einer guten Portion Roguelike und Zufallsmechanismen. Also eigentlich ein verlockendes Konzept, dem aber schnell die Puste ausgeht, wie unser Test zu Sundered zeigt.
In diesem Artikel
Sundered im Test: Heldin in der Tiefe
Stimmungsvoll präsentieren sich die ersten Minuten: Die Heldin Eshe wandert durch eine Wüste, sauber gezeichnet, fein animiert und von klagend-schöner orchestraler Musik untermalt. Eine schicke Inszenierung, die Erwartungen weckt! Plötzlich wird Eshe von riesigen Händen unter den Wüstensand gezogen, hinab in ein Labyrinth aus Ruinen und Höhlen. Eine finstere Stimme verrät: Um ihre Freiheit wiederzuerlangen, soll Eshe dort mehrere Bosse besiegen und "uralte Splitter" aufstöbern, die ihre Macht steigern. Viel mehr hat die Geschichte allerdings nicht zu bieten: Nur selten meldet sich die Stimme noch zu Wort und erzählt dann meist von vergangenen Zivilisationen, die für das eigentliche Abenteuer aber keine Rolle spielen.
Quelle: PC Games
Mit neuen Fähigkeiten kann Eshe weitere Teile der Spielwelt erkunden.
Sundered im Test: Leveldesign? Blöder Zufall!
Quelle: PC Games
Die schlichte Karte liefert alle nötigen Infos.
Eine nützliche Karte zeichnet die wichtigsten Ziele ein, etwa die gesuchten Bossgegner und die neuen Fähigkeiten, die Eshe aufsammeln muss, um damit weitere Bereiche der Spielwelt zu erkunden. Mit der Zeit lernt die Heldin so den genretypischen Doppelsprung, außerdem findet sie eine Waffe, mit der sie entfernte Schalter aktiviert, sowie einen Greifhaken, mit dem sie sich durch die Gegend schwingt. Im Gegensatz zu den meisten Metroidvanias gibt es aber nur wenige Orte, in denen neue Fähigkeiten zum Weiterkommen benötigt werden - so wenige, dass sie sogar überdeutlich mit einem Symbol auf der Karte markiert werden.
Dafür hebt sich Sundered mit seinem hohen Zufallsfaktor ab: Obwohl die wichtigsten Orte und Upgrades stets am selben Platz zu finden sind, werden die Räume dazwischen jedes Mal neu angeordnet, sobald Eshe stirbt oder das Spiel beendet wird. Ein Zufallsgenerator bastelt nämlich aus verschiedensten Treppen, Gängen und Räumen immer wieder neue Layouts zusammen - das soll den Wiederspielwert erhöhen. Leider sind die kleinen Levelbausteine aber so eintönig und uninspiriert geraten, dass das Erkunden der Welt reichlich öde ausfällt: Gut versteckte Secrets gibt es kaum, ebensowenig wie Geheimgänge, raffinierte Geschicklichkeitspassagen oder sonstige Überraschungen. Wer das hervorragend designte Hollow Knight kennt, kann nur enttäuscht sein über die meist gähnend leeren Levelbauten von Sundered.
Sundered im Test: Sterben gehört dazu
Doch die Zufallslevels haben einen praktischen Hintergrund: Man stirbt sehr oft in Sundered, schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad. Das ist gewollt und wird durch einen billigen Designkniff erkauft: Gegner erscheinen völlig willkürlich in den Zufallslevels. Sie tauchen nach einer Weile einfach auf, spawnen mal neben uns, mal außerhalb unseres Sichtbereichs. Was doppelt nervig ist, denn manche Feinde können auf große Distanz durch Wände hindurchschießen oder uns in Zauberkäfige stecken, noch bevor wir sie überhaupt zu Gesicht bekommen. Schlimmer noch: Es gibt ein paar Räume in Sundered, in denen die Feinde - von denen manche fast ein Viertel des Bildschirms füllen! - endlos spawnen und uns zur Flucht zwingen. Das ist beim ersten Mal vielleicht noch lustig, danach aber zunehmend nervig.
Quelle: PC Games
Kämpfe geraten schnell unübersichtlich und hektisch.
Sundered im Test: Die Kämpfe - fordernd, aber eintönig
Eshe hat den comichaften Gegnern anfangs nicht viel entgegenzusetzen. Sie verfügt über ein Schwert, ihre einzige Nahkampfwaffe, die sie bis zum Spielende benutzt. Hinzu kommt noch eine überdimensionierte Knarre mit wenig Munition - und das war's im Grunde. Die meisten Kämpfe enden darum in wildem Tastenhämmern. Eshe hat zwar noch ein paar praktische Tricks auf Lager, etwa einen Schmetterangriff aus der Luft und eine Ausweichrolle, doch das Grundprinzip bleibt immer gleich. Mehr Nah- und Fernkampfwaffen hätten Wunder gewirkt! Auch etwas mehr Gegnertypen hätten nicht geschadet: Für jedes der drei großen Areale, die Eshe erkundet, gibt es zwar ein eigenes Gegnerdesign - Monster, Roboter, Wachdrohnen und so weiter -, doch durch die sehr häufigen Kämpfe wiederholen sich auch die Widersacher schnell.
Sundered im Test: Motivierendes Upgrade-System
Egal wie gut man spielt, der Tod ist unausweichlich - irgendwann ist Eshes karger Vorrat an Heiltränken einfach aufgebraucht und die Gegnerhorden nehmen Überhand. Dann erwacht die Heldin in einem Lager und kann sich ihrer Charakterentwicklung widmen. Denn nur hier kann sie Splitter ausgeben, eine besondere Währung, die sie für besiegte Gegner und gefundene Schätze erhält. Mit Splittern schaltet Eshe wichtige Upgrades in einem verzweigten Forschungsbaum frei: Mehr Lebens- und Schildpunkte, dickere Rüstung, zusätzliche Chance auf kritische Treffer, weitere Heiltränke und vieles mehr kann hier verbessert werden, wobei Upgrades zunehmend teurer werden.
Quelle: PC Games
In diesem umfangreichen Talentbaum schalten wir neue Boni für Eshe frei.
Diese Mechanik ist das mit Abstand motivierendste Spielelement in Sundered und der wichtigste Grund, weshalb man die ständigen Zufallskämpfe stoisch hinter sich bringt - denn jeder Kampf, jeder Run, jeder Tod bringt uns dem nächsten Upgrade wieder ein Stück näher. Das erinnert im positiven Sinn an den Indie-Hit Rogue Legacy.
