Sniper Elite V2 Remastered im Test: Kann die neue Auflage des Shooters überzeugen?

Test Jan Dangschat
Sniper Elite V2 Remastered im Test: Kann die neue Auflage des Shooters überzeugen?
Quelle: PC Games

Bereits vor sieben Jahren erschien Sniper Elite V2, nun bekommt der Shooter eine Remastered-Version für den PC und die aktuelle Konsolengeneration. Welche Änderungen die Neuauflage mit sich bringt und ob der Shooter auch heute noch überzeugen kann, erfahrt ihr in unserem Test!

In Sniper Elite V2 (jetzt kaufen 19,36 € ) Remastered übernimmt ihr die Rolle des Scharfschützen Karl Fairburne, der sich während des zweiten Weltkriegs in die Ruinen von Berlin wagt, um das namensgebende V2-Programm der Nazis zu stoppen. Damit ist bereits alles Wichtige zur Geschichte des Third-Person-Shooters erzählt, denn die Story des Spiels dient lediglich als Aufhänger, um euch in die deutsche Hauptstadt zu schicken und dabei jede Menge Chaos zu stiften. Das ist nicht weiter schlimm; so begebt ihr euch von einem Feuergefecht ins nächste, ohne lange warten zu müssen. Kommen wir also direkt zum Gameplay.

Im Leben eines Heckenschützen

Als Scharfschütze ist natürlich das Gewehr eure wichtigste Waffe. Mit diesem schaltet ihr Gegner aus der Distanz aus und versucht dabei möglichst unentdeckt zu bleiben. Dazu nutzt ihr laute Umgebungsgeräusche, um den Ton eures Schusses zu überdecken. Das eigentliche Schießen mit dem Scharfschützengewehr ist unterhaltsam und braucht obendrein etwas Übung, da vor allem die Fallhöhe der Kugel vor jedem Schuss bedacht werden muss.

Wenn ihr jedoch hockt oder liegt, könnt ihr den Atem vor dem Abschuss anhalten und seht dadurch, wo die Kugel einschlagen wird. Bei besonders guten Schüssen werdet ihr außerdem mit einer X-Ray-Ansicht "belohnt", wodurch ihr genau seht, welche Köperteile des Gegners ihr zerstört habt. Das ist ordentlich brutal, aber gleichzeitig auf morbide Art und Weise auch befriedigend. Insgesamt lohnt es sich also, möglichst ruhig und langsam vorzugehen, wodurch jede Menge Spannung aufkommt. Ihr könnt auch Gegner mit einem lautlosen Nahkampfangriff ausschalten oder eure schallgedämpfte Pistole in die Hand nehmen.

Die gegnerischen Scharfschützen nehmen euch schnell ins Visier, schaltet sie also schnell aus Quelle: PC Games Die gegnerischen Scharfschützen nehmen euch schnell ins Visier, schaltet sie also schnell aus So kämpft ihr euch möglichst leise durch die Reihen der Gegner und sucht euch gute Positionen, von denen aus ihr eure Widersacher unter Beschuss nehmt. Die Missionen sind nicht sehr abwechslungsreich und bestehen aus sehr simplen Aufgaben, jedoch wird immerhin genügend Herausforderung geboten. Die Zielorte sind nämlich meistens gut bewacht. Falls eure Feinde euch doch einmal ausfindig machen, solltet ihr auf Landminen und Stolperfallen zugreifen, damit ihr nicht in einen Nahkampf verwickelt werdet. Zwar tragt ihr auch eine Maschinenpistole bei euch und diese ist auch auf kurze Distanz effektiv, dafür besitzt ihr jedoch nicht viel Munition. Auch sorgen nur wenige Treffer für euer Ableben, daher solltet ihr möglichst lange die Gegner von euch fernhalten. Insgesamt ist es ratsam, taktisch vorzugehen, auch wenn ihr dafür einiges an Geduld mitbringen müsst. Ebenjene Geduld stellt Sniper Elite V2 Remastered jedoch immer wieder durch die unsaubere Gestaltung des Gameplays auf die Probe.

Dieselben Probleme wie 2012

Fangen wir erst einmal mit beim Leveldesign an: Die unterschiedlichen Schauplätze bieten euch viele Wege, um nicht direkt in die Gegner reinzulaufen. Doch in jedem Level gibt es auch noch eine Passage, in der ihr euch gegen jede Menge Feinde verteidigen müsst. Hier ähnelt Sniper Die X-Ray-Ansicht wurde aus der deutschen Version von 2012 entfernt, im Remastered ist sie vorhanden. Quelle: PC Games Die X-Ray-Ansicht wurde aus der deutschen Version von 2012 entfernt, im Remastered ist sie vorhanden. Elite V2 Remastered eher Moorhuhn und ihr schießt einen Widersacher nach dem Anderen ab. Das macht wenig Spaß und kann auch schnell frustrieren, da die Kämpfe wenige Möglichkeiten bieten und man durch die große Menge an Gegnern schnell den Game-Over-Screen erblickt. Die schlecht gesetzten Kontrollpunkte sorgen zudem dafür, dass ihr nach dem Ableben direkt Treffer einsteckt, bevor ihr überhaupt handeln könnt. Dazu gesellt sich dann noch eine unglaubwürdige KI, welche zum Teil komplett aussetzt. An einigen Stellen wiederum entdeckt euch ein gegnerischer Soldat über eine sehr weite Distanz, woraufhin alle Feinde direkt wissen, wo ihr euch befindet. Außerdem haben eure Gegner eine extrem hohe Zielgenauigkeit und treffen euch selbst über hunderte Meter hinweg mit einer Maschinenpistole. Dabei ist es teils auch sehr schwer, die Feinde überhaupt zu entdecken, da sie oft farblich mit den grauen Ruinen Berlins verschmelzen.

All diese Punkte sorgen dafür, dass der Frustfaktor nach einem Ableben deutlich steigt und die Ungeduld einsetzt. Mit knapp sieben bis acht Stunden Spielzeit ist die Kampagne des Weiteren nicht besonders lang, kann aber wenigstens komplett im Koop durchgespielt werden. Durch besonders gute Abschüsse erhält man zudem Punkte, welche sich am Ende zu einem Highscore zusammenfügen. Das motiviert und sorgt für Wiederspielwert. Neben der Kampagne existiert weiterhin ein Wellen-Modus, welcher jedoch mit denselben Problemen wie die Story-Missionen zu kämpfen hat, und einen Multiplayer-Modus gegen andere Spieler. Die kompetitiven Gefechte sind nicht besonders unterhaltsam, immerhin spielt hier jeder einen Scharfschützen und das Campen steht auf der Tagesordnung. Zusätzlich kommt es immer wieder zu Lags, wodurch ein genaues Zielen deutlich erschwert wird.

Lohnt sich die Remaster-Version?

Sonderbar schön sieht Sniper Elite V2 Remastered nicht aus, vor allem die Farbgebung wirkt sehr unspektakulär. Quelle: PC Games Sonderbar schön sieht Sniper Elite V2 Remastered nicht aus, vor allem die Farbgebung wirkt sehr unspektakulär. Die genannten negativen Punkte waren bereits 2012 deutlich. Mit der Remaster-Version hätte man wenigstens einige der Probleme angehen können. Doch stattdessen handelt es sich hauptsächlich um ein optisches Remaster. Die Texturen sowie Lichteffekte wurden überarbeitet und es gibt 4K-Unterstützung. Das alles macht aus Sniper Elite V2 Remastered jedoch kein sonderbar schönes Spiel, was vor allem an den Schauplätzen liegt. Die Ruinen Berlins sind einfach kein attraktiver Anblick. Insgesamt sind die Verbesserungen im Vergleich zum Original kein großer Schritt und nur bei der direkten Gegenüberstellung der beiden Versionen fällt ein Unterschied auf. Neben dem Grafik-Update bringt das Remaster noch mit einem Fotomodus, neuen spielbaren Charakteren und sämtlichen DLCs mit sich. Letztere beinhalten vier weitere Missionen und ein paar neuen Waffen, wodurch das Hauptspiel aber nur geringfügig aufgewertet wird. Die neuen Figuren erweitern das Spiel ebenfalls nicht allzu sinnvoll, da es sich lediglich um unterschiedliche Skins handelt. In den Zwischensequenzen werden diese zudem nicht einmal angezeigt, stattdessen seht ihr wieder Karl Fairburne. Dazu kommen noch ein paar Audio-Probleme: Es ist nur sehr schwer einzuschätzen, wo gerade ein Gegner spricht. Selbst wenn ein Soldat mehrere Meter von euch entfernt ist, klingt es oftmals so, als würde er neben euch stehen. Das sorgt schon mal für Verwirrung und ist vor allem in Stealth-Passagen störend.

Wie gut ist die Switch-Fassung?

Dieselben Audio-Probleme besitzt auch die Switch-Version, welche zudem noch einige Abstriche bezüglich der Grafik machen muss. Insbesondere die Details weit entfernter Objekte werden ausgeblendet oder deutlich verringert, was besonders stark bei den Charaktermodellen der Gegner auffällt. Zudem gibt es noch ein paar kleine Ruckler, jedoch trübt das alles nur wenig den Spielspaß.

Vergleich der PS4-Fassung und der Switch-Version

PS4 Nintendo Switch

Zusammengefasst bietet Sniper Elite V2 Remastered spannende Gefechte und die Grundmechanik des Spiels funktioniert. Die komplexen Level und die Vielzahl an Hilfsmitteln unterstützen dies noch weiter, jedoch ziehen viele Schwächen den Titel nach unten. Eine schlechte und teils unfaire KI, langweilige Baller-Passagen und ungeschickt gesetzte Kontrollpunkte vermiesen den Spaß. Die aufgefrischte Optik bietet nur geringfügige Verbesserungen und selbst mit den DLCs ist die Spieldauer relativ kurz. Den Kostenpunkt von 35 Euro ist also nicht wirklich gerechtfertigt. Immerhin: die gute Scharfschützen-Mechanik und das taktische Vorgehen trösten ein wenig darüber hinweg.

Meinung

Wertung zu Sniper Elite V2 (PS4)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Sniper Elite V2 (NSW)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Scharfschützen-Mechanik funktioniert gutKomplexe Level bieten viele MöglichkeitenTaktisches Vorgehen wird belohnt
Unfaire/Dumme KIBaller-Passagen passen nicht zum Scharschützen-DaseinKontrollpunkte schlecht gesetztKampagne hat eine kurze SpieldauerTrotz Remastered uninteressante OptikAudio ist oftmals irreführend

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