40 Jahre "Geschüttelt, nicht gerührt": Die große 007-Historie

Special David Benke
40 Jahre "Geschüttelt, nicht gerührt": Die große 007-Historie
Quelle: IO Interactiv, Rare, PC Games

Mit 007 First Light findet James Bond endlich wieder seinen Weg auf PC und Konsolen. Wir blicken zur Feier des Tages zurück auf vier Dekaden "Lizenz zum Zocken" und präsentieren die komplette Gaming-Historie des berühmten Geheimagenten.

Wenn der MGM-Löwe brüllt und sich der Bildschirm in einen Pistolenlauf verengt, dann wissen Filmfans, welche Stunde geschlagen hat: Es ist Zeit für Bond, James Bond. Seit mittlerweile über 60 Jahren ist 007 im Geheimdienst Ihrer Majestät unterwegs, um das britische Königreich zu beschützen, und mauserte sich so zu einer absoluten Größe des Kinos. Preisgekrönt, kassenstark, stilprägend.

007 ist zurück! Wir blicken auf seine Games-Karriere zurück. Quelle: IO Interactive 007 ist zurück! Wir blicken auf seine Games-Karriere zurück. Doch nicht nur auf der Leinwand hinterließ der berühmteste Geheimagent der Welt seine Spuren. Auch im Videospiel-Kosmos ist 007 seit Jahrzehnten im Einsatz: Von simplen Arcade-Abenteuern bis hin zu legendären Multiplayer-Erlebnissen reicht die Geschichte der Bond-Spiele quer durch mehrere Gaming-Generationen.

Welche Titel wurden zu Klassikern? Welche Experimente scheiterten? Und wie geht es für das Franchise weiter? Wir versuchen uns im großen History-Special an ein paar Antworten.


Shaken but Not Stirred

1982 | Richard Shepherd Software | ZX Spectrum

Die ersten Gaming-Gehversuche wagte James Bond bereits im Jahr 1982. Da steckte das Medium bekanntlich noch in den Kinderschuhen, entsprechend war man von Gameplay- und Grafikopulenz noch weit entfernt. Die damalige Hardware, in dem Fall das ZX Spectrum mit beachtlichen 16 KB Arbeitsspeicher, war lediglich zu einem Text-Adventure im Stande. Entsprechend seid ihr in Shaken but Not Stirred, das exklusiv in England erschien, größtenteils damit beschäftigt, Befehle in eure Tastatur zu hämmern.

Ziel ist es, mit Agent 007 die Welt vor dem bösen Dr. Death zu retten. Dessen Geheimbasis müsst ihr aber erst mal finden. Dafür reist ihr zunächst in verschiedene europäische Metropolen, wo sich Hinweise in Form einzelner Buchstaben verstecken. Habt ihr die alle gesammelt und in die richtige Reihenfolge gebracht, könnt ihr den Standort des Verstecks in die Eingabeleiste tippen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Vor Ort stößt Bond auf eine Reihe von Feinden, die ihr mit Waffengewalt ausschalten müsst. Habt ihr euch weit genug in den Unterschlupf hineinmanövriert, folgt am Ende noch die ultimative Herausforderung: ein 10-mal-10 Felder großes 3D-Labyrinth - ohne Karte, aber dafür mit einem unbesiegbaren Verfolger namens "PAWS", der euch durch die unübersichtlichen Gänge hetzt. Eine ganz schön harte Geduldsprobe, die auch dann nicht endet, wenn ihr tatsächlich den finalen Kontrollraum erreichen solltet. Denn da wartet auch noch ein nuklearer Sprengkopf, der entschärft werden will. In nur 10 Versuchen!

Kein Wunder, dass sich die Reviews damals über Monotonie, einen überzogenen Schwierigkeitsgrad und zu viele Zufallselemente beschwerten. Immerhin: Die Fachzeitschrift Computer and Video Games bescheinigte Shaken but Not Stirred daneben auch das "authentische Feeling" eines James-Bond-Romans.

Zu Spielbeginn wählt ihr drei Waffen aus, die ihr dann in Kämpfen einsetzen könnt. Quelle: Richard Shepherd Software Zu Spielbeginn wählt ihr drei Waffen aus, die ihr dann in Kämpfen einsetzen könnt.


James Bond 007

1984 | Parker Brothers | Atari 2600/5200, ColecoVision, C64, SG-100

Das mit dem "authentischen Feeling" wird bei James Bond 007 aus dem Jahr 1984 dagegen etwas schwieriger. Ja, der Heimkonsolen-Titel kommt tatsächlich mit der offiziellen Lizenz daher. Entsprechend gibt's ein schickes Cover, echte Namen und sogar eine 8-Bit-Version des Bond-Themes. Sobald ihr auf die Starttaste gedrückt und das Menü hinter euch gelassen habt, erinnert allerdings nicht mehr viel an die bekannten Film- und Buchvorlagen.

Stattdessen setzen euch die Entwickler von Parker Brothers einen geradezu generischen Sidescrolling-Shooter vor. Ihr hockt in einem Spezialauto, das gleichzeitig, fahren, schwimmen und fliegen kann (ein bisschen wie der Lotus Esprit aus "Der Spion der mich liebte"), weicht Umweltgefahren aus und ballert auf alles, was sich bewegt. Es ist quasi eine Kopie des Arcade-Klassikers Moon Patrol, wenn Moon Patrol kacke gewesen wäre...

James Bond 007 steuert sich ziemlich schwammig und die Präsentation ist, selbst für damalige Verhältnisse, nur schwer zu ertragen. Besonders bei der Version für das Atari 2600 hilft selbst die rosa Retrobrille nichts mehr. Das ist schon ziemlich hässlicher Pixelbrei.

Einziger Pluspunkt ist vielleicht noch die Abwechslung in Sachen Leveldesign. Die Stages sind grob an vier große Bond-Streifen angelehnt: Im Moonraker-Level schießt ihr Satelliten ab, in For Your Eyes Only bergt ihr Funkequipment aus einem gesunkenen Schiff, in The Spy Who Loved Me zerstört ihr ein Unterwasserlabor und in Diamonds Are Forever rettet ihr Bondgirl Tiffany Case von einer Bohrinsel.

Geübte Finger sind mit den paar Aufgaben aber auch schon in knapp 20 Minuten durch. Danach beginnt der "Spaß" einfach von vorne, wahlweise in einem höheren Schwierigkeitsgrad. Das ist nicht gerade viel Inhalt für die knapp 40 Dollar, die man für James Bond 007 damals auf den Tisch legen musste - inflationsbereinigt immerhin fast 110 Euro!

In der Luft ist euer Fahrzeug der Schwerkraft ausgeliefert, unter Wasser dem Auftrieb. Quelle: Parker Brothers In der Luft ist euer Fahrzeug der Schwerkraft ausgeliefert, unter Wasser dem Auftrieb.


A View to a Kill: The Computer Game

1985 | Domark | Amstrad CPC, Commodore 64, MSX, Oric, ZX Spectrum

A View to a Kill, zu Deutsch Im Angesicht des Todes, muss in der Gamingszene der 80er-Jahre einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Schließlich bekam der Bond-Streifen mit Roger Moore gleich mehrere eigenständige Videospielumsetzungen spendiert.

Wir schauen uns hier zunächst die Version von Entwickler Domark an, die 1985 mit der Kinovorlage erschien und zur besseren Unterscheidung auch gerne als A View to a Kill: The Computer Game bezeichnet wird. Handwerklich ist das ein klassischer Tie-in-Titel, der euch die Möglichkeit geben soll, die Handlung des Films nochmal selbst nachzuspielen. Besonders viel Mühe hat man sich dabei aber nicht gegeben. Ihr kriegt nur drei unzusammenhängende Levels, die lose von 007s Leinwandabenteuer inspiriert wurden.

Im ersten fahrt ihr mit einem Auto durch die Pariser Innenstadt und jagt Gegenspielerin May Day hinterher, die mit dem Fallschirm vom Eiffelturm gesprungen ist. Unterwegs müsst ihr anderen Autos ausweichen, Straßensperren zerschießen und gleichzeitig einen piependen Peilsender im Blick behalten, der May Days Flughöhe und grobe Position angibt. Ganz schön viel gleichzeitig.

Wobei die zwei folgenden Stages nicht unbedingt besser werden: Einmal rennt ihr durch das brennende Rathaus von San Francisco, einmal durch eine einstürzende Mine. Beide Male kämpft ihr mit einer tickenden Uhr und einem rudimentären Nutzerinterface, das euch ein paar Worte zur Interaktion mit der Umwelt vor den Latz knallt.

Das Positive: Wer sich bis zum Ende durchgekämpft hat, wird mit einer Vier-Sekunden-Szene von James und seinem Bondgirl unter der Dusche belohnt. Ob es das wert ist? Die Presse hatte damals eine recht klare Meinung. Das Computermagazin Zzap!64 gab der Commodore-Version 19 Prozentpunkte und schrieb: "Hier wurde eine Lizenz mit so viel Potenzial in ein diabolisches Arcade-Adventure verwurstet." Heutzutage würde man wohl von einer Lizenzgurke sprechen.

Während der Verfolgung läuft eine 8-Bit-Version von Duran Duran. Quelle: Domark Während der Verfolgung läuft eine 8-Bit-Version von Duran Duran.


James Bond 007: A View to a Kill

1985 | Mindscape | Apple II, Macintosh, MS-DOS

Deutlich näher am Original bleibt die Umsetzung von Mindscape, versehen mit dem Präfix James Bond 007: A View to a Kill. Hier spielt ihr grob Bonds Jagd nach dem französischen Großindustriellen Max Zorin nach, inklusive ikonischer Szenen wie dem Sprung vom Eiffelturm. Ihr dürft sogar mit Bondgirl Stacey Sutton rummachen - sofern eure Vorstellungskraft ausreicht. Für die Bebilderung seid ihr nämlich selbst verantwortlich. Wieder mal ein Text-Adventure ...

Allerdings wartet A View to a Kill nochmal mit mehr Tiefe auf als das zwei Jahre ältere Shaken But not Stirred. Es gibt ein rudimentäres Inventar-Feature, durch das ihr nur eine begrenzte Anzahl an Dingen bei euch tragen könnt. Kämpfe sind jetzt quasi "durchchoreografiert" und verlangen euch mehrere richtige Aktionen hintereinander ab.

Es wird einem auch zumindest der Eindruck vermittelt, dass die Welt, in der man sich bewegt, etwas weitläufiger ist. Schauplätze wie die Arktis, Frankreich oder London bieten nochmal einzelne Unterareale, die alle miteinander verknüpft sind. Tatsächlich lässt das Spiel im Hintergrund sogar ein physisches Modell der Spielwelt laufen und berechnet so, wie ihr von A nach B kommt.

Ins Deutsche wurde A View to a Kill leider nie übersetzt. Englischkenntnisse sind Pflicht. Quelle: Mindscape Ins Deutsche wurde A View to a Kill leider nie übersetzt. Englischkenntnisse sind Pflicht. Dabei solltet ihr euch übrigens nicht zu viel Zeit lassen. Bei manchen Zielen habt ihr ein striktes Zeit- bzw. Aktionslimit im Nacken. Tippt ihr zu viele erfolglose Versuche in die Eingabeleiste, wird Bond gefangen oder gekillt. Game Over! Das kann gerade zu Beginn etwas knifflig sein. Zwar gibt es einen Parser, der eure Befehle nach Schlüsselwörtern durchsucht, und so größtenteils gut versteht, was ihr vorhabt.

Das Spiel ist aber schon sehr kleinlich damit, was ihr tun müsst. Um wichtige Details in einer Szenerie zu entdecken, gilt es auch mal explizit "genau" hinzuschauen. Ansonsten gilt: Das Writing in Bond 007: A View to Kill ist ziemlich gut gelungen, auch dank Autor Raymond Benson. Der veröffentlichte später nicht nur eigene Bond-Romane, sondern hatte auch beim spirituellen Nachfolger seine Finger im Spiel.

  1. Seite 1 Die ersten Bond-Spiele der 80er
  2. Seite 2 Bond findet seine Gaming-Formel
  3. Seite 3 Bond wird erwachsen
  4. Seite 4 GoldenEye verändert alles
  5. Seite 5 Die goldene Ära der Bond-Spiele
  6. Seite 6 Die EA-Jahre auf ihrem Höhepunkt
  7. Seite 7 Der Absturz und die Rückkehr von 007
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk