Star Trucker im Test: Warentransport im Weltraum

Test Andreas Altenheimer Benedikt Plass-Fleßenkämper Johannes Gehrling
Star Trucker im Test: Warentransport im Weltraum
Quelle: PC Games

Mit einem Lastwagen gemütlich durch den Weltraum fliegen - kann das Spaß machen? Und wie! Unser Test zur Weltraumsimulation Star Trucker.

Stellt euch vor, die LKW-Fahrsimulation Euro Truck Simulator und der Weltraum-Erkundungsklassiker Elite würden ein gemeinsames Kind zeugen: Es würde wohl aussehen wie Star Trucker. Denn der britische Indie-Entwickler Monster and Monster hatte die bizarre Idee, eine klassische Warentransportsimulation mitten ins Weltall zu verfrachten. Und fernab jeder physikalischen Logik schweben nun in ihrem Spiel fette Fahrerkabinen über abgesteckte Weltraumstraßen, docken an riesige Stationen an und reisen durch Sprungtore von einem System zum nächsten. Kann das Spaß machen? Ja, auf jeden Fall! Wenn man das nötige Sitzfleisch mitbringt.

Lesetipp: Star Trucker - Energiezellen aufladen, geht das?

Ein Lieferant für ein ganzes Universum

Die Story von Star Trucker ist recht spartanisch und beschränkt sich im Wesentlichen auf den Kontakt mit virtuellen Fahrerkollegen, mit denen ihr über ein altmodisches Funkgerät kommuniziert. Parallel dazu erklärt das Spiel mit Hilfe von einfachen Tutorial-Tafeln die Grundzüge der Steuerung, die aufgrund des ungewöhnlichen Settings einige Eigenheiten besitzt.

Durch das Erledigen von Aufträgen aller Art, bei denen ihr in der Regel eine Fracht von A nach B transportieren müsst, erhaltet ihr sowohl Geld als auch Erfahrungspunkte. Letztere investiert ihr in euren Fertigkeitenbaum, mit dem ihr in erster Linie eure Zulassungen erweitert. Erst dann dürft ihr beispielsweise besonders zerbrechliche Waren transportieren oder mehr Gewicht in eurem LKW lagern.

Je nachdem, welche Zulassungen ihr euch als Erstes gönnt, bieten euch eure Kollegen die dazu passenden Nebenjobs an. Die daraus entstehenden Kampagnen verschaffen euch nach und nach Zugang zu allen fünf Zonen, in die der Weltraum aufgeteilt ist.

Unabhängig davon kann man eine der vielen Stationen ansteuern und andocken, um zum Beispiel einen Shop zu besuchen oder einen zufällig generierten 08/15-Frachtauftrag anzunehmen. Der Ablauf ist im Prinzip immer gleich: Zuerst die Fracht abholen, über die Sprungtore zum Zielsystem fliegen und dort die Ware am vom Auftraggeber gewünschten Ablageort abstellen. Klingt einfach? Ist es im Grunde auch, wäre da nicht der Faktor "Weltraum" ...

Eine Szene aus dem Videospiel "Star Trucker" Quelle: PC Games

Steuerung mit Gefühl

Zunächst muss man sich an die gewollt träge Steuerung des Fahrzeugs gewöhnen, mit der man einerseits sehr geschmeidig durch den Raum schwebt, andererseits frühzeitig bremsen muss, um nicht am Ziel vorbeizurauschen.

Gleich vorweg: Die Steuerung ist alles andere als "realistisch": Die Entwickler haben sich wirklich Mühe gegeben, die beschriebene Zähigkeit mit einer ordentlichen Portion Zugänglichkeit zu vereinen. Das macht sich vor allem in der hohen Wendigkeit des Gefährts bemerkbar, mit der man sehr leicht Kurskorrekturen aller Art vornehmen kann.

Deutlich mehr Geschick erfordert das Andocken an eine Station oder das Ankuppeln einer zu transportierenden Fracht, was nur durch vorsichtiges Rückwärtsfahren möglich ist. Gut, dass es serienmäßig eine komfortable Rückfahrkamera gibt, die sowohl die Entfernung als auch den Anfahrwinkel zum anvisierten Ziel anzeigt.

Zusammengefasst: Wer die nötige Geduld aufbringt und sämtliche Steuerdüsen zum Vorwärtsfahren, Rückwärtsbewegen oder zur Rotation dosiert einsetzt, der wird schnell mit der Handhabung zurechtkommen.

Eine Szene aus dem Videospiel "Star Trucker" Quelle: PC Games

Luftmangel

Stattdessen müsst ihr euch die meiste Zeit mit ganz anderen Problemen und Herausforderungen herumschlagen, von denen euch das Spiel eine bereits in den ersten Spielminuten offenbart: Wenn ihr zum Beispiel mit einer Station, einem Frachtcontainer oder gar einem anderen LKW kollidiert, nimmt euer Truck Schaden und im schlimmsten Fall entweicht wertvoller Sauerstoff aus eurem Fahrzeug. In diesem Fall müsst ihr euch so schnell wie möglich vom Fahrerpult entfernen, in euren Raumanzug steigen und durch die Dachluke ins All schweben, um den Schaden von außen zu reparieren.

Sobald ihr den Anzug angezogen habt, fallen euch zwei Anzeigen auf: Die eine steht für den Sauerstoffvorrat, der langsam, aber sicher abnimmt. Die andere symbolisiert die Energie, die ihr für das Schweißgerät und damit für die Reparatur benötigt. Ist eines von beiden aufgebraucht, müsst ihr zurück in den LKW und den Anzug wieder ablegen, um ihn aufzuladen. Das funktioniert aber nur, wenn die am System angeschlossene Energiezelle noch genügend Saft hat. Ist dies nicht der Fall, muss die alte Energiezelle entfernt und eine neue eingesetzt werden.

Insgesamt wird euer Truck von sieben solcher Energiezellen betrieben: zwei für die Fahrzeugsteuerung, zwei für das Andocken an Stationen beziehungsweise das Andocken von

Frachtgütern, eine für das Gravitationssystem, eine für die Luftzufuhr und eben eine für das Aufladen des Raumanzugs. Je nachdem, welche Energiezelle für welches System zuständig ist, verliert sie mit zunehmendem Verbrauch mehr oder weniger an Energie. Während die Steuerung des Fahrzeugs und das Andocken notfalls mit jeweils einer Energiezelle funktionieren, wird das Überleben im All bei einem Ausfall der Luftversorgung deutlich kritischer.

Achtet deshalb genau auf die entsprechende Anzeige, die ihr jederzeit auf dem Armaturenbrett eures Fahrzeugs sehen könnt: Dreht sich deren Zeiger nach links und erreicht den Nullpunkt, wird euch schwarz vor Augen und ihr werdet automatisch von einer Art Rettungsdienst aufgegriffen. Das wiederum kostet richtig Geld, ihr landet mit großer Wahrscheinlichkeit in einem anderen System und euer eigentliches Problem - die leere Energiezelle der Luftzufuhr - ist immer noch nicht gelöst.

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