Showgunners: Töten für die Quote - Das dreckige XCOM im Test
Test
Eine grausame Live-Sendung, je brutaler, desto besser. Daraus strickt Showgunners überraschend gute Rundentaktik - wenn man mit den richtigen Erwartungen reingeht. Update: Test jetzt mit Video!
Showgunners, der Name sagt euch nix? Das könnte daran liegen, dass das Spiel bis vor Kurzem noch Homicidial All-Stars hieß. (Oder einfach daran, dass es auch vorher ziemlich unbekannt war.) Dabei hätte es mehr Aufmerksamkeit verdient! Denn Showgunners macht im Test erstaunlich viel richtig. Und es liefert genau das, was es im Klappentext verspricht: Klassische, zugängliche Rundentaktik mit starkem Setting, robuster Story und wenig Schnickschnack. Die Idee dahinter ist natürlich alles andere als neu: Wer schon mal Actionstreifen wie Running Man, Gamer oder Death Race gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie rau und zynisch es in Showgunners zugeht.
In der Zukunft giert die Gesellschaft nach Blut und Homicidal All-Stars - eine ultrabrutale Live-Sendung - ist gerade schwer angesagt. Kontrahenten unterschiedlichster Art treten dort an, sie meucheln sich durch verschiedene Levels, die vom Veranstalter gebaut und mit Unmengen an Stacheldraht, tödlichen Fallen und bis an die Zähne bewaffneten Verteidigern bestückt wurden. Mitten in so einer Folge lernen wir die Herausforderin Scarlett kennen, und zwar ohne jegliche Einleitung. Alles, was wir über ihre Beweggründe wissen müssen, erfahren wir nämlich erst später, in Rückblenden, aber auch in Gesprächen mit anderen Kämpfern, wodurch sich nach und nach ein schlüssiges Gesamtbild ergibt. Scarletts Geschichte ist auch der einzige rote Faden, den Showgunners braucht, denn das Spiel ist mit rund 20 Spielstunden kein Dauerbrenner. Umso wichtiger, dass dabei keine Langeweile aufkommt!
Tipp: In unserem PC Games Podcast #4 haben wir bereits ausführlich mit dem Lead Game Designer über das Spiel geplaudert. Das Interview ist komplett auf Deutsch.
Blut und Spiele
Showgunners ist in zwei Spielebenen unterteilt, nämlich Erkundung und rundenbasierte Kämpfe. Dass diese Mischung aufgeht, hat schließlich schon Mario & Rabbids: Kingdom Battle bewiesen. In nackten Zahlen sieht das so aus: Showgunners bietet insgesamt acht Story-Kapitel mit jeweils einem großen, verschachtelten Erkundungslevel, 31 Kampfszenarien und weiteren acht Scharmützeln, die man schon in wenigen Minuten erledigt hat. Zwischen den Levels kehrt ihr außerdem immer wieder in eine Basis zurück, in der ihr aber nur Dialoge führen könnt. Erwartet also kein umfangreiches Metagame wie in XCOM oder dem ersten Hard West (an dem übrigens auch einige Entwickler von Showgunners beteiligt waren)!
Quelle: Good Shepherd Entertainment
Scarlett erkundet mit einem Begleiter die Umgebung. Vorsicht vor gut versteckten Fallen!
Im Erkundungsmodus steuern wir Scarlett in Echtzeit durch die Levels, umringt von grölenden Zuschauern und verfolgt von Kamera-Drohnen, die jeden ihrer Schritte live übertragen. Bei der Gestaltung haben sich die Entwickler sichtbar Mühe gegeben: Obwohl man meistens in grauen Stadtruinen unterwegs ist, sorgen hübsche Beleuchtung, zig animierte Werbetafeln und martialische Verzierungen für ordentlich Atmosphäre. Auch der Sound kann sich hören lassen: Ein zynischer Moderator kommentiert das Geschehen (auf Englisch) und der treibende Industrial-Soundtrack erinnert uns immer wieder an eine zynisch-dreckige Version von American Gladiators. Einziger Kritikpunkt: Der Blickwinkel ist fest vorgegeben, gespielt wird nämlich immer von oben und für unseren Geschmack etwas zu weit herausgezoomt. Man darf die Kamera zwar drehen, aber das war es auch schon - da hätten wir uns mehr Freiheiten gewünscht.
Für Ruhm und Punkte
Während wir durch baufällige Wohnblocks, verfallene Straßenzüge, finstere U-Bahn-Tunnel und stillgelegte Parks stiefeln, entdecken wir unterwegs Schatzkisten mit Geld und neuen Waffen, mogeln uns an unterschiedlichsten Fallen vorbei, schalten Abkürzungen frei - und hin und wieder lösen wir sogar kleine Rätsel. Keine Sorge: Die Fallen und Puzzles fallen nie langwierig oder knifflig aus, sorgen aber für ein bisschen Abwechslung. Eine Übersicht zeigt uns außerdem immer an, wie viele Kisten in dem Level versteckt sind - wichtig für diejenigen, die nichts verpassen und wirklich alles finden wollen.
Dazu zählen auch die Fans, die wir ab und zu an den Absperrungen treffen und die uns dann um Autogramme anbetteln. Dabei dürfen wir immer aus drei Antworten wählen, die uns unterschiedliche Rufpunkte verleihen. Wer zum Beispiel viele Punkte der Kategorie "Schön" oder "Arschloch" sammelt, schaltet dafür in einem kleinen Menü neue Sponsoren frei. Dahinter verbergen sich im Grunde nur stinknormale passive Boni oder Upgrades, die aber teilweise sehr üppig ausfallen - deshalb lohnt es sich, das Sponsorenmenü schon früh zu studieren und auf die Verbesserungen hinzuarbeiten, die einen besonders anlachen. Entscheidungen lassen sich später nicht zurücknehmen!
Quelle: Good Shepherd Entertainment
Lupenreine Rundentaktik
Das Herzstück von Showgunners sind aber natürlich die Kämpfe, die nach dem bewährten XCOM-Muster gestrickt sind. Man positioniert die eigenen Helden also hinter Deckungen und teilt sich die knappen Aktionspunkte ein, die für Bewegung, Angriffe, Overwatch-Befehle, Nachladen und Gegenstände zum Einsatz kommen. Das spielt sich mit Maus und Tastatur genauso rund wie mit dem Gamepad. Das Interface ist gelungen und liefert alle wichtigen Informationen. Beispielsweise bekommt man komfortabel auf jedem Feld die eigenen Trefferchancen angezeigt oder welche Gegner gerade Überwachen-Status haben - so plant man seine Züge ohne böse Überraschungen. Kurzum: Alles funktioniert, wie es soll, und macht Spaß. Einzig die zögerliche Gegner-KI und gelegentliche Mängel bei der Übersicht fallen da hin und wieder störend auf. Dass der normale Schwierigkeitsgrad eher niedrig angesetzt ist, ordnen wir aber eher bei den Pluspunkten ein - es muss schließlich auch mal Spiele geben, an denen auch Einsteiger ihre Freude haben. Und wer's härter mag, findet auch dafür im Optionsmenü die passende Einstellung.
