Sébastien Loeb Rally Evo: Der Dirt-Rally-Konkurrent im Test - Nur wenig Lob für Loeb
Test
Nachdem WRC 5 die Rallye-Fans enttäuschte und Dirt Rally die PC-Spieler begeisterte, möchte nun auch Sébastien Loeb Rally EVO ein Stück vom Motorsport-Kuchen abhaben. In unserem Test entpuppt sich das Rennspiel von Entwickler Milestone trotz großem Umfang allerdings als sehr durchschnittlich.
Nach dem eher unterdurchschnittlichen WRC 5 versuchen nun die italienischen Entwickler von Milestone, mit Sébastien Loeb Rally EVO die Fans des Rennsports zu gewinnen. Und das noch schnell bevor im April das auf dem PC gefeierte Dirt Rally von Codemasters auch auf den Konsolen erscheint. So ganz funktioniert das aber nicht, denn Sébastien Loeb Rally bietet zwar gute Ansätze, vermasselt die Wertungsprüfung jedoch mit seiner altbackenen Technik und seltsamem Fahrgefühl.
Sébastien Loeb Rally EVO im Test: Abwechslung auf der Piste
Quelle: Computec Media GmbH
In der Loeb Experience spielt ihr die Karriere-Highlights von Sébastien Loeb nach. Inklusive Hillclimb und Rallycross.
Doch zunächst mal zu den positiven Aspekten der Raserei über Stock und Stein. Der Titel nutzt die Lizenzierung der Rallye-Legende nämlich hervorragend aus. In der "Loeb Experience" dürfen wir quasi alle relevanten Stationen aus der Karriere des französischen Weltmeisters nachspielen. Wir erleben also sowohl die Anfänge in einem untermotorisierten Fahrzeug als auch seinen ersten Titel, seine Ausflüge zu den Rallycross- und Hillclimb-Disziplinen sowie sein letztes Rennen im Fahrzeug mit Speziallackierung mit. Das ist mal echt toller Fan-Service.
Doch auch sonst bietet EVO einiges an Inhalt. Neben besagter Experience gibt es nämlich auch noch einen klassischen Karrieremodus, in dem ihr mit Rennsiegen und Plätzen auf dem Treppchen Credits verdient, mit denen ihr ein neues aus über 50 Fahrzeugen verschiedener Rennklassen kaufen oder mieten könnt. Das ist natürlich nichts Besonderes, motiviert jedoch genug. Schließlich möchte man die motorisierte Tupperbox von Peugeot schnell hinter sich lassen, um endlich in einem Lancer, Impreza oder Stratos über die Pisten zu rasen.
Der Aufbau des Karrieremodus orientiert sich stark an Dirt 3 von Codemasters. Ihr nehmt an verschiedenen Veranstaltungen teil, in denen ihr nacheinander unterschiedliche Disziplinen bestreitet. Neben klassischen Rallyes tretet ihr auch bei Rallycross-Rennen, Hillclimb-Wettbewerben, Elimination-Rasereien oder Drift-Events an. Die einzelnen Veranstaltungen sind dabei schnell freigeschaltet, da ihr dort sofort antreten könnt, sobald ihr euch zumindest einen Wagen aus der benötigten Klasse mieten könnt. Etwas blöd ist allerdings, dass ihr eigentlich mit dem Karrieremodus starten müsst, da sonst bei den Einzelrennen nur ein einziges Auto spielbar ist. Der Rest muss eben mit Credits gekauft werden.
Sébastien Loeb Rally EVO im Test: Keine Freude am Fahren
So sehr Sébastien Loeb Rally EVO in Sachen Umfang aber auch begeistert, verpatzt es ein ganz zentrales Element für ein Rallye-Spiel: das Fahrgefühl. Die Fahrzeuge wirken nicht, als würden sie dynamisch über die gefährlichsten Buckelpisten der Welt jagen, sondern vielmehr als würden sie steif auf einer Schiene über die Strecke gezogen. Vor allem fehlt aber das direkte Feedback bei der Steuerung. Während Konkurrent Dirt Rally die Rumble-Funktionen des Controllers nutzt, um dem Spieler gleichermaßen ein Gefühl für die Beschaffenheit der Strecke als auch für die Eigenheiten des Vehikels zu geben, wird dies bei Loeb Rally EVO fast gar nicht genutzt. Wir fahren mit Höchstgeschwindigkeit über ein Curb - keine Rückmeldung. Wir fahren querfeldein über Stock und Stein - keine Rückmeldung. Wir crashen frontal gegen einen Baum - ein kurzes Rucken im Controller. Na immerhin.
Quelle: Computec Media GmbH
Wäre das Fahrverhalten besser, würden die abwechslungsreichen Modi echt Spaß machen. Na ja. Hätte, wäre, könnte...
Da man hier versäumt, dem Spieler ein vernünftiges Feedback zu geben, ist das Fahrverhalten der Boliden oftmals nicht nachvollziehbar. Einige Fahrzeuge lenken nicht richtig ein, andere wiederum brechen sofort aus, wenn man nur kurz auf die Bremse stupst. Noch mal andere hingegen stören sich gar nicht an der Bremseingabe und rasen weiter geradeaus. So sieht es zumindest mit dem Gamepad aus. Fahrt ihr mit Lenkrad, ist das Feedback hingegen recht ordentlich. Dennoch hat Dirt Rally in dieser Kategorie klar die Nase vorn. Hinzu kommt noch, dass euer Beifahrer euch häufig falsche Kurven ansagt. Spaß!
Schön ist hingegen, dass ihr wie auch bei Dirt 3 auswählen könnt, ob ihr lieber arcadig oder simulationslastig unterwegs sein wollt. Arcade-Raser aktivieren die optionalen Fahrhilfen, während Rennspiel-Puristen eben darauf verzichten. Und trotzdem komm Sébastien Loeb Rally EVO nicht an die Codemasters-Titel heran. Dirt Rally ist eine bessere Simulation und Dirt 3 das bessere Arcade-Racing-Game.
Zudem ist die Technik ziemlich altbacken und nervt mit verwaschenen Texturen, leichtem Tearing im Hintergrund und leichtem Kantenflimmern. Während die Konsolenversionen mit 30 Frames laufen, schwankt die Framerate in der PC-Fassung zwischen 30 und 60 Bildern pro Sekunde. Insgesamt ist Dirt 3 einem Sébastien Loeb Rally EVO technisch und spielerisch überlegen. Und das ist immerhin ein Spiel der letzten Konsolengeneration.
