Import-Test: Resident Evil 4

Test Heinrich Lenhardt

Der Morgenstern könnte euch ernsthaften Schaden zufügen. Schaltet den Gegner besser schnell aus. Der Morgenstern könnte euch ernsthaften Schaden zufügen. Schaltet den Gegner besser schnell aus. Klotzen, nicht kleckern - so lautete wohl die Devise von Capcom bei der Entwicklung von Resident Evil 4. Capcom verpasste dem angestaubten Gameplay der vorangegangenen Teile eine erfreuliche Frischzellenkur. Die mit High-End-PCs vorgerenderten Zwischensequenzen und Räume wichen einer beeindruckenden Echtzeit-Grafik-Engine. Die bombastisch präsentierten Zwischensequenzen laufen in Spielgrafik und sehen dabei trotzdem hervorragend aus. Sie sind rasant geschnitten und glänzen mit Zeitlupeneffekten und Unschärfen wie aus einem Hollywoodfilm. Die Charaktermodelle sind unglaublich detailliert, kein bisschen kantig und verfügen über eine ausgefeilte Gesichtsmimik. Die Mundwinkel bewegen sich synchron zu den Stimmen. Die eigentliche Spielgrafik steht dem in nichts nach. Exzellente Lichteffekte, wabernder Nebel, eine der besten Wasserdarstellungen auf dem GameCube, ein flüssiger Bildaufbau sowie abwechslungsreiche und enorm detaillierte Schauplätze katapultieren Resident Evil 4 gemeinsam mit Metroid Prime 2: Echoes an die Spitze der GC-Grafikcharts. Hinzu kommt, dass das ganze Spiel wie aus einem Guss wirkt, da es keinen Stilbruch zwischen Videos und Spielgrafik gibt. Die Akustik ist gleichermaßen hervorragend. Realistische Soundeffekte wie das Krächzen von Krähen, das Hauchen des Windes oder Wassergeplätscher tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Auch die Musik wird geschickt zum Spannungsaufbau eingesetzt. So begleiten euch in einigen Abschnitten nur die Soundeffekte, bis plötzlich die Musik einsetzt, wenn Feinde in der Nähe sind. Die Stimmen der Synchronsprecher passen wie die Faust aufs Auge und die Geräusche der zahlreichen Kreaturen jagen euch einen Schauer über den Rücken. Wer eine Dolby-Pro-Logic-II-Anlage sein Eigen nennt, sollte diese für Resident Evil 4 unbedingt an den GameCube anschließen, denn die Qualität ist wirklich exzellent.

Schockierend
Capcom hat auch das eigentliche Gameplay überarbeitet. So betrachtet ihr das Spielgeschehen neuerdings aus einer dynamischen, direkt hinter dem Spielcharakter positionierten Kameraperspektive anstatt wie bei den meisten Vorgängern aus starren, vorgegebenen Kamerawinkeln. Der Vorteil ist, dass man sich dadurch mehr in das Geschehen einbezogen fühlt, da man das Gefühl hat, direkt neben dem Spielcharakter zu stehen. Außerdem gibt es nun keine unfairen Situationen mehr wie früher, wenn ein Gegner genau zwischen zwei Kamerawinkeln positioniert war. Die Steuerung hat sich im Vergleich zu den Vorgängern nicht entscheidend geändert. Mit dem Analogstick steuert ihr Leon, der B-Knopf dient zum Rennen, A zum Feuern und Ausführen von Aktionen, mit Y ruft ihr das Inventar auf, mit R zielt ihr und mit L zückt ihr das Messer, um Kisten oder Fässer zu zerstören und nach Extras zu durchsuchen. Zwar wurde die Steuerung bei den vorangegangenen Teilen kritisiert, aufgrund des veränderten Blickwinkels passt sie aber perfekt zu Resident Evil 4. Neu ist, dass ihr mit dem A-Knopf situationsabhängig reagieren könnt. So könnt ihr beispielsweise Ashley aus einer Falle befreien oder Leitern umstoßen, die Gegner an Häuser gestellt haben, um durch die Fenster das Gebäude zu entern. Wie wir bereits mehrmals berichtet haben, wurde das Gameplay deutlich actionreicher gestaltet. Das Spiel läuft wesentlich schneller ab und man bekommt erheblich mehr Gegner vor die Flinte. Da die Umbrella-Corporation in Resident Evil 4 nicht mehr existiert, gibt es nun keine Zombies mehr. Allerdings ist etwas anderes Schreckliches mit den Bewohnern des Dorfes passiert, in dem ihr die Präsidententochter sucht. Was das ist, werden wir jedoch nicht verraten - allerdings verhalten sich einige Feinde ähnlich wie Zombies. Besonders intelligent sind sie nicht, sie weichen aber gelegentlich euren Schüssen aus, schmeißen mit Sensen nach euch oder attackieren euch mit Armbrüsten oder Granaten. Einzelne Gegner stellen selten eine Gefahr dar, meist tauchen die Feinde aber in Rudeln auf - spektakuläre Massenschlachten stehen auf der Tagesordnung. Glücklicherweise hinterlassen vernichtete Gegner Munition, Gold, Kräuter und wichtige Gegenstände. Während die Kräuter dieselbe heilende Funktion wie in den Vorgängern besitzen, benötigt ihr das neu hinzugekommene Gold, um euch bei Waffenhändlern mit der richtigen Ausstattung einzudecken. Neben verschiedenen Handfeuerwaffen erhaltet ihr hier auch Sniper-Gewehre, Schrotflinten sowie Minen- oder Raketenwerfer. Beim Waffenhändler könnt ihr zudem bereits gekaufte Ware aufrüsten. Anders als bei den bisherigen Resident Evil-Spielen krebst ihr bei Resident Evil 4 nicht immer mit einem Minimum an Munition herum. Zwar müsst ihr eure Waffen taktisch einsetzen, sodass ihr für die großen Gegner auch noch Munition für großkalibrige Waffen habt, allerdings habt ihr meist genauso viel Munition, dass es Spaß macht, zu spielen. Unterhaltsam sind vor allem die zahlreichen Bosskämpfe, bei denen ihr es mit teilweise gigantischen Kreaturen aufnehmt, die ihr immer mit einer bestimmten Taktik besiegen müsst. Hier besticht nicht nur die grafische Gestaltung der Monster, sondern auch die beeindruckende Präsentation und der stets flüssige Grafikaufbau.

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