Sky: Kinder des Lichts im Test: Was taugt das Free2Play-Abenteuer für Switch?
Test
Das traumhafte Märchen der Journey-Macher gibt es jetzt auch auf Switch - und spielen kostet nichts! Lohnt sich der Download? Das klären wir im Test.
Über die Design-Philosophie hinter den preisgekrönten Werken des Indie-Studios Thatgamecompany sprachen wir mit dem Kopf des Teams, Jenova Chen, vor einiger Zeit im Interview. Außerdem haben wir uns die Switch-Fassung des Free2play-Titels angesehen, viele Kerzen angezündet und verraten euch, ob sich ein Ausflug in die malerische Welt von Sky für euch lohnt.
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Ein Pixelmärchen
Zunächst ein kurzer Test: Interessiert euch an Spielen vor allem das Knacken von Highscores und das Besiegen von Gegnern, das Aneinanderreihen von komplexen Kombos oder eine wortreich erzählte, kinoreife Story? Solltet ihr einen oder mehrere dieser Punkte unumwunden bejahen, könnt ihr euch den (obschon kostenlosen) Download von Sky vermutlich sparen. Denn wie bei allen Werken des Studios liegt der Fokus mehr auf Zwischenmenschlichkeit denn auf Wettstreit. Ja, es gibt eine Geschichte aber nein, sie wird nicht bombastisch in Szene gesetzt. Die Schönheit Skys hängt mit dessen Simplizität zusammen.
Quelle: PC Games
Zündet ihr die Kerzen anderer Spieler an, die ihr trefft, erkennt ihr deren Aussehen – zuvor sind sie nur graue Schemen, die alle gleich ausschauen.
Das bezieht sich auch auf die Optik; obwohl hier keine technischen Maßstäbe gesetzt werden, ist das Spiel wunderschön. Wind streichelt Blumenwiesen wie in Flower, mit eurem flatternden Mantel rauscht ihr durch den Himmel wie in Journey. Erinnerungen an Ghibli-Filme und Zelda in seinen besten Momenten werden in Sky zwangsläufig wach. Gelegentliche Ruckler trüben das Bild ein wenig, aber nicht massiv. Passend zum Look ist die Hintergrundmusik ein echter Ohrenschmaus. Über das Warum der Reise wollen wir gar nicht zu viele Worte verlieren, nur dies: Es motiviert, die paradiesischen Landschaften zu erkunden und dabei Geister zu retten. Die Moves sind dabei überschaubar, eure Figur kann laufen, springen, fliegen - je nach Mantel-Upgrade länger, höher und weiter -, Kerzen anzünden, Nachrichten hinterlassen und per Gesten kommunizieren.
Die soziale Komponente
Quelle: PC Games
In solchen Momenten fühlt sich Sky trotz des simplen Spielprinzips einfach großartig an. Der Tempel im Hintergrund ist vorerst das Ziel eurer Reise.
Sky besteht zum einen aus der Story, dieser Teil des Abenteuers liefert circa drei bis vier Stunden typische Thatgamecompany-Unterhaltung mit wenig anspruchsvollem Gameplay, aber dennoch gutem Unterhaltungswert. Es gibt die Möglichkeit, nach Abschluss der Haupthandlung noch mehr Zeit im Himmelskönigreich zu verbringen, und da kommt der Free2play-Aspekt wortwörtlich und deutlich ins Spiel. Das Freischalten der diversen kosmetischen Items dauert sehr, sehr lange, und die Preise im Ingame-Shop für weitere Outfits, die Seasons-Inhalte oder auch einfach Kerzen, mit denen man im Spiel alles mögliche kaufen kann, sind teilweise gesalzen. Zwar ist es möglich, durch Freundschaften mit anderen Spielern ein wenig komfortabler an gewisse Ressourcen zu kommen und theoretisch lässt sich Sky ohne Geldeinsatz komplettieren, aber irgendwie wollen die Facetten nicht ganz zusammenpassen - auf der einen Seite steht eine wunderschöne, meditative Spielerfahrung, auf der anderen die Option, für 50 Euro virtuelle Kerzen zu kaufen.
Für Kinder?
Quelle: PC Games
In der Welt suchen wir nach Geistern und erlösen diese. Sie zeigen sich dankbar, indem sie uns Gesten beibringen.
Auch bei einem anderen Aspekt wirkt Sky ein wenig janusköpfig: In Sachen Community geht es hier tatsächlich - jedenfalls unseren Erfahrungen nach - sehr kinderfreundlich zu. Selten haben wir in einem Spiel, das die Möglichkeit bietet, Nachrichten zu hinterlassen, so viele positive und freundliche Texte gelesen. Auf anstößige Inhalte trafen wir gar nicht, insofern hat Sky einem Animal Crossing: New Horizons viel voraus. Für ganz junge Spieler ist der Titel unserer Ansicht nach aber dennoch nicht unbedingt zu empfehlen, und das nicht nur wegen der happigen Preise für In-Game-Inhalte.
Vielmehr werden eine Menge Aspekte im Spiel nur rudimentär erläutert und haben sogar uns alte Hasen verwirrt. Spätestens mit der Kommunikation dürften jüngere Semester gänzlich überfordert sein, denn da kommt teilweise noch die Sprachbarriere hinzu (chatten kann man nur sitzend auf Bänken, solange eine Kerze brennt und sich ein anderer Spieler auch dort niederlässt, oder wenn man Freundschaften schließt). Zusammengefasst: Man merkt Sky an, dass während der Entwicklung eine Neuausrichtung vorgenommen und Free 2 play eingebunden wurde, denn zwischen diesen Puzzlestücken entsteht merklich immer wieder Reibung.
Aber der Umstand hat auch etwas Gutes: Selbst den Flügelmantel überzustreifen und anzusehen, ob man bereit ist, für Zusätze Geld zu zahlen, ist zunächst kostenlos. Und der Story-Part wird von den Stärken des Studios getragen.
