Ride 4 im Test: Realistischer und herausfordender Fahrspaß auf dem Motorrad

Test Stefanie Hartwich Lukas Schmid
Ride 4 im Test: Realistischer und herausfordender Fahrspaß auf dem Motorrad
Quelle: PC Games

Genügend Zeit mit arcadigen Rennspielen verbracht? In Ride 4 können wir mit dem Motorrad wieder den Bestzeiten hinterherjagen. Dabei soll die Rennsimulation laut Entwickler Milestone S.r.l. den Realismus auf eine neue Ebene bringen. Ob das gelungen ist? Wir sind auf die Zweiräder gestiegen und haben das Spiel unter die Lupe genommen.

Langsam vollzieht sich der Jahreszeitenwechsel und viele Motorradfahrer sind dabei, ihre Maschine schon wieder einzulagern. Das ist aber kein Grund, Trübsal zu blasen! Denn mit Ride 4 dürfen wir auf knapp 30 Strecken unser Können unter Beweis stellen. Entwickler Milestone S.r.l. ist mittlerweile Experte in Motorrad-Rennsimulationen, die Italiener sind insbesondere durch die Moto-GP- und MXGP -Reihen bekannt. Ride 4 ist am 8. Oktober für Xbox One, PC und PS4 erschienen. Die kommenden Konsolengenerationen gehen aber nicht leer aus.

Am 21. Januar sollen die PS5 - sowie Xbox-Series-X- Versionen erscheinen. Über ein kostenloses Next-Gen-Upgrade dürfen sich zukünftige Besitzer beider Konsolen freuen. PS4-Spieler können sich bis zum 30. April 2021 die PS5-Edition sichern. Xbox-Series-X-Besitzer lachen sich dabei ins Fäustchen, denn diese können jederzeit das Spiel downloaden.

Der Karrieremodus oder: Fahre niemals über die Streckenbegrenzung!

Der Karrieremodus ist gerade für Anfänger fordernd. Scheitern wir an einer Aufgabe, wird uns das direkt gezeigt. Quelle: PC Games Der Karrieremodus ist gerade für Anfänger fordernd. Scheitern wir an einer Aufgabe, wird uns das direkt gezeigt. Nach einer kurzen Gestaltungsphase unseres Fahrers werden wir direkt auf die Strecke geworfen. Wir sollen ein paar Runden drehen und uns eine der drei Medaillen (Gold, Silber, Bronze) erfahren. Unsere Aufgabe: In einer vorgegebenen Zeit das Ziel erreichen. Leichter gesagt als getan! Denn wir müssen die Kurven nahezu perfekt anfahren und den richtigen Bremspunkt finden. Wir fahren los und fliegen schon in der ersten Kurve raus. Sofort wird uns angezeigt, dass die Runde ungültig ist. Es bleibt erst mal unklar, warum das so ist. Einige Runden später wissen wir, dass die Runde nur zählt, wenn man die ganze Zeit auf der Strecke bleibt. Leider ist es im gesamten Spiel nicht ersichtlich, warum wir Strafen erhalten. So sind wir haarscharf an der weißen Linie vorbeigedüst, trotzdem wertet das Spiel unsere Runde als ungültig.

Nach einigen Versuchen schaffen wir es dann doch, uns eine Medaille zu erspielen. Jetzt können wir endlich die unterschiedlichen Spielmodi erkunden. Wir beginnen mit dem Karrieremodus. Zunächst wählen wir eine der drei Ligen Europa, Asien oder Amerika, aus. Diese können wir danach auch nicht mehr wechseln, die anderen schalten wir erst im Verlauf der Karriere frei. Im Karrieremodus werden uns unterschiedliche Aufgaben gestellt. Diese dürfen wir auf einigen bekannten Strecken erledigen, meist handelt es sich aber nur um kürzere Streckenabschnitte. Einige Aufgaben sind extrem schwer. Das liegt auch daran, dass wir meistens sofort disqualifiziert werden, wenn wir mal wieder die weiße Streckenbegrenzungslinie angekratzt haben. Dann dürfen wir nämlich nochmal das Event neu starten. Und das passiert sehr häufig, denn Fehler erlaubt der Karrieremodus nicht und die Strecken müssen einfach perfekt gefahren werden, um weiterzukommen.
Vor jedem Rennbeginn und -neustart müssen wir die Voreinstellungen bestätigen, dazu gehören die Modifikationen an unserem Motorrad und den Fahrhilfen. Die Einstellungen sind ausreichend und beeinflussen unser Fahrverhalten. Die Voreinstellungen können wir bei einem Neustart nicht überspringen, was nach kurzer Zeit gehörig auf den Senkel geht, wollen wir doch so schnell wie möglich wieder auf die Strecke zurück.

Fahrhilfen? Wer braucht die schon!

Im Karrieremodus müssen wir bestimmte Aufgaben auf den Strecken erledigen - und diese sind extrem herausfordernd. Quelle: PC Games Im Karrieremodus müssen wir bestimmte Aufgaben auf den Strecken erledigen - und diese sind extrem herausfordernd. Die Steuerung fühlt sich schwerfällig an, man merkt sofort, dass es sich nicht um ein arcadiges Rennspiel handelt. Sonderlich einsteigerfreundlich ist das Spiel nicht. Auch wenn es die altbekannten Fahrhilfen wie Bremsunterstützung und Ideallinie gibt, macht dies die Rennsimulation nicht drastisch einfacher. Im Gegenteil, im Karrieremodus ist die Bremsunterstützung sogar ein großer Nachteil. So müssen wir bei vielen Aufgaben durch mit Pylonen abgesteckte Tore mit einer Mindestgeschwindigkeit fahren. Bei einigen Strecken ist dies aber mit der Bremsunterstützung kaum möglich, da die Hilfe einfach viel zu früh eingreift. Wäre ja auch nur halb so schlimm, wenn wir für das Verpassen der Tore oder das Nicht-Erreichen der Mindestgeschwindigkeit nicht jedes Mal eine halbe Strafsekunde kriegen würden ... Auch in den normalen Rennen zeichnet sich die Bremsunterstützung als echter Podiumsplatzkiller aus, viel zu früh wird vor den Kurven abgebremst und beim kleinsten Anzeichen einer Kurve eingegriffen. Dadurch ist es empfehlenswert, sich so schnell wie möglich mit den idealen Bremswegen auf den jeweiligen Strecken vertraut zu machen und die Bremsunterstützung auszuschalten.

Die Fahrhilfen lassen sich bei jedem Rennbeginn umändern. Hier können wir die Bremsen entkoppeln und das automatische Schalten deaktivieren. Quelle: PC Games Die Fahrhilfen lassen sich bei jedem Rennbeginn umändern. Hier können wir die Bremsen entkoppeln und das automatische Schalten deaktivieren. Selbstverständlich kann man alle Fahrhilfen deaktivieren. Außerdem hat die Simulation noch ein paar weitere Einstellungen, die das Fahrverhalten noch realistischer machen. So kann man einstellen, ob man die Vorder- und Hinterradbremse in der Steuerung voneinander trennen will. Die Änderungen in den Einstellungen können auch unsere Boni steigern, die wir am Ende einer Aufgabe oder eines Rennens erhalten. Positiv fällt darüber hinaus auf, dass wir die Tastenbelegung selbst auf den Konsolen ändern können. Was wir zumindest für die PS4 nicht im Spiel selbst deaktivieren können, ist das Leuchtspektakel unseres Controllers während der Fahrt. Die Leuchtleiste wechselt so häufig die Farbe, dass man schon fast das Gefühl kriegen könnte, sich auf der Tanzfläche einer Dorfdisko zu befinden.

Eine gute Idee ist die Rückspulfunktion während eines Rennens. Jeder, der schon mal eine Rennsimulation gefahren hat, kennt das: Man fährt Sektorbestzeiten, bis man durch einen Flüchtigkeitsfehler die Rundenzeit ruiniert. Ähnlich wie zuletzt beim Switch-Arcade-Rennspiel Gear Club Unlimited 2 können wir die Zeit um paar Sekunden zurückdrehen und unsere Fahrfehler korrigieren.

Künstliche Intelligenz nicht sonderlich intelligent

Oops, I did it again! Lösen wir eine Kollision aus und bringen dadurch andere Fahrer zum Stürzen, kriegen wir Strafsekunden aufgebrummt. Quelle: PC Games Oops, I did it again! Lösen wir eine Kollision aus und bringen dadurch andere Fahrer zum Stürzen, kriegen wir Strafsekunden aufgebrummt. Hat man keine Lust auf den Karrieremodus, kann man auch normale Rennen fahren. Hier überlässt uns das Spiel große Freiheiten. Neben der Rundenanzahl und der Streckenauswahl können wir die Wetterbedingungen und die Startzeit ändern. Mit bis zu elf Gegnern beginnen wir auf der Strecke, unsere Startposition können wir in den vorangegangenen Einstellungen ändern. Der Schwierigkeitsgrad hat keinen sonderlich großen Einfluss auf das Fahrverhalten der Gegner. Die KI ist generell in den Kurven schneller, dafür benimmt sie sich auf den Geraden wie ein Sonntagsfahrer. Daher überholen wir die meisten Gegner auf gerader Strecke, als Erster beenden wir aber trotzdem selten das Rennen. Häufig fahren die NPC-Raser gegen andere Gegner und lösen Massenkarambolagen aus, bei denen wir dann auch regelmäßig in Mitleidenschaft gezogen werden.

Sollten wir es nicht schaffen, unsere Konkurrenten auf der Strecke zu überholen, können wir mit ein wenig strategischer Planung bei den Boxenstopps an unseren Gegnern vorbeiziehen. In der rechten unteren Ecke wird uns angezeigt, wie abgenutzt unsere Reifen sind und wie viel Benzin wir noch in unserem Tank haben. Sollten die Prozentwerte ziemlich niedrig sein, muss man in die Box fahren. Schade ist, dass wir keine Ansage bekommen, wann wir einen Stopp einlegen sollten. Wir kriegen nur einen Hinweis in einem kleinen Kasten in der rechten unteren Bildschirmecke. Dieser kommt aber erst, wenn es schon viel zu spät ist. Es kann daher vorkommen, dass bei hitzigen Überholmanövern auf einmal der Motor keine Leistung mehr erbringt und wir mit ca. 60 bis 70 km/h Richtung Box fahren. Die Anzeigen für Reifenqualität und Benzinstand sind ebenfalls am rechten unteren Bildschirm angebracht und etwas klein geraten. Und Überraschung: Auch die KI macht bei den Boxenstopps ihre Fehler. So ist während unseres Tests ein Fahrer mit nahezu leerem Tank an der Boxengasse vorbeigedüst und schlenderte dann im Schneckentempo die Strecke entlang.

Ride 4 (jetzt kaufen 33,85 € ) verfügt auch über einen Multiplayer-Modus, zum Testzeitpunkt konnten wir diesen jedoch noch nicht ausprobieren. Mit dem Verkaufsstart sollten jedoch alle Spieler auf diesen zugreifen können. Ein lokaler Mehrspieler ist nicht vorhanden.

Große Motorradauswahl, gestalterische Freiheit im Editor

Im Editor können wir neben unseren Helmen auch unser Motorrad umdesignen. Quelle: PC Games Im Editor können wir neben unseren Helmen auch unser Motorrad umdesignen. Ride 4 hat ein großes Arsenal an Motorrädern aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Unter den Bikes finden wir bekannte Marken wie Yamaha, Harley Davidson und Ducati. Insgesamt warten über 170 digitale Motorräder darauf, von uns gefahren zu werden. Die Motorräder sind nicht von Anfang an nutzbar, wir müssen sie entweder im Karriereverlauf freischalten oder im Menü beim Händler kaufen. Das Geld dafür kriegen wir übrigens am Ende jedes Rennens oder jeder Karriereaufgabe. Das erspielte Geld können wir aber nicht nur in motorisierte Zweiräder investieren. Neben neuen Klamotten und Helmen für unseren Fahrer können wir unsere Motorräder mit genügend Ache modifizieren.

Gefällt uns das Design unseres Motorrads nicht, können wir im Editor selbst Hand anlegen und unsere Schätzchen umgestalten. Neben der Lackierung unseres Zweirads können wir auch Sticker an einigen Stellen anbringen. Die Auswahl an Stickern ist groß, sodass jeder fündig werden sollte. Das Gleiche gilt übrigens für unsere Helme und Rennanzüge.

Was bleibt also von Ride 4 hängen? Ganz schön viel Frustration, weil es unklare Anforderungen an uns stellt und die KI zu wünschen übrig lässt. Dafür trumpft das Spiel aber mit einer Vielzahl von Motorrädern und Strecken auf und gibt uns die Möglichkeit, unsere Zweiräder selbst zu gestalten. Wer auf Realismus steht, wird wohl auf seine Kosten kommen, Fahranfänger sollten lieber die Finger von Ride 4 lassen.

Meinung & Wertung

Meinung

Wertung zu Ride 4 (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Ride 4 (PS4)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Ride 4 (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Extrem herausforderndKurze LadezeitenTastenbelegung änderbarIndividualisierungsmöglichkeiten an der MotorradmechanikVielfältige designtechnische Anpassungsmöglichkeiten des MotorradsZahlreiche Bikes, auch von bekannten MarkenWettervariabilitätSpiel verzeiht keine Fehler ...
... daher leider nicht für Einsteiger geeignetKeine schnellen Neustarts möglichDas Strafsystem ist überhaupt nicht nachvollziehbarAktivierte Fahrhilfen ruinieren PodiumsplätzeKI ist leider nicht sonderlich intelligentDie Leuchtleiste des PS4-Controllers wechselt permanent die Farbe (PS4)
Fazit

Für Simulationsfans geeignet, die eine Herausforderung suchen. Einsteiger sollten sofort die Flucht ergreifen.

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