Knights of the Old Republic 1 & 2 im Mobile-Test: Möge das Smartphone mit euch sein!
Test
Star-Wars-Kult für unterwegs: Knights of the Old Republic 1 und 2 haben zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, werden aber immer noch von vielen Fans verehrt. Umso besser, dass es beide Teile auch für Mobile-Geräte gibt! Doch entfalten die Rollenspiel-Klassiker auch auf dem kleinen Touchscreen ihren Charme? Felix hat beide Mobile-Umsetzungen durchgespielt.
Wer Star-Wars-Fans nach ihren Lieblingsspielen fragt, muss sich auf eine lange Antwort einstellen. Denn egal ob X-Wing, Battlefront, Empire at War oder Squadrons, an Highlights mangelt es wahrhaftig nicht. Weit oben auf meiner ganz persönlichen Star-Wars-Bestenliste: Die Rollenspiel-Klassiker Knights of the Old Republic und Knights of the Old Republic 2: The Sith Lords. Der erste Teil wurde 2003 von Bioware veröffentlicht, der Nachfolger entstand bei Obisidan und kam 2005 auf den Markt. Beide Spiele genießen seither einen exzellenten Ruf, dem auch die veraltete Optik nix anhaben kann. Eigentlich wäre da schon lange mal ein Remaster fällig, schon allein, weil KotOR es bis heute nie auf eine Sony- oder Nintendo-Konsole geschafft hat. Doch zumindest gibt's mittlerweile eine echte Alternative: Beide Star-Wars-Rollenspiele sind nämlich auch für Smartphones und Tablets erhältlich - und können sich dort richtig sehen lassen!
Auf dieser Seite
- 1 KotOR heute: Zeitlos gute Rollenspiele?
- 2 Knights of the Old Republic: So gut ist die Mobile-Umsetzung
- 3 Optisch veraltet, technisch solide
- 4 So spielt es sich am Touchscreen
- 5 KotOR 1 und 2 durchgespielt: Große Bildergalerie
- 6 Knights of the Old Republic 2 - The Sith Lords: Das bessere KotOR?
- 7 KotOR 2: Restored Content Mod - läuft das auch auf Android?
- 8 KotOR: Wo kann ich die Mobile-Spiele kaufen?
KotOR heute: Zeitlos gute Rollenspiele?
Quelle: PC Games
Die technisch veraltete Grafik hat immer noch ihren Charme.
KotOR zieht seinen Reiz vor allem aus seinem unverbrauchten Setting. Die Spiele ließen nämlich die Grenzen der Filme hinter sich und schlugen stattdessen ein neues Kapitel im Star-Wars-Universum auf. Dazu griffen die Autoren zu einem simplen Trick: Sie siedelten ihre Spiele einfach tausende Jahre vor der Skywalker-Saga an. Die Geschichten glänzten mit interessanten Schurken, überraschenden Wendungen, denkwürdigen Begleitern und spannenden Entscheidungen. Als Spieler durfte ich hier selbst zum Jedi oder Sith aufsteigen, die Republik retten oder ins Verderben stürzen, gütig sein oder Rache üben. Figuren wie Revan, Bastila, Kreia und viele mehr betraten die Bühne und machten das Star-Wars-Universum reicher. Dazu gab's hübsche Schauplätze mit Wiedererkennungswert, jede Menge Loot, robuste Charakterentwicklung und pausierbare Echtzeit-Kämpfe, in denen die Lichtschwerter schöner gekreuzt wurden als in jedem anderen Video-Spiel. Mit anderen Worten: Selbst Star-Wars-Verächter kamen auf ihre Kosten.
Mit einem Wertungsschnitt von 93 Punkten gilt das erste Knights of the Old Republic (kurz: KotOR) sogar als eines der höchstbewerteten Rollenspiele aller Zeiten - das muss man erst mal schaffen! Der Nachfolger hat es dafür nicht ganz so weit gebracht: Inhaltlich war Obsidians KotOR 2 in vielerlei Hinsicht zwar besser und tiefgängiger als Biowares Erstling, allerdings sorgte eine überhastete Entwicklung dafür, dass das Spiel nicht nur mit Bugs zu kämpfen hatte, sondern gegen Ende auch etwas abbaut. Ein tolles Star-Wars-Erlebnis ist es aber allemal geworden. Und das gilt auch für die Mobile-Versionen!
Knights of the Old Republic: So gut ist die Mobile-Umsetzung
KotOR fürs Handy? Es gab eine Zeit, da hätte das noch für einen Aufschrei gesorgt, gegen den die Sprengung Alderaans wie eine Wunderkerze wirkt. Doch spätestens seit jedes Mittelklasse-Telefon vor Rechenleistung strotzt, hat sich auch die Wahrnehmung bei vielen Spielern gewandelt: Top-Titel wie XCOM, Genshin Impact, Civilization 6 oder Battle Chasers haben AAA-Gaming schon längst aufs Smartphone gebracht, selbst das verrufene Diablo Immortal könnte - oh Schreck! - ziemlich gut werden. Das erste Knights of the Old Republic darf sich hier sogar zu den Wegbereitern zählen, denn es war verhältnismäßig früh dran: Schon 2013 wurde es für das iPad portiert und erschien ein Jahr später auch für Android-Geräte. Auch wenn die Umsetzung also nicht neu ist, will ich hier genauer darauf eingehen, schon allein um einen Vergleich zum zweiten Teil zu ziehen, der erst im Dezember 2020 veröffentlicht wurde.
Quelle: PC Games
Juhani ist der dunklen Seite verfallen und fordert uns zum Duell.
Die Umsetzungen wurden von Aspyr entwickelt, ein Team, das sich seit vielen Jahren auf Portierungen versteht (und gerüchteweise sogar an KotOR 3 arbeiten könnte). Ihr Angebot ist fair: Zum Preis von 10 Euro bekommt man keine abgespeckte Billig-Version von Knights of the Old Republic, sondern das komplette Spiel für unterwegs. Ohne versteckte Kosten, ohne Werbung, ohne Abstriche, ohne Online-Zwang. Einzige Einschränkung: Die deutsche Sprachausgabe fehlt, es gibt nur deutsche Texte mit englischen Sprechern. Darüber kann man streiten, mich persönlich stört's aber überhaupt nicht, schließlich ist die Originalvertonung um Längen besser als die deutsche Fassung.
Optisch veraltet, technisch solide
Quelle: PC Games
Auf der Ozeanwelt Manaan hält das Volk der Selkath einen Waffenstillstand zwischen Republik und Sith aufrecht.
Für meinen Test von Knights of the Old Republic habe ich ein Samsung Galaxy S10 Lite verwendet. Darauf lief die Android-Version angenehm rund: Die Performance war butterweich und die Ladezeiten kurz, Bugs traten keine auf. Ab und zu musste ich lediglich auf meine Gruppenmitglieder warten, die sich irgendwo in der Umgebung verhangen hatten und deshalb zurückgefallen waren - das ist nicht schön, fällt aber kaum ins Gewicht. Was ich der Umsetzung dagegen hoch anrechne: Ich konnte problemlos in andere Tasks wechseln, chatten, telefonieren, surfen und so weiter, ohne das Spiel jedes Mal neu starten zu müssen. Das macht KotOR zu einem guten Begleiter für unterwegs. Die Installationsgröße von 2,1 GB sollte auf modernen Geräten auch kein Problem mehr darstellen.
Grafisch ist das Rollenspiel natürlich kein Hingucker mehr, gerade die Charaktermodelle mit ihrer steifen Mimik sind ordentlich veraltet und die meisten Innenlevels wirken kahl und steril. Allerdings sieht die Mobile-Version auch nicht merklich schlechter aus als das Original für PC und Xbox, im Gegenteil: Auf einem Smartphone-Bildschirm machen die Texturen sogar einen überraschend passablen Eindruck, alle Licht- und Schatteneffekte scheinen an Bord zu sein und auch die Weitsicht geht in größeren Gebieten (z.B. in den Wüsten von Tatooine) völlig in Ordnung.
Quelle: PC Games
Vor einem Sandcrawler schlagen wir einen Angriff der Sandleute zurück. Später können wir auch diplomatische Wege verfolgen.
So spielt es sich am Touchscreen
Wer einen Bluetooth-Controller am Smartphone nutzt, kann ihn auch für KotOR zum Einsatz bringen. Da man aber ohnehin meistens nur gemütlich rumläuft, spielt es sich auch am Touchscreen sehr ordentlich. Zumal sich die Kämpfe jederzeit pausieren lassen, sodass man immer genug Zeit hat, um Ziele auszuwählen und Spezialattacken, Machtfähigkeiten, Granaten und so weiter einzusetzen. Das HUD fällt zwar gerade während der Kämpfe ziemlich groß aus, doch dafür hat man das Geschehen auch an kleineren Bildschirmen gut im Griff. Damit man nichts Wichtiges übersieht, wird über Hotspots und Loot-Behältern in der Nähe einfach ein kleiner Text eingeblendet.
Quelle: PC Games
Der Inventarbildschirm ist brauchbar, nutzt aber die Breite des Smartphones nicht genug aus.
Die umständlichen Menüs wurden nur geringfügig angepasst, das heißt: Inventar und Questlog sind immer noch etwas unhandlich und nutzen die Größe des Bildschirms nicht genug aus. Nach ein paar Minuten kommt man aber auch damit gut klar. In Dialogen wird der ganze Bildschirm für die vielen Gesprächsoptionen genutzt, das sorgt zwar für mehr Übersicht, allerdings werden die Charaktere dabei von Textfeldern überlagert. Dadurch droht die Gefahr von Fehleingaben, wenn man den Finger unachtsam auf dem Display lässt. Mein Tipp: Zeigefinger in den oberen Ecken parken, dort kann nix passieren. Ein Extralob gibt's für den Quicksave-Button, den ich optional einblenden kann. So lässt sich das Geschehen jederzeit blitzschnell speichern, ohne extra in ein Menü zu wechseln, viel bequemer geht's nicht.
Quelle: PC Games
Die Swoop-Rennen steuern sich am Touchscreen etwas träge.
Der Mobile-Port von KotOR hat aus meiner Sicht nur zwei Schwachstellen. Erstens: Die seltenen, aber völlig spaßbefreiten Weltraumschlachten, wenn man von einem Planeten zum nächsten düst. Die steuern sich ungenau und fügen dem Spielerlebnis ohnehin nix hinzu, ich hätte sie gerne komplett abgeschaltet. Zweitens: Die Swoop-Rennen, die man auf mehreren Strecken fahren kann. Die sind zwar in der Theorie nett, spielen sich am Touchscreen aber einfach nicht gut und machen wenig Spaß. Abseits der Hauptquest habe ich deshalb darauf verzichtet, das Spielerlebnis leidet darunter nicht - oder hat jemand KotOR wegen der Swoop-Rennen gespielt? Ich jedenfalls nicht.
KotOR 1 und 2 durchgespielt: Große Bildergalerie
In unserer Bildergalerie zeigen wir euch mehr als 100 Screenshots aus beiden Mobile-Versionen. Die Bilder führen euch durch die kompletten Spiele und zeigen euch die Grafik der Android-Versionen. Die Screenshots wurden mit einem Samsung Galaxy S10 Lite erstellt, weshalb die Auflösung geringer ausfällt als beispielsweise in den PC-Versionen.
Bildergalerie
Knights of the Old Republic 2 - The Sith Lords: Das bessere KotOR?
Erst sieben Jahre nach dem ersten Teil hat sich Aspyr auch um den Nachfolger gekümmert: KotOR 2: The Sith Lords wurdeam 18. Dezember 2020 für iOS und Android veröffentlicht. Grafisch ist die Fortsetzung nahezu identisch mit dem ersten KotOR und auch an der Steuerung hat sich nur in Details etwas getan. Die Umsetzung ist damit nicht besser oder schlechter als die des Erstlings, einzig die vorgerenderten Zwischensequenzen wirken diesmal etwas schärfer und zeigen weniger Kompressionsartefakte als im Vorgänger.
Wie so viele von Obisidans früheren Titeln hatte auch KotOR 2 bei Release mit jeder Menge Bugs zu kämpfen. Davon habe ich in meinen knapp 50 Spielstunden mit dem Mobile-Port glücklicherweise nur wenig bemerkt: Ich hatte keinen einzigen Absturz und die Charaktere bewegten sich sogar zuverlässiger als im ersten KotOR durch die Levels. Einzige Ausnahme: Auf Nar Shaddaa standen einige Kopfgeldjäger plötzlich im Level herum, die da eigentlich nichts verloren hatten - unschön, aber auch nicht dramatisch.
Quelle: PC Games
Die meisten Fähigkeiten und Macht-Talente wurden in KotOR 2 direkt aus dem Vorgänger übernommen.
Inhaltlich ist KotOR 2 immer noch stark: Obsidian verstand es damals, nicht nur auf den Stärken des ersten Teils aufzubauen, sondern noch ein paar Schritte weiterzugehen. So kann ich nun stärker als früher auf meine Partymitglieder einwirken, ihre Gesinnung durch Entscheidungen beeinflussen und sie teilweise sogar zum Jedi oder Sith trainieren. Das Crafting-System wurde stark ausgebaut und es gibt wesentlich mehr Beute zu holen, außerdem können Macht-Charaktere die Fähigkeiten beider Seiten effektiver nutzen. Die Schurken sind tiefgängiger als im Vorgängerspiel und die Story knüpft gelungen an die früheren Ereignisse an. Sogar die orchestrale Musikuntermalung ist in KotOR 2 deutlich stimmungsvoller geraten, außerdem wurden die nervigen Ballerminispiele im Weltall kurzerhand gestrichen.
Allerdings zeigt KotOR 2 auch ein paar klare Schwächen, etwa beim Leveldesign, das mit seinen gestreckten, tristen Korridoren und unklaren Zielen für Leerlauf sorgt. Auch gibt es ein paar Abschnitte, in denen man auf seinen Helden verzichten und mit anderen Charakteren spielen muss, da ist das Balancing nicht immer rund. Apropos: Mit einem Machtblitz auf Stufe 3 brutzelt man sich im letzten Spieldrittel dermaßen kompromisslos durch die Gegnermassen, dass man das Lichtschwert kaum noch rauskramen muss.
KotOR 2: Restored Content Mod - läuft das auch auf Android?
Quelle: PC Games
Die Restored Content Mod ist auch mit der Android-Version von KotOR 2 kompatibel.
Und dann ist da noch die Sache mit dem geschnittenen Content: Entwickler Obisidan hatte seinerzeit ambitionierte Pläne für KotOR 2, musste aber einige Spielinhalte streichen, um den Releasetermin einzuhalten. Teile davon haben findige Modder später im Code entdeckt und mit einer exzellenten Fan-Erweiterung zurück ins Spiel gepatcht. Diese Restored Content Mod fixt nicht nur viele Bugs, sondern stellt auch ganze Questreihen und Dialoge wieder her, die das Spielerlebnis aufwerten. Umso besser, dass die Mod auch mit der Android-Version kompatibel ist. Die Installation erfolgt natürlich auf eigene Gefahr und erfordert ein paar Schritte, die man wahlweise am PC oder direkt am Smartphone oder Tablet erledigt. TIPP: Eine englische Video-Anleitung gibt's unter anderem hier.
KotOR: Wo kann ich die Mobile-Spiele kaufen?
Beide Spiele sind für iOS und Android verfügbar, die Preise unterscheiden sich nur leicht. Für iOS sind KotOR 1 & 2 auch als Bundle erhältlich, damit spart man ein paar Euro.
- Knights of the Old Republic (iOS) im App Store - 10,99 Euro
- Knights of the Old Republic 2: The Sith Lords (iOS) im App Store - 16,99 Euro
- Knights of the Old Republic Bundle (iOS) im App Store - 21,99 Euro
- Knights of the Old Republic (Android) im Google Play Store - 9,99 Euro
- Knights of the Old Republic (Android) im Amazon Store - 9,20 Euro
- Knights of the Old Republic 2: The Sith Lords (Android) im Google Play Store - 14,99 Euro
Übrigens könnte KotOR tatsächlich wieder zurückkehren: Nachdem sich Bioware immer noch voll auf das Online-Rollenspiel Star Wars: The Old Republic konzentriert, könnte sich derzeit ein anderes Team um ein KotOR 3 kümmern. Die Meldung zu dem Gerücht gibt's hier.
