Kirk & Co. kämpfen gegen einen übermächtigen Feind: schlechtes Spieldesign. Star Trek The Game entpuppt sich im Test als grafisch teilweise ordentliches, aber in Sachen Game-Design verhunztes Actionspiel. Da hilft auch die gelungene Umsetzung der Star Trek-Atmosphäre nichts.
Konsolenlogbuch der USS Computec, Leutnant Commander Lohmüller, Sternzeit 23042013.0956. Ich bin mit meinem Mazda-Shuttle wieder im Hangar der USS Computec angedockt. Captain Fischer übergab mir direkt nach meiner Ankunft die Testversion von Star Trek. Ich habe mich daraufhin für nähere Studien in mein Labor zurückgezogen und werde die mir ausgehändigte Probe genauer analysieren. Aufgrund des Sicherheitsprotokolls bezüglich lizensierter Software-Einheiten habe ich jedoch vorsorglich Gelben Alarm auslösen lassen …
So oder so ähnlich würden sich unsere Testberichte wohl lesen, wenn wir in einem Star Trek-Universum gefangen wären. Sind wir aber nicht, weswegen wir uns in gewohnter Weise dem neuesten Enterprise-Spiels widmen können. Schlicht mit Star Trek betitelt, will der Third-Person-Shooter aus dem Hause Digital Extremes eine Storybrücke zwischen den beiden J.-J.-Abrams-Filmen schlagen. Das gelingt ihm allerdings nur bedingt, denn bis auf ein paar Andeutungen und die zeitliche Einordnung hat das Spiel herzlich wenig mit den beiden Abrams-Werken zu tun. Viel mehr erzählt Star Trek eine eigene, in sich geschlossene Geschichte, die zwar nur langsam in Fahrt kommt, aber dafür viel Star Trek-Atmosphäre versprüht.
Quelle: PC Games
Star Trek The Game im Test: Lizenzgurke voraus, Phaser auf Betäubung! (2)
Ihr schlüpft wahlweise in die Rolle von Kirk oder Spock (den jeweils anderen übernimmt die KI oder ein Koop-Partner) und müsst eine Bedrohung durch die reptilienartigen Gorn aufhalten. Die haben eine vulkanische Kolonie überfallen und ein Artefakt an sich gebracht, das es ihnen ermöglicht, jederzeit Risse im Raum-Zeit- Kontinuum zu eröffnen. Und das ist bei derart mies gelaunten Echsen ungünstig. Das eigentliche Gameplay gibt sich dabei sehr konservativ. In gewohnter Third- Person-Manier hechtet ihr von Deckung zu Deckung, kraxelt und springt ein wenig in der Gegend rum und ballert auf Gorn und andere Fieslinge. Das kennt man bereits aus vielen anderen Spielen – allen voran Gears of War 3 – und vor allen Dingen besser. Die Steuerung ist schwammig, das Zielen hakelig und das Trefferfeedback auch nicht gerade optimal.
Für etwas Auflockerung sorgt euer Tricorder. Mit diesem handlichen Gerät scannt ihr nicht nur interessante Gegenstände, die daraufhin in euer Journal eingetragen werden, sondern ihr hackt auch diverse Türen und Terminals – meist in einem simplen Minispiel. Im späteren Spielverlauf lässt sich der Tricorder auch im Kampf einsetzen. Dann manipuliert ihr ungesehen feindliche Granaten, die daraufhin am Gürtel hochgehen, verpasst den Waffen der Gegner eine Ladehemmung oder heilt euren Partner. Gerade im Koop-Modus lässt sich auf diese Art und Weise viel taktieren, sodass ihr beinahe ungesehen durch das Spiel gelangt. Wer will, kann natürlich auch alle Vorsicht außer Acht lassen und wild um sich schießend durch die Gegend rennen. Für erfolgreiche Hacking-Aktionen, erfüllte Bonusziele und gescannte Story- Gegenstände erhaltet ihr Erfahrung, die ihr in Upgrades stecken könnt. So verbessert ihr euren Phaser und verpasst eurem Tricorder neue Funktionen. Etwas schade finden wir allerdings, dass sich die zahlreichen Zweitwaffen, von denen ihr immer eine mit euch führt, nicht verbessern lassen. So ein Phaser-Gewehr mit ein wenig mehr Bums wäre sicherlich auch ganz nett gewesen. Nichtsdestotrotz motiviert das Upgrade-System einigermaßen, gerade zu Beginn, wenn viele der Tricorder-Fähigkeiten noch nicht freigeschaltet sind.
Quelle: PC Games
Star Trek The Game im Test: Lizenzgurke voraus, Phaser auf Betäubung! (1)
Technisch wirkt Star Trek für ein Science- Fiction-Spiel geradzu paradox altbacken, bei den Umgebungstexturen regiert – bis auf wenige Ausnahmen – der Matsch. Umso seltsamer, dass es dann doch ein paar wirklich hübsch spiegelnde Untergründe ins Spiel geschafft haben. Aus dem Mittelmaß rettet der Fußboden die Grafik dann aber auch nicht mehr. Beim Sound hingegen gibt es keinen Grund zur Beschwerde. Die Effekte klingen wunderbar nach Star Trek und die Charaktere werden von den Original-Schauspielern aus dem Film synchronisiert. Und das gilt nicht nur für Chris Pine als Kirk und Zachary Quinto als Spock, sondern auch für Karl Urban (Pille), Zoe Saldana (Uhura), Simon Pegg (Scotty) sowie John Cho und Anton Yelchin (Zulu und Chekov). Dementsprechend kurzweilig fallen dann auch die Dialoge aus, etwa wenn Kirk Spock flapsige Antworten gibt oder Scotty in bestem Schottisch seine Mechaniker zusammenfaltet. Nebeneffekt des Ganzen: Eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht. Wer des Englischen nicht mächtig ist, muss mit deutschen Untertiteln vorlieb nehmen.
Größtes Ärgernis an der Technik-Front ist allerdings nicht die altbackene Grafik, sondern die Vielzahl kleiner Fehler, die sich eingeschlichen haben. Mal setzt die KI aus und bleibt in der Gegend stehen, mal versagt das Clipping. Und bei den Klettereinlagen ist es schon fast Glückssache, dass die Kamera richtig funktioniert und euer Recke dahin kraxelt, wo er hin soll. Hin und wieder müsst ihr gar Checkpoints neu laden, weil irgendetwas nicht funktioniert – ein Unding.
