Republique: ​Test der kompletten PS4-Adaption des Schleichabenteuers von Indie-Entwickler Camouflaj

Test Stefan Weiß
Hauptfigur Hope ist in ihrer dystopischen Welt namens Metamorphosis eine Gefangene mit der Nummer 390-H. Nur per Kamera, Handy oder Computer kann sie mit euch kommunizieren.
Quelle: PC Games

République wurde 2012 von Indie-Entwickler Camouflaj per Kickstarter ins Leben gerufen. Zunächst für iOS-Geräte entwickelt und im Episodenformat veröffentlicht, konvertierte man das Schleichspiel als "Remastered" für den PC. Jetzt ist auch die PS4-Version fertig, die alle 5 Episoden umfasst. Wir haben die Boxed-Version komplett durchgespielt und zeigen euch Stärken und Schwächen des Spiels im Test.

Sie ist hilflos und ihre Augen flehen uns um Hilfe an, ihre Stimme ein ängstliches Flüstern. Hauptfigur Hope lebt in der unterirdischen Anlage namens Metamorphosis, gegründet und aufgebaut von Dr. Trezlagov. Der Knabe hat sich in den Kopf gesetzt, mit seiner Privatarmee, den "Prizrak", die Welt zu kontrollieren. Um das zu erreichen, erschuf er die Supercomputeranlage Terminus und experimentiert mit genetisch veränderten Menschen, den Pre-Cals herum. Wer sich widersetzt, dessen Verstand wird gelöscht, rekalibriert. Genau das steht Hope bevor, die sich schuldig gemacht hat, verbotene Bücher zu lesen. Die Story in République ist Dystopie pur und fühlt sich wie eine Mischung aus George Orwells 1984 und der Bioshock-Reihe an.

République: Durch die Linse geguckt

Bei etlichen Szenen leiden wir mit Hope regelrecht mit. Etwa, wenn wir per Kamera einem brutalen Verhör beiwohnen müssen, ohne eine Chance zu haben, das arme Ding davor zu bewahren. Quelle: PC Games République (PS4): Bei etlichen Szenen leiden wir mit Hope regelrecht mit. Etwa, wenn wir per Kamera einem brutalen Verhör beiwohnen müssen, ohne eine Chance zu haben, das arme Ding davor zu bewahren. Hopes Geschichte erlebt ihr auf ungewöhnliche Art und Weise. Durch die Kamera ihres Smartphones bekommt ihr Zugriff auf das Überwachungs-Netz in Metamorphosis. So seid ihr in der Lage, die Spielwelt durch Linsen und Bildschirme der zahlreichen Überwachungsapparate zu erkunden. Die Kameras dreht ihr dabei mit dem rechten Stick des Gamepads. Vom jeweiligen Standpunkt aus lassen sich je nach gewähltem Blickwinkel weitere Geräte erreichen. Aber ihr könnt das nur in bestimmter Entfernung von Hope tun. Wenn ihr zu weit weg seid, ist die Verbindung irgendwann zu schwach. Die Verbindungsanzeige ist stets am Bildschirm zu sehen, zudem verschwindet die Grafik bei zu hoher Entfernung im grau-schwarzen Signalrauschen. Daher gilt es, Protagonistin Hope stets mit dem linken Stick durch die engen Korridore zu scheuchen. Durch das Wechselspiel zwischen Kamera- und Heldensteuerung entsteht schnell eine spannende Atmosphäre, da ihr die Levels so Stück für Stück erkundet.
Mithilfe der Spezialansicht Omniview seid ihr in der Lage, verschiedene Puzzles und Aufgaben im Spiel zu lösen. Schwere Kopfnüsse sind dabei aber nicht enthalten. Quelle: PC Games République (PS4): Mithilfe der Spezialansicht Omniview seid ihr in der Lage, verschiedene Puzzles und Aufgaben im Spiel zu lösen. Schwere Kopfnüsse sind dabei aber nicht enthalten.

Was ist der Sinn des Ganzen?

Das Hauptziel besteht darin, Hope die Flucht aus Metamorphosis zu ermöglichen. Um das zu erreichen, müsst ihr gegnerische Wachen austricksen, jede Menge Infos sammeln und etliche, meist faire Rätsel lösen. Dies geschieht hauptsächlich mit einer Spezialansicht der Kamera, dem so genannten Omniview. In diesem Modus scannt ihr Objekte, hört Telefone ab, hackt Schlösser, lenkt Wachen ab. Da Hope nur bedingt kämpfen kann, steht Schleichen im Mittelpunkt. Lediglich mit Pfefferspray und Tasern, die ihr hier und da findet, lassen sich Gegner kurzzeitig ausschalten. Wenn Hope erwischt wird, geht's zur nächstgelegenen Zelle. Von dort brecht ihr dann wieder aus und versucht es einfach weiter. Schade, dadurch fällt die anfängliche Bedrohung durch die Wachen ziemlich weg.

Dafür entwickelt sich die Story ganz ordentlich. Dank zahlreicher Audio-Files bekommt ihr Stück für Stück heraus, was es mit der Anlage so auf sich hat, wer Hope eigentlich ist und was hinter Dr. Trezlagov, den Prizrak und der mysteriösen "Ankunft" steckt, von der Trezlagov dauernd spricht. Die guten englischen Sprecher sorgen für die passende Stimmung. Einen Level möglichst komplett zu erforschen, zahlt sich aus. Denn jede gesammelte Information lässt sich an einem speziellen Terminal an einen geheimen Daten-Händler verkaufen. Von der Kohle leistet ihr euch dann nützliche Upgrades für den Omniview-Modus. So lassen sich etwa Standorte der Wachen aufzeigen, praktisch.

République: Inhaltlich spannend, aber die Steuerung nervt

So schön sich die ganze Sache liest und sich auch im Prinzip spielt, gibt's da einen Haken: Die Steuerung der Kameras, die uns beim Test fast an den Rand des Wahnsinns brachte! Bei fast jedem Kamerawechsel muss man eine Ladezeit in Kauf nehmen. Die ist oft kurz, manchmal auch länger, nervt aber deshalb so penetrant, weil das Spielen mit dem Blickwinkel ein zentrales Element in République darstellt. Wenn ihr Hope durch die Levels bewegt, kommt es oft zu abrupten Kamerasprüngen aus völlig anderen Winkeln, was verwirrt und dazu zwingt, ständig das Kartenmenü aufzurufen.
Welche Pläne Antagonist Dr. Trezlagov verfolgt, das findet ihr Stück für Stück in den fünf Episoden von République heraus. Quelle: PC Games République (PS4): Welche Pläne Antagonist Dr. Trezlagov verfolgt, das findet ihr Stück für Stück in den fünf Episoden von République heraus. Dafür gefallen uns Grafik, Wettereffekte und Beleuchtung der Spielwelt ganz gut, vor allem die schick gestaltete Bibliothek, der düstere Terminuskomplex oder auch das Friedhoflabyrinth in Episode 4 überzeugen. Doof: Ein Bug sorgte dafür, dass Dialogtexte im vorletzten Abschnitt plötzlich spanisch statt deutsch dargestellt wurden. Zum Glück setzte sich dieser Fehler in der fünften und letzten Episode nicht fort. Die Erzählung im finalen Abschnitt leistet sich sowohl schöne Überraschungen als auch ein paar höchst seltsam esotherisch anmutende Schnitzer und beantwortet leider nicht alle Fragen, die sich uns im Verlauf der Handlung bezüglich Hope gestellt haben. Als Erscheinungstermin für Europa steht der 26. März 2016 fest, der Verkaufspreis für République liegt knapp 30 €, die USK-Freigabe ist ab 12 Jahren.

Hinweis: Weitere Details zum Gameplay, die wir schon im Test der PC-Fassung der Episoden 1 bis 3 beleuchtet haben, gelten auch für die PS4-Version weiterhin. Unterm Strich ist es sowohl auf dem PC als auch in der PS4-Version die Inszenierung von Hopes Fluchtgeschichte, die uns bei Laune gehalten hat.

Wertung zu Republique (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Stimmungsvolles Dystopie-SettingGlaubhafte, toll vertonte HauptfigurKreatives Gameplay und faire RätselAbwechslungsreiches Gameplay möglichDezenter und passender SoundtrackViel Sammel-Content enthalten
Kamera- und Ladekatastrophe (PS4)Bedrohung durch die Wachen geht mit der Zeit flötenFehler bei der KI-LeistungKleine Interaktionsobjekte nur schwer erkennbarNur ein Speicherstand pro Episode möglichLevelprogression trotz spielerischer Freiheit recht linear gestricktKeine deutsche Sprachausgabe
Fazit

Trotz der Macken, insbesondere bei den Kamerwachseln und den Ladepausen, machte uns République aufgrund der Geschichte und des Hauptcharakters "Hope" Spaß, es bis zum Ende durchzuspielen.

Meinung

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk