Unser Hot Take der Woche: Star Wars ist kein Meisterwerk, sondern maximal 08/15
Special
Im neusten Hot Take der Woche lehne ich mich weit aus dem Fenster und behaupte, Star Wars ist komplett überbewertet.
Wenn wir heute über die besten Filme aller Zeiten sprechen, dann hört man immer wieder die gleichen Namen. Klar, Herr der Ringe steht weit oben, aber auch Harry Potter, James Bond, Batman oder die MCU-Filme kommen dabei zur Sprache. Und natürlich Star Wars.
Die von George Lucas gedrehten Filme haben ein Franchise erschaffen, das seinesgleichen sucht. Zahlreiche Filme und Serien folgten, unzählige Spiele und mehr Merchandise, als man jemals ins Regal stellen könnte, erblickten das Licht der Welt.
Heute ist Star Wars aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Sätze wie "Ich bin dein Vater" kennt heute jedes Kind und wir alle wissen, dass Han zuerst geschossen hat. Nicht schlecht, was für ein Imperium George Lucas da aus einem maximal mittelmäßigen 08/15-Film gemacht hat.
Ja, richtig gehört. Star Wars: Eine neue Hoffnung, der Beginn des weltumspannenden Franchise, ist in meinen Augen zwar kein schlechter Film, aber auch viele Parsec entfernt von dem, was ich ein Meisterwerk oder gar einen herausragend guten Film nennen würde. Die beiden weiteren Teile der Trilogie wurden dann zwar besser, waren aber weiterhin nicht viel mehr als Durchschnittskost.
Bevor ihr jetzt die Lichtmistgabeln herausholt und im Impressum nach meiner Adresse sucht: Ihr müsst nicht zwingend der gleichen Meinung sein wie ich, aber lest euch zumindest die Gründe für meine Meinung durch ... ehe ihr dann in den Kommentaren vollkommen ausrastet.
Kreativ ist anders
Luke Skywalker ist im Grunde der Prototyp des Fantasy-Bauernjungen: Er lebt irgendwo im Nirgendwo, träumt von mehr, bekommt einen alten Mentor vor die Nase gesetzt und soll plötzlich die Welt retten. Oder eben die Galaxie. Das ist nicht schlimm, funktioniert in Herr der Ringe ja auch hervorragend, aber sonderlich originell ist es eben auch nicht. Wer schon mal irgendein Märchen, einen Western oder irgendeinen Abenteuerfilm gesehen hat, kennt diese Nummer.
Figuren aus dem Archetypen-Regal
Star Wars hat ganz nette Figuren. Aber komplex? Naja. Luke ist der Held, Leia die Prinzessin mit Biss, Han der coole Draufgänger, Obi-Wan der weise Mentor und Vader der böse Mann in Schwarz. Das ist alles wunderbar einprägsam, aber eben auch unfassbar simpel. Man könnte fast meinen, George Lucas hätte seine Charaktere mit einem Malen-nach-Zahlen-Set gezeichnet. Oder die KI nach "Welche Charaktere brauch ich in einem Film?" gefragt.
Gut gegen Böse - komplizierter wird's nicht
Die Rebellen sind gut, das Imperium ist böse, fertig ist die Kiste. Wer weiße Rüstung trägt, ist Kanonenfutter. Wer schwarze Rüstung trägt, ist der Oberfiesling. Grautöne? Moralische Ambivalenz? Politische Komplexität? Ach was, wir haben Laserschwerter. Star Wars erzählt seinen Konflikt so klar, dass selbst ein Ewok nach drei Minuten wüsste, auf welcher Seite er stehen muss. Zugegeben hat sich das in späteren Filmen geändert, aber im Auftakt war das alles noch so schwarzweiß, dass selbst ein Schachbrett neidisch geworden wäre. Hier die strahlenden Rebellen, dort das finstere Imperium - und dazwischen einen Grauton für jeden erfolgreichen Treffer eines Sturmtrupplers.
Quelle: Disney
Überraschung. Je mehr die Produzenten versucht haben, die Filme komplexer und vielschichtiger zu machen, desto unbeliebter wurden sie. Der Mensch mag es am Ende eben doch einfach und direkt.
Ein Best-of aus anderen Filmen
Star Wars wirkt oft so einzigartig, weil der Mix so gut funktioniert. Aber die Zutaten selbst sind alles andere als neu: Samurai-Film hier, Western da, Märchenstruktur dort, dazu ein bisschen Zweiter Weltkrieg und alte Abenteuer-Serien. Das Ergebnis wurde im Laufe der Zeit ikonisch, keine Frage. Aber originell ist was anderes. Als hätte ein Filmstudent aus diversen Genres das geschnappt, was ihm gefällt, und es in einem neuen Film zusammengeschweißt. Kann man schon machen.
Dialoge aus der Holzabteilung
Viele Star-Wars-Sätze sind so legendär, dass man sie auch kennt, wenn man die Filme nie gesehen hat. Das heißt aber nicht automatisch, dass sie gut geschrieben sind. Gerade im Auftakt klingt vieles eher nach Theater-AG auf Tatooine als nach natürlicher Unterhaltung. Klar, "Ich hab da ein ganz mieses Gefühl" funktioniert. Aber zwischendurch knarzt der Text so sehr, dass man fast erwartet, Chewbacca müsse ihn ölen.
Die Romanze lebt vom Charme, nicht vom Drehbuch
Han und Leia sind ein tolles Duo, weil Harrison Ford und Carrie Fisher vor der Kamera einfach wunderbar miteinander funktionieren. Was vielleicht auch an der Affäre liegt, die sie während der Dreharbeiten laut Fisher hatten. Das erklärt die Chemie, macht die Romanze auf dem Papier aber nicht automatisch besser. Erst wird gezankt, dann gefunkt, dann ist es plötzlich die große Liebe. Charmant? Absolut. Ein Meisterkurs in romantischem Storytelling? Eher nicht. Am Ende streiten sich zwei attraktive Menschen einfach lange genug, bis das Drehbuch ohne Anlass entscheidet: So, jetzt ist Liebe.
Die Macht kann immer genau das, was gerade passt
Die Macht ist eines der coolsten Konzepte der Filmgeschichte. Gleichzeitig ist sie erzählerisch eine ziemlich bequeme Lösung für allerlei Probleme. Mal ist sie Religion, mal Instinkt, mal Superkraft, mal moralischer Kompass und manchmal einfach die kosmische Antwort auf "Wie kommen wir aus dieser Szene wieder raus?". Wenn die Handlung klemmt, einmal tief durchatmen, Augen schließen, Macht benutzen - Problem gelöst.
Quelle: Disney+/ Lucasfilm Ltd.&TM. All Rights Reserved.
Zuletzt musste Grogu und der Mandalorian eine herbe Schlappe im Kino einstecken.
Darth Vader ist ikonisch, aber purer Stereotyp
Darth Vader sieht fantastisch aus, klingt fantastisch und betritt jeden Raum, als hätte er gerade die Nebenkostenabrechnung persönlich erhöht. Aber in Eine neue Hoffnung ist er zunächst vor allem ein böser Typ in Schwarz. Seine spätere Tiefe entsteht erst mit den Fortsetzungen. Der erste Film verkauft uns vor allem Design, Stimme und Präsenz. Das reicht erstaunlich weit, ist aber noch keine Shakespeare-Figur mit Atemmaske.
Die Effekte tragen mehr als die Geschichte
Man muss Star Wars zugutehalten: Optisch war das damals ein Brett. Raumschlachten, Modelle, Sounds, Designs - das alles hat Kinogeschichte geschrieben. Aber genau dieser Wow-Faktor überstrahlt gerne, wie geradlinig und uninspiriert die eigentliche Handlung ist. Prinzessin retten, Todesstern sprengen, Held wird gefeiert. Fertig. Das ist ein sehr guter Abenteuerfilm-Baukasten, aber eben auch kein erzählerischer Todesstern der Komplexität.
Nostalgie ist stärker als jeder Todesstern
Star Wars ist für viele nicht nur ein Film, sondern Kindheit, Spielzeugkiste, Posterwand und Soundtrack im Herzen. Das verstehe ich vollkommen. Aber genau diese Nostalgie macht aus einem guten, charmanten Abenteuerfilm schnell ein unantastbares Meisterwerk. Wer den Film heute nüchtern anschaut, ohne Lichtschwert im Kinderzimmer und Kenner-Blick im Anschlag, sieht vielleicht: Der Mythos ist riesig. Der Film selbst? Deutlich kleiner und nicht viel mehr als Durchschnitt. Das gilt übrigens nicht nur für Star Wars, sondern auch für viele andere "Meisterwerke der Filmgeschichte". Doch deren Fans regen sich weniger auf, wenn man sie damit konfrontiert.
