Saints Row 4 im Test: Im neuesten Saints Row besucht ihr erneut die Stadt Steelport, doch diesmal ist alles anders! Der Schauplatz des irren Open-World-Titels ist nur eine virtuelle Welt und eure Spielfigur hat plötzlich Superkräfte! Doch reicht das, um auf Dauer zu unterhalten?
Hier wird niemand überfordert
Bei all unserer diebischen Freude an den albernen Alien-Waffen, den furiosen Superkräften oder bizarren Momenten im Spiel, etwa wenn wir eine lebendige Kloschüssel oder Gummipuppe niederstrecken müssen – so richtig anspruchsvoll oder fesselnd ist der Titel nie. Die zahlreichen Missionen setzen sich meist aus recht simplen Aufgaben zusammen: Gehe zu Ort X, besiege Gegner Y, beschütze Person Z. Und lange nicht jede der Neben- und Freischalt-Aufgaben ist unterhaltsam. Kaum ein Spiel-Element ist wirklich fordernd, die Missionen sind meist recht plump inszeniert und verlaufen vielleicht auch gerade wegen der neuen Superkräfte ein wenig zu gleichförmig: Während euch die Vorgänger mit verschiedenen Missions-Fahrzeugen und -Waffen Abwechslung bieten konnten, setzt ihr nun fast andauernd auf eure überlegenen Spezialfähigkeiten. Zwar tauchen gegen Ende des Spiels auch richtig fordernde Gegner auf, echten Tiefgang erzeugt aber auch das nicht. Vielmehr empfanden wir den andauernden Alien-Nachschub mit der Zeit als ganz schön lästig.
Seichter, gelungener Spaß
Wie gut, dass der Humor im Spiel stimmt. Und was ihm an Niveau fehlt, macht er mit Irrsinn und vielen Überraschungen wett. So erwacht eure Spielfigur im Story-Verlauf aus ihrem Matrix-Schlaf, kapert ein Alien-Raumschiff und bringt die alte Gang wieder zusammen. Fortan reist ihr immer wieder zwischen dem virtuellen Steelport und dem Raumschiff hin und her, liefert euch herrlich fiese Wortgefechte mit euren Mitstreitern und rettet immer neue Kameraden aus ihren Gefängnissen. Dabei steigt ihr stets in die Simulation der Urängste der Gefangenen ein und das ist oft wunderbar schräg. Mal erlebt ihr eine alberne Metal Gear Solid-Persiflage, mal einen 2D-Prügler oder gar ein Text-Adventure. Das alles könnte zwar spielerisch raffinierter sein, die hervorragende englische Synchro macht das aber locker wett. Ihr habt die Wahl zwischen sieben Stimmen für eure Spielfigur, darunter auch Nolan North, DIE männliche Heldenstimme in Videospielen. Angesichts einer solch hochkarätigen und gelungenen Vertonung ist für uns die fehlende deutsche Sprachausgabe verschmerzbar – allerdings macht der Tital darum nur mit guten Englisch-Kenntnissen richtig Spaß
Quelle: Koch/PC Games
Saints Row 4 im Test: Solche Energiekugeln lassen immer neue Alien-Gegner erscheinen. Zerstört sie möglichst rasch!
Auch technisch sehr vertraut
Die Grafik des Open-World-Abenteuers wirkt ein wenig altbacken, kann sich insgesamt aber sehen lassen. Zwar könnten Umgebungsdetails und Texturen besser sein, dafür gibt es eine Vielzahl moderner Effekte – besonders die Explosionen sehen klasse aus. Und auch auf Mittelklasse-PCs ist die Performance des Spiels zufriedenstellend. Wer eine Grafikkarte mit Nvidias Kepler-Chip besitzt, freut sich außerdem über TXAA-Kantenglättung. Auch bei der Optik sieht man Saints Row 4 also an, dass es eher Zusatzinhalt als wirklich neues Spiel ist. Das wird es wohl erst mit dem fünften Teil geben, der trotz einer zerstörten Erde immer noch schlüssig wäre.
Warum? Das wollen wir besser nicht verraten. Dafür verraten wir euch unseren Gesamteindruck: Saints Row 4 ist ein gutes Spiel. Nicht mehr, nicht weniger. Dass es nicht besser wegkommt, verdankt es dem heftigen Recycling bekannter Inhalte und Spiel-Elemente sowie dem eher anspruchslosen Gameplay. Dass es nicht schlechter wegkommt, verdankt es seinem irren Humor und der Tatsache, dass es einfach Spaß macht, sich mit den Superkräften und Alien-Waffen so richtig auszutoben. Und auch wenn es ein eher seichter Spaß ist, den Saints Row 4 bietet, so müssen wir dem Titel dennoch Respekt dafür zollen. Deshalb zocken wir ja Spiele: Um Spaß zu haben. Mehr zu Saints Row 4 findet ihr auf unserer Themenseite.
