Screamer überzeugt mit Arcade-Gameplay, schwächelt aber bei KI und Balance. Alle Details zum Rennspiel-Reboot.
In diesem Artikel
Zum Glück wird nicht jedes Rennen in Screamer von den Storylines unterbrochen. Wenn wir über eine der 32 Strecken brettern, haben wir durchaus Spaß. Screamer vermittelt sofort ein klassisches Spielhallen-Gefühl - als würde man am Automaten hocken und darum kämpfen, möglichst lange für sein Geld spielen zu können.
Quelle: PC Games
Die Story wird als Visual Novel erzählt. Nette Idee für ein JRPG - hier eher unpassend.
Twin-Stick-Action im Arcade-Stil
Die Twin-Stick-Steuerung ist kreativ und nach ein paar Knutschern mit der Wand rasch gelernt. Mit dem linken Stick übernehmen wir ganz simpel das Lenkrad, mit dem rechten Stick steuern wir die Drifts in den Kurven. Je besser das klappt, desto einfacher lässt sich ein Gang hochschalten, wodurch dann wieder Punkte für Boosts gesammelt werden können. Das klingt nicht nur ziemlich abgedreht, es macht im Grunde auch Spaß.
Quelle: PC Games
Kompromiss statt Herausforderung: Manchmal reicht es, einfach nur ins Ziel zu fahren.
Die Karten sind abwechslungsreich - mal hat man weite, langgezogene Kurven, mal sind es scharfe 90-Grad-Kurven, die viel Fahrgefühl erfordern. Obendrauf bietet jede Map Geheimwege, die in unseren Sessions ausschließlich von uns genutzt wurden. Vielleicht waren die KI-Gegner blind oder einfach nur arrogant. So oder so sind wir dadurch regelmäßig mehrere Plätze in der Rangliste nach oben geklettert, als wären die Gegenspieler für einen kurzen Moment rechts rangefahren.
Unfaire KI und geskriptete Rennen
Grundsätzlich haben wir immer mal wieder an der Intelligenz und dem Können der KI gezweifelt. Von Rubber-Band kann man nur selten sprechen. Es ist da, schlimmer ist aber eher, dass uns die Gegner teils ohne Rücksicht auf Verluste in Kurven gegen Wände donnern oder einfach deutlich stärker motorisiert sind als wir.
Quelle: PC Games
Die Zweikämpfe können frustrierend, aber auch aufregend sein. Leider sind manche Maps aber eher unspektakulär im Hintergrund.
Auf der anderen Seite hatten wir im Story-Modus mehrfach das Gefühl, dass uns das Spiel gegen Ende mancher Rennen problemlos an den Gegenspielern vorbeirasen lässt, weil es einfach besser in das Skript passt. Irgendwann haben wir an unseren eigenen Fähigkeiten gezweifelt, weil man kein Gefühl dafür bekommt, ob man denn nun gut spielt oder das Spiel uns unter die Arme gegriffen hat. Mal abgesehen davon, dass man nicht immer gewinnen muss. Manchmal reicht auch ein einfaches "Beende das Rennen." Ein bisschen, als hätte man Wrestling-Storys in ein Rennszenario packen wollen.
Quelle: PC Games
Wenn ein Drift gelingt, steigen die Glücksgefühle und wir können Punkte für die Boots-Leiste sammeln.
Seine Stärken spielt Screamer daher im Singleplayer außerhalb des Turniers, wie der Story-Modus genannt wird, und im Multiplayer aus. Hier spüren wir das pure Gameplay und Können unserer Gegenspieler. Screamer schafft hierbei einen guten Mittelweg aus gelungener Neuauflage des klassischen Arcade-Racer-Gameplays und dem Gefühl, man würde hier vor einem Mobile-Game sitzen. Es ist schnell, sehr schnell, und gibt durch Quick-Time-Events und Optionen, seine Gegner zu zerstören, ordentlich Gas.
Es bleibt die Frage: Warum?
Klar, auf dem aktuellen Markt der Arcade-Racer muss man hervorstechen. Forza und The Crew haben mit ihren Spielen echte Bretter auf dem Markt, die schwer zu erreichen sind. Andererseits verfolgen sie auch eine ganz andere Auslegung des Genres. Da kommt so ein abgedrehter Racer, der die Arcade-Fahne der alten Tage hochhält, wie gerufen. Dass Milestone genau das drauf hat, ist keine Frage, und die Entwickler setzen das auch erst einmal gut um.
Quelle: PC Games
Die Szene könnte aus einem Agenten-Anime stammen. Nicht vergessen: Es geht um ein Rennspiel.
Leider hat Screamer ein großes Problem - die Story. Natürlich kann man die auch einfach außer Acht lassen und sich den anderen Modi widmen, doch bildet sie nicht das Grundgerüst? Vielleicht wäre man besser beraten gewesen, uns Spieler einfach von einem Rennen zum nächsten zu jagen, statt eine halbgare Visual Novel zu servieren. So bleibt Screamer bei uns als Rennspiel im Kopf, in dem wir ständig aus unserem Flow geworfen werden, weil wir wieder minutenlanges Gebrabbel ertragen müssen, bevor wir uns wieder hinter das Steuer setzen können.
Transparenzhinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurde die Review-Fassung von Milestone gestellt.
