Ryse sollte Xbox' eigenes Assassin's Creed werden - doch ein Streit ließ die Reihe sterben
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Ryse: Son of Rome sollte offenbar weit mehr werden als ein einmaliges Xbox-Spiel. Crytek plante eine ganze Action-Reihe mit Wikingern, Samurai und deutlich mehr spielerischer Freiheit.
Ryse: Son of Rome ist vor allem für seine bis heute beeindruckende Grafik bekannt. Hinter den Kulissen hat Crytek allerdings deutlich größere Pläne verfolgt: Das Xbox-Spiel sollte eine historische Action-Reihe werden, die euch nach Rom auch zu Wikingern, Samurai und anderen untergegangenen Reichen geführt hätte.
Ryse: Son of Rome sollte Xbox' eigenes Assassin's Creed mit Wikingern und Samurai werden
Der Titel ist 2013 zum Start der Xbox One erschienen und hat euch als römischen Zenturio Marius Titus auf einen Rachefeldzug geschickt. Obwohl die Kampagne nur rund sechs Stunden gedauert hat, hat Ryse (jetzt kaufen / 8,99 € ) mit aufwendigen Animationen, großen Schlachten und einer filmischen Inszenierung überzeugt.
Laut ehemaligen Mitarbeitern hat Crytek wegen des engen Zeitplans jedoch bis zu zwei Drittel der geplanten Inhalte gestrichen. Das Team hat trotzdem fest mit Fortsetzungen gerechnet und Ryse: Son of Rome als Auftakt einer ganzen Marke betrachtet.
Ryse: Son of Rome sollte nach Japan und in die Wikingerzeit führen
Noch während der Fertigstellung des ersten Spiels hat eine kleine Gruppe aus Konzeptkünstlern, historischen Beratern und leitenden Entwicklern mögliche Nachfolger geplant. Patrick Hanenberger, der zuvor bei DreamWorks gearbeitet hatte, sollte dabei als Art Director die visuelle Ausrichtung der gesamten Reihe bestimmen.
Auch Todd Papy, der Regisseur von God of War: Ascension, ist Ende 2013 zu Crytek gewechselt. Ein ehemaliger Mitarbeiter hat bestätigt, dass Papy seine Erfahrung mit historischen Actionspielen in ein neues Ryse-Projekt einbringen sollte.
Besonders konkret sind offenbar die Ideen für ein Spiel über Wikinger gewesen. Die Entwickler haben über Raubzüge entlang der englischen und französischen Küste, Reisen nach Neufundland und Einsätze in Konstantinopel gesprochen, wo Wikinger als Leibwächter byzantinischer Kaiser gedient haben. Peter Gornstein, Art Director und Cinematic Director von Ryse, hat darin eine große Chance gesehen und erklärt gegenüber IGN:
"Es wäre großartig gewesen, einen Teil der Geschichte zu erkunden, über den damals noch viele Menschen kaum etwas wussten."
Zu diesem Zeitpunkt ist die Serie Vikings gerade erst angelaufen. Assassin's Creed Valhalla sollte sogar erst knapp sieben Jahre später erscheinen.
Daneben hat Crytek das feudale Japan als möglichen Schauplatz geprüft. Hanenberger hat sich unter anderem für die gescheiterten Mongoleninvasionen, die Ankunft europäischer Händler und die Bürgerkriege der Sengoku-Zeit interessiert. Auch das Osmanische Reich ist als Epoche im Gespräch gewesen.
Innerhalb des Teams hat es allerdings Zweifel daran gegeben, Rom so schnell zu verlassen. Einige Entwickler haben befürchtet, dass Japan zu weit von den Grundlagen des ersten Spiels entfernt wäre. Als gemeinsames Thema hätte die Reihe deshalb zeigen können, wie große Reiche entstehen, sich verändern und schließlich untergehen.
Die Ryse-Fortsetzungen sollten offener und spielerisch vielseitiger werden
Auch beim Gameplay wollte Crytek auf die Kritik am ersten Teil reagieren. Die Level von Ryse: Son of Rome sind meist wie schmale Korridore aufgebaut und lassen euch nur wenig Freiraum. Die Fortsetzungen sollten deshalb offener werden, ohne direkt auf eine klassische Open World zu setzen. Das geplante Konzept hätte vermutlich dem späteren God of War von 2018 geähnelt: größere Gebiete, mehrere Wege und mehr Möglichkeiten zur Erkundung, aber weiterhin eine klar geführte Geschichte.
Zusätzlich hat das Team über Fahrzeuge, einen echten PvP-Modus und dynamischere Kämpfe nachgedacht. Im fertigen Spiel marschiert ihr stellenweise in einer römischen Schildkrötenformation und wehrt Geschosse per Tastendruck ab. Ursprünglich sollt ihr die Formation jederzeit verlassen, allein kämpfen und anschließend wieder zu euren Soldaten zurückkehren können.
Spätere Teile hätten außerdem bekannte Militärtaktiken anderer Kulturen spielbar gemacht. Dazu gehörten etwa vorgetäuschte Rückzüge berittener Bogenschützen oder japanische Formationen, bei denen eine Verteidigungslinie den Gegner von beiden Seiten einkreist.
Optisch sollte Ryse dagegen seinem Stil treu bleiben und Crytek wollte Geschichte nicht vollkommen realistisch darstellen, sondern so, wie sie auf einen Menschen der damaligen Zeit gewirkt haben könnte. Städte, Festungen und Landschaften sollten euch deshalb bewusst überwältigen. Auch die übernatürlichen Elemente wären geblieben. Götter und mythologische Figuren hätten weiterhin im Hintergrund auf das Geschehen eingewirkt, jeweils angepasst an die Religion und Kultur des Schauplatzes.
Ein Streit mit Microsoft hat weitere Ryse-Spiele verhindert
Microsoft soll von Cryteks Konzept zunächst sehr angetan gewesen sein. Hanenberger erinnert sich:
"Microsoft hat uns gesagt, es sei die geschlossenste und am besten durchdachte Präsentation für eine neue Marke gewesen, die sie je gesehen hätten."
Trotzdem ist kein Nachfolger entstanden, denn Ryse: Son of Rome hat zum Release weder bei den Kritiken noch bei den Verkaufszahlen die Erwartungen erfüllt. Laut den ehemaligen Entwicklern sind die Fortsetzungen zwar nie offiziell eingestellt worden, die Arbeiten sind nach dem ersten Teil jedoch einfach ausgelaufen.
Entscheidend ist schließlich ein Streit um die Markenrechte gewesen, bei dem Microsoft weitere Spiele nur finanzieren wollte, wenn das Unternehmen Ryse vollständig übernehmen würde. Crytek wollte die Rechte dagegen nicht verkaufen und zugleich keine Spiele für eine Marke entwickeln, die einem anderen Konzern gehört.
Damit sind die Pläne für Xbox' mögliche Antwort auf Assassin's Creed gescheitert. Ryse: Son of Rome hat sich dennoch mehr als eine Million Mal verkauft und später eine treue Fangemeinde aufgebaut. Die geplanten Reisen zu Wikingern, Samurai und anderen Reichen sind jedoch nie über Konzepte hinausgekommen.
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