Horror im Weltraum: 13 schaurige Star Trek-Folgen für Halloween
Special
Im Weltall hört dich niemand - nein, lassen wir das. Star-Trek-Experte Sebastian Göttling präsentiert passend zu Halloween 13 Star-Trek-Momente, in denen es richtig gruselig zugeht!
It's the most wonderfully horrible time of the year! Nein, die Rede ist nicht von Weihnachten, sondern von Halloween, dem höchsten aller Nerd-Feiertage. Die beste Gelegenheit, um zwei Dinge zusammenzubringen, die wunderbar miteinander harmonieren wie Leola-Wurzel-Creme mit Blutwein-Gelee: Die Rede ist natürlich von Star Trek und gepflegtem Grusel. Liebe Ladys, Gentle-Aliens und Untote, heute präsentiere meine ganz persönliche 2023er-Liste der 13 mulmigsten Trek-Episoden, handkuratiert von "Trek am Dienstag", dem beliebtesten deutschsprachigen Podcast für klassisches Star Trek. Ich wünsche allseits wohligen Schauer. Übrigens: Wer diese Folgen noch nicht kennt und keine Spoiler wünscht, sollte die Beschreibungstexte überspringen, denn ich verrate viele Handlungsdetails und meist auch das Ende, um literarische und cineastische Anspielungen zu erläutern.
Platz 13: Persistence of Vision (Rätselhafte Visionen), Star Trek: Voyager
Es fängt alles an wie in Daphne du Mauriers Roman "Rebecca", der im Jahr 1940 verfilmt wurde von niemand Geringerem als Alfred Hitchcock: Captain Janeway spielt die Hauptrolle in einem Holo-Roman, in dem sie den Job als Gouvernante eines viktorianischen Anwesens annimmt. Die Mutter der adeligen Familie ist jüngst verschieden, mit dem Witwer bahnen sich romantische Verstrickungen an, die Haushälterin Mrs. Templeton (1:1 übernommen von Mrs. Danvers aus "Rebecca") ist eine bedrohliche Präsenz - doch am gruseligsten sind die beiden Kinder, die darauf beharren, dass Mutter alles andere als tot ist und man immer noch Rumoren aus dem dritten Stock des Hauses hört, welcher beim besten Willen nicht betreten werden darf.
Doch von da an verläuft die Story anders als du Mauriers Vorlage, denn das Holo-Programm bricht sich Bahn in die Realität. War das ein Kinderschatten im Raumschiffkorridor? Bevor das Rätsel gelöst werden kann, woher zum Teufel Schiffskoch Neelix antik-englisches Porzellan hat, fallen immer mehr Crewmitglieder der Voyager in den Bann der unheimlichen Visionen und schließlich ins Koma.
Quelle: Paramount
Captain Janeway in ihrem Gothic-Holoroman "Janeway Lambda One"
Angenehm unheimlich ist, dass sich das Mysterium am Ende nicht vollkommen aufklärt - und so verpufft das verantwortliche Alien mit dem traurigen Hängegesicht am Ende der Folge ganz so wie ein Albtraum, aus dem man schweißgebadet erwacht.
Sebastians bisherige Star-Trek-Retrospecials
- Star Trek: The Motion Picture - ein perfekter, unperfekter Film
- Star Trek 2 Der Zorn des Khan: Eine Reise aus der Midlife-Crisis und zurück
- Ungerader Film mit klassischen Qualitäten: Star Trek 3 - Auf der Suche nach Mr. Spock
- Ein Familienfilm für die Festtage: Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart
- Utopie, Zoff & Teerpfützen: Die erste Staffel von Star Trek The Next Generation
- Star Trek 5 The Final Frontier: William Shatners Pechsträhne am Rande des Universums
- Staffel 2 von Star Trek TNG: Streiks, Sturköpfe und Sternen-Storys
Platz 12: Empok Nor, Star Trek: Deep Space Nine
Das erste Spukhaus auf dieser Liste und eine von nur wenigen Horror-Episoden bei "Deep Space Nine", der einen Star-Trek-Serie, die in diesem Genre am sparsamsten besetzt ist. Cardassianische Raumstationen sind von Natur aus eher wenig einladende Orte, wurden sie doch von einem faschistischen Volk zwecks Erzverarbeitung erschaffen und bieten hundertmal mehr versteckte Winkel, als einem Horrorfilm-Opfer lieb ist.
Empok Nor ist zu allem Überfluss eine Geisterstation und hängt schief im Weltall - ohne Licht, dafür mit umso mehr Spinnweben und zwei Killern in Kältekammern, die zum ungünstigsten Zeitpunkt wieder erwachen.
Dabei sind diese beiden eine falsche Fährte, denn aufgrund mörderischer Chemikalien in der Luft wird der mitgebrachte Freund Garak nicht bloß zum Feind, sondern sogar zum Serienkiller à la Michael Myers oder Jason Voorhees, der seine unglückseligen Opfer in beinahe schon religiösen Posen auf der Stationspromenade drapiert. Auch der ein oder andere zünftige Jumpscare darf in dieser Hommage auf den Slasher-Film selbstverständlich nicht fehlen.
Platz 11: Dead Stop (Todesstation), Enterprise
Das zweite Spukhaus auf dieser Liste ist ebenfalls eine Raumstation, doch im Gegensatz zu Empok Nor präsentiert sie sich zunächst viel einladender. Die in der vorangegangenen Episode schwerbeschädigte Enterprise erreicht mit letzter Kraft eine menschen- und alienleere Reparaturstation.
Die ist bestens ausgeleuchtet - fast schon unangenehm hell und kühl, möchte man sagen - spricht mit einer sachlichen Frauenstimme, die im Original der Voyager-Darstellerin Roxann Dawson gehört, und serviert jedem Crewmitglied das jeweilige Lieblingsessen aus einem Gerät, das für Archer & Co. noch Zukunftsmusik darstellt: dem Nahrungsreplikator.
So möchte die sinistre Station unsere Heldinnen und Helden in Sicherheit wiegen, denn in Wirklichkeit ist sie ein vollautomatischer Vampir und lockt vorbeifliegende Aliens in ihre inneren Kammern, um sie dort zu betäuben und ihnen über Jahre die Lebenssäfte auszusaugen.
Quelle: Paramount
Nach dem explosiven Finale der Episode, in dem die Enterprise es schafft, zu entkommen und die Station zu zerstören, folgt ein typisches BUH!-Ende, denn die letzte Einstellung zeigt, wie sich die Überreste der Station langsam, aber sicher selbst reparieren, um schon bald wieder arme Seelen ins Verderben zu locken.
Platz 10: The Royale (Hotel Royale), Star Trek: The Next Generation
Das dritte und letzte Spukhaus auf dieser Liste und das womöglich abgrundtief tragischste. Auf einem unwirklichen Planeten voller giftiger Gase entdeckt die Crew der Enterprise ein Gebäude, das nicht existieren dürfte, in einer kleinen Blase atembarer Luft, die eigentlich nicht sein kann.
Als das Außenteam durch eine rätselhafte Drehtür schreitet, findet es sich in einer durchaus irdischen Hotellobby aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder, bevölkert von wandelnden Klischees: hochnäsigen Concierges, eifersüchtigen Hotelpagen, abgehalfterten Südstaatlern und Goldgräberinnen am Roulettetisch.
Doch das Perfide: Als man versucht, das bizarre Casino wieder zu verlassen, ist man gefangen in dieser windschiefen Halbwelt der sich immer wiederholenden Banalitäten.
Des Rätsels Lösung ist ein vor 300 Jahren gestrandeter NASA-Astronaut, der an Bord seiner Raumkapsel einen Schundroman mit sich führte, dessen Handlung auf diesem Planeten nachgebildet wurde von Aliens, die glaubten, sie würden diesem letzten Überlebenden einer verunglückten Mission dadurch ein angenehmes Habitat für sein restliches Leben schaffen.
Quelle: Paramount
Stattdessen bereiteten sie ihm die Hölle auf Theta 6 und das Außenteam findet in einem der Hotelzimmer nur noch die mumifizierten Überreste des jahrzehntelang Gefangenen.
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In ihrer Ausarbeitung hat die Story etwas von den fatalistischen Science-Fiction-Geschichten eines Harlan Ellison, aber auch der augenzwinkernden Düsternis von Rod Serlings klassischer Anthologieserie "The Twilight Zone". Und wer schon mal beim Text von "Hotel California" von den Eagles genau hinhörte und sich dabei an diese Episode erinnert fühlte, der liegt goldrichtig.
