Stalker 2: So muss der Tschernobyl-Shooter werden, um Survival-Spiele neu zu definieren

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Stalker 2: So muss der Tschernobyl-Shooter werden, um Survival-Spiele neu zu definieren
Quelle: GSC Game World

Open World, Crafting und verbesserte Shooter-Mechanik: Wie muss Stalker 2 werden, um auch in Zeiten der Metro-Spiele die Massen zu überzeugen? Unser Autor Olaf Bleich schreibt eine Wunschliste für den Trip zurück in die Zone!

13 Jahre. Ich wiederhole: 13 Jahre warte ich nun schon auf Stalker 2. Als ich Stalker: Shadow of Chernoby l damals spielte, war ich noch Germanistikstudent, schlug mich tagsüber mit Texten von Hartman von Aue herum und tobte mich zu später Stunde in Clubs und auf Partys aus. Heute bin ich 13 Jahre älter, zehn Kilo schwerer und werde nachts in Zukunft wohl eher Windeln beim anstehenden Nachwuchs wechseln.

Was ich damit sagen will: Seit der Veröffentlichung des ersten Stalker ist einfach verdammt viel Wasser den Rhein hinunter geflossen. Klar, es gab die Quasi-Fortsetzungen Clear Sky und Call of Pripyat. Aber ich will endlich einen richtigen Nachfolger! Dieser geisterte wie ein unsichtbarer Bloodsucker seit 2010 und spätestens seit der offiziellen Ankündigung im März 2011 durchs Netz. Doch der ukrainische Entwickler GSC Game World hat es bisher einfach nicht hinbekommen, das Spiel fertigzustellen.

Beim Xbox Games Showcase am 23. Juli 2020 dann der neue Hoffnungsschimmer: Endlich ein frischer Trailer! Mit dem berühmt-berüchtigten Riesenrad von Pripyat, mit ganz viel Anomalien und noch mehr Atmosphäre. Aber was steckt jetzt eigentlich hinter Stalker 2 (jetzt kaufen 8,99 € / 59,99 € )? Das weiß ich auch nicht, und trotzdem begann bei mir das Kopfkino. Wie müsste Stalker 2 werden, damit es mich genauso fesselt wie der erste Teil?
Eine neue, offene Spielwelt

GSC Game World steht eine wahre Mammutaufgabe bevor - so viel ist klar. Kein Wunder, dass viele Unwissende die ersten Trailer-Szenen zu Stalker 2 zunächst für eine Erweiterung der Metro-Serie hielten. Nicht umsonst ist ein Teil des ursprünglichen Stalker-Teams bei 4A Games untergekommen und hat dort in den vergangenen Jahren absolut abgeliefert. Stalker 2 muss es also schaffen, sich von der Konkurrenz abzusetzen - und dafür braucht es eben mehr als nur ein wenig Post-Super-GAU, ranzige Hochhausbauten und Ostblocknostalgie.

Für den zweiten Teil wünsche ich mir eine komplette Neuschöpfung der "Zone" und damit eine vollkommen andere Open-World-Struktur als bisher. Denn sind wir mal ehrlich: Dank Assassin's Creed, Grand Theft Auto 5 oder The Witcher 3 sind wir heute in Sachen Spielwelten deutlich wählerischer und verwöhnter als noch 2007. Ich hoffe, dass sich GSC Game World nicht von modernen Auswüchsen wie allzu vielen Sammelgegenständen und Erfahrungssystemen anstecken lässt.
Im ersten Teil treffen wir zudem auf zombifizierte Stalker. Der Nachfolger könnte auf dieser Idee aufbauen und sie beispielsweise ins Zentrum der Handlung stellen. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Im ersten Teil treffen wir zudem auf zombifizierte Stalker. Der Nachfolger könnte auf dieser Idee aufbauen und sie beispielsweise ins Zentrum der Handlung stellen.
 
Vielmehr geht es mir darum, dass die Welt noch lebendiger und authentischer sein soll. Damals begeisterte Stalker mit der dynamischen A-Life-KI. Diese sorgte beispielsweise dafür, dass ich bei meinen Streifzügen plötzlich beobachtete, wie sich Mutanten mit einer Horde Wildschweine stritten oder uns plötzlich ein anderer "Stalker" überraschte, weil er Kampfgeräusche hörte. Es waren diese Unwägbarkeiten, die den Ego-Shooter so besonders und so eigen machten. Ich wusste nie genau, was als Nächstes passieren würde. Und genau das kreierte die Spannung, die das Spiel seinerzeit auszeichnete.

Noch härter, noch gefährlicher
Doch wenn ich hier Titel wie Metro als aktuelle Referenz anführe, dann komme ich auch um DayZ nicht herum. Denn Stalker brachte bereits einige Elemente mit sich, die heute in Survival-Games /) gang und gäbe sind. Dazu gehörten beispielsweise ein begrenztes Inventar oder auch ein Ausdauersystem. Für meinen Geschmack dürfte der zweite Teil noch einen Schritt weiter gehen und den Survival-Aspekt ausbauen.

Die Stalker-Community diskutiert aktuell das Miteinbeziehen von Crafting und ist sich diesbezüglich mehr als uneins. Ich bin ein Befürworter, solange GSC Game World mit der Bastelei nicht über das Ziel hinausschießt. Das Szenario besaß stets einen gewissen Realitätsanspruch. Daher möchte ich in irgendwelchen finsteren Kellern keine Munition anfertigen oder gar ganze Waffen zusammenschustern. Das würde nicht zum Setting hinter Stalker passen.
Stalker kreierte viele Momente mit Wucht und Nachdruck. Diese Augenblicke fühlten sich schließlich groß und bedeutsam an. Der Mix aus Zerstörung und blankem Chaos sorgte für viel Spannung am Bildschirm. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Stalker kreierte viele Momente mit Wucht und Nachdruck. Diese Augenblicke fühlten sich schließlich groß und bedeutsam an. Der Mix aus Zerstörung und blankem Chaos sorgte für viel Spannung am Bildschirm.
 
Stattdessen aber könnte ich mir das Aufstellen kleiner Camps oder Lagerfeuer vorstellen. Hier könnte ich dann zum Beispiel Lebensmittel, Medikits oder auch Gegengifte herstellen. Die Auswahl der Möglichkeiten sollten ebenso limitiert bleiben wie die Inventarplätze und die Ressourcen selbst. GSC Game World darf Stalker auf keinen Fall verwässern. Stalker darf nicht zur mainstreamigen Endzeit-Ballerbude mutieren!

Mehr Optionen im Kampf
Und damit wären wir beim Thema Action. Auch hier muss Stalker 2 sehr "basic" bleiben. Keinen unnötigen Firlefanz, keine verkomplizierten Waffensysteme - einfach nur spannende Kämpfe. An dieser Stelle müssen die Macher gleich an zwei Fronten Hand anlegen: an der Gegner-KI und am Waffen-Handling.

Ich wünsche mir vor allem mehr Persönlichkeit bei den anderen Stalkern. Beispielsweise sorgte das Nemesis-System in Monoliths Mittelerde-Spielen für einen spannenden Konkurrenzkampf mit Generälen und anderen hochrangigen Gegnertypen. Ein ähnliches System könnte auch in Stalker funktionieren und den entsprechenden Schatzjägern eine eigene Persönlichkeit verleihen. Mit diesen neuen Charakteren müssten natürlich auch zusätzliche Fraktionen einhergehen, die mit spezifischen Eigenschaften wie etwa individuellen Waffen, Kleidungsstilen oder variierenden Taktiken auf sich aufmerksam machen.
Okay, jetzt wird’s morbide. Aber oft sind es Details wie diese, die die notwendige Horror-Atmosphäre generierten. Deshalb unser Wunsch für den Nachfolger: Gerne mehr davon! <br> &nbsp; Quelle: Moby Games Okay, jetzt wird’s morbide. Aber oft sind es Details wie diese, die die notwendige Horror-Atmosphäre generierten. Deshalb unser Wunsch für den Nachfolger: Gerne mehr davon!
 
Zusätzlich braucht es eine Erweiterung der Shooter-Mechanik: Hier könnte sich GSC Game World etwa eine Scheibe von Metro Exodus abschneiden und Waffenmodifikationen wie Griffe oder Visiere in das Spiel integrieren. Hier ist ebenfalls Fingerspitzengefühl gefragt. Stalker 2 soll kein Waffen-Porno und auch kein Bastelkasten sein. Begrenzte und gut aufeinander abgestimmte Modifikationen wären klasse. Vielleicht kann man hier auch die Artefakte ins Spiel bringen und deren Fertigkeiten auf das Arsenal übertragen.

Eine schwierige Gratwanderung
Ihr merkt es schon: Stalker 2 bringt mich ins Schwärmen. Denn auf der einen Seite wünsche ich mir einen neuen Teil. Andererseits zweifle ich ein wenig daran, dass dieser dann auch irgendwann in einer fernen Zukunft die gleiche Faszination wie der Erstllng entwickeln kann. Und deshalb zum Abschluss mein Aufruf in Richtung GSC Game World: Bitte, versaut mir mein geliebtes Stalker nicht!

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