Rustler: Albernes Mittelalter-GTA im Test

Test Paul Albert Philipp Sattler
Rustler: Albernes Mittelalter-GTA im Test
Quelle: Jutsu Games

In Rustler übernehmt ihr die Rolle eines mittelalterlichen Halunken. In dem Spiel von Jutsu Games bereist ihr ganz klassisch in GTA-2-Manier eine archaische Welt. Diese ist gespickt mit Anekdoten aus Monty Pythons Meisterwerk "Ritter der Kokosnuss". Ob ihr dabei von Lachkrämpfen geschüttelt werdet oder euch eher fremdschämen müsst, verraten wir euch in unserem Test.

Rustler aus dem Hause Jutsu Games setzt, wie viele andere Titel auch, auf die klassische Spielmechanik der frühen GTA-Teile, kombiniert diese aber mit dem absurden und oft schwarzen Humor von Monty Python. Ob das Ergebnis aus dieser mutigen Kombination, uns überzeugen konnte oder eher zum Fremdschämen einlädt, klären wir in unserem Test.

Willkommen im etwas anderem Mittelalter

Mit diesem tollen reitbaren Untersatz können wir Taxi-Missionen starten. Quelle: PC Games Mit diesem tollen reitbaren Untersatz können wir Taxi-Missionen starten. Die Handlung von Rustler (jetzt kaufen 18,00 € ), welches zu Beginn der Entwicklung noch als Grand Theft Horse betitelt wurde, spielt in einer vollkommen überzogenen Mittelalterwelt. So gut wie alles, was ihr in Rustler zu sehen bekommt, hat nichts mit dem tatsächlichen Mittelalter zu tun. Die Entwickler haben lediglich das Gerüst eines GTAs genommen und ihm einen Mittelalter-Look verpasst. Straßen mit Ampel und Zebrastreifen - so etwas gab es damals noch nicht, ist aber in der Welt von Rustler nichts Außergewöhnliches. Graffitis an Wänden und Beatboxende Barden sorgen ebenfalls nicht unbedingt dafür, dass das Ganze realistischer wirkt. Ganz im Gegenteil, dass Spiel will sich einfach nicht ernst nehmen. Das ist teilweise witzig, doch an manchen Stellen fehlte uns die Ernsthaftigkeit.

Der echte Gangster

Wie in den meisten GTA-Teilen üblich starten wir auch hier als junger aufstrebender Typ. Wir schlüpfen in die Rolle von Guy und sind wie ein echter Gangster den ganzen Tag am hustlen. In der Praxis heißt das: Wir erledigen Aufträge für zwielichtige Gestalten. Das machen wir, um genügend Geld für einen Adelstitel zusammenzubekommen. Na ja, nicht für einen echten Titel. Wir lassen uns einen fälschen, um damit an einem großen Turnier teilnehmen zu können. Ihr stellt euch bestimmt die Frage was wir davon haben? Nun, der Preis ist heiß und der Gewinner bekommt ein ganzes Königreich geschenkt. Wenn das nicht schon fast zu schön ist, um wahr zu sein...

Money am getten

Der Speer ist die perfekte Waffe zu Pferd. Im Galopp machen wir aus den Wachen Kebab-Spieße. Quelle: PC Games Der Speer ist die perfekte Waffe zu Pferd. Im Galopp machen wir aus den Wachen Kebab-Spieße. Doch um die nötigen Groschen in unsere Tasche fließen zu lassen, müssen wir ähnlich wie in GTA die Drecksarbeit für anrüchige Personen übernehmen. Beispielsweise sorgen wir mit Gewalt dafür, dass die Menschen der Stadt zur Messe in die Kirche gehen. Zur Belohnung bekommen wir dann ein paar Münzen vom Bischof auf die Kralle. Nicht nur der, sondern auch einige andere Person wie der Totengräber halten Aufgaben für uns bereit. Bei Letzterem müssen wir, als Tod verkleidet und mit einer Sense bewaffnet, Banditen in Angst und Schrecken versetzten, damit sie die Menschen eines Dorfes nicht mehr überfallen. Absurder wird es, wenn wir in der Quest danach wahllos Leute töten sollen, damit der Totengräber wieder Arbeit hat. Diese Amoklaufmissionen kennt man bereits aus verschiedenen GTA-Teilen. Spätestens hier sollte klar sein, wer ein realistisches Mittelalter-Spiel sucht, darf nicht zu Rustler greifen. Wer nach einem GTA 2 Klon sucht, dem könnte Rustler gefallen.

"Ich spuck dir in die Augen und blende dich"

Doch kommen wir mal zum eigentlichen Kern des Spiels, dem Gameplay. Das fällt relativ unspektakulär aus. Neben dem Reiten können wir mit unterschiedlichen Waffen wie Schwert, Axt, Speer oder Glefe gegen unsere Widersacher kämpfen. Die Kämpfe sind ziemlich simpel und bieten wenig spielerische Tiefe. Standard-Kampfmechaniken wie leichter und schwerer Schlag sowie Blocken, Parieren und Ausweichen sind natürlich vorhanden. Darüber hinaus bietet das Kampfsystem nicht wirklich viel mehr. Zudem spielt es sich auch etwas hakelig und geht nicht besonders gut von der Hand. Mit Armbrüsten in normaler und automatischer Ausführung können wir ziemlich konsequent gegen andere Recken vorgehen. Das Reiten auf den Pferden ist noch simpler gestrickt, funktioniert dafür aber ganz gut. Leider macht es auf Dauer nicht wirklich Laune, da das Fahren eines Hafermotors nur wenig Abwechslung bietet. Auch wenn es unterschiedlich schnelle Pferde gibt, kam nicht das großartige Gefühl auf, wie wenn wir in GTA mit einem Sportwagen die Straßen unsicher machen. Ebenfalls nicht besonders tiefgreifend ist der Talent-Baum. Der bietet nur langweilige Fähigkeiten, die sich nicht wirklich spürbar auf unseren Charakter auswirken. Ich kann ein Pferd rufen, super. Wer braucht schon so eine Fähigkeit, wenn wir uns überall in der Welt kurzerhand ein Pferd klauen können. Oftmals sind wir in der Unterzahl. Trotzdem sind wir fast unaufhaltsam.  Quelle: PC Games Oftmals sind wir in der Unterzahl. Trotzdem sind wir fast unaufhaltsam. 

Ritter ohne Style

A Als Gevatter Tod sollen wir Banditen das Fürchten lehren.  Quelle: PC Games Als Gevatter Tod sollen wir Banditen das Fürchten lehren.  uch äußerlich lässt sich unseren Charakter kaum umgestalten. Wir tragen bis auf wenige Outfits immer dieselben verranzten Lumpen. Wer von einer strahlenden Rüstung träumt, wird an dieser Stelle bitter enttäuscht. Das höchste der Gefühle, ist ein Kettenhemd, welches das Äquivalent zu GTAs Schutzweste darstellt. Durch das Hemd sehen wir etwas ritterlicher aus. Blöd ist nur, dass es nach zwei Schlägen schon hin ist. Auch die Waffen, die wir kaufen oder finden können, bringen keine signifikanten Veränderungen für das Gameplay. Zudem hat die offene Spielwelt nicht viel zu bieten. Bis auf ein paar Gegenstände am Wegrand und die Quest-Marker, gibt es überhaupt nichts zu entdecken. Die Leute gehen keinen interessanten Tätigkeiten nach und stehen oder reiten leblos durch die Gegend. Anscheint war die Hexeninquisition zudem sehr fleißig, denn in Rustler gibt es bis auf wenige Quest-relevante Frauen so gut wie keine weiblichen Personen auf den Straßen. Das hier so viel interessante und auch wichtige Dinge, die das Leben im Mittelalter charakterisieren fehlen, ist wirklich schade, weil aus diesem Setting hätte sich deutlich mehr herausholen lassen. So aber wirkt die Welt leblos und generisch. Das ist kein Kontrastfehler, sondern ein Drogentrip während einer Mission Quelle: PC Games Das ist kein Kontrastfehler, sondern ein Drogentrip während einer Mission

Leider nur Mittel, Alter.

In allen genannten Punkten hat Rustler einiges an Potenzial liegen lassen und selbst die unterhaltsamen, von Monty Python inspirierten Quests und die witzige Mittelalterszenerie sorgen lediglich für kleine Lacher zwischendurch, machen das Spiel auf Dauer aber nicht besonders unterhaltsam. Spätestens bei der dritten witzigen Quest fragt man sich, ob das Spiel auch noch mehr kann. Spoiler-Alarm: kann es nicht. Das Spiel mit samt Story und Charakteren wird bis zuletzt nicht wirklich spannend oder fesselnd. Wenn ihr allerdings auf ein kurzes unterhaltsames Abenteuer steht, dann ist Rustler vielleicht genau richtig für euch. Alle die mehr Umfang von solch einem Spiel erwarten, sollten ihre Finger davon lassen.

Rustler hat am 31. August den Early-Access verlassen und ist für PC, Nintendo Switch, sowie für Playstation und Xbox Konsolen erhältlich.

Meinung

Wertung zu Rustler (PC)

Wertung:

5.0 /10
Pro & Contra
Monthy Python HumorTeilweise gelungenes Quest-Design
Kämpfe sind langweiligDie Spielwelt ist ziemlich leerKeine wirklichen kosmetischen MöglichkeitenZu wenig MittelalterSchlechtes Speichersystem
Fazit

Rustler zeigt uns ein witziges alternatives Mittelalter. Doch die von Monty Python Humor durchsetzen Quest schaffen es nicht, die simplen Gameplay Mechaniken ebenso wie die fehlende spielerische Motivation wettzumachen.

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