Horror im Weltraum: 13 schaurige Star Trek-Folgen für Halloween

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Horror im Weltraum: 13 schaurige Star Trek-Folgen für Halloween
Quelle: Paramount

Im Weltall hört dich niemand - nein, lassen wir das. Star-Trek-Experte Sebastian Göttling präsentiert passend zu Halloween 13 Star-Trek-Momente, in denen es richtig gruselig zugeht!

Platz 2: Silent Enemy (Lautloser Feind), Enterprise

Der Horror des Unerklärten steht im Zentrum dieser Episode, in der die bis dahin noch optimistische und kontaktfreudige Besatzung des allerersten Raumschiffes Enterprise Kontakt aufnimmt zu Aliens, die es alles andere als gut meinen und ihre Feindseligkeit nicht einmal erläutern wollen. Aus dem Nichts greifen sie an und verschwinden so unvorhergesehen wieder, wie sie gekommen sind, lassen allerdings nicht locker und schlagen unerbittlich immer wieder zu. Selbst im Funkkontakt zeigen sie nicht ihre Gesichter oder erklären ihre Absichten, sondern senden aus empfangenen Funksprüchen zusammengefrankensteinte Botschaften zurück, sodass ihren Opfern Tod und Verderben im Klang ihrer eigenen Stimme angekündigt werden.

Der eine Moment, indem man die Aliens im Halbdunkel eines Korridors erblickt, zeigt für die damalige Zeit höchst gelungene CGI-Kreaturen, deren Aussehen etwas hat von der Legende des Slender Man und deren Bewegungen unangenehm gruselig sind, weil sie staksig wirken und rückwärts abzulaufen scheinen, während sie über bewusstlosen Crewmitgliedern knien und mit ihren Energiefingern Unaussprechliches tun.

Jeder Funkkontakt mit den unerklärlichen Angreifern wird zum Selbstgespräch. Quelle: Paramount Am Ende der Folge werden die Aliens in die Flucht geschlagen, jedoch nicht zerstört - und obwohl man ihre Absichten nicht erfährt und sie niemals wiederkehren (was gut so ist), bleibt für den Rest der Serie die ungute Ahnung: Die Namenlosen sind irgendwo dort draußen und könnten jederzeit wieder angreifen.

Platz 1: Night Terrors (Augen in der Dunkelheit) , Star Trek: The Next Generation

An diese Episode erinnern sich viele Fans vor allem, weil sie den sehr "cheesy" Anblick enthält, wie Deanna Troi im Traum durch einen Wolkentunnel auf ein Licht zuschwebt, eindeutig von schlecht herauskopierten Drahtseilen gehalten, und unablässig ruft: "Wo seid ihr? Wer seid ihr?"

Eine Folge, in der die Anwesenheit von Aliens, die wir ebenfalls nie zu Gesicht bekommen, dazu führt, dass der REM-Schlaf der Besatzung empfindlich gestört wird, sie alle deswegen des Nachts nicht mehr träumen und sich stattdessen ihre Nachtmahre tagsüber manifestieren. Zu allem Überfluss begegnet die Enterprise zu Beginn der Episode einem Geisterschiff, das nur wenige Tage zuvor in dieselbe Situation geriet.

Bis auf einen einzigen Überlebenden wurden alle Besatzungsmitglieder dieses anderen Schiffes wahnsinnig und metzelten sich gegenseitig ab. Die Schreckensvisionen in dieser Episode kommen geradewegs aus der Kirmesgeisterbahn und sind mehr oder weniger klischeebeladen: Captain Picard glaubt im Turbolift, von der Decke zerquetscht zu werden.

Commander Riker findet beim Zubettgehen am Fußende giftige Schlangen. Doch die Momente, die mir als Teenager das Blut in den Adern gefrieren ließen, waren zum einen Dr. Beverly Crusher, die in der Leichenhalle der Enterprise zwischen den Toten des anderen Schiffes steht - und als sie einmal kurz ihren Blick senkt, auf ihren Tricorder und dann wieder aufschaut, muss sie sehen, dass sich alle Leichname lautlos aufgesetzt haben.

Zum anderen die dunkle Brücke des verlorenen Schiffes, auf der irgendetwas Unheilvolles zu lauern scheint, das wir Zuschauende zu hören glauben, aber niemals zu Gesicht bekommen. Als diese Folge im Jahr 1994 zum ersten Mal in Deutschland gezeigt wurde, verpasste ich ihre Ausstrahlung, weswegen ich mir anschließend die Aufnahme eines Schulfreunds kopierte, indem ich zwei VHS-Rekorder per Scart-Kabel miteinander verband.

Jeder, der schon einmal eine aus dem Fernsehen erstellte VHS-Aufnahme sah, weiß, dass die Qualität ohnehin schon alles andere als gut ist. Doch die Kopie einer solchen Aufnahme sieht noch einmal um einiges grottiger aus: dunkel, unscharf, niedriges Kontrastniveau und ineinander laufende Farben.

Diese eigentlich furchtbar schlechte Version der Episode liebte ich dennoch abgöttisch und sah sie mir damals immer wieder rund um Mitternacht an. Denn gerade aufgrund der schlechten Bildqualität ahnte ich auf der Brücke des Geisterschiffs Brattain Schatten, Gespenster und Artefakte, die einfach nicht vorhanden waren.

Sie hatten ihren Ursprung in der dumpfen Mulmigkeit analoger Bildsignalverluste. Leider brachte ich meine alten VHS-Kassetten damals, als die DVDs von "Star Trek: The Next Generation" erschienen, zum Wertstoffhof. Mittlerweile besitze ich nur noch die Blu-Rays, deren hochauflösendes Bild noch viel gestochen schärfer ist.

Normalerweise stehe ich auf bestmögliche Bildqualität, doch im Falle dieser Episode ist in High Definition nicht einmal mehr ein Viertel des alten Grusels für mich enthalten. Gerne würde ich nur noch ein einziges Mal an Halloween um Mitternacht meine alte, längst verlorene, abgeranzte VHS-Kopie von "Night Terrors" schauen.

Und jetzt: Happy Halloween & stellt eure Phaser auf Mua-ha-ha-ha!

Verfügbarkeitshinweis: Alle Staffeln von "Star Trek", "Star Trek: The Next Generation" und "Star Trek: Enterprise" sind im Streaming verfügbar auf Paramount+, außerdem auf Blu-ray und DVD. "Star Trek: Deep Space Nine" und "Star Trek: Voyager" gibt es auf Paramount+ und DVD.

Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

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